Dienstag, 10. Dezember 2013

In der Klemme

Noch gar nicht richtig wach, bemerkte ich sofort, dass etwas nicht stimmte. Ich konnte mich nämlich nicht wie sonst genüsslich räkeln und strecken, um meine Lebensgeister nach einer etwas unbequemen Nacht zu aktivieren… da war irgendetwas, das dies verhinderte! Genau, ich lag immer noch mit auf dem Rücken gefesselten Händen in dem neuen Sklavenkäfig des Hauptmanns, den ich in der letzten Nacht einweihen durfte. Übrigens ist er ebenso kurz wie die Erstanschaffung, denn es war genau das gleiche Käfigmodell. Während ich schläfrig nun versuchte, mich in die Diagonale meiner spartanischen Unterkunft zu drehen, mein Füße-durch-die-Stäbe-stecken reichte nämlich wegen der dahinter befindlichen Wand immer noch nicht zum Räkeln, fiel es mir endgültig wie Schuppen von den Augen und ich wurde schlagartig wach. Bahh, ein wirklich doofer Spruch in Anbetracht der Tatsache, dass ich nichts sehen konnte, obwohl es bestimmt schon lange Tag war. Ich meinte natürlich, dass meine Erinnerung an das gestrige Geschehen schlagartig wieder da war.
 
Mein Kopf steckte leider immer noch in der Sklavenhaube, die mich von meiner Umgebung absolut nichts erkennen ließ und die ich wegen meiner gefesselten Hände leider auch nicht loswerden konnte. Auch an das Entfernen des Knebels aus meinem Mund war nicht zu denken und vor allem kam ich nicht an das Schloss der Käfigtür heran. Mist, ich saß echt in der Klemme oder vielmehr im Sklavenkäfig des Hauptmanns fest und begann mit angehaltenem Atem nun besonders intensiv zu lauschen. Im Haus war jedoch absolut nichts zu hören, vor allem nicht mehr das sägende Paga-Schnarchen des Hauptmanns, das in der Nacht die Wände hatte erzittern lassen. Der Herr gehört nach meiner Einschätzung wohl ebenfalls zu den Männern, die nach dem Genuss von Alkohol besonders herzhaft und ausdauernd sägen.
 
Plötzlich drangen jedoch sehr leise Stimmen an mein Ohr, die ich nur leider nicht verstehen konnte, sodass ich sie dem Geschehen auf dem Marktplatz oder vielleicht auch der Terrasse des Gasthauses zuordnete. Mir wurde klar, geknebelt und gefesselt wie ich war, würde ich mich nie so laut bemerkbar machen können, dass mich draußen jemand hören konnte. Bei aller Vorliebe, einem Mann ausgeliefert zu sein, stieg nun allmählich Verzweiflung in mir auf, denn meine Herrin würde von ihrem Landsitz zurück kommen und nicht wissen wo ich steckte! Außerdem machte sich auf sehr unangenehme Weise meine Blase bemerkbar. Nicht auszudenken, wenn ich es nicht mehr aushalte und in den Käfig des Hauptmanns pieschern muss… die Pfütze würde sich bestimmt über den ganzen Fußboden verbreiten. Nach solch einem Missgeschick wollte ich den Hauptmann echt nicht erleben, denn die Kostprobe seiner Kreativität bei Strafen hatte mir ehrlich gesagt in Form meiner Mundspülung vollkommen gereicht!
 
Mir blieb nichts anderes übrig, als mit meinen Füßen rhythmisch gegen die Gitterstäbe zu trampeln, was immerhin ein halblautes Rumpeln und Scheppern erzeugte. Aber ob das ausreichen würde, um auf mich und meine prekäre Lage aufmerksam zu machen? Keine Ahnung, bestenfalls wenn draußen vielleicht jemand vorbei kommt… trotzdem gab ich nicht auf. Tja, die Priesterkönige müssen ein Einsehen mit mir gehabt haben, denn ausgerechnet an diesem Tag kam Katy vorbei. Ich glaube, sie wollte eigentlich den Hauptmann etwas fragen und befreite mich nach ein wenig Fummelei aus meiner unbequemen Käfighaltung. Dummerweise fiel mir erst bei ihrem Auftauchen wieder ein, dass der Hauptmann beim Einsperren das Schloss zwar immer demonstrativ mit besonders lautem, metallischem Klacken einrasten lässt, es in der Vergangenheit jedoch immer geöffnet hatte, bevor er sein Haus verließ, um z.B. seinen frühen Wachdienst anzutreten.
 
So war es auch diesmal, ich hätte also gar nicht so lange ausharren brauchen. Aber egal, ohne auch nur eine einzige Erklärung abzugeben, flitzte ich wie der Blitz erst einmal an Katy vorbei nach draußen zum erstbesten Gebüsch… übrigens keine Ihn zu spät! Danach erfuhr ich, dass meine Herrin bereits in der Stadt war und sputete noch eiliger nach Hause, um mich schnell anzuziehen. Dankenswerterweise hatte die fleißige Kajira der Händlerin für meine Herrin bereits eine gekochte Honigmilch auf ihrem Tablett, sodass ich diese nur noch zu servieren brauchte… allerdings leider nur normal gesüßt. In Anbetracht meiner Beichte über die falsche Servierreihenfolge am Vortag und warum ich bei ihrer Ankunft nicht aufzufinden gewesen war, wollte ich meiner Herrin jedoch ihr Lieblingsgetränk selbstverständlich nicht länger vorenthalten.
 
Mir blieb nichts anderes übrig, als das Risiko einzugehen, ohne Nervenberuhigung durch mindestens einen zusätzlichen Löffel Honig mit meinem Bericht über meinen Fehler zu beginnen. Zum Glück gelang es mir dann, meinen kaum mehr zu stillenden Wissensdurst in den Vordergrund zu stellen. Eine Kajira lernt eben nie aus und ich wollte natürlich nicht noch einmal eine Freie aus hoher Kaste zu verärgern, sodass meine Herrin sich in jeder Menge Erklärungen über die beim Servieren einzuhaltenden Hierarchien erging und anfing zu dozieren, was sie ja ganz gerne tut. Schließlich war es Zeit nach Hause zu gehen, denn es war inzwischen spät geworden und außerdem hatte meine Herrin immer noch ein Vulo mit Katy zu rupfen, die sich seit einiger Zeit ständig herumtreibt.
 
Meistens hält sie sich zwar in der Nähe vom Haus meiner Herrin auf, trotzdem hält sie es einfach nicht für nötig an ihrer Seite zu knien, wie es sich für ihre Kajira gehört. Gerade an diesem Tag spürte ich nach ihrer Beseitigung meiner Klemme im Hauptmannskäfig zwar jede Menge Dankbarkeit für Katy, doch seitdem meine Herrin sie erworben hatte, hatte dieses Mädchen genug Zeit zum ausgiebigen Nachdenken gehabt, sodass ich sie nun auf freundliche, aber sehr bestimmte Art ins Haus befahl.
 
Doch trotz der intensiven Kopfwäsche gegen ständiges Murren, die meine Herrin ihr in der Badewanne angedeihen ließ, bleibt wohl immer noch abzuwarten, ob diese Maßnahme vielleicht wirklich etwas bewirkt hat. ;-)

1 Kommentar:

  1. Du glaubst also mit gespieltem Wissensdurst geschickt abgelenkt zu haben...
    Glauben darf eine Kajira tatsächlich was sie möchte.

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