Donnerstag, 19. Dezember 2013

Neue Fässer mit Folgen

Der Brauereikrieger hatte wegen seiner bemalten Fässer immer noch Spendierhosen an. Nachdem er am Abend zuvor schon Freiale ausgegeben hatte, war nun Freipaga angesagt, damit das neue Outfit der Fässer angemessen eingeweiht wurde.
 
Darks Herr kommentierte mein Eintreffen im Gasthaus übrigens damit, dass ich erst dann auftauche, wenn die Arbeit bereits getan ist, doch damit sollte er an diesem Abend ganz schön danebenliegen. Ok, um die erste Bedienrunde der durstigen Krieger nach dem Waffentraining war ich tatsächlich herum gekommen, weil ich mich noch ein wenig um meine arme schwächelnde Herrin kümmern musste, doch der Tag war ja noch nicht zu Ende und fing für den Hauptmann offensichtlich gerade erst so richtig an. Doch das bekam Darks Frühschlafengeher natürlich alles nicht mehr mit… selbst Schuld!
 
Da sich auch die auswärtigen Gäste so nach und nach auf den weiten Weg nach Hause machten und somit ihre Sklaven nicht mehr zum Getränkeausschank zur Verfügung standen, befahl der Hauptmann nun mir, dafür zu sorgen, dass die Becher stets voll sind, vor allem natürlich sein eigener. Auf meine überraschte Frage, dass er wieder aus einem Becher trank und nicht wie seit einiger Zeit aus einer Schale, brummte er lediglich, er habe sich für diesen Abend mit kostenlosem Paga vorgenommen, nach Hause zu kriechen und nach Paga Nr. 5 oder 6 fällt es ihm leider immer so schwer, eine Schale zu halten.
 
Kriechen war für einen der anderen Rarii übrigens das Stichwort den Vorschlag zu machen, sich doch lieber nach Hause tragen zu lassen, damit die Kleidung nicht so leidet. Komischerweise ging der Hauptmann auf das Angebot von Darks Herrn gar nicht ein. Er wollte ihn gemeinsam mit dem Kriegerbauern tragen, also jeder von ihnen einen Fuß, den Kopf würden sie dann den Priesterkönigen überlassen. Viel wichtiger war dem Hauptmann anscheinend schon wieder in die gut gelaunte Runde zu prosten, bevor er den Becherinhalt in sich hinein schüttete und danach kräftig rülpste. Über den Nachhauseweg wollte er sich anscheinend noch keine großartigen Gedanken machen.
 
Aber das war auch erst sein Paga Nr. 2 oder 3 gewesen und der Hauptmann noch so nüchtern, dass er sich mit seinen Kastenbrüdern über die Unruhen in Ar unterhalten konnte, weil sie aufpassen müssen, nichts davon nach Jorts schwappen zu lassen. Einzig ein angeblich weit bekannter Spruch des Kriegerbauern in Altgoreanisch „si vis pacem, para bellum“, stimmte den Hauptmann schlagartig sehr nachdenklich, denn er erkundigte sich nun erschrocken, ob er schon krank aussieht. Doch nachdem sein klugscheißender Kastenbruder ihm erklärt hatte, dass das nur „wenn du Frieden willst, bereite dich auf den Krieg vor“ hieß, beruhigte sich der Hauptmann sofort wieder, denn genau dies tun die jortsschen Rarii ja ständig und investieren zusätzlich sogar in Kräne.
 
Leider erfuhr ich immer noch nicht, was es mit den Kränen auf sich hatte, weil die inzwischen wahrscheinlich ziemlich angesäuselten Herren jetzt zum gegenseitigen Bemitleiden übergingen, da das Waffentraining wieder so anstrengend gewesen war. Der arme Brauereikrieger hatte angeblich sogar schon Blasen an den Füßen, weil er vom Kriegerbauern ständig um die Festung gescheucht worden war und befürchtete zusätzlich, demnächst noch ganz vom Fleisch zu fallen, wenn sie weiter so hart trainierten. Die vielen Pfeiltreffer waren wohl auch nicht ohne gewesen, so wie er mit schmerzverzogenem Gesicht nun seinen Allerwertesten abtastete, auch wenn die Herren natürlich immer Trainingspfeile ohne Spitzen nehmen.
 
Als es den Kriegerbauern dann nach einer Massage durch die sanften Hände seiner Sklavin in den heimischen Gefilden seines Hofes gelüstete, war es um das Sitzfleisch des Brauereibesitzers leider auch geschehen. Die Vorstellung, dass dieser Krieger in seinem lädierten Zustand jetzt auch noch alleine in seine kalten Felle legen musste, behagte mir natürlich ganz und gar nicht. Nicht auszudenken, was für schreckliche Verspannungen durch ein unangewärmtes Lager entstehen könnten! Daher war ich froh, vom Hauptmann die Erlaubnis zu erhalten, mit meinem Sklavenfeuer für ein wenig Abhilfe zu sorgen. Ich bin mir sicher, ich konnte recht schnell und überzeugend glaubhaft machen, dass an mir nichts Kaltes ist… im Gegenteil, alles war warm und anschmiegsam.
 
Später dann zurück im Gasthaus hatte ich durch meine Abwesenheit leider den Überblick verloren, wie viele Paga inzwischen den Weg durch die Kehle des Hauptmanns gefunden hatten. So undeutlich wie er jetzt sprach, müssen es jedenfalls einige gewesen sein, zumal er auch noch dazu übergegangen war, den Paga direkt aus dem Krug zu trinken. Seiner Gefährtin blieb beim Verabschieden nichts anderes übrig, als ihm damit zu drohen, ja nicht kriechend nach Hause zu kommen, denn sie konnte ihn weder dazu bewegen, mit ihr nach Hause zu gehen noch dem Paga für den Rest des Abends zu entsagen. Kriechen sei überhaupt kein Problem behauptete der Hauptmann, da er sich inzwischen entschlossen hatte, sich nach Hause tragen zu lassen und der zu euchzende Krieger klärte die Gefährtin auf, wofür der Kran gekauft werden soll… angeblich um den Hauptmann zu vorgerückter Ahn nach einem Abend mit Freipaga nicht mehr über die Straßen schleifen zu müssen.
 
Leider bekam ich danach nur noch einzelne Gesprächsfetzen mit, weil ich nun in der Küche etwas zu Essen für den Rekruten brutzeln musste, der mit den Kochkünsten von seinem Ding immer noch nicht zufrieden war, auch wenn das gestrige Abendessen dank meiner Erläuterungen wohl sehr gut geschmeckt hatte. Die Essenszubereitung dauerte eigentlich nicht besonders lange, doch diese kurze Zeit hatte trotzdem gereicht, dass der Hauptmann nach meiner Rückkehr auf die Terrasse nur noch ohhhs, uhuuuus und oiiihhhs von sich gab… zumindest so ähnlich hörte er sich an. Gleichzeitig behauptete er jedoch, es sei alles in Ordnung mit ihm, was ihm aber keiner der anwesenden Krieger so richtig glaubte und ich auch nicht. Es war wohl wirklich an der Zeit, vorsorglich schon mal einen Spuckeimer zu holen, denn Vorsicht ist besser als Nachsicht, zumal ich ja auch diejenige sein würde, die den rückwärts getrunkenen Paga samt sonstiger Beigaben dann aufwischen musste. Eine Maßnahme, die nach Meinung des besoffenen Hauptmanns total überflüssig war.
 
Leider stellte sich dann eine Idee des zu euchzenden Kriegers als richtig schlecht heraus. Er zückte nämlich seinen Dolch, legte seine linke Hand mit weit gespreizten Fingern auf den Tisch, um mit der Dolchspitze in schneller Folge in die Zwischenräume zu pieksen und forderte den Hauptmann auf, ihm das mit seinem besoffenen Kopf mal nachzumachen. Wie ich schon sagte, es war tatsächlich eine doofe Idee, denn in seiner betrunkenen Selbstüberschätzung nahm der Hauptmann diese Herausforderung natürlich an und lallte, das wäre alles ganz leicht für ihn. Allerdings hatte er schon gewaltige Schwierigkeiten, seinen Dolch überhaupt hervor zu fummeln, sodass der entsetzte Rekrut ihn von diesem Beweis seiner Nüchternheit abbringen wollte. Doch der zu euchzende Krieger meinte nur trocken, die Heilerin würde wahrscheinlich sowieso einen Aderlass empfehlen.
 
Ok, der Hauptmann war wenigstens noch so nüchtern, dass er für den Test die Finger des zu euchzenden Rarius benutzen wollte und nicht seine eigenen, was der andere ihm selbstverständlich verwehrte. Mir wurde darauf von dem Rekruten befohlen, mich sofort neben ihn zu knien… ein Befehl, dem ich in dieser brenzligen Situation selbstverständlich umgehend nachkam, da ich genau wie der umsichtige Rekrut befürchtete, der Hauptmann würde sich nach der Verweigerung seines Kastenbruders nun womöglich für meine Hand entscheiden. Seine Vermutung , meine Herrin würde ausrasten, wenn jemand ihr Eigentum beschädigte, war wohl nicht ganz von der Hand zu weisen, sodass ich glücklich war, dem Krieger später meine Dankbarkeit für diese Rettung noch zeigen zu dürfen.
 
Zum Glück nahmen die mit Freipaga zu feiernden neu bemalten Fässer dann doch noch ein gutes Ende… nämlich ohne Dolchverletzungen. Was für Schäden im Haus des Hauptmanns und womöglich in seinem Kopf noch auftreten… keine Ahnung, seine Gefährtin und seine Kajira haben jedenfalls mein Mitgefühl. Der Rekrut trickste den inzwischen wie ein Seemann auf seinem sturmgepeitschten Schiff heftig schwankenden Hauptmann jedenfalls aus. Er schnappte sich mit flinker Reaktion nach einer geschickten Ablenkung des Hauptmanns den gefährlichen Dolch und brachte seinen in langen Schlägen aufkreuzenden Vorgesetzten sicher in den heimatlichen Hafen des Hauptmannshauses… allerdings wohl nur bis zur Treppe, da er sich wegen der Gefährtin nicht ins Obergeschoss traute.
 
 
Mal sehen, ob es mir gelingt, dem Hauptmann heute etwas aus dem Weg zu gehen, zumindest so lange bis ich weiß, ob der ausgiebige Pagakonsum unangenehme Folgen nach sich gezogen hat. Sein Schädel wird bestimmt fürchterlich brummen… irgendwie passend, weil Brummen beim Hauptmann doch eine sehr beliebte Kommunikationsform ist und ihm somit sehr vertraut. ;-)))

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