Mittwoch, 27. November 2013

Folgen einer Fastenhand

Ich gebe zu, ich stoppte bereits vor dem Haus meiner Herrin kurz ab, als ich den langen Haarschwanz sah, dessen Besitzer mit Riesenschritten Richtung Stadt unterwegs war, lief dann aber trotzdem hinterher, um mich vielleicht ein wenig nützlich machen zu können. Mit meinem ersten Auftrag von diesem Herrn war soweit auch noch alles in Ordnung, da er lediglich dem Händler durch mich ausrichten ließ, dass er ihn im Gasthaus zu sprechen wünschte. Einen Grund dafür nannte er mir nicht. Warum er sich nicht selbst zum Haus des Händlers begab und ob der Händler überhaupt gewillt war, der Anweisung eines Heimsteinfremden einfach so nachzukommen, darüber stand mir selbstverständlich kein Urteil zu, sodass ich den Befehl wunschgemäß ausführte. Leider kam ich jedoch unverrichteter Dinge zurück, denn der Händler war nicht zu Hause.
 
Über diese Information war der Haarschwanzträger logischerweise nicht gerade erfreut, schmiss sich aber auf ein Terrassensitzkissen, um die Wartezeit bis der Händler hoffentlich von alleine auftauchte, mit einem Ale zu überbrücken. Mit diesem Getränkewunsch nahm das Unglück dann seinen Lauf…wie sollte ich das Gewünschte servieren, wenn in dieser Hand nicht nur jeglicher Alkoholgenuss in der Herberge untersagt war, sondern auch alle alkoholischen Fässer unter Verschluss? Hatte die Bekanntmachung denn nicht alle Einwohner erreicht? In der Annahme, dem Herrn war lediglich nur entfallen, was der Abgesandte des Wissenden angeordnet hatte, wiederholte ich dessen Anweisungen noch einmal sehr freundlich und zählte dem Herrn auf, welche Getränke alternativ zur Verfügung stehen.
 
Anscheinend hatte er mir jedoch überhaupt nicht zugehört bzw. wollte es wohl auch gar nicht, sondern forderte einfach stur, fast wie ein kleiner trotziger Junge weiter ein Ale, sodass ich nicht weniger freundlich meinen Hinweis noch einmal wiederholte und gleichzeitig meine missliche Lage versuchte darzustellen, denn ich hatte schlicht und einfach keinen Zugang zu einem Fass mit dem Wunschgetränk dieses Herrn. Das war dann meine zweite falsche Antwort, die der Herr nicht hören wollte und schon gar nicht zu akzeptieren gedachte… zu einer dritten kam es allerdings nicht mehr, da ich vorher Reißaus nahm. Der Herr mit dem langen Haarschwanz brüllte mich nämlich inzwischen wütend an, ich solle ihm gefälligst ein Ale servieren, woher sei ihm egal, ansonsten würde er mich bis zum nächsten Fass prügeln, damit er sein Getränk endlich bekommt.
 
Während der wütende Herr weiter lauthals seinen Unmut kundtat, dass er sich nicht zum Fasten zwingen lässt, weil ihm der Tempel am Allerwertesten… so vornehm drückte er sich allerdings nicht aus… vorbei geht, sauste ich wegen der angedrohten Prügel von Entsetzten und Hilflosigkeit gepackt, schutzsuchend auf den Marktplatz. Dort war nämlich genau in diesem Moment der Hauptmann mit einem Krieger und dem Händler aufgetaucht. Ohne lange noch auf eine Erlaubnis zu warten, sprechen zu dürfen, platzte ich in meiner Panik nach einem kurzen Gruß gleich damit heraus, was mir soeben angedroht worden war und dass ich mir einfach keinen Weg mehr wusste, den Herrn zufrieden zu stellen. Eine Sklavin muss immer mit Willkür von Freien rechnen und ist einer solchen Situation hilflos ausgeliefert, wenn kein anderer Herr sie in Schutz nimmt.
 
Diesen Schutz hatte ich zum Glück, denn der Hauptmann und der Kriegerbauer stellten den inzwischen auf die Priesterkönige, die Wissenden und den Rat von Jorts Pöbelnden nun energisch zur Rede. Mein Flehen um Hilfe war letztendlich der Anfang vom Ende einiger Bewohner in Jorts bzw. schlechter Nachrichten und was nicht zusammen passt, über dessen weiteren Verlauf andere jedoch viel besser berichten können. Von Schuldgefühlen geplagt, löste ich mich nach dem Rausschmiss des unbelehrbaren Herrn durch den Hauptmann erst einmal in Tränen auf. Zum Glück war Balg da und nahm mich nicht nur tröstend in den Arm, sondern hatte auch ein Rep-Tuch dabei zum Schniefen und Augen trockenlegen. Sonst hätte ich vor lauter Tränen wahrscheinlich gar nicht sehen können, wer nach sehr langer Zeit wieder einmal in Jorts angekommen war. Es war mein Oberlieblingsherr, der langjährige beste Freund meiner Herrin… was für eine Freude!!
 
Die Freude des Herrn war wohl eher etwas geringer glaube ich, da er vor seiner Ankunft noch nichts von den auferlegten Einschränkungen wegen der bevorstehenden Altarweihe geahnt hatte. Doch da Shani inzwischen schlauerweise vor der Terrasse eine Grillstelle für Fisch eingerichtet hatte und außerdem jede Menge Suls vorrätig waren, konnte ich mit einem leckeren Essen vielleicht ein wenig vom fehlenden Alkohol und der geschlossenen Taverne ablenken und andere Ablenkungen klappten wohl auch ganz gut. Während die Herren den gegrillten Fisch genossen als ob er Fleisch war und Säfte oder Milch mit der gleichen Begeisterung wie Paga tranken, wollten sie vor allem verhindern, dass die Heilerin ihre Drohung wahr machen könnte und dem Rat tatsächlich vorschlägt, so eine Fastenhand regelmäßig durchzuführen… eine für die Gesundheit angeblich sehr ratsame Maßnahme, zumindest aus ärztlicher Sicht. ;-)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen