Montag, 18. November 2013

Ende mit Schrecken

…oder doch Schrecken ohne Ende?
 
Nachdem ich mich früh am gestrigen Morgen geschmeidig wie eine Gianni aus den starken Armen des laut schnarchenden Kriegers gewunden hatte, um ihn nicht aufzuwecken, nahm ich erst einmal ein erfrischendes Bad im Vosk. Leider ist die Jahreszeit in Jorts inzwischen so weit vorangeschritten, dass die Temperaturen nur ein kurzes Schwimmvergnügen erlauben. Wobei ich sowieso nicht mehr lange im Wasser bleibe, da ich inzwischen viel zu viel Schiss vor irgendwelchen gefährlichen Tieren habe, auf deren Speiseplan ich nicht stehen möchte.
 
Meine Arbeiten und Pflichten im Haus meiner Herrin waren recht schnell erledigt und alles für ihre Rückkehr vorbereitet, sodass ich wie immer in die Stadt trödelte, um mich dort noch ein bisschen nützlich zu machen. Innen vor der Haustür fand ich vor dem Verlassen des Hauses merkwürdigerweise einen Kupfertarsk, der dort am Vortag noch nicht gelegen hatte und daher nicht aus ihrem Geldbeutel herausgefallen sein konnte, da meine Herrin ja schon zwei Tage auf ihrem Landsitz weilte. Draußen entdeckte ich dann noch eine eigenartige in den Boden geritzte Zeichnung, aus der ich jedoch nicht ganz schlau geworden bin. Sie stellte eine Art Vogel mit geringeltem Gefieder dar, an dessen Fuß anscheinend ein Eimer hing. Zusätzlich waren noch Pfeile in verschiedene Richtungen angegeben und ich glaube ein muskelbepackter Herr dargestellt… aber vielleicht ging da auch meine rotseidene Phantasie schon wieder mit mir durch.
 
Leider wagte ich bei meiner Ankunft in der Herberge nicht gleich den beiden anwesenden Kajirae Fragen zu den Kritzeleien im Boden zu stellen, denn Freie würden bestimmt keine Zeichnungen vor die Haustür meiner Herrin in den Boden ritzen. Leider waren die beiden jedoch fleißig mit Servieren beschäftigt, denn die Terrasse war bereits gut besucht und es strömten noch weitere Freie zu diesem beliebten Treffpunkt. Da der Herr von Nini sich die Kurt des Hauptmanns auslieh und dann mit ihr verschwand, bekam ich sogar reichlich zu tun, denn nun hatte ich mal wieder das Ganze. Mich hätte ja sehr interessiert, worum es bei der Strafe von Nini ging, doch das bekam ich leider nicht mit, weil ich zwischendurch so oft in der Küche zu tun hatte.
 
Außerdem muss ich auch gestehen, dass ich die Gespräche am Tisch auch nur mit halbem Ohr verfolgte. Die unbelehrbare Bäckerin, die sich seit einigen Tagen mächtig ins Zeug legt, um sich endgültig um ihren Kopf und noch mehr in einen Kragen zu reden, wollte nun anscheinend sogar einen Rechtsstreit anzetteln, obwohl ich denke, dass der Sattler ihr ein überaus faires Kompromissangebot wegen der geplatzten Gefährtenschaft gemacht hat. Aber was soll’s, ich muss nicht verstehen, was in dem Kopf dieser Freien vor sich geht, die sich permanent erdreistet, Männer öffentlich zu beleidigen und dies auch noch als ihr gutes Recht ansieht. Ohne den Schutz des Heimsteins von Jorts, allerdings mit dem der Gastfreundschaft, wagte sie nun sogar auch noch den Rat zu beleidigen. Ich denke, diese Frau hat nicht nur Haare auf den Zähnen, wie der Hauptmann immer sagt, sondern auch eine große Portion Watte im Kopf… aber das sage ich natürlich nicht laut.
 
 
Wie gut, dass die Streitsüchtige alsbald wieder von dannen gerauscht ist, sodass der Schrecken zumindest vorerst ein Ende hatte. Alle Herrschaften atmeten nach ihrem lautstarken Abgang sichtlich auf und widmeten sich friedlicheren Themen. Wobei ich gestehen muss, dass die überzogenen Übernachtungspreise, erhöhten Blackwinepreise und Wucherpreise für unausgebildete Kajirae und irgendwelche Kriegerallüren… ähhmmm, Kriegerideen wollte ich natürlich sagen… nichts waren im Vergleich zu den Ablenkungen, die mir die beiden Herren neben mir in Form von diversen Knuffs und anderen Berührungen zukommen ließen, während sie ausgiebig ihrem Paga frönten, sodass ich mehrfach die Luft aus ihren Trinkgefäßen herauslassen musste… was mir natürlich bei diesen beiden Herren immer eine wirklich große Ehre und Freude ist.
 
Am Ende des Abends galt meine Aufmerksamkeit dann jedoch besonders dem erst recht spät von seiner Wache zurückgekehrten Krieger. Er war nämlich ziemlich ungehalten darüber, dass ich ihm am Morgen nicht beim Ankleiden geholfen hatte. Ich befürchte nur, dann wäre er wahrscheinlich zu spät zur Wache erschienen. ;-))

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