Dienstag, 26. November 2013

Solche und solche Anlässe

Als ich am Morgen in einem mir fremden Fell wach wurde, wusste ich erst gar nicht, wo ich mich befand. Doch dann fiel mir der Anlass dafür wieder ein und natürlich auch, dass mir der Krieger nicht nur erlaubt hatte, in seinem Haus zu schlafen, sondern sogar eng an ihn geschmiegt in seinen starken Armen. Ein Blick aus dem Fenster zeigte mir, dass es schon recht spät sein musste, sodass ich mich sputete, schnell noch ein wenig Ordnung in das wüste Chaos der zerrangelten Felle zu bringen und die wild zerstreuten Kleidungsstücke aufzusammeln. Leider stellte ich fest, dass das Oberteil meiner dünnen Seiden einer kleinen Reparatur bedurfte. Es hatte den stürmischen Kriegerhänden nicht standhalten können, sodass ich es einfach weg ließ und klein zusammenfaltete.
 
Nachdem die Reinigungsarbeiten im Haus des Kriegers erledigt waren, band ich mir schnell die noch intakten Seiden um meine Hüften, schnappte mir das kleine Paket mit den reparaturbedürftigen und machte mich bestens gelaunt „oben ohne“ auf den Weg nach Hause. Ich mag es einfach nackt zu sein und hatte mich innerlich sogar vorsorglich schon auf eine Begegnung mit der Oberzicke der freien Frauen von Jorts gewappnet. Es wäre schlicht und einfach Pech für die Herrin gewesen, wenn sie nicht schnell genug woanders hingeschaut und sich deswegen an meinem nackten Oberkörper gestört hätte. Doch ich traf vor der Terrasse lediglich den Hauptmann, der mich aber nicht wirklich wahrnahm und wie fast immer nur hinterher mir her brummte, weil er sich über die Brüstung hinweg mit den Kriegern auf der Terrasse unterhielt.
 
 
Frisch gewaschen und mit einer sauberen Tunika bekleidet, machte ich mich alsbald wieder auf den Rückweg in die Stadt, da das Schiff, mit dem ich meine Herrin zurückerwartete offensichtlich Verspätung hatte. Inzwischen war auf dem Marktplatz ein ziemlicher Menschenauflauf von Bewohnern, die alle ein Bild anschauten, das sich der Hauptmann anscheinend von der Sklavin eines Richters hatte malen lassen. Besonders dem neuen Rekruten schien diese Art von Malerei zu gefallen, sodass er sich mit dem Richter und seiner Sklavin für ein alkoholfreies Getränk… die Fastenzeit ohne öffentliche Vergnügungen, Fleisch, Bohnen und Paga und Co. hatte nun tatsächlich begonnen… auf die Terrasse begab. Hach, was für eine Freude… erneut durfte ich ihn bedienen.
 
Leider passierte mir auf dem Weg zurück zur Terrasse mit dem dampfenden, heißen Teebecher in meinen Händen fast ein Missgeschick, das zum Glück aber gerade noch einigermaßen glimpflich verlief. Wegen der Auflagen in der Fastenhand war nämlich die Taverne gesperrt worden und dies wurde sowohl durch den geschlossenen Vorhang als auch zusätzlich noch durch ein Schild auf der Terrassenseite deutlich gemacht. Dieses Schild stand nur leider mitten im Durchgang, sodass ich auf dem Rückweg mit meinem Fuß recht schmerzhaft dagegen dengelte, weil ich es vor lauter Vorhang nicht mehr gesehen hatte. Kurzerhand schob ich daher den Anlass für meinen lädierten Zeh nun einfach ein wenig zur Seite.
 
Der neue Platz für das Schild war jedenfalls um einiges besser, denn als ich einige Ehn später mit der heißen Milch für meine Herrin zurück kam, passten meine Füße und ganz besonders meine Zehen viel besser daran vorbei. In die Milch hatte ich selbstverständlich wie von meiner Herrin gewünscht, keinen Honig hinein gerührt, sodass sie nun gemerkt hat, wie eklig dieses gekochte Zeugs tatsächlich schmeckt und die nächsten Tage lieber Wasser trinken möchte. Doch ich bekam nicht viel Zeit, mit meiner Herrin noch lange über die Milchzubereitung zu diskutieren, da der neue Rekrut sich plötzlich an sie wandte und um ein Gespräch unter VIER Augen bat. Ups… was war der Anlass? War mir etwa ein Fehler unterlaufen… natürlich unbewusst… oder hatte ich etwa schon wieder zu laut gedacht? Ich erinnerte mich jedenfalls an absolut nichts, das den Herrn verärgert haben könnte… im Gegenteil!
 
Mich irritierte natürlich sehr, dass meine Herrin sich tatsächlich mit dem Krieger ins Spielehaus zurückzog… und zwar ohne mich! Sowas war eigentlich noch nie vorgekommen!! Kein Wunder also, dass ich einen leichten Schweißausbruch mit feuchten Handflächen bekam und jede Menge ungute Ahnungen von Dingen, über die ich dummerweise leider überhaupt nichts wusste. Rawi war mir auch absolut keine Hilfe in meiner Not. Ich fand, sie hätte wirklich so ganz zufällig doch mal Richtung Spielehaus laufen können, um mir dann wenigstens den einen oder anderen aufgeschnappten Gesprächsfetzen zu berichten, damit ich mich bei meinem Talent für ungewollte Fettnäpfchen besser für eine mögliche Strafe wappnen konnte. Oder war es vielleicht doch etwas Gutes, was der Rarius mit meiner Herrin zu besprechen hatte?
 
War es offensichtlich nicht, so missbilligend wie meine Herrin mich anschaute, als sie zurück auf die Terrasse kam. Leider war es mir zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht möglich, ihr etwas Konkretes über die Unterredung zu entlocken, weil sich plötzlich die Gespräche am Tisch überschlugen, obwohl der Anlass dafür vorerst noch vollkommen unklar ist. Es ging mal wieder um die zickige Bäckerin, die nun möglicherweise schwanger sein könnte, was aber noch überhaupt nicht bestätigt ist. Trotzdem reichte der alleinige Verdacht schon für jede Menge Spekulationen, die sich alle um den Lederarbeiter drehten, da er ja nur knapp davon gekommen war, sich mit dieser Frau zu vergefährten. Dabei hatte ich die letzten Tage eigentlich gedacht, dass endlich Ruhe zwischen den beiden eingekehrt war, doch dem war offensichtlich nicht so… zumindest nicht von Seiten der Bäckerin.
 
Vielleicht war es nur so ruhig gewesen, weil sie etwas Zeit gebraucht hatte, um sich in ihrer gekränkten Eitelkeit die nächste Gemeinheit zu überlegen? Aber darüber steht mir natürlich kein Urteil zu und ich habe auch tunlichst meine Klappe gehalten, als der Sattler plötzlich behauptete, die Frau sei keine Freie sondern eine Sklavin. Er hatte anscheinend ihr Branding gesehen, als sie mit ihm in den Fellen gewesen war. Tja, mein Verdacht, der bei meinem Besuch der Kajira auf der Krankenstation entstanden war, bestätigte sich nun. Die Reaktion dieser angeblich Freien auf den Anblick meines Brandzeichens war womöglich deswegen so heftig ausgefallen, weil sie sich gerade das Zeichen ihres Sklaventums als angebliches Geschwür hatte entfernen lassen? Kein Wunder also, dass sie gekreischt hatte, sie könne den Anblick meiner wunderschönen, eingebrannten Dina nicht ertragen!
 
Aber wie gesagt, während sich sämtliche Herrschaften über die Sache wilden Spekulationen hingaben, obwohl noch nicht mal feststeht, dass die Bäckerin überhaupt schwanger ist, gelang es mir erstaunlich gut, keinen Piep von mir zu geben, denn die Aussage einer Kajira hätte sowieso kein Gewicht gehabt. Ich bin jedenfalls ziemlich gespannt darauf, was und ob überhaupt der Hauptmann etwas herausbekommen wird. Bei dem sklavenhaften Verhalten dieses Weibs denke ich, dass wahrscheinlich nur ein Vaterschaftstest beweisen kann, wer tatsächlich der Vater des Bäckerinnenkinds ist… falls überhaupt ein solches Kind gezeugt wurde.
 
Ach ja… der missbilligende Blick meiner Herrin bezog sich nur darauf, dass sie „peinliche“ Details anhören musste, die ihre prüde FreieFrauenWelt durcheinander gebracht haben… und der Anlass für das Vieraugengespräch mit meiner Herrin hatte nichts damit zu tun, dass er mit mir unzufrieden war… im Gegenteil, es gab keine Beschwerden… ganz und gar nicht! ;-))

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