Sonntag, 15. Dezember 2013

Verwirrendes

„Dina du kommst wie gerufen“ und „Genau, die kann sich um die Stinkerin kümmern“ waren die Worte der Krieger, die mir meinen ersten Arbeitsauftrag einbrachten, nachdem ich den Marktplatz erreicht hatte. Es ging darum, ein ziemlich unangenehm müffelndes Waldmädchen mit kaltem Wasser aus der Pumpe hinter dem Gasthaus von ihrem strengen Geruch zu befreien, damit die Heilerin nicht mangels ausreichend zuträglicher Atemluft in Ohnmacht fiel bei ihrer Untersuchung. Die Gnädigste behauptete zwar stur, sie sei eine Freie und verbat sich von mir mit „Mädchen“ angesprochen zu werden. Doch das war mir zu diesem Zeitpunkt ziemlich schnuppe, denn sie trug ein Seil um ihre Handgelenke, war in meinen Augen also nicht so richtig frei.
 
Wie nicht anders zu erwarten machte sie reichlich Getue um ihre Körperwäsche, allerdings weniger wegen des kalten Wassers, sondern weil jemand sie nackt sehen könnte. Natürlich konnte ich mir nicht verkneifen, ihr deutlich zu machen, dass es für jede Kajira mehr als angebracht ist, sich beizeiten an Nacktheit zu gewöhnen, wenn sie einen Herrn erfreuen möchte. Huiiih, fast dachte ich schon, sie würde sich gleich in Luft auflösen. Besonders bei Reisekajirae ist ja das Phänomen der Wasserlöslichkeit an der Tagesordnung und mir durchaus bekannt. Doch erstaunlicherweise gelang es mir, die angebliche Nichtsklavin schließlich doch noch dem Krieger unaufgelöst und vor allem nicht mehr stinkend zurückzuliefern, sodass ihrer Untersuchung bei der Heilerin also nichts mehr im Weg stand.
 
Eigentlich nur logisch, dass den drei Steine platt tretenden Kriegern nach meiner Reinigungsleistung nun erst einmal der Sinn nach einem Getränk stand. Ihre Kehlen waren von dieser schweren Tätigkeit inzwischen wohl ganz ausgetrocknet worden. Sie bestellten zwei Steh-Kalana und ein Steh-Ale, da sie zu dem Zeitpunkt ihre Stellung auf dem Marktplatz noch nicht aufzugeben gedachten. Nett wie ich war, überließ ich Katy die Wahl, ob sie lieber Ale oder Wein servieren wollte und hörte mit Erstaunen, dass sie sich für das Ale entschied, weil die beiden Kalana-Besteller nicht so wirklich zu ihren Servierbevorzugten zählten. Perfekt für mich, was wollte ich mehr, gelang es mir doch nun den Hauptmann zu bedienen, da er an diesem Tag seine eigene Sklavin mit anderen Aufgaben betraut hatte.
 
Während ich vor dem Hauptmann auf die Knie sank und den zweiten Kelch neben mir auf dem Boden abstellte, gab er komischerweise erfreut von sich, wie aufmerksam er es fand, dass ich ihm gleich zwei Kalana brachte. Zwar ein wenig verwirrt, ignorierte ich diesen Ausruf aber einfach und begann unbeirrt mit dem Servieren des für den Hauptmann gedachten Kelchs, denn der andere war doch für den zu euchzenden Krieger gedacht. Ich vermutete nämlich, dass der Hauptmann mich nur foppen wollte. Erstaunlicherweise war er an diesem Tag wohl recht gut gelaunt und auch etwas feinfühliger aufgelegt, denn er bedankte sich für sein Getränk ausnahmsweise mal mit einem zwar kurzen, aber überaus angenehmen Kraulen meiner Haare und nicht mit dem wie sonst üblichen Kopfditscher.
 
Leider blieb mir jedoch nicht lange Zeit, mich über diese ungewohnte Zuwendung zu freuen. Der Hauptmann bückte sich gleich danach zu dem anderen, immer noch auf dem Boden neben mir stehenden Kelch herab, lobte mich allerdings erneut, wie toll es ist, gleich zwei Kalanakelche auf einmal zu erhalten. Tja, von wegen foppen, er wollte den zweiten tatsächlich. Ich gab zwar noch von mir, dass dieser eigentlich nicht für ihn bestimmt gewesen war, nur blieb mir nichts anderes übrig, als erneut in die Taverne zu flitzen, um einen weiteren Wein zu holen, damit auch der dritte Herr schließlich sein bestelltes Getränk erhielt. Warum die Krieger auf Kräne und pinkelfeste Bäume tranken, erschloss sich mir jedoch leider nicht mehr… aber ich muss ja auch nicht alles verstehen.
 
Inzwischen war der Lederarbeiter mit einer weiteren Reisekajira zu der Gruppe getreten, um sie bei dem Händler abzuliefern, damit das Mädchen wie in Jorts üblich, bis zu ihrem Verkauf an die Stadtkette genommen wird. Shani war zwar nicht gerade begeistert darüber, für die Sklavin in der Schmiede ein passendes Stadtcollar zu suchen, doch da der unzuverlässige Schmied mal wieder nirgends aufzutreiben war, blieb ihr nichts anderes übrig. Zu diesem Zeitpunkt war die Kajira übrigens noch recht willig und folgte ohne großes Gezeter, doch das sollte sich bald ändern und Jorts besitzt nun einen Stadtkragen weniger. Es stellte sich nämlich heraus, dass diese Kajira tatsächlich zu der sich in Luft auflösenden Sorte gehörte, als sie sich nackt ausziehen sollte… naja, eine 99er eben. Sie verpuffte schlagartig, weil sie sich vor den ganzen asozialen Wichsern auf der Terrasse zu sehr ekelte… pfui aber auch! Oder habe ich das nur geträumt?
 
Die Herren hatten ihren Allerwertesten übrigens irgendwann dann doch auf die Terrasse verlagert, ihre Gespräche drehten sich aber weiter um irgendwelche Kräne. Ich glaube, der Händler bezeichnete den Hauptmann sogar als Bauarbeiter, weil der so eine ungeahnte Liebe für Kräne entwickelt hatte. Ein ungewöhnlicher Umstand, da Krieger seiner Meinung nach doch in erster Linie ihr Schwert lieben. Aber so ist und bleibt es natürlich auch. Der Hauptmann klärte den Händler sofort auf, dass sein Schwert selbstverständlich an erster Stelle steht, Kräne allerdings kurz danach kommen… trotzdem, immer noch alles sehr verwirrend für mich, aber das sagte ich ja schon.
 
Tja, der Abend ging sogar verwirrend zu Ende mit einer Aufgabe des Hauptmanns, mir gemeinsam mit Katy etwas zu überlegen, worüber ich hier lieber noch nichts verlauten lasse. Außerdem tauchte eine Händlerin auf, die zwar anscheinend dem Marktverbund angehört, aber eher den Eindruck hinterließ, zur von-und-zu-Flinkfinger-Fraktion zu gehören. Nach einigem Hin und Her über Unbedenklichkeitserklärungen wegen Löchern in Stiefeln und dem blähenden Beweis nach einer Eigenverkostung durch die Händlerin, war der Hauptmann dann aber doch davon überzeugt, ein gutes Geschäft mit dem überlassenen Fusel zu machen. Er schloss jedenfalls die Kette auf, mit der er den Wagen der Händlerin an einen Baum gekettet hatte, sodass die Dame weiterziehen konnte. ;-)

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