Freitag, 22. November 2013

Unerwarteter Besuch aus Ar

Mein erster Weg sollte zu dem neuen Krieger führen, denn ich war sehr fleißig gewesen und einigermaßen stolz darauf, ihm sein neues Oberteil überreichen zu können. Fast den ganzen Tag hatte ich emsig daran gearbeitet und mir dabei nur dreimal in den Finger gestochen… dummerweise immer wieder in den linken, aber sonstige Unglücke und Beschädigungen vermieden. Nur leider war der Herr nirgends zu sehen. Mir blieb nichts anderes übrig, als mich schließlich beim Hauptmann nach ihm zu erkundigen. Von ihm erfuhr ich, dass der Rekrut im Auftrag der roten Kaste unterwegs war. Tja, da er vor kurzem noch betont hatte, wie gut er mit Kleidung ausgestattet ist, konnte er es wahrscheinlich verschmerzen, sein neues Kleidungsstück vorher nicht mehr in Empfang genommen zu haben.
 
 
Ich brachte die kleine rote Oberteilrolle also erst mal wieder zurück ins Haus meiner Herrin und hoffte natürlich, dass der Krieger vielleicht doch noch an diesem Tag zurückkehren würde, bevor ich mich wieder auf den Rückweg zur Terrasse machte. Es war wieder jede Menge los dort, zumal auch noch unerwarteter Besuch eingetroffen war… ein Krieger und seine Gefährtin. Es war der Hauptmann a.D. aus Kasra höchstpersönlich, jetzt allerdings wohnhaft in Ar, der bei meinem Eintreffen gerade ausgiebig mit Herummaulen beschäftigt war, weil er vom Hafen einen Umweg in die Stadt genommen hatte und daher erst jetzt eingetroffen war. Dabei hätte er es eigentlich besser wissen müssen.
 
Wobei ich mir sicher bin, hätte er den kürzeren Weg gewählt, wäre er zum Waffentraining in der Mitte der Hand wahrscheinlich auch zu spät gekommen. Er gehört nämlich zu den Männern, die ihr Schwert auf eine ganz besondere, sehr ausgiebige und vor allem zeitraubende Art und Weise ölen. Das weiß ich so genau, weil ich ihn dabei ja schon mal fast gestört hatte, als er seinerzeit hier eine Weile in einem der Gästehäuser wohnte, bevor er dann nach Ar gezogen ist. Zum Glück waren die keuchenden und stöhnenden Geräusche beim Ölen so eindeutig, dass ich mich schnell wieder verdrückt hatte, um ihn bei dieser wichtigen Sache nicht zu unterbrechen.

An diesem Tag jedoch schien er sich anscheinend über meinen Anblick zu freuen, denn er informierte seine Gefährtin grinsend darüber, dass er mich gekauft hatte und mich gleich mitnehmen wollte, wenn er abreist. Während ich erstaunt dachte, nicht richtig gehört zu haben, denn meine Herrin hätte mir über einen solchen Verkauf bestimmt etwas erzählt, setzte er dann noch breiter grinsend hinzu, dass ich als Tarnfutter verwertet werden soll. Mist, ich war ihm echt schon wieder auf den Leim gegangen… denn erst beim Verfüttern wurde mir klar, dass er sich mal wieder lustig über mich machte. Dabei war das letzte Mal noch gar nicht allzu lange her!
 
Leider antwortete er auf die interessierte Nachfrage des jortsschen Hauptmanns zu seinem Befinden nur etwas vage, dass im immer noch besetzten Ar offensichtlich alles in Ordnung ist und demnächst noch besser wird. So wirklich Konkretes über den Belagerungszustand durch die Cosianer gab er nicht von sich, war aber ganz zuversichtlich, dass die Wege nach Ar bald sicher sein werden, wenn erst die außenpolitischen Beziehungen intensiviert worden sind… also perfekte Zeiten für Männer wie ihn, mit reichlich Gelegenheit für Ruhm und Ehre. Als ich mich dann… übrigens auf Wunsch seiner Gefährtin, es gibt nämlich auch freie Frauen, die wissen was ihre Gefährten brauchen!... mit einer sanften Massage seiner Nackenmuskeln beschäftigten durfte, flüsterte er mir zu, dass er sobald es in Ar sicher ist, meine Herrin einladen will. Er vermutete, sie sei bestimmt sehr interessiert an den großen Sklavenhäusern dort oder an einer Honigmilch und so.
 
Hach, es war einfach toll, diesem Krieger den Nacken zu massieren und mich dabei eng an ihn anschmiegen zu dürfen. Ich bin eben einfach nicht nachtragend und war mir ziemlich sicher, dass mein Sklavenherz mal wieder etwas schneller schlug, weil der Herr ja eine sehr lange Zeit mein Lieblingshauptmann gewesen ist. Wobei ich diese Bezeichnung inzwischen nicht mehr öffentlich von mir gebe und auch nur noch eine geheime Liste über meine Lieblingsherren führe. Nach meinen neuesten Erfahrungen mit freien Frauen plinkerte ich zwischendurch vorsichtshalber mit einem Blick, der kein Wässerchen trüben konnte, zu seiner Gefährtin hinüber. Doch die unterhielt sich angeregt mit dem Hauptmann von Jorts über seinen Vogel, der sich inzwischen anscheinend gepaart hatte. Ohje, es scheint noch mehr Zuwachs im Hauptmannshaushalt zu geben?
 
Die Herrin beachtete mich und mein Tun jedenfalls gar nicht weiter und schien auch ihren Gefährten komplett zu ignorieren, der wohlig unter meinen Fingern vor sich hin brummte, aber trotzdem nicht unaufmerksam war. Er bemerkte nämlich sofort meine Herrin, als die um die Ecke der Terrasse kam und begrüßte sie wie immer sehr überschwänglich… diesmal mit „Tal Sonne von Jorts!“ und erlaubte mir großzügig, mit dem sanften Kneten seines Nackens vorerst aufzuhören, um meiner Herrin ihre Honigmilch zu bereiten. Das war wirklich sehr zuvorkommend, denn ich bin mir sicher, eine Fortsetzung der Massage hätte ihm wohl ganz gut getan, so wie es knirschte und knackte, als er nun prüfend seinen Kopf hin und her drehte.
 
Übrigens fiel dem Hauptmann von Jorts bei dieser Begrüßung sofort auf, wie sehr meine Herrin von seinem Kastenkollegen aus Ar geschätzt wird. Leider endete diese Höflichkeit dann jedoch in einem in meinen Augen überflüssigen Säbelrasseln unter den Kriegern, insbesondere bei dem Kriegerbauern… aber ich bin nur eine Sklavin, habe mir darüber kein Urteil zu erlauben und muss nicht alles verstehen. Außerdem entspannten sich alle auch schnell wieder und der Hauptmann aus Ar entschloss sich kurz darauf zu einem Spaziergang… schlau ist er wirklich. Leider nahm er dann aber anscheinend wohl das nächste Schiff, sodass ich ihn an diesem Tag nicht mehr gesehen habe.
 
Trotz Rückzug einiger Herrschaften wurde jedoch kein Sitzkissen kalt, da die Terrassenbesucher inzwischen fast Schlange standen, um eines der freigewordenen Kissen zu ergattern. Es gab also weiter gut zu tun für alle Kajirae und das waren an diesem Tag nicht wenige. Kein Wunder also, dass die meisten Gespräche dadurch mehr oder weniger an mir vorbeigingen. Ein Vorfall allerdings nicht, bei dem es für mich fast an ein Wunder grenzte, dass es keinen Zusammenstoß gegeben hat. Der Händler hechtete nämlich förmlich auf sein vorgewärmtes Lieblingskissen, kaum dass es frei geworden war. Na gut… dem Krieger, der die letzten Ahn mit Möbelrücken im Haus der neuen Händlerin verbracht hatte, war es vermutlich herzlich egal auf welchem Kissen er nach der Schlepperei seine müden Glieder ausstrecken konnte… Hauptsache es mussten keine Kisten mehr getragen werden und gab etwas zu trinken für seine durstige Kehle.
 
 Leider passierte mir zu später Ahn ein doofes Missgeschick… ich konnte mich nicht wirklich gut beherrschen und mir blöderweise ein Kichern nicht verkneifen, sodass der Lederarbeiter mich erbost anschaute, weil er annahm, ich hätte über ihn gelacht. Was für ein Mist… das stimmte leider, obwohl ich selbstverständlich weiß, dass eine Sklavin sich nicht erdreisten sollte, über einen Freien zu lachen. Ich kreuzte in Gedanken schnell meine Finger hinter dem Rücken und murmelte entschuldigend, mir sei gerade etwas Lustiges eingefallen… damit begann nur leider der Anfang von einem sehr unangenehmen Ende, obwohl es zwischendurch gar nicht sooo schlecht für mich aussah!
 
Hinterher schlich ich mich noch schnell zum menschenleeren Haus des neuen Rekruten, um meine Näharbeit vereinbarungsgemäß abzuliefern, denn der Befehl hatte „Lieferung in zwei Tagen!“ gelautet. ;-)

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