Samstag, 2. November 2013

Fettnäpfchen und Ärger

Ehrlich gesagt trieb es mich nicht so wahnsinnig schnell Richtung Marktplatz bzw. Herberge, um mich dort nützlich zu machen, auch wenn das ja eigentlich zu den Pflichten einer Kajira gehört. Meine Herrin war erneut auf Reisen und ich irgendwie etwas neben der Spur oder wie Shani sagte, man fühlt sich dann so orientierungslos. Wobei ich glaube, dass ich damit inzwischen ganz gut umgehen kann. Aber egal, ich war zwar etwas lustlos, aber immerhin doch bis zur Ecke vor die Terrasse getrödelt und konnte mir so ein gutes Bild schaffen, ob das Weiterlaufen überhaupt lohnte und überhaupt jemand meine Dienste benötigte.
 
Die Gesprächsfetzen über den Verlauf von Schwangerschaften, unbequemes Sitzen wegen Babybauch oder falsch Gegessenem reizten mich ehrlich gesagt nicht allzu sehr, überhaupt noch weiterzugehen. Dummerweise konnte ich mir jedoch ein leises Kichern nicht verkneifen, als ich hörte, dass der Hauptmann in die Festung ziehen will, bis die Zähne seiner Zwillinge da sind und wurde nicht nur entdeckt, sondern von dem Krieger auch des Herumlungerns bezichtigt. Um wenigstens etwas beschäftigt auszusehen, fiel mir nichts Besseres ein, als schließlich einen der beiden Aushänge zu studieren, den ich allerdings schon kannte. Eigentlich hatte ich mir erhofft, dahinter etwas Deckung zu haben und somit aus den Augen des Hauptmanns zu sein.
 
Doch das gefiel ihm natürlich ebenfalls nicht, denn er herrschte mich nun an, ich sei neugierig und warum ich überhaupt eine Bekanntmachung lese, die sowieso nicht für mich bestimmt ist, womit er selbstverständlich Recht hatte. Mein nächster Versuch war nun, einigermaßen kess aber durchaus vorsichtig darauf hinzuweisen, denn ich wollte den Herrn selbstverständlich nicht verbessern, dass ich nicht neugierig, sondern sehr wissbegierig bin. Ich fand, das hörte sich um einiges besser an, zumal es ja immer heißt „Neugier steht einer Kajira nicht“. Gleichzeitig nutzte ich die Gelegenheit, mal kundzutun, dass ich Lesen kann, denn das ist auf Gor nicht gerade selbstverständlich und ich war ziemlich stolz darauf.
 
Leider musste ich dann doch etwas Federn lassen und eingestehen, dass ich das zweite Plakat mit dem dicken Tintenklecks unten rechts aufgrund der schrecklich krakeligen Schrift und den merkwürdigen Buchstaben nicht entziffern konnte und erfuhr nun voller Entsetzen von der Schreiberin, dass dies eine Anordnung für Kajirae war, zukünftig ihre Haare kurz zu schneiden und lange Kleidung zu tragen. Ungläubig riss ich meine Augen auf und versuchte intensiv, die Kritzeleien nun doch noch zu entziffern. Gleichzeitig begannen jedoch der Hauptmann und die Schreiberin sich lustig über mich zu machen und behaupteten doch tatsächlich, neugierige Sklavinnen müssen Fenris die Zähne putzen oder würden an Sleens verfüttert, was ich jedoch mehr oder weniger ignorierte.
 
Inzwischen war ich ehrlich gesagt mittelprächtig genervt und fühlte ich mich voll darin bestätigt, dass dies wohl einer der Tage war, an denen ich besser im Haus geblieben oder noch besser gar nicht erst aufgestanden wäre. Ich hätte lieber meine sturmfreie Bude für einen ausgiebigen Schönheitsschlaf nutzen sollen. Kurz davor endgültig aufzugeben, trafen der Händler und Shani in der Herberge ein. Eigentlich wollte ich nur den richtigen Moment abpassen, um mich zu verdrücken, horchte vorher jedoch noch Shani wegen des unleserlichen Aushangs aus... ich konnte es einfach nicht lassen! Leider fragte sie sofort total erstaunt, ob etwa jemand das Plakat ihres Herrn überschrieben habe?
 
Oh je, mit meinen nun folgenden Erklärungen hinsichtlich der unleserlichen Krakeleien und dem peinlichen Tintenklecks schaffte ich es dann mal wieder so richtig, mitten in ein richtig tiefes Fettnäpfchen zu treten. Es stellte sich nämlich heraus, dieser Aushang war von dem Händler höchstpersönlich in angeblich gestochen scharfen, peniblen goreanischen Buchstaben geschrieben worden und der Tintenklecks war das Siegel von Jorts Fähre! Ich wäre am liebsten im Gorboden versunken, denn solche merkwürdigen Schriftzeichen hatte mir meine damalige Kettenschwester in Ketora nicht beigebracht und die war immerhin später freigelassen worden und wurde sogar Schreiberin in Sandsleen.
 
Jedenfalls stand da nichts über die Haarlänge von Kajirae und auch nicht was sie zu tragen haben. Es war immer noch der Ratserlass über die Schleierpflicht für freie Frauen und die Strafandrohung von 3 Peitschenhieben auf dem Block bei Missachtung. Während ich vor Erleichterung Shani einfach mal spontan umarmte, stürmte plötzlich die Nordleute-Clicke, die seit einiger Zeit in Jorts wohnt, auf die Terrasse. Allen voran der Kaillareiter mit dem merkwürdigen Benehmen, diesmal allerdings ohne sein Reittier. Kaum angekommen tönte er sofort herum, ob er sich sein Trinken etwa selber holen soll oder ob die "Damen" noch etwas anderes zu tun haben als zu labern. Mit "Damen" meinte er natürlich Shani und mich.
 
Während Shani sich schnell in die Küche verzog, was übrigens durch das Gewusel der Freien ein vergleichsweise schwieriges Unterfangen war, da weder der ungehaltene Herr noch seine Freunde bereits Platz genommen hatten, glaubte ich eigentlich, mich verhört zu haben und erstarrte irgendwie. Doch dem war nicht so. Shanis Herrn ging diese mäkelige Art ohne Grund offensichtlich vollkommen gegen den Strich, denn er stellte den schlecht gelaunten Kaillareiter erbost zur Rede, ob er keine eigene Sklavin habe und wieso er sich einbildet und erdreistet, einfach so ohne den Besitzer zu fragen über fremdes Eigentum verfügen zu können. Ein Wort gab das andere mit dem Erfolg, dass die Clicke sich wegen fehlender Bedienung durch uns labernde Prinzessinnen und weil es in der Herberge nun mal kein Met gibt und wohl auch nicht geben wird, ins Haus des immer noch ungehaltenen Rädelsführers verzog.
 
Shani wurde daher das inzwischen gezapfte Ale zwar nicht mehr los, dafür kehrte aber auf der Terrasse wieder Ruhe ein, auch wenn sie sich nicht wirklich leerte. Leider war ich immer noch so perplex über das peinliche Auftreten dieses Herrn, dass ich einen Fehler machte… ich vergaß in meiner Verwirrung, bei der Begrüßung der inzwischen eingetroffenen Bäckerin auf die Knie zu sinken und zollte ihr somit nicht die nötige Ehrerbietung. Selbstverständlich habe ich mich sofort entschuldigt nachdem sie mich deswegen angefunkelt hatte und bin nachträglich noch auf die Knie gesunken, doch ich denke, die Herrin hatte mich danach ganz besonders auf dem Kieker.
 
Während sich die Gespräche am Tisch über Musterverträge für Gefährtenschaften drehten und die Anwesenden mit Erstaunen vernahmen, dass der Händler anscheinend ebenfalls auf Freiersfüßen ist, beeilte ich mich den Hauptmann und den Lederarbeiter in der gebotenen Reihenfolge ihrer Kastenzugehörigkeit mit Getränken zu versorgen und bediente die Bäckerin daher zuletzt. Den beiden Herren habe ich ihren Paga natürlich so hingebungsvoll serviert, wie es mir im Beisein einer Herrin möglich ist ohne zu viel Hitze zu zeigen. Wobei ich mich bei dem Hauptmann etwas kürzer gefasst hatte, da er wegen meiner Unaufmerksamkeit zuvor sowieso schon leicht ungehalten war und ich mir mal wieder einen seiner üblichen Kopfditscher einhandelte.
 
Bei dem Lederarbeiter sah ich jedoch keine Veranlassung mich zurückzuhalten, habe allerdings tunlichst drauf geachtet, die Herrin nicht durch mein Sklavenfeuer zu brüskieren. Ich genoss es ehrlich gesagt sehr, von hinten auf einmal die Hand des Hauptmanns auf meinem Po zu spüren, allerdings kniff er mich... er ist ja eher grobmotorisch veranlagt. Trotzdem war das natürlich ein guter Anlass, mich noch etwas mehr zu dem Lederarbeiter vorzubeugen während ich ihm seinen Paga reichte und ihm so einen guten Blick in mein Dekolletee zu ermöglichen. Hach, es funktionierte… ich wurde mit einer sanften Berührung meines Oberschenkels belohnt!
 
Leider wurde dieser schöne Augenblick jedoch jäh durch die schnippische Frage der Fastgefährtin des Herrn zerstört. Sie wollte von ihrem Zukünftigen nämlich wissen, ob ich inzwischen sein Eigentum bin, was er bedauernd verneinte. Damit begann an diesem Tag der nächste Ärger. Bei der Frage nach dem Getränkewunsch der Herrin, stellte sie mir nämlich die Frage, warum ich mich erdreiste, den Becher des Lederarbeiters beim Servieren zu küssen. Erst glaubte ich, mich verhört zu haben, antwortete der Bäckerin dann aber, dass ich das immer tue und der Herr meine Küsse bislang immer gemocht hatte, insbesondere wenn ich ihm in den Fellen dienen durfte.
 
Puhh… die Ergänzung mit den Fellen hätte ich mir wohl lieber verkneifen sollen, denn nun ordnete sie an, dass ich den Becher des Lederarbeiters ab jetzt nicht mehr küssen darf, weil er nicht mein Herr ist. Während ich ihre Frage, ob ich das verstanden habe, schlicht beantwortete mit „Ja Herrin, laut und deutlich“ und mir vorsichtshalber den Hinweis verkniff, dass meine Ohren sauber und in Ordnung sind, wies der Hauptmann laut lachend den Lederarbeiter darauf hin, dass seine Fastgefährtin bereits vor der Unterzeichnung eines Vertrags für ihn entscheidet. Den Priesterkönigen sei Dank... ich konnte mir tatsächlich das Grinsen über diese Bemerkung verkneifen.
 
Trotzdem war mir nicht klar, ob der Befehl dieser Frau wirklich im Sinne des Lederarbeiters war, denn warum hatte ihm das Küssen seines Bechers zuvor noch so offensichtlich zugesagt? Ich rutschte daher schnell noch einmal zu ihm und fragte vorsichtshalber nach. "Doch Dina, du servierst mir natürlich auch in Zukunft so wie immer!" war genau die Antwort, die ich mir erhofft hatte und die mir innerlich herunterlief wie Öl, allerdings die Herrin veranlasste, wortlos die Terrasse zu verlassen, während die Männer ihr kopfschüttelnd hinterher schauten.
 
Mal sehen, ob und wie es mit dem Gezanke und Säbelrasseln der beiden Fastgefährten weiter geht. Der Hauptmann formulierte ganz treffend, dass man abwarten muss, ob die Bäckerin irgendwann noch versteht, was sie ist. Sie zeige zwar keine Hitze, dafür Haare wo sie nicht hingehören! ;-))

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