Dienstag, 19. November 2013

Rätsel gelöst

Als ich am gestrigen Morgen meine Augen aufschlug, stellte ich erschrocken fest wie spät es bereits war, denn das Zentralgestirn stand schon recht hoch am Himmel. Wobei mein erhöhter Schlafbedarf nach den letzten sehr erregenden, dafür allerdings mit zu wenig Schlaf einhergegangenen Nächten eigentlich nicht weiter verwunderlich war. An diesem Tag hätte ich jedoch beinahe die Rückkehr meiner Herrin von ihrem Landsitz verschlafen… zum Glück allerdings nur fast.
 
Bevor meine Herrin für „Terrasse, Milch & Co.“ aber ihr Haus verließ, wollte sie wie immer natürlich erfahren, was während ihrer Abwesenheit in Jorts so alles losgewesen war und natürlich auch, ob es Anlass für Beschwerden über mich gegeben hatte, was natürlich nicht der Fall war… im Gegenteil. Nagut, die kleine Sache mit dem Unmut über meine fehlende Hilfe beim Ankleiden des neuen Kriegerrekruten habe ich ihr selbstverständlich gebeichtet. Doch da solche Männerdienste zu den Dingen zählen, über die meine Herrin keinerlei detaillierte Information hören möchte, konnte ich sie schnell ablenken, zumal es ja auch noch das Rätsel mit der Kupfermünze und der Zeichnung vor der Tür zu lösen galt.
 
Der Detektivsinn meiner Herrin lief bereits auf Hochtouren, bevor sie überhaupt die im Boden inzwischen leicht verwischten Striche vor der Haustür betrachtete. Doch auch sie konnte sich keinen wirklichen Reim aus der gefundenen Kupfermünze, dem Vogel mit geringeltem Bauchgefieder, einem Eimer, dem Schwert, einem Muskelmann mit Bratpfanne in der Hand und den in verschiedene Richtungen zeigenden Pfeile machen. Meine Herrin vermutete sogar, dass dies möglicherweise eine Kennzeichnung der Wachen an ihrem Haus sein könnte… nur zu welchem Zweck sollte die dienen? Wir rätselten ausgiebig hin und her, kamen jedoch zu keinem Ergebnis.
 
Es war jetzt also definitiv Zeit für einen Gang in die Stadt. Vielleicht konnte einer der Krieger Auskunft geben. Außerdem eignete sich die rote Kaste vermutlich sowieso besser als Spurenleser. Wobei Fenris wegen Unabkömmlichkeit des Hauptmanns aufgrund seines Wachdienstes nicht in Frage kam. Dabei hätte ich das Stinkeviech dafür als ganz nützlich angesehen. Die Terrasse war wie immer außerordentlich gut besucht… eigentlich perfekt für unsere Forschungen… nur war sie diesmal so gut besucht, dass sämtliche Sitzkissen bereits besetzt waren. Wenn nicht die Bäckerin meiner Herrin freundlicherweise ihr Kissen angeboten hätte, hätte sie am anderen Tisch oder auf der Holzbank Platz nehmen müssen, wodurch ihre detektivische Spurenerforschung wahrscheinlich um einiges erschwert worden wäre.
 
Wobei sich die mysteriösen Bodenmalereien vor der Haustür meiner Herrin dann doch erstaunlich schnell aufklärten, da der Törtchenkrieger… also der, dem ich auf dem Markt seine Törtchen beim Bezahlen halten durfte, weil er sonst mangels freier Hände nicht in seinen Geldbeutel hätte langen können… bei der Schilderung des geringelten Vogels sogleich hellhörig wurde und nachfragte, ob es vielleicht auch eine Biene sein könnte. Wir erfuhren von ihm, dass seine Sklavin den Bienenstock und damit auch den Honig nicht dem Kriegerbauern zugeordnet hatte, sondern meiner Herrin… daher auch die Münze direkt hinter der Tür, die sie als Bezahlung einfach unterdurch geschoben hatte, weil niemand zu Hause gewesen war.
 
Nach dieser flotten Rätselauflösung flitzte ich selbstverständlich umgehend noch einmal nach Hause, um schnell die irrtümlich erhaltene Kupfermünze zu holen, denn der Verkauf des Honigs war mittlerweile längst mit dem Kriegerbauern geklärt worden. Der Sklavin des Törtchenkriegers schien es übrigens schon wieder nicht in den Kram zu passen, dass ich bei der Münzrückgabe so dicht neben ihrem Herrn kniete. Mir war ihr Unmut darüber schon einmal aufgefallen, als ich ihrem Besitzer einen Paga servieren durfte, weil sie nicht anwesend war. Da sie dann jedoch plötzlich doch noch auftauchte, hatte ich ihretwegen sogar auf einen längeren Serve und jegliches Bezirzen ihres Herrn verzichtet… aber egal.
 
Zu meiner Freude legte der Krieger diesmal nicht nur seine Kriegerhand auf meinen Schenkel, sondern unterhielt sich auch noch mit mir über meine Dienste, da der neue Rekrut sich ihm gegenüber wohl recht angetan über meine rotseidenen Fähigkeiten geäußert hatte. Ich hoffe nur, dass der Herr mich dann nicht aus Rücksicht auf seine Kajira dann plötzlich doch recht schnell fort gewunken hat und dass diese nicht zu den Prinzessinnen gehört, die ihre Herren steuern. Vielleicht war ihm ja aufgefallen, dass meine Herrin immer noch auf ihre Honigmilch wartete. Andernfalls würde ich diesen Krieger nämlich in meine geheime Schublade zu den anderen HerrCHEN stecken, von der allerdings niemand etwas weiß… Törtchen hin oder her.
 
Obwohl an diesem Tag eine Art Kajiraschwemme über Jorts hereingebrochen war… meine Herrin vermutete, die Kajirareisezeit habe mal wieder begonnen… freute ich mich riesig, dass der neue Rekrut meine Herrin fragte, ob er meine Dienste gelegentlich in Anspruch nehmen darf, wenn sie mich nicht braucht… wogegen sie selbstverständlich nichts einzuwenden hatte. Es ging ihm aber nicht nur um das Servieren von Paga, sondern auch um meine Dienste, wenn meine Herrin auf ihrem Landsitz weilt und gestern vor allem um einen Verbandwechsel. Er hatte nämlich immer noch keine eigene Sklavin und litt unter einer alten Verletzung, für deren Behandlung ihm die Heilerin eine Salbe verordnet hatte, die ich nun behutsam auf sein Bein auftragen durfte.
 
Ich hoffe nur, meine Herrin war durch das Gespräch mit dem Rarius soweit abgelenkt, dass sie nicht bemerkt hat, was für Phantasien bei meinen sanften Berührungen dieses Männerbeins schon wieder in mir aufkeimten. Wobei… wie sollte sie… solche Details sind ihr, einer stets auf ihren untadeligen guten Ruf bedachten freien Frau, doch gänzlich fremd! ;-))

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen