Montag, 4. November 2013

Viel zu tun

Ich wachte also wie gesagt leicht irritiert in dem mir bis dahin unbekannten Sklavenkäfig im Haus des Hauptmanns auf und rappelte mich hoch, um mich noch einmal umzuschauen in diesem mir bis dahin ziemlich unbekannten Haushalt. Während ich nach oben lauschte und mit leise knurrendem Magen darüber sinnierte, wie es mir in meiner eingesperrten Situation gelingen sollte, etwas zu essen zu bekommen, lehnte ich mich leicht gegen die Käfigtür und… fiel hintenüber. Huch? Ich war mir ganz sicher, der Hauptmann hatte sie am vorherigen Abend abgeschlossen, doch nun war sie offen.
 
Ohne lange abzuwarten schlich ich erst einmal leise die Treppe hinauf, allerdings war oben niemand. Der Hauptmann musste also bereits aufgestanden sein und hatte mir wahrscheinlich die Tür geöffnet, damit ich gleich nach meinem Aufwachen die auf mich wartenden Aufgaben in Angriff nehmen konnte. Eigentlich sehr nett von ihm, dass ich noch etwas länger schlafen durfte… vielleicht hatte er mir meinen Fehler inzwischen ja tatsächlich verziehen? Ich war jedenfalls hochmotiviert, mich von meiner oberallerbesten Seite zu zeigen und begann nach ein wenig Körperhygiene und etwas Sklavenbrei als erstes mit einem gründlichen Hausputz. Danach kam die flohverseuchte Wäsche darn, die zwar eingeweicht war, aber immer noch klatschnass auf ihre endgültige Reinigung wartete.
 
Das Waschen und Aufhängen der Hauptmannstunika auf die Wäscheleine hinter seinem Haus war schnell erledigt, sodass ich mich nach einem letzten Blick auf die lustig im Wind flatternde rote Kriegerkleidung schließlich Richtung Marktplatz aufmachte. Vom Hauptmann war zwar nirgendwo etwas zu sehen, aber ich kam anscheinend genau richtig, um den zwar sehr praktisch veranlagten, inzwischen aber leicht missgelaunten Lederarbeiter… er grummelte nämlich meine Arbeit machen zu müssen… bei der Bedienung einer mir unbekannten Freien und ihres Begleiters zu entlasten, die auf der Terrasse Platz genommen hatten. Sie waren anscheinend nach Jorts gereist, um eine Sklavin zurückzukaufen, die einer der Krieger dem Lederarbeiter liefern sollte. Nur hatte der seine Ware bislang noch überhaupt nicht erhalten… alles ein wenig verwirrend, fand ich.
 
Da die beiden Fremden nicht allzu gesprächig waren oder eigentlich überhaupt nicht redeten und auch keinen weiteren Bedarf an meinen Diensten hatten, verzog ich mich schnell auf den Marktplatz, um nun endlich den Hauptmann zu begrüßen, der dort inzwischen aufgetaucht war. Der fremde Herr hatte mir zuvor allerdings noch einen Bonbon zugesteckt… wofür weiß ich zwar nicht so genau, aber lecker war er trotzdem. Vom Hauptmann bekam ich übrigens sogleich einen Befehl, als hätte er bereits auf mich gewartet. Er ordnete an, dass ich dem Brauereikrieger nach seinem Training auf seine Kosten ein Ale vom Feinsten servieren sollte, was ich natürlich gerne tat. Anscheinend wollte er damit seinen Kastenbruder aufmuntern, der offensichtlich ziemlich verflöht gewesen war und nun erneut das Wasser im Bad verseucht hatte.
 
 
Immer noch gut gelaunt und sehr bemüht, den Hauptmann meinen peinlichen Fehler vergessen zu lassen, wuselte ich eigentlich den ganzen Tag emsig hin und her durch Jorts… musste wegen der Flohschwärme des Kriegerbauern das Wasser im Bad erneut wechseln und alles wieder sauber herrichten und später dem Lederarbeiter, der inzwischen erstaunlicherweise seine Ware tatsächlich erhalten hatte ausrichten, dass er seine Tür gut verschließen soll, da anscheinend Irre in der Stadt sind. Ich bekam zwischendurch sogar mit, dass der Hauptmann sich zumindest nicht ungehalten über meine Dienste äußerte, denn er unterhielt sich mit der Jägerin darüber, dass ich ganz gut spure, nachdem der mir am Vortag den Mund mit Seife ausgewaschen hatte und der Herrin war merkwürdigerweise aufgefallen, dass meine Aussprache viel deutlicher geworden war. Hmm, eigentlich finde ich ja, dass ich immer sehr bemüht bin und ob die Seifenspülung Auswirkungen auf meine Aussprache hat… keine Ahnung. Aber egal, ich verbuche die positiven Äußerungen einfach mal Anerkennung für meine Bemühungen… falls ich mich nicht doch verhört habe.
 
 
Mit dem Ale machte ich dem Brauereikrieger nach seinem Training wohl ebenfalls eine Freude, so wie er mich anlächelte. Allerdings hatte er auch gleich den nächsten Auftrag für mich. Er ordnete an, dass ich nach der Sängerin schauen soll, die von der Heilerin anscheinend Fellruhe verordnet bekommen hat und deswegen nicht ihre Meditationen bei den Brauereikesseln machen konnte. Ich fand das ehrlich gesagt nicht schlimm und informierte den Herrn darüber, dass die Herrin anscheinend schon ausgiebig meditiert hatte, so wie das Kupfer der Kessel blinkte und blitzte. Trotzdem lief ich natürlich schnell zum Haus der Herrin und fragte ob sie einen Wunsch hatte. Erstaunlicherweise lag sie gar nicht nieder, sondern plauderte mit dem Bootsbauer, der sie seit einigen Tagen ja fast nicht mehr aus den Augen lässt. Die Frage, ob es für eine alleinstehende Frau schicklich ist, einen Herrn einfach so zu empfangen, ging mich natürlich nichts an, trotzdem habe ich dem Hauptmann dies auf seine Nachfrage später natürlich berichtet.
 
 
Leider drehte sich das Gespräch am Tisch plötzlich um Diebstahl und wie einfach es ist eine Sklavin zu klauen. Ich behauptete zwar anfangs noch großspurig, mich würde sowieso niemand mitnehmen... der letzte Dieb hatte nämlich bereits am Hafen die Nase von mir vollgehabt, doch der Hauptmann schaffte es schließlich, mich richtig in Angst zu versetzen. Da meine Herrin ja zurzeit wieder auf einer Reise ist, würde nicht mal jemand merken, wenn ich geklaut worden wäre und plötzlich wär die eine Hand um und ich hätte einen neuen Besitzer. Irgendwie war ich jedenfalls froh, eine weitere Nacht in dem engen Käfig verbringen zu dürfen. ;-)

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