Sonntag, 22. Dezember 2013

Strafe oder Ehre?

Irgendwie scheint es für mich zur Regel zu werden, Lita mit geknebeltem Mund stumm anflehen zu müssen, um den doofen Sprechverhinderer loszuwerden. Zum Glück hatte sie auch an diesem Tag ein Einsehen mit mir und band sich den Knebel wieder an ihren Gürtel, wo er diesmal auch bleiben sollte. Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich jedoch noch nicht, dass mich eine andere, viel schlimmere Strafe erwartete.
 
Es war übrigens wieder jede Menge los in der Stadt und ganz besonders auf dem Marktplatz, dem zentralen Treffpunkt für Freie und Unfreie. Anscheinend war sich der Brauereibesitzer gerade mit der Pfeife rauchenden Händlerin einig geworden, die erst kürzlich ein Fass mit Blähungen verursachendem Likör aus Turia dagelassen hatte. Doch das ist eine andere Geschichte. Der nette Brauereikrieger sah in der Herrin offensichtlich keine Konkurrenz für seine eigenen Erzeugnisse und hatte ihr daher zugestanden, sich in Jorts niederzulassen... sie benötigte also ein geeignetes Haus, das der Hauptmann ihr nun zeigen wollte. Tja, und dann geschah etwas für mich Unerklärliches.
 
Der Hauptmann sah mich an, brummte auf seine typisch barsche Art: "Rita, mitkommen!" und stapfte dann auch schon mit der Händlerin und dem Brauereikrieger davon. Huch, wer war denn Rita... hatte er etwa schon wieder eine neue Sklavin? In der Annahme, er hatte gar nicht mich gemeint, schaute ich erstaunt hinter mich, doch dort war niemand, sodass mir nichts anderes übrig blieb, als mich besorgt bei Lita zu erkundigen, ob es ihrem Herrn an diesem Tag vielleicht nicht so gut ging. Leider klärte sie mich jedoch darüber auf, dass ihr Herr beschlossen hatte mich Rita zu nennen in der Zeit, in der ich bei ihm in Obhut bin. Ohje, er wollte mich bestrafen... nur wofür? Verbrachte ich nicht sowieso schon jede Nacht in seinem Sklavenkäfig meistens geknebelt, gefesselt und mit Sklavenhaube?
 
Total irritiert zermarterte ich mir mein Hirn, doch mir fiel kein Fehler ein, der diese neue, wirklich harte Strafe verursacht haben könnte. Mir war zwar klar, dass eine Kajira keinerlei Anrecht auf einen Namen hat und sich glücklich schätzen muss, überhaupt einen zu bekommen, trotzdem war das ein gewaltiger Schock für mich. Was gefiel ihm denn daran nicht, dass meine Herrin mir den Namen Dina gegeben hat? In den vielen Jahren seit ich auf Gor bin, haben mich übrigens alle meine Besitzer Dina genannt. Einzige Ausnahme war vor langer Zeit ein Tavernenwirt gewesen, von dem ich den Namen Findling erhielt, weil er mich auf dem Lydiusfeldzug halb verhungert gefunden hatte. Und meine Herrin gab mir nur einmal kurz den Namen ina. Ich verlor damals zur Strafe für eine Hand das D, weil ich einen Fehler gemacht hatte... eine wirklich schlimme Maßnahme für mich.
 
Und nun war ich Rita... hatte die "Ehre" eines neuen Namens erhalten, der für mich schrecklicher nicht hätte sein können. Diesen grässlichen Namen empfand ich als eine so heftige Strafe, dass ich nicht anders konnte, als mit hängendem Kopf und heruntergezogenen Schultern, als würde eine schwere Last auf ihnen liegen, hinter dem Hauptmann herzutrotten, während ich krampfhaft versuchte, gegen den traurigen Kloß in meinem Hals und die aufsteigenden Tränen anzukämpfen. Um nicht noch mehr in Ungnade bei meinem Obhutherrn zu fallen, muckste ich natürlich nicht auf, näherte mich ihm aber gerade nur so weit, dass ich nicht auch noch eine Strafe wegen mangelnder Gehorsamkeit riskierte und sank um meine Fassung bemüht, mit niedergeschlagenem Kopf an der Hausecke auf meine Knie.
 
Dem Brauereikrieger fiel sofort auf, dass mich etwas ganz schrecklich bedrückte, doch der Hauptmann ignorierte seinen Hinweis einfach und befahl mir, das Haus für die Likörhändlerin zu reinigen... eine gute Möglichkeit, mir meinen Frust in Form gewaltiger Staubwolken durch die offene Haustür Richtung Hauptmann von meiner Seele zu fegen. Dachte ich jedenfalls, es klappte aber nicht. Der traurige Kloß in meinem Hals wurde immer größer je länger ich fegte und je mehr Staub ich aufwirbelte, sodass der Wasserstand in meinen Augen kurz vor dem Überschwappen war und ich überhaupt nichts mehr erkennen konnte, sondern nur noch so tat als würde ich saubermachen.
 

Der Hauptmann merkte natürlich doch, dass etwas mit mir nicht stimmte und herrschte mich an, weil ihm mein Benehmen nicht gefiel. Er zog mich schließlich zur Seite und erklärte mir seine Entscheidung, dass er mich die nächsten 3 Hand Rita nennen wird, weil auch Kajirae in seiner Obhut Namen mit der Endung ita erhalten. Er hält es sozusagen wie meine Herrin mit ihren inas, ersetzt nur das n durch ein t. Leider war es darauf jedoch endgültig um meine Beherrschung geschehen und ich löste mich restlos in Tränen auf, erhielt allerdings die Möglichkeit, dem Hauptmann zu erklären, was für mich so schlimm an dem Namen Rita war. Nach meinen geschluchzten Versuchen, ihm meine schrecklichen Empfindungen bei diesem Erdennamen verständlich zu machen, hatte er ein Einsehen und ließ mir wenigstens das D, nennt mich nun also Dita... wirklich eine Ehre für eine so unbedeutende Kajira wie mich.
 
Trotzdem machte es mich unheimlich glücklich, dass alle anderen Herrschaften an diesem Abend weiter bei Dina geblieben sind... zumindest bislang.;-)))

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