Samstag, 30. November 2013

Großreinemachen

Mit einem Fastzusammenstoß fing der gestrige Tag an. Dank meiner guten Reaktion konnte ich den aber gerade eben noch verhindern. Wobei… vielleicht wäre ich andernfalls in starken Männerarmen gelandet, wenn der Rarius mich aufgefangen hätte? Das hätte ja durchaus was gehabt! Ich gestehe, ich war mal wieder zu eilig um die Ecke geflitzt, um in die Stadt zu kommen und sauste daher mitten durch die hohen Farne, die vor dem Haus meiner Herrin neben dem Weg wachsen, da ich andernfalls die Kurve nicht mehr gekriegt hätte. Dabei achtete ich leider überhaupt nicht auf irgendwelchen Gegenverkehr von gegenüber. Warum auch? Eigentlich kommt von dort nie jemand… nur an diesem Tag eben doch. Das Nachbarhaus stand nämlich nicht mehr leer, da dort inzwischen der neue Schmied eingezogen war.
 
Der Gegenverkehr kam jedoch nicht in Form des neuen Schmieds auf mich zu. Nein, es war einer der beiden neuen Krieger, mit dem ich an diesem Ort nun wirklich nicht gerechnet hatte. Er war aber mindestens genauso erstaunt über unser Zusammentreffen wie ich und erzählte mir, dass er gegenüber zum Essen eingeladen gewesen sei und sich dort den Bauch so richtig vollgeschlagen hatte. Seine Kajira war anscheinend irgendwo zur Ausbildung, sodass seine Essensversorgung offensichtlich etwas auf der Strecke geblieben war, wie er mir an seinem zu weiten Gürtel vorwurfsvoll demonstrierte. Ok, ich gebe zu, sein Gürtel war tatsächlich zu weit… ob das aber durch die Fastenhand entstanden war, also fehlende Bohnen, Fleisch und Alkohol oder durch die fehlende Fürsorge seiner Sklavin oder weil der Gürtel noch nie so richtig gepasst hatte, darüber verkniff ich mir vorsichtshalber einen Kommentar, denn eines war mir sofort total klar… der Krieger wollte vor allem bemitleidet werden.
 
 
Komischerweise zog unser Aufeinandertreffen innerhalb kürzester Zeit weitere Freie an… darunter auch der Hauptmann und zwei Fremde. Grund ihres Auftauchens war jedoch die Suche nach dem Schmied, weil sie Nägel bestellen wollten. Anscheinend kannten sich die Herrschaften bereits irgendwoher, sodass sich nun tatsächlich ein kleiner Klöhnschnack ergab, in dem es leider auch um mich ging, zumindest ansatzweise. Anscheinend wussten die Fremden mangels eigener Kajira nicht so genau, wie sie die vielen Nägel denn zum Hafen bekommen sollten. Tja, also ich hätte mir das vorher überlegt und wäre notfalls mit einem kleinen Handkarren angereist, wenn ich denn einen Großeinkauf an Baumaterial vorhabe. Zum Glück bekam ich inzwischen eine andere Aufgabe, aber der Schmied hat ja eine eigene Kajira… die ist den Herrschaften bestimmt behilflich gewesen.
 
Der Krieger wollte nämlich ins Badehaus… vor der Weihe des Altars war ja nicht nur das Fasten vorgeschrieben worden, sondern am Ende auch eine gründliche Reinigung. Und da ja wie gesagt das Mädchen des Rarius zurzeit nicht zur Verfügung steht, durfte ich ihm dienen. Mir war anfangs allerdings nicht ganz klar geworden, dass diese Dienste sofort gewünscht wurden, denn zuvor hatte der Herr mir doch noch vorgestöhnt, wie voll er von dem reichlichen Essen beim Schmied war und mit vollem Bauch sollte man ja eigentlich nicht baden! Dieser Herr nahm darauf zumindest keine Rücksicht und war schneller im Badehaus als ich angenommen hatte… naja nötig war es wirklich. Er zog nämlich einen ziemlich müffelnden Kondensstreifen der Sorte „ungewaschener Krieger“ hinter sich her, worüber ich aber selbstverständlich nichts verlauten ließ.
 
Im Bad angekommen meinte er nun, es könne sofort losgehen mit dem Ausziehen. Uff, er roch wirklich äußerst streng und seine Kleidung wies Flecken auf, über deren Herkunft ich mir keine detaillierteren Gedanken machen mochte, sodass ich mir die vorsichtige Frage erlaubte, ob er denn nach dem Baden die gleichen Sachen wieder anziehen wollte. Natürlich nicht, wobei der Herr sich diese Gedanken zuvor natürlich noch nicht gemacht hatte! Ich bekam daher Anweisung, in seinem Haus mal nachzusehen, was von den herumliegenden Kriegerklamotten für hinterher geeignet sei. Puh, ein nicht ganz einfaches Unterfangen, denn im Haus des Kriegers sah es aus, als hätte sich dort ein Wirbelsturm ausgetobt.
 
Ich glaube sämtliche Tuniken, Oberteile und Umhänge des Kriegers waren auf dem Fußboden verteilt… leider nicht nur saubere, und über alles andere, was dort sonst noch an mehr oder weniger Ekeligem herumlag, will ich hier lieber nichts weiter verlauten lassen. Die Sklavin des Herrn wird begeistert sein, wenn sie nach Hause kommt und sich als Erstes um das Großreinemachen im Haus des Kriegers kümmern darf. Immerhin gelang es mir, über die unangenehmsten Dinge hinweg zu steigen und eine einigermaßen saubere Garnitur Kriegerklamotten aufzusammeln, mit denen ich dann zurück ins Badehaus sauste, damit die Reinigung des Rarius nun endlich beginnen konnte. Es wurde ein sehr gründliches, besonders intensives Baden, einschließlich innerer Reinigung des Herrn, aber auch mit Rasur und schneiden seiner Fingernägel.
 
Einzig um seine Füße brauchte ich mich komischerweise nach den vorangegangenen ausdauernden Badeübungen nicht mehr zu kümmern, da die inzwischen zu Waschfrauenfüßen mutiert waren, so schrumpelig wie sie aussahen. Wobei der Herr natürlich darauf bestand, es seien immer noch Kriegerfüße… was ich ihm selbstverständlich sofort bestätigte. ;-))

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