Mittwoch, 18. Dezember 2013

Dina

Komischerweise war diesmal das Spielehaus die zentrale Anlaufstelle für alle Freien, da dort anscheinend zwei Krieger Kaissa gespielt hatten. Das Spiel war jedoch bereits vorbei und der Rekrut inzwischen mächtig dabei mit seiner Sklavin anzugeben, der er für fast umsonst ein paar dünne Tanzseiden gekauft hatte. Den Kommentar des Brauereikriegers „sowas werden sie ja im Winter auch nicht los“ ließ er allerdings von sich abprallen, als habe er ihn gar nicht gehört. Vielleicht funktionierten seine Ohren aber auch nicht, weil er von der Schönheit seiner Kajira so geblendet war, denn es heißt doch, Männer seien nicht allzu multitaskingfähig?
 
Nachdem letztendlich auch noch der Hauptmann und sein Vertreter ihren Senf zu den Seiden dazu gegeben hatten, wandten sich die Herrschaften dann aber anderen Themen zu und ich wurde von dem Rekruten an seine rechte Seite beordert. Er wollte nämlich von mir wissen, ob und wie gut ich kochen kann, da ihm die tägliche Suppenkost seiner Kajira anscheinend mittlerweile zum Hals heraushing. Ich war selbstverständlich ehrlich und gestand ein, dass mir auch schon mal Essen übergekocht und angebrannt war, ich aber eigentlich wohl ganz gut kochen kann, jedenfalls ist meine Herrin noch nicht verhungert. Mit halbem Ohr lauschte ich nebenbei noch Richtung Hauptmann, der schon wieder von sich gab, dass er meiner Herrin wegen irgendwelcher Verwirrungen vorschlagen will, mich umzubenennen. Doch leider bekam ich ausgerechnet jetzt von dem Rekruten den Befehl, mich sogleich um den Kochunterricht seines Mädchens zu kümmern, da er den gutaussehenden Bootsbauer gerade zum Essen in sein Haus eingeladen hatte.
 
Mist, das war nun wirklich unglücklich, allerdings nicht nur wegen meiner Umbenennung. Nein, ich rechnete doch mit der nächsten Fähre mit der Ankunft meiner Herrin, die für mich nun mal über irgendwelchen Kochkünsten in Kriegerhaushalten steht. Immerhin blieb noch genug Zeit, um schnell die Vorräte im Rekrutenhaushalt zu sichten, sodass ich der Sklavin meine Zubereitung von gebratenen Suls mit Zwiebeln, Boskschinken und Vulorühreiern beibringen konnte und nebenbei noch ein wenig Nachhilfe in der Bedienreihenfolge. Doch dann war es leider auch schon Zeit, mich zu verabschieden, was mir ehrlich gesagt nicht leicht viel, so wie die beiden Männer und vor allem der gutaussehende Bootsbauer mich anschauten, während sie sich über mein Feuer und meine funkelnden Augen unterhielten. Hach, wirklich schade, zumal die Gefährtin des Bootsbauers nicht dabei war… aber eben nicht zu ändern.
 
Mein Timing hätte übrigens nicht besser sein können. Meine Herrin war nämlich gerade erst wenige Ehn zu Hause, als ich dort eintrudelte. Leider erfuhr ich von ihr, dass sie sich auf ihrem Landsitz einer kleinen Operation hatte unterziehen müssen, die zwar gut gelaufen war, nun allerdings noch einige Tage Schonung zur Folge hat. Doch für ihre geliebte Honigmilch auf der wie immer gut besuchten Terrasse des Gasthauses war sie bereits fit genug, auch wenn sie sich etwas früher zurückziehen musste. Irritierenderweise saß ein fremder Herr etwas separat auf einem Kissen, das wegen seines Aussehens offensichtlich nicht zu den Herbergskissen gehörte. Und so war es auch. Es stellte sich nämlich heraus, dass er ursprünglich ausgerechnet das Stammkissen des Hauptmanns für sein Hinterteil gewählt hatte und von diesen davon heruntergebrummt worden war… zumindest stelle ich mir das so vor, denn ich war nicht dabei, aber der Hauptmann brummt ja eigentlich ständig.
 
Der fremde Herr wurde übrigens auch brummig, während sich seine Gefährtin hinter ihrer Teeschale versteckte, als die Sprache auf ihren ungewöhnlichen Namen kam… sie hieß nämlich Dina, allerdings Lady Dina, da sie eine Freie ist und genau das war das Ungewöhnliche. Während der Hauptmann erneut brummte, wie kompliziert es für ihn ist zwischen Lady Dina und Dina zu unterscheiden, meinte ein anderer Krieger nur trocken, das sei doch ganz einfach. Die eine ist die mit den Schleiern und die andere die mit dem dicken Hinterteil, auf das er dann auch sofort mal draufklapste, weil dieses genau neben ihm kniete. Meine Herrin war über diesen Namen für eine Herrin irritiert und fand es sogar abwertend, ihn einer Freien zu geben.
 
Die Dina ist eine kleine, zierliche, wunderschöne Blume, aber auch eine ganz gewöhnliche und unwichtige. Sie wird oft „Sklavenblume“ genannt, denn es wird erzählt, dass einst ein Ubar die Tochter eines seiner Feinde mitten in einem Feld voller Dinas in die Falle gelockt hatte und für seine neue Sklavin danach dann den Namen „Dina“ wählte. Komischerweise schien diese Geschichte den beiden aus dem hohen Norden stammenden Herrschaften jedoch nicht bekannt zu sein. Im Gegenteil, der Herr behauptete, dass der Name „die Gerechte“ bedeutet und erwähnte als Beweis dafür irgendwelche Schriftrollen. Doch meine Herrin schaute darauf nur noch skeptischer und fragte vorsichtshalber noch einmal nach. Nun wurde der Herr jedoch allmählich sauer und unterstellte meiner Herrin, sie würde seine Gefährtin öffentlich beleidigen.
 
Als ihm klar wurde, dass er sich in die Nesseln gesetzt hatte, trat er freundlich grüßend, aber offensichtlich beleidigt den Rückzug an und zog mit seinem Sitzkissen von dannen, nachdem er meiner Herrin noch empfohlen hatte, bevor man über jemanden urteilt, sollte man erst mal in Erfahrung bringen, mit wem man es zu tun hat. Wie gut, dass eine Kajira nicht alles verstehen muss. Aber dass dieser Nordmann gerade einer Bürgerin des Heimsteins von Jorts, wo er zu Gast ist, ihre freie Meinungsäußerung hatte verbieten wollen und außerdem nicht abstreiten konnte, dass auch in seinem hohen Norden die Dina nicht nur ein typischer Sklavenname und eine Blume ist, sondern außerdem eines der berühmtesten und verbreitetsten Brandzeichen Gors, das weiß ich genau.

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