Montag, 9. Dezember 2013

Servieren… nicht immer leicht

Eigentlich hatte ich angenommen, mein Auftauchen in der Stadt würde sich an diesem Tag gar nicht lohnen, doch ich wurde schnell eines Besseren belehrt, denn die meisten Kajirae waren mit anderen Aufgaben beschäftigt. Nach und nach trudelten zu meiner Freude nämlich immer mehr Bürger, aber auch Gäste ein. Teilweise kamen sie von irgendwelchen Reisen zurück oder auch einfach nur aus ihren Häusern, sodass mir kein bisschen langweilig wurde. Noch vor der Terrasse durfte ich den Hauptmann und einen weiteren Krieger mit einem Getränk bedienen, während die Kajira der neuen Händlerin sich um die Versorgung des Lederarbeiters und der Gastschreiberin kümmerte. Waren es anfangs auf dem Marktplatz noch servierte Stehgetränke, so gingen die Freien nach und nach dann doch zum Hintern platt sitzen auf der Terrasse über, nachdem die Steine draußen irgendwann wohl als platt genug angesehen worden waren und außerdem noch mehr Herrschaften eintrafen.
 
 
Nachdem sich die andere Sklavin leider anderen Arbeiten widmen musste, kam mir die Aufgabe der Bedienung dann alleine zu. Manchmal bin ich bei einer so großen Flut von Bestellungen zwar etwas gestresst, doch an diesem Tag machte mir das überhaupt nichts aus. Es gibt bei mir eben solche und solche Tage und gestern war wohl einer von den besseren… fand ich jedenfalls, denn ich ließ mich nicht aus der Ruhe bringen. Auch nicht, als einer der Rekruten wie ein Wilder in die Küche gerannt kam und nach einer Schale verlangte, um sich seinen Paga in Selbstbedienung zu zapfen. Warum nicht, wenn er nicht warten will und mir sogar Arbeit abnimmt, zeige ich ihm gerne das Pagafass. Ich ließ mich auch nicht aus der Ruhe bringen, als mich zwischendurch Beschwerden erreichten, meine Ohren seien nicht in Ordnung, denn ich weiß, dass sie es sind und sauber auch. Bei vielen Menschen und entsprechend lautem Stimmengwirr auf der Terrasse, kann es schon mal passieren, dass ich nicht jeden Ruf höre, vor allem wenn ich zwischendurch nebenan mit der Zubereitung von Getränken oder Speisen zu tun habe. Aber was soll‘s, ich werde meiner Herrin selbstverständlich gerne den Wunsch übermitteln, mich zur Heilerin zur Ohrenuntersuchung zu schicken, auch wenn ich dies als vollkommen überflüssig ansehe... nur darüber hat eine Sklavin nicht zu entscheiden.
 
Eine Kajira hat auch nicht darüber zu entscheiden, in welcher Reihenfolge sie Freie zu bedienen hat, denn es geht nicht nach Mögen und Nichtmögen, sondern nach Heimstein, Kaste und Geschlecht. Ich meine, mir war vor langer Zeit beigebracht worden, dass die Heimsteinzugehörigkeit die oberste Priorität hat. Danach kommt die Hierarchie der Kasten, allerdings mit Berücksichtigung der Geschlechter. Wobei vor allen anderen Herrschaften natürlich der eigene Herr bzw. in meinem Fall meine Herrin zu bedienen ist. Doch die war wie immer an den letzten drei Tagen der Hand auf ihrem Landsitz. Von den hohen Kasten bediente ich daher als erstes den Hauptmann, danach einen anderen Krieger, denn in einer männerdominierten Welt wie Gor werden Herren grundsätzlich vor Herrinnen bedient, außer es ist wie gesagt die eigene Herrin. Da es für diesen Krieger so aussah, als hätten alle Anwesenden bereits ein Getränk, wies er mich an, neben ihm knien zu bleiben. Ich glaube, er wollte noch ein wenig meine Nähe genießen, was mir natürlich nicht unangenehm war. Pech war nur, es hatten noch nicht alle etwas zu trinken und der Rarius hatte nicht mit seinem Hauptmann gerechnet, der zwar in der gleichen Kaste, ihm aber vorgesetzt ist und vor allem sehr aufmerksam.
 
Von dem erhielt ich nun den unmissverständlichen Befehl, mich um die anderen Gäste zu kümmern, darunter eine Heilerin und eine Schreiberin, beide also ebenfalls von hoher Kaste, aber nur freie Frauen und auch nicht heimsteinangehörig. Da die Gastheilerin schon etwas länger in der Stadt ist, erschien es mir logisch, sie zuerst nach ihrem Wunsch zu fragen und die Gastschreiberin noch etwas warten zu lassen, denn sie würde schon nicht verdursten, da sie ja erst kurz zuvor draußen auf dem Marktplatz ein Getränk serviert bekommen hatte. Oha, mit dieser Annahme lag ich ziemlich daneben und das Unglück nahm mit dem Auftauchen des Lederarbeiters schließlich seinen Lauf, indem ich ihm nun einen weiteren Paga servierte, und zwar bevor ich mich zuletzt der Gastschreiberin zuwandte. Diese Dame war mittlerweile kurz vor dem Platzen…jedenfalls sah sie so aus, während sie mich bei ihrer Wasserbestellung anfauchte.
 
Warum hatte ich sie nicht als nächste bedient, sondern den Lederarbeiter vorgezogen?
 
Unter dem Gesichtspunkt, dass in der männerdominierten Welt von Gor der Heimstein das Wichtigste für jeden Goraner ist und das Kastensystem an zweiter Stelle rangiert, hatte ich mir überlegt:
  • Die Gastschreiberin ist keine Heimsteinangehörige, nur eine Frau, allerdings hochkastig.
  • Der Lederarbeiter gehört dem Heimstein von Jorts an, ist ein Mann, jedoch als Handwerker nur niedrige Kaste.
 
Es erschien mir daher richtig, zuerst den Lederarbeiter zu bedienen, weil er ein Heimsteinangehöriger von Jorts ist, danach dann erst die heimsteinfremde Gastschreiberin. Tja, leider eggte ich damit ziemlich an. Bei der inzwischen giftsprühenden Herrin sowieso, deren Art mich übrigens sehr stark an eine Freie erinnerte, die allerdings nur vorübergehend Jorts wohnte und inzwischen weiter gezogen ist. Nein, auch bei dem Hauptmann stieß ich mit der Reihenfolge auf Unmut, sodass er mich wegen meiner Vorgehensweise nun zur Rede stellte, mir damit aber dankenswerterweise auch eine Chance für Erklärungen einräumte. Natürlich war ich inzwischen ziemlich klein und total verunsichert, denn ich bin doch nur eine Sklavin, die einfach versucht hatte, alles richtig zu machen, damit sich niemand benachteiligt fühlte, was in dieser etwas kniffligen Situation nur leider etwas schwierig war. Trotz meiner Erklärungen gelang es mir auch leider nicht, den Hauptmann von meiner Vorgehensweise zu überzeugen. Er befahl mir, zukünftig die Gastschreiberin vor dem Lederarbeiter zu bedienen.
 
Leider war die Folge davon, dass der Lederarbeiter nach einigem Hin und Her beleidigt von dannen zog, der Hauptmann allerdings hinter ihm her. Uff, irgendwie hatte ich schon wieder Schuld, auch wenn meine Herrin immer behauptet, dass dies nur der Fall ist, wenn sie es sagt… also mal abwarten? Nein, ich hatte wirklich Schuld, denn einen der Krieger hatte ich tatsächlich nicht bedient, nämlich den Pagaselbstbediener. Trotz gesunder und sauberer Ohren war mir leider komplett entgangen, dass die Heilerin dem Rarius seine Pagaschale aus medizinischen Gründen wieder abgenommen hatte. Zusätzlich hatte sie ihm auch noch drei Hand Alkoholabstinenz verordnet. Der Herr wartete seitdem also auf seinen Tee, den ich ihm in jedem Fall noch vor dem Lederarbeiter hätte servieren müssen! Zum Glück war der Krieger sehr nachsichtig mit mir.
 
Ach ja, eines noch, damit sich niemand fragt, warum ich nicht einfach ein Tablett mit verschiedenen Getränken auf den Tisch gestellt habe, damit alles etwas schneller geht. Ich fand es schöner, jedem Freien meine Aufmerksamkeit zu widmen und nach dem jeweiligen Getränkewunsch zu fragen… Paga, Ale, Kalana, schwarzer Tee und Wasser waren es in diesem Fall. Auch wenn ich von den meisten Bürgern ihr Lieblingsgetränk kenne, es werden manchmal auch noch Säfte, unterschiedlich verdünnte Getränke oder auch ein Kräutertee und von meiner Herrin natürlich heiße Honigmilch gewünscht. Es handelte sich hier um eine gesellige Klöhnrunde aus Bürgern und Gästen von Jorts, unter denen mit Sicherheit niemand war, der kurz vor dem Verdursten war, sodass ich weder einen Anlass für eine Massenbestellung gesehen habe, noch für Selbstbedienung von einem auf dem Tisch befindlichen Tablett. Ich finde, gerade in gemütlicher Runde muss so viel Zeit vorhanden sein, dass ein Herr oder Herrin eben auch ein wenig auf ihr Getränk wartet.
 
Tja… und wie ich den Befehl des Hauptmanns nun aufzufassen hatte, in dieser Nacht in seinem Haus zu schlafen? Keine Ahnung… Strafe? Nein, für mich jedenfalls nicht. Vielleicht wollte er einfach nur seinen zweiten Sklavenkäfig eingeweiht wissen… irgendwie scheine ich wohl seine Sklavenkäfig-Einweiherin geworden zu sein, diesmal allerdings mit der Variante „Knebel und Sklavenhaube“……………... ;-)

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