Donnerstag, 12. Dezember 2013

Charmeur trifft Quasselstrippe

Nachdem ich schon eine kleine Weile dem Muskelspiel der Krieger bei ihrem Waffentraining zugeschaut hatte, das in dieser Hand leider ohne den Hauptmann stattfand, gesellte sich auch eine der beiden neuen Stadtsklavinnen zu den Zuschauern und zog meine Aufmerksamkeit kurz auf sich. Nicht nur weil sie sich auf eine für eine Kajira eher ungewöhnliche Art ins Gras flegelte… immerhin waren wir durchaus im Blickfeld der trainierenden Krieger, sodass es mir zumindest wichtig war, mich knienderweise gut in Positur zu bringen, denn es könnte ja vielleicht einer der Herren mal zu mir hinüberschauen. Nein, die Sklavin war eigentlich auch etwas merkwürdig gekleidet. Oben herum eher wenig bis gar nichts mit nacktem Busen, dafür an den Füßen ziemlich dicke Stiefel… eine Kombination, die mich leicht irritierte. Doch darüber hielt ich lieber meine Klappe, denn das hatte mich nichts anzugehen.
 
Da ich diese Sklavin von früher noch kannte, interessierte mich viel mehr, wie es ihr in der Zwischenzeit ergangen war. Ich erkundigte mich natürlich nach ihrem letzten Herrn, da ich über den Namen des Sklavenhändlers auf ihrem Kragen schon ein paar Informationen aufgeschnappt hatte. Doch sie sprach nur von ihrem verstorbenen Herrn, den sie eigenartigerweise ausschließlich beim Vornamen nannte. Leider bekam ich nicht mehr heraus, durch welche Umstände sie von dem Sklavenhändler, der angeblich nicht ihr Herr gewesen war, sondern sich nur vorübergehend um sie gekümmert hatte, nun nach Jorts an die Stadtkette gekommen war. Doch meine Frage wurde schlagartig zur Nebensache, als sich einer der gutaussehenden Krieger, der seit ihrem unerklärlichen Auftauchen wohl ein Auge auf dieses Mädchen geworfen hat, plötzlich vor uns aufbaute.
 
Nachdem er erst mich und dann die Stadtsklavin intensiv gemustert hatte, verkündete er zu meiner Freude, wie sehr ihm mein Anblick gefiel. Seine vielleicht zukünftige Kajira herrschte er jedoch nur missmutig an. Das Mädchen flegelte sich nämlich immer noch lässig auf ihrem Allerwertesten im Gras und streckte dem Herrn die bestiefelten Füße entgegen. Ohje, bei „knie dich ordentlich hin“ tat sie mir echt nicht leid, aber als er die dicken Stiefelpuschen dann als hässliche Schlappen bezeichnete, keimte doch ein wenig Mitleid in mir auf. Dieser Hauch von Mitgefühl verflog allerdings sofort bei den gegrummelten Widerworten der Sklavin. Sie versuchte es zwar noch mit Anhimmeln, vermasselte die Sache mit den Stiefeln dann jedoch endgültig mit der überflüssigen Frage, ob sie dem Herrn denn nicht gefalle. Das hatte er doch bereits überdeutlich kundgetan! Kurzerhand zog er ihr die Dinger mit den Worten von den Füßen, dass er keine Kajirafüße leiden mag, die wie die eines Bauern aussehen, auf denen vorher offensichtlich noch ein Bosk gestanden hatte.
 
 
Da meine Herrin inzwischen vor der Festung aufgetaucht war… übrigens mit ihrem wunderschönen roten Tuch um die Schultern, dem Geschenk des ehemaligen Hauptmanns aus Kasra dafür, dass sie mich ihm seinerzeit für den Lydiusfeldzug ausgeliehen hatte… bekam ich nicht mehr mit, ob die Kajira irgendwann noch zu einer besseren Erkenntnis über ihren Status gelangt ist. Mein Augenmerk wandte sich nun nämlich Darks Herrn zu, der meiner Herrin bei seiner Begrüßung mal wieder gewaltig schmeichelte und diesmal besonders dick auftrug. Kein Wunder eigentlich, dass meine Herrin sofort skeptisch wurde und ihn als Krieger mit Schwert und Zunge bezeichnete, gleichzeitig sich aber auch erkundigte, worum es sich denn handelt und was es sie kosten wird. Doch mit schelmischem Blick verneigte sich der Rarius nur und wies darauf hin, dass er grundsätzlich langfristig denkt und deswegen zurzeit noch nicht sagen kann was er will und schon gar nicht, was es meine Herrin mal kosten wird.
 
Das Süßholzraspeln zwischen den beiden ging noch eine Weile weiter, bis der charmante Krieger schließlich das offizielle Trainingsende verkündete und es nach und nach alle ins Gasthaus zog. Nachdem meine Herrin der zurzeit in Jorts weilenden Sängerin aus Lydius noch ein paar Tipps zu deren neuen Kajirus gegeben und einem der beiden Rekruten zugestanden hatte, dass ich der Urtsklavin gelegentlich ein wenig auf die Sprünge helfe, da während ihrer Zeit als Freie wohl das eine oder andere in Vergessenheit geraten ist, zog es meine Herrin ebenfalls ins Gasthaus, denn ihre Honigmilch war inzwischen schon überfällig. Ungewöhnlicherweise saßen die Herrschaften an diesem Tag am hinteren Tisch… aber warum nicht, mal was anderes, es müssen ja nicht immer die inzwischen schon mit Namen bestickten Sitzkissen auf der vorderen Terrasse sein!
 
Leider hatten die beiden Krieger am Tisch bereits ihre Getränke, denn besonders um Darks Herrn hätte ich mich natürlich gerne gekümmert. Doch nachdem ich meine Herrin mit ihrer Milch versorgt hatte, durfte ich dem zehamputierten Rekruten einen Tee servieren. Der Herr muss ja bis zum endgültigen Verheilen der Wunde am Fuß dem Alkohol entsagen, sodass ich mich ziemlich ins Zeug gelegt habe, um ihn ein wenig über den Pagaentzug hinwegzutrösten. Außerdem waren die Blicke meiner Herrin aufgrund ihrer gegenüberliegenden Sitzposition perfekt durch den Tisch zwischen uns abgeschirmt und die Sängerin saß hinter mir, sodass ich trotz Anwesenheit zweier Herrinnen etwas rotseidener Servieren konnte.
 
Wobei ich glaube, meine Vorsichtsmaßnahmen waren gar nicht erforderlich gewesen, da meine Herrin nur Augen für Darks Herrn hatte, während ich den Rekruten anhimmelte. Ab und an hat meine Herrin ja wirklich Recht, auch wenn sie behauptet, sie habe es immer. Nur in diesem Fall traf ihre Aussage „typisch rote Seide, wenn Dina einen Krieger bedient, merkt sie nichts“ tatsächlich zu, denn ich war mal wieder hin und weg neben dem Herrn und hatte alles um mich herum über Kriege in rosa Tuniken und mit Wattebällchen statt Schwertern, diplomatische Honigkompromisse ohne oder doch lieber mit Milch, damit die Motivationskampfpausen kürzer ausfallen und die Schleifchen, die Darks Herr auf dem Rücken tragen will, irgendwie ausgeblendet, dadurch leider aber auch eine Frage meiner Herrin nicht mitbekommen. Zum Glück war meine Herrin so guter Stimmung, dass sie mir dies verzieh und ihre Frage dann selbst beantwortete.
 
Leider teilte mir der wohlerzogene Rarius letztendlich dann doch mit, dass er keinen Wunsch mehr hat, den ich ihm im Beisein von freien Frauen erfüllen kann und nahm seine raue Kriegerhand von meinem Schenkel, sodass ich zurück auf meinen Platz hinter meine gutgelaunte Herrin rutschte, die sich durch Darks Herrn und Obercharmeur an diesem Abend übrigens zu einer richtigen Quasselstrippe entwickelte. Ich kam nun also in den Genuss von ich weiß nicht wie vielen angedeuteten Geschichten, die mir im Gegensatz zu den anderen Herrschaften, die vor Neugier wahrscheinlich fast platzten, jedoch bereits bekannt waren und einem Bericht meiner Herrin über ein Erlebnis vor vielen Jahren in der Tahari, bei dem sich mal wieder gezeigt hatte, was ihre beste Waffe war und noch immer ist… doch das verrate ich hier natürlich nicht!
 
 
Übrigens war sie sooo gut gelaunt, dass sie sich sogar lobend über meine Qualitäten als Alarmanlage äußerte und richtig betonte, wie todesmutig ich bin, mich aufopfere und dafür sorge, dass das Eigentum meiner Herrin geschützt wird. Denn es ist ja noch gar nicht allzu lange her, da hatte ich meine Herrin ermuntert, doch mal aus dem Fenster zu schauen, ob irgendwelche Angreifer schon weg sind… oder meinte sie das etwa gar nicht lobend??? Merkwürdig war auch die Behauptung von Darks Herrn, dass ich Räuber anlocke wie Fliegen den Honig... oder so ähnlich. ;-))

Kommentare:

  1. Luc sagt:

    Es ist nachweislich der goreanischen Geschichtsschreibung so, dass Teddy nur ein einziges Mal überhaupt jemals einen Fuß in die Tahari gesetzt hat!

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  2. und das war dann das Ende der Bakah?

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