Donnerstag, 21. November 2013

Eine Herausforderung

…und noch ein Folgeauftrag.
 
Die Besprechung mit meiner Herrin am gestrigen Morgen über den von dem neuen Rekruten erhaltenen Nähauftrag bescherte mir nun doch eine Menge Arbeit, da die Entscheidung meiner Herrin anders ausfiel als erwartet. Kurz vor dem Einschlafen hatte ich mir nämlich noch überlegt, dass es sicherlich nicht so gut aussieht, wenn eine Kajira der heimsteinangehörigen Schneiderin und Gefährtin des Hauptmanns Konkurrenz im Nähen macht. Doch da die Herrin nun schon seit einiger Zeit verreist ist und der Krieger sicherlich nicht ewig auf sein neues Oberteil warten will, komme ich wohl tatsächlich nicht drum herum, meine Nähfähigkeiten unter Beweis zu stellen, was aber eigentlich auch kein Problem darstellen dürfte. Solch ein einfaches Männeroberteil ist ja nicht so kompliziert wie ein Kleid für meine Herrin.
 
Außerdem meinte meine Herrin, dass ich mich bei meinen Tuniken ja auch nicht ganz dösig anstelle, selbst wenn die eine oder andere dann nach ihren Maßstäben doch etwas zu knapp ausgefallen ist. Wobei ich diese kleinen Schönheitsfehler immer ganz gut mit meinen langen Haaren kaschieren kann… wie gut, dass der Rarius auch lange Haare hat. Dann also mal heran an diese ehrenvolle Aufgabe, über die ich mich ehrlich gesagt natürlich auch freue, da sie in meinen Augen doch ein wenig ahnen lässt, dass der Herr mir wohl ein wenig zugetan sein muss. Etwas bange bin ich zwar, ob ich das Teil tatsächlich zu seiner vollsten Zufriedenheit hinbekommen werde, aber bei meinen früheren Herren hatte sowas eigentlich auch immer geklappt.
 
Da meine Herrin gestern gesundheitlich immer noch nicht auf der Höhe war, sauste ich mal wieder alleine in die Stadt, um mich als erstes um die Beschaffung des Stoffes zu kümmern. Ich hatte Glück, dass Shanis Platz neben ihrem Herrn leer war, weil sie einen der Krieger bediente, sodass ich den Händler gleich danach fragen konnte, wann er oder seine Kajira denn Zeit für mich hätten. Toll, es klappte super, denn Shani war kurz danach fertig mit dem Servieren. Allerdings wurde meine Stoffbeschaffung noch kurz von einer Feuerwarnung unterbrochen, die sich aber glücklicherweise als Fehlalarm oder eigentlich als Hirngespinst herausstellte.
 
Einer der Krieger muss vom anstrengenden Waffentraining wohl so benusselt gewesen sein, dass er den unter der Tür des Badehauses hervorquellenden Wasserdampf nicht vom Rauch eines Feuers unterscheiden konnte. Mir kam natürlich sofort der Gedanke, dass ihm die vor kurzem vom Bohnenverzehr stammenden, äußerst üblen Gase wahrscheinlich das Hirn zersetzt oder zumindest dauerhaft vernebelt hatten, doch irgendjemand meinte, der Spaßvogel hatte mit seinem Feueralarm bestimmt bloß erreichen wollen, dass die badenden Herrinnen voller Panik nackig aus dem Badehaus gelaufen kamen… was sie aber natürlich nicht taten!
 
Die kurze Beratung mit Shani im Kontor ihres Herrn bestätigte mir übrigens, dass ich mit meiner Schätzung von vier Ah-il genau richtig lag, denn sie empfahl mir die gleiche Stoffmenge, sodass ich nach einem kurzen Tratsch mit ihr über die Aussicht, dass sich möglicherweise ein neuer Schmied in Jorts niederlassen will, mit dem roten Kriegerstoff von dannen ziehen konnte. Diese Neuigkeit wollte ich natürlich meiner Herrin gleich erzählen. Doch ich hatte Pech, sie schlief bereits als ich nach Hause kam, sodass ich mich leise wieder aus dem Staub machte, um sie nicht zu stören.
 
Auch wenn der Hauptmann zwischenzeitlich anscheinend einige der angeschwemmten Reisekajirae entsorgt hatte, waren in der Herberge alle Herrschaften bereits bestens mit Getränken versorgt worden, sodass ich darüber nachdachte, ob ich mich nicht zurückziehen sollte. Doch ich hatte diesen Gedanken noch gar nicht zu Ende gedacht, als der neue Krieger mir durch einen eindeutigen Fingerzeig zu verstehen gab, dass er mich neben sich wünschte… eine Aufforderung, der ich nur zu gerne nachkam. Ich versuchte mich natürlich von meiner besten Seite zu zeigen und hüllte mich daher wohlerzogen erst einmal gekonnt in Schweigen, um das Gespräch des Herrn mit dem Händler und der Bäckerin nicht zu stören, denn die Schreiberin hatte sich bereits zurück gezogen.
 
Erst als der Krieger etwas von muffigen Gerüchen in seinem Haus erzählte, die er mit Kräutern zu bekämpfen gedachte, wagte ich ihm den Vorschlag zu machen, es vielleicht mal mit dem Öffnen von Fenstern zu versuchen, denn die Luft von Jorts ist ja sehr gut und Durchzug kann ja Wunder wirken. Komischerweise teilte er mir daraufhin mit, dass er auf diese wie ich finde einfache Lösung gar nicht gekommen war, schmunzelte allerdings dabei. Aha, er wollte sich anscheinend lustig über mich machen, wurde dann aber wieder ernst und erzählte mir, dass seine Möbel eine ganze Weile eingelagert gewesen waren und jetzt anscheinend die reinigenden Hände einer Kajira brauchen, um vom Staub befreit zu werden.
 
Ich gestehe, irgendwie hatte ich ein wenig darauf gehofft, dass seine Wahl dabei auf mich fallen würde, denn er hatte sich von meiner Herrin ja bereits am Vortag die Genehmigung geholt, dass ich ihm zur Hand gehen darf, wenn sie mich nicht benötigt. Und so war es tatsächlich. Obwohl eine der Stadtkettensklavinnen zur Verfügung stand, fiel seine Wahl auf mich… ich bekam also die Ehre eines Folgeauftrags! ;-)

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