Montag, 23. Dezember 2013

Likör aus Turia

Nachdem die Sache mit dem D geklärt war, deutete der Hauptmann auf seine Füße, damit ich ihm meine Dankbarkeit für sein Zugeständnis zeigen konnte, indem ich seine Stiefel küsste. Zum Glück kam kurz darauf Lita dazu, um ihre Pastetchenbeichte abzulegen, sodass ich unbeobachtet schnell die Spuren meiner Tränen von den Schuhen des Hauptmanns abwischen konnte, die ich in dieser emotionalen Situation leider nicht hatte zurückhalten können. Erneut zeigte sich, wie praktisch es ist lange Haare zu haben die vors Gesicht fallen, wenn man demütig seinen Kopf senkt, was ich natürlich gerade tat.
 
 
Danach ging es erst mal für einen Kalana auf die Terrasse, wo der Hauptmann die anderen Herrschaften über unsere Umbenennungen informierte und sich dabei lustigerweise selbst verhaspelte und mit unseren neuen Namen durcheinander kam, denn auf einmal nannte er Sita nun Rita. Aber er war guter Dinge, dass er sich daran noch gewöhnen wird und die Verwechslungen nur am Anfang passieren. Warten wir es mal ab. Es stellte sich übrigens heraus, dass für den Lederarbeiter die Pastetchensache längst erledigt gewesen war und wir gar nicht hätten beichten müssen. Trotzdem fand ich es gut, dass Lita ihren Herrn darüber informiert hatte, denn der eigene Herr sollte einfach wissen, was sein Besitz angestellt hat… so halte ich es mit meiner Herrin ja auch immer.
 
Den Gesprächen der Herren am Tisch lauschte ich ehrlich gesagt nur mit halbem Ohr, während ich mich um das Servieren ihrer bestellten Getränke kümmerte, da es mich nicht sonderlich interessierte, ob irgendwo eine freie Frau vermisst wird und an welchen Körperteilen Herrinnen irgendwelche Haare haben. Interessant wurde es erst, als der Hauptmann versuchte, das Fass mit dem turianischen Likör an den Mann zu bringen oder vielmehr an den Baumeister, weil der seine Wurzeln anscheinend in Turia hat. Ohje, was sprach dieser hochwohlgeborene Herr geschwollen daher und was ist seine Gefährtin für eine hochwohlgeborene Oberzicke! Aber das habe ich mir natürlich nicht anmerken lassen.
 
Eine sehr feine Nase scheint der Gelbkastige jedenfalls zu haben, denn er schnupperte erst einmal an dem Likör, bevor er äußerst vorsichtig an ihm nippte, um den Kelch dann mit dezentem Hüsteln aber irgendwie eingefrorenem Lächeln auf dem Tisch abzustellen… angeblich weil sich das intensive Buket des Likörs noch etwas entfalten musste… oder sagte er abgasen? Egal, er trank ihn jedenfalls nicht, sondern huldigte später dann doch lieber einem guten Kalana aus Jorts, sodass die Luft auf der Terrasse vorerst noch rein blieb.
 
Dies änderte sich schlagartig mit dem Rekruten, den ich in der Bedienreihenfolge leider hinten anstellen musste. Ein wenig selbst Schuld war er ja, denn er hatte seiner Beinahesklavin erlaubt, sich bereits zurückzuziehen. Da ich noch beschäftigt war einem anderen Krieger sein Getränk zu servieren, nutzte der Hauptmann die zweite Chance für das Fass mit dem Likör aus Turia und bot es dem Rekruten an. Ich glaube der Lederarbeiter gab noch den Hinweis, dass er es lieber nicht trinken sollte, bekam aber den Ellbogen des Hauptmanns in die Seite gerammt, da dieser Likör als Abhärtungsmaßnahme zu verstehen sei und nicht als Mordanschlag auf den Krieger.
 
Er pries dem armen Rekruten, der sich das Fass inzwischen mit Begeisterung zum Tisch gerollt hatte, den Inhalt sogar als besonders nussig und von der Zunge abperlend an, sodass das Liköropfer seinen Humpen randvoll laufen ließ und den Inhalt hinunterkippte. Offensichtlich wirklich zufrieden mit dem Geschmack des Zeugs, füllte er gleich noch mal nach, während der Hauptmann mit seinem Kissen vorsorglich von ihm wegrutschte, da die blähende Wirkung des Getränks demnächst zu erwarten war. Und so war es auch. Die ersten Rülpser des Herrn waren ja noch vergleichsweise harmlos, aber als er sich dann die Hand auf den Bauch legte, seine Haltung mit leicht verkniffenem Gesichtsausdruck etwas zur Seite verlagerte, erneut rülpste und dann ein langanhaltendes „Pfffffpuuuup“ von sich gab, klappte allen Anwesenden der Unterkiefer herunter, denn niemand atmete bei dem schlagartig einsetzenden Verwesungsgeruch mehr durch die Nase.
 
Der Hauptmann meinte sogar, unter dem Tisch läge ein Toter…doch da war nichts, nicht mal eine kleine Urt. Wie gut, dass er noch dichter an den Lederarbeiter herangerutscht war, denn plötzlich kam der Likör samt Essen wieder zum Vorschein… der erste Mundvoll leider auf die Bodendielen der Terrasse. Nun war richtig Hektik angesagt. Der eine Krieger wies mich noch an, wegen der üblen Gase schnell ein paar wohlriechende Kräuter ins Feuer zu streuen, während der Hauptmann mir bereits befahl, das Fass umgehend zu entsorgen, weil der arme Rekrut inzwischen den Rest seines Essens über die Brüstung reiherte.
 
 
Leider kam mir natürlich die Aufgabe zu, den ekelhaft stinkenden Schweinkram wegzumachen, gegen den die noch nicht mal verdauten, rückwärts gegessenen Pastetchen am Vortag wirklich nichts gewesen waren. Wie gut, dass sich der Hauptmann für ein Handelsverbot dieses gefährlichen Zeugs einsetzen will. Ach ja, nun ist mir auch klar, warum auf dem Likörfass ein Totenkopf war.^^

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