Freitag, 15. November 2013

Formtief

Eigentlich war ich gestern so müde, dass ich mir ernsthaft überlegte, das Haus erst gar nicht zu verlassen. Doch irgendwie trieb es mich trotzdem vor die Tür Richtung Marktplatz. Vermutlich bin ich wirklich zu neugierig, auch wenn ich das natürlich immer abstreite und behaupte, es sei Wissbegier und mir immer eine Freude, wenn ich mich nützlich machen darf. Während ich an der Ecke vom Heilerhaus die Lage peilte, welche Freien auf der Terrasse saßen, drangen ein paar Wortfetzen an mein Ohr, die eine ziemlich unangenehme Erinnerung in mir wachwerden ließen. Es fiel nämlich mein Name im Zusammenhang mit Seife und welche Wunderwirkung eine Mundspülung bei mir gehabt haben soll.
 
Mir war sofort klar, wer da mit seiner perfekt funktionierenden Erziehungsmethode angab. Sicherheitshalber verzog ich mich hinter einen vor der Terrasse stehenden Karren und ging dort etwas in Deckung, denn ich hatte noch nicht herausbekommen, wie gut die Laune des Hauptmanns an diesem Tag war. Außerdem hatten einige Stoffballen auf dem Karren eh mein Interesse geweckt. Doch leider kam ich nicht dazu, die schönen Stoffe lange zu bewundern. Shani fauchte mich irgendwie schlecht gelaunt an, dass ich die nicht kaputt machen soll. Pah, ich weiß ja nicht ob Shanis Hände die Qualität von Reibeisen haben… meine jedenfalls nicht und sauber waren sie auch. Doch ich bekam keine Zeit mehr darüber noch mit ihr zu fachsimpeln, da der Hauptmann mich mal wieder des Herumlungerns bezichtigte, obwohl ich inzwischen in Erwartung möglicher Aufträge einfach nur still am Rande der Terrasse kniete.
 
Selbstverständlich erfüllte ich ihm seinen Getränkewunsch umgehend und servierte auch dem Kriegerbauern einen Becher mit Kalana. Allerdings legte ich mich beim Servieren des Pagas für den Hauptmann etwas mehr ins Zeug als bei dem Kriegerbauern, der mich wie erwartet mit einer unwirschen Handbewegung wegscheuchte. Von dem Hauptmann wurde ich für meinen Servierdienst erstaunlicherweise nicht mit einer seiner üblichen Kopfnüsse belohnt, sondern durfte spüren, dass seine raue Kriegerhand über meine Seite strich… war er etwa doch in ganz guter Stimmung? Ich denke ja und bekam auch kurz darauf heraus warum. Seine neue Sklavin kam nämlich mit dem typischen Hauptmannkajiraschmuck zurück, sie trug einen Boskring in der Nase.
 
Anscheinend gerade erst hatte sie sich das Loch für den Nasenring von dem Sattler stechen lassen… offensichtlich sehr zum Gefallen ihres Herrn. Als Bezahlung hierfür einigten sich die beiden Männer dann auf kostenlosen Paga für den Lederarbeiter. Merkwürdigerweise schaute der Hauptmann mich dabei an. Da ich mich jedoch nicht automatisch zuständig fühlte, dem Sattler auf seine Kosten den Paga zu servieren, regte ich mich nicht und kniete einfach weiter neben meiner Herrin. Tja, es war wohl etwas ungewohnt für den Hauptmann, dass ich mich nicht wie sonst so oft, wenn meine Herrin nicht anwesend ist, für die Bedienung sämtlicher Herrschaften zuständig fühlte, zumal er auch nichts sagte.
 
Warum sollte ich das also diesmal tun? Selbstverständlich bin ich wirklich immer gerne bereit, Freien ohne eigene Kajira ein Getränk zu servieren, insbesondere wenn meine Herrin nicht anwesend ist und vor allem wenn es sich um einen Dienst für einen Herrn handelt, den ich besonders gerne mag, was in diesem Fall sowohl auf den Hauptmann als auch auf den Lederarbeiter zutraf. Trotzdem bin ich weder eine Stadt- noch eine Tavernensklavin, sondern genauso in Privatbesitz wie Shani oder die neu Beringte des Hauptmanns. Und in diesem Fall ging es um eine Bezahlung für eine Arbeit an seiner eigenen Kajira, die genau neben ihm hockte und sich nach dieser kurzen Irritation dann auch schnell um das Getränk für den Sattler kümmerte.
 
 
Nagut, ich sehe ein, es war wie oben schon erwähnt sowieso nicht mein Tag… sonst hätte ich wahrscheinlich die Gelegenheit, einen Herrn zu bedienen, nicht ungenutzt verstreichen lassen. Nein, ich hatte tatsächlich sogar richtig Mühe, Haltung zu bewahren und mich nicht einfach an meine Herrin anzuschmiegen, wie ich es an einen Herrn hätte tun können, um meine Müdigkeit zu kaschieren. Als die Herbergsterrasse nach und nach mit gutgelaunten Freien immer voller wurde, denen es zu vorgerückter Ahn noch nach einem Absacker gelüstete, war ich ehrlich gesagt froh, dass es meine Herrin ebenfalls nach Hause zog, da sie am nächsten Morgen recht früh zu ihrem Landsitz aufbrechen wollte und ich bei den vielen hin und her wabernden Gesprächen eh nichts mehr mitbekam.
 
Während meine Herrin in guter Landluft hoffentlich bald wieder richtig gesund wird, werde ich meine sturmfreie Bude gut zu nutzen wissen und sicherlich einem ausgiebigen Schönheitsschlaf frönen, um mein kurzfristiges Formtief schnell zu verscheuchen. ;-)

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