Mittwoch, 6. November 2013

Entwöhnung

 
Irgendwie kam es mir ganz gelegen, dass der Hauptmann weder auf der Terrasse zu entdecken war, noch die Pflastersteine auf dem Marktplatz festtrat. Natürlich lag es mir total fern, ihm aus dem Weg gehen zu wollen, denn eigentlich mag ich diesen brummeligen Kopfpatscher ja. Nein, nachdem ich die letzte Nacht mal wieder im Haus meiner Herrin verbracht hatte, war mir am Morgen in den Sinn gekommen, dass dies wohl eine ganz gute Entscheidung gewesen war. Der Komfort ihres schönen weichen Schlaffells ist mit dem harten Boden des eher unbequemen Sklavenkäfigs im Haus des Hauptmanns selbstverständlich nicht zu vergleichen, aber darum ging es mir auch gar nicht. Ich bin wirklich nicht besonders ängstlich, doch nun bekam ich Angst, mich zu sehr daran zu gewöhnen, nicht alleine zu sein, wenn meine Herrin auf Reisen ist. Gerade erst am Vortag ist mir ja sehr deutlich gemacht worden, dass ich es bin, wenn meine Herrin nicht in Jorts ist. Da ich natürlich weiß, bei welchen Herrschaften ich notfalls Hilfe erhalten kann, ist dies aber auch kein Problem für mich… solange ich mich nicht zu sehr an jemanden gewöhne. Leider bestand diese Gefahr wohl ein klitzekleines bisschen.
 
Doch nun hatte ich den Boden der Tatsachen zurückerlangt, war guter Dinge und freute mich, mich auf der Terrasse ein wenig nützlich machen zu dürfen. Der Haussegen zwischen dem Lederarbeiter und der Bäckerin hing anscheinend schon wieder schief, denn der Herr legte gerade sämtliche Planungen für das Fest zur Vertragsunterzeichnung seiner Gefährtenschaft auf Eis und trank seinen Paga offensichtlich aus medizinischen Gründen, nämlich zur Nervenberuhigung... naja, wen wundert's?  Dabei waren die Vorbereitungen gestern von seiner zänkischen Fastgefährtin noch so forciert betrieben worden, dass in mir schon Gedanken aufkeimten, ob womöglich Eile angesagt war, weil die Herrin sich vergefährten MUSSTE? Wie gut, dass es mir tatsächlich gelang, darüber nicht laut nachzudenken und mir diese Gedanken wohl auch nicht ins Gesicht geschrieben waren. Wer weiß, was die eh schon so schlecht auf mich zu sprechende Bäckerin dann mit mir gemacht hätte. Es ist zu befürchten, dass die Erholung meiner Herrin von mir sowieso auf einen Schlag weg ist, wenn sie die Beschwerdeliste dieser Freien erhält.
 
Als meine Dienste zwischendurch nicht benötigt wurden, huschte ich schnell zum Haus der Sängerin hinüber, um ihr auftragsgemäß etwas zu essen zu bringen. Wie nicht anders zu erwarten, hatte sie natürlich schon wieder Besuch von dem gutaussehenden Bootsbauer und machte dem Herrn in ihren vier Wänden schöne Augen. Wobei er mir bereitwillig erzählte, dass er an diesem Tag sogar schon am Schiff gewesen war, da es ja schließlich fertig werden soll. Eigentlich logisch, dass mir die Idee kam, wenn er sich damit etwas mehr Zeit ließe, könne er noch etwas länger in Jorts bleiben. Irgendwie muss ich mich dann auf seine Vermutung, mir würde sein längerer Aufenthalt wohl ganz gut passen, offensichtlich falsch ausgedrückt haben und kassierte einen sehr strafenden Blick der Herrin. Dabei hatte ich nur ehrlich geantwortet, dass er wirklich gut aussieht, aber leider immer nur Augen für die Sängerin hat. Außerdem hatte der Bootsbauer mich doch gefragt… warum war ihm meine ehrliche Antwort dann zu forsch und warum meinte die Herrin, ich hätte mich mit einer Freien verglichen?
 
Einen solchen Vergleich würde ich selbstverständlich nie wagen… aber ich muss auch nicht alles verstehen, was im Kopf einer freien Frau vorgeht und bin mir übrigens auch nicht sicher, ob sich meine sehr auf ihren Ruf bedachte Herrin überhaupt und vor allem so oft mit einem Mann alleine treffen würde. Das alles hat eine Sklavin aber natürlich nichts anzugehen. Ihr steht auch kein Urteil darüber zu, wie schicklich es ist, gemeinsam mit dem Bootsbauer in den Norden zu reisen. Die singende Herrin hat es wohl tatsächlich geschafft, ihn komplett um ihren Finger zu wickeln und liegt damit voll im derzeitigen Trend der vielen sich an- oder auch abbahnenden Gefährtenschaften. Bei dem Lederarbeiter sah es ja wie gesagt zumindest gestern wohl wieder schlechter aus, wobei das bei seiner Auserwählten offensichtlich nichts zu sagen hat. Ach ja, auch der Händler war kurzfristig mal auf Freiersfüßen, ist aber nach diesem Irrtum sehr schnell in die Zweisamkeit mit seiner Sklavin zurückgekehrt.
 
Übrigens… der Hauptmann schießt in allem absolut den Vogel ab. Er hat nämlich inzwischen schon seine dritte Gefährtin, bekommt demnächst sogar Nachwuchs im Doppelpack und besitzt seit gestern zwei Kajirae. Auch wenn ich mich sehr darüber gefreut habe, ihm zu später Ahn noch eine Tinktur gegen seinen Muskelkater einmassieren zu dürfen und besonders über sein Angebot, erneut bei ihm zu übernachten, war meine Entscheidung mich zu entwöhnen, wohl ganz richtig gewesen, denn sein Sklavenkäfig ist schon für mich alleine ziemlich eng und vor allem zu kurz! ;-)))

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