Mittwoch, 20. November 2013

Reisezeit für freie und unfreie Frauen?

Mist, hatte ich womöglich irgendetwas nicht mitbekommen… war heute auf der Herbergsterrasse etwa ein Treffen der Häkelkränzchen-und-Frauen-unter-sich-Gruppe? Denn dort saßen wirklich ausschließlich freie Frauen, die von einem genauso großen Schwarm mir unbekannter Sklavinnen umlagert wurden, sodass ich es ehrlich gesagt diesmal nicht als meine Aufgabe ansah, dort zu bedienen… die so gewaltig angewachsene Stadtkette war zahlreich genug vertreten. In mir keimte die Vermutung auf, ob vielleicht ein entnervter Kapitän eine ganze Schiffsladung Reisekajirae in Jorts entsorgt hatte?
 
Wo waren denn eigentlich die ganzen Krieger… hatten die vor der weiblichen Übermacht etwa Reißaus genommen? Nagut, einige Rarii waren natürlich auf Wache und sorgten für die Sicherheit von Jorts und später hörte ich, dass die Krieger eine Besprechung in der Feste gehabt hatten. Aber auch der Händler war ahnlang nirgends zu entdecken. Einziger männlicher Lichtblick war der Lederarbeiter, der auf der Bank vor dem Brunnen saß. Leider kam ich nach meiner Begrüßung jedoch nicht mehr dazu, ihn wegen seines ungewohnten Sitzplatzes auszuhorchen, denn ich wurde von einer Fremden angesprochen, die ich vorher überhaupt nicht bemerkt hatte, weil sie etwas zurückgezogen auf einem der Fässer neben der Terrasse hockte.
 
Die offensichtlich allein reisende Unbekannte erkundigte sich bei mir nach einer Versklavung und begann mich über das Aussehen und den Verkauf einer Kajira zu befragen oder vielmehr versuchte sie es. Ich hatte nämlich noch fast nichts erzählt, als mich der Lederarbeiter bremste und mir befahl, meine Klappe zu halten. Oh je, hatte ich etwas Falsches gesagt? Die Fremde schien offensichtlich auf ein Mädchen gelauert zu haben, das ohne ihren Herrn oder Herrin alleine unterwegs war, um dieses auszuhorchen. Insofern war ich wohl das perfekte Opfer für sie gewesen, da meine Herrin nicht anwesend war und ich die Fragen von Freien natürlich zu beantworten habe, auch wenn sie nicht dem Heimstein von Jorts angehören. Nur hatte diese Herrin nicht mit der Aufmerksamkeit des Lederarbeiters gerechnet, der aufgrund der mir gestellten Fragen anscheinend hinterhältige Absichten bei der Fremden vermutete.
 
Welche Absichten das waren, stellte sich dann heraus, als letztendlich ein Wort das andere gab und die immer lauter werdende Frau ohne Heimstein, ohne Kaste und vor allem ohne Benehmen dann auch noch Beleidigungen über Jorts von sich gab… wahrscheinlich sah sie keinen anderen Weg mehr, um endlich unterworfen zu werden. Dem Sattler blieb nichts anderes übrig, als ihr mit dem Kennel zu drohen, damit sich der Hauptmann später der Sache annehmen konnte. Wie gut, dass meine Herrin inzwischen auf der Terrasse eingetroffen war und mir sofort den Kennelschlüssel aushändigte. Pech aber für die angebliche Freie, dass der Lederarbeiter sie nur einsperrte und ihr nicht den Gefallen tat, sie auf die Knie zu zwingen.
 
Besonders gut fand ich übrigens, dass eine von den angeschwemmten Vulos meiner Herrin ihre Honigmilch kochte, denn ich hatte schon ein schlechtes Gewissen, weil ich der beleidigenden, so vehement um einen Kragen bettelnden Fremden ja noch ihre Unterkunft aufschließen musste. Bedauerlicherweise war mir jedoch auch nach der Schlüsselrückgabe keine Zeit gegönnt, mich um meine Herrin zu kümmern, da nun der neue Rekrut mit einer merkwürdigen Frage auf der Terrasse auftauchte. Er wollte wissen, ob eine der Kajirae nähen kann. Was für eine Frage, selbstverständlich kann ich nähen und war mir eigentlich ziemlich sicher, die anderen Mädchen können das ebenfalls.
 
Ich bin natürlich keine Schneiderin, bekomme aber kleinere Reparaturen an Kleidungsstücken ganz gut hin und habe mir auch schon die eine oder andere Tunika zusammengepfriemelt. Allerdings musste ich erst kürzlich der Sängerin eingestehen, dass mir dabei auch schon das eine oder andere Missgeschick oder auch mal eine krumme Naht passiert ist. Eigenartigerweise antwortete keine der anderen Kajirae auch nur einen Piep auf die Frage des Herrn, sodass ich mich hilfsbereit wie ich ja nun mal bin verpflichtet fühlte, mich zu melden. Ich vermutete, dem Herrn war nur irgendein Knopf abgerissen oder eine Naht geplatzt und war mir daher ziemlich sicher, so eine kleine Kriegerklamottenreparatur bestimmt hinzubekommen. Doch es kam irgendwie anders……
 
Erst eine ganze Weile später kehrte ich zu meiner Herrin auf die Terrasse zurück und nutzte auch sofort die Gelegenheit, um ihr zumindest ein paar Andeutungen über meinen Auftrag ins Ohr zu flüstern. Leider blieb nur vor dem Schlafengehen nicht mehr genug Zeit, um darüber noch etwas ausführlicher zu sprechen… das werde ich heute aber nachholen und zwar gleich nachdem meine Herrin aufgestanden ist. ;-)

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