Samstag, 7. Dezember 2013

Vorlieben

Am Vorabend hatte sich mal wieder ganz Jorts auf der Terrasse der Herberge versammelt, einschließlich diverser Gäste, darunter auch eine She Urt, die in meinen Augen wahrscheinlich auf einen Kragen aus war, allerdings vorerst noch mit allem gebotenen Anstand eine Freie mimte. Dem Hauptmann kam die Frau wohl irgendwie bekannt vor, doch er bekam nicht mehr zustande, wo er sie möglicherweise getroffen haben könnte. Mir war das alles ziemlich egal, vermutlich war es nur eine Frage von kurzer Zeit, wann die Stadtkette Verstärkung erhalten würde.
 
Eine andere Debatte interessierte mich ebenso wenig, nämlich die Verhandlungen einer Schreiberin mit dem Händler. Die Herrin war anscheinend sehr daran interessiert, sich in der Stadt niederzulassen. Ein Umstand, der grundsätzlich wohl nicht schlecht für Jorts ist, ich fragte mich nur, warum nicht zur Abwechslung auch mal ein männlicher Vertreter dieser Kaste mit einem solchen Gesuch kommen kann? Aber abwarten, wie sich die Dame macht, Paragraf 197, Absatz 12, Unterabsatz 7 der Gartenbauverordnung kannte sie jedenfalls nicht und konnte daher auch nicht beantworten, unter welchen Voraussetzungen in Jorts ein Baum gepflanzt werden darf, denn einer der Krieger hatte dieses offensichtlich vor.
 
Auf der Terrasse stand nämlich ein kleiner Baum, daneben der Lieferant aus Enkara und der Käufer, der meiner Herrin nach unserem Eintreffen seinen Pagabecher in die Hand drückte, um beide Hände frei zu haben. Wobei... ich glaube es ging mit dem Überreichen des Bechers noch gar nicht um diesen einzupflanzenden Baum. Der Herr brauchte vorerst wohl nur beide Hände für eine Verrichtung an einem anderen Stamm und wollte auf Nummer Sicher gehen, dass hinterher in seinem Becher noch die gleiche Menge seines Lieblingsgetränks ist wie vorher, denn Paga wird ja auch von dem Hauptmann mit Vorliebe und vor allem in Mengen getrunken.
 
Bei meiner Herrin war dieses Trinkgefäß jedenfalls in besten Händen. Sie hielt den Becher nämlich mit spitzen Fingern weit von sich gestreckt und bewachte ihn ohne jegliche Gelüste auf seinen Inhalt, denn ihre Getränkevorliebe gilt eindeutig heißer Milch mit Honig, um die ich selbstverständlich auch sofort kümmerte. Zurück aus der Küche stellte ich dann fest, dass es inzwischen noch voller auf der Terrasse geworden war. Irgendjemand hatte noch zusätzliche Kissen herangeschafft, mit dem Erfolg, der Hauptmann und der Baumkrieger kuschelten fast miteinander. Taten sie natürlich nicht, aber es sah so aus, weil sie so dicht nebeneinander saßen.
 
Mir gefiel der knappe Abstand zwischen diesen Männern jedenfalls, denn ich bekam im Tausch gegen die Milchschale nun von meiner Herrin den Pagabecher des Baumkriegers zurück und hatte beim Servieren des Gefäßes selbstverständlich keine Skrupel, mich auf Tuchfühlung mit dem Ellenbogen des Hauptmanns im Rücken zwischen die beiden Männer zu schieben. Manchmal ist es eben auch von Vorteil, keine dem goreanischen Schönheitsideal entsprechende Figur zu haben und nicht so füllig zu sein wie andere Kajirae, auch wenn ich ab und an von einem der Krieger leider damit aufgezogen und als "Stöckchen" bezeichnet werde. Die Hand des Baumkriegers auf meinem Schenkel machte die Knuffe im Rücken jedenfalls mehr als wett.
 
Ich weiß nicht wer, aber irgendjemand brachte das Gespräch auf die Badegewohnheiten der Herren in Jorts. Wahrscheinlich, weil der ziemlich schlecht gelaunte Lederarbeiter sich mit der Reinigung seiner Fingernägel beschäftigte. Seitdem er keine Kajira mehr hat und immer nur an 99er gerät, unter 100 Kajiae ist nämlich leider nur eine, die etwas taugt, verzichtet er anscheinend darauf, das Badehaus aufzusuchen. Vor der Altarweihe hat er wohl eine Ausnahme gemacht, die aber nicht wirklich zählt, weil er das Bad alleine aufgesucht hatte. Ich kann es ihm nachempfinden und verstehe auch nicht, warum Kajirae von ihrem Herrn lieber tagelang im Haus eingesperrt werden, als einem Heimsteinangehörigen im Bad zu dienen… und damit meine ich nicht nur das Reichen von Seife. Anscheinend ist meine Herrin in dieser Beziehung eine Ausnahme, aber sie ist eben auch eine Goreanerin der alten Schule.
 
Das war wohl auch der Grund, warum sie sich an diesem Abend recht früh zurückzog, zumal sie ja auch am nächsten Morgen die erste Fähre nehmen wollte, um auf ihren Landsitz zu reisen. Doch dem Lederarbeiter hatten die ihre Sklavinnen betreffenden Befindlichkeiten der anderen Herren, die er ja vor einiger Zeit in einer heftigen Auseinandersetzung mit einem Krieger am eigenen Körper in Form einer langen Narbe zu spüren bekommen hatte, inzwischen endgültig die Laune verdorben. Meine Chance als rotseidene Badekajira entschwand mit seinem Rückzug, sodass ich kurze Zeit später meiner Herrin nach Hause folgte… ausgiebiger Schönheitsschlaf hat ja auch was.
 
Trotz reichlich von selbigem verschlief ich jedoch am nächsten Tag fast und verpasste dadurch die Auseinandersetzung eines der beiden Rekruten mit der She Urt, fühlte mich später aber bestätigt in meiner Vermutung, dass sie tatsächlich keine Freie ist, sondern sogar einen Kragen trägt... mal abwarten, ob es wirklich Zuwachs an der Stadtkette gibt oder diese Kajira auch zu den reisefreudigen zählt. Ich bekam übrigens auch nicht mehr heraus, ob und wohin der Baumkrieger seinen Baum gepflanzt hatte, denn bei meinem Eintreffen auf dem Marktplatz erweckten die Aktivitäten am Kennel sofort meine Aufmerksamkeit.
 
Balg plagte sich dort mit einer störrischen Waldkajira ab, die anscheinend der Meinung war, die um ihre Handgelenke und Knöchel gebundenen Seile seien aus Gummi. Doch sie hatte nicht mit mir gerechnet, denn ich versperrte ihr prompt den Weg, sodass Balg und ich sie letztendlich gemeinsam mehr schlecht als recht doch zur Schmiede zerren konnten, wo sie einen Stadtkragen erhalten sollte. Eigentlich war es gut, dass der menschenscheue Schmied keine Notwendigkeit sah sein Wohnhaus für ein paar Kupfer zu verlassen, denn so klärte sich die Waldfrauenplage durch Schwund an diesem Tag letztendlich von alleine. Aber wahrscheinlich hätten diese Sklavinnen nicht mal als Futter für Fenris getaugt.
 
Zurück auf der Terrasse war der Baumkrieger dabei, von dem Sattler eine Sklavenhaube und Knebel zu erwerben und suchte nun eine Kajira für die Erstbenutzung. Anscheinend wollte er dabei weder Balg noch mich bevorzugen, denn er kam auf die Idee für einen kleinen Wettbewerb. Wir sollten jede einen Becher mit Wasser auf unserem Rücken krabbelnderweise um den Tisch balancieren. Die Gewinnerin würde dann die Ehre erhalten, seine Sklavenhaube als Erste benutzen zu dürfen. Mist, während ich mir noch eine Taktik überlegte und mir nicht klar war, ob es tatsächlich um Schnelligkeit ging oder darum, welche von uns beiden die Herren länger mit ihrem in die Höhe gereckten Hinterteil erfreuen durfte, krabbelte Balg schon los und war logischerweise auch als Erste um den Tisch herum. Mir schwante inzwischen, dass sie sich möglicherweise um die Haube drücken wollte?
 
Tja, sie hatte nun zwar das Krabbeln gewonnen, nur ich tatsächlich die Erstbenutzung der Sklavenhaube... ein Umstand, bei dem äußerst widersprüchliche Gefühle in mir aufkeimten, denn es hat ja durchaus was, einem Herrn so ausgeliefert zu sein. Außerdem begann es sofort in mir zu kribbeln als mir einfiel, was mein früherer Herr in einer ähnlichen Situation Wundervolles mit mir gemacht hatte. Mit dem Überstülpen der Haube wurde es jedenfalls stockfinster um mich herum und roch merkwürdig... zum Glück aber nicht muffig benutzt durch den Angstschweiß unzähliger Sklavinnen vor mir, denn ich war ja wie gesagt die erste Kajira, die die Sklavenhaube tragen durfte.
 
Ich war mir nicht sicher, ob dem Baumkrieger mein verhüllter Anblick gefiel, auf jeden Fall verlangte er nun von mir, ihm seinen Paga erneut zu servieren. Puhh, kein einfacher Wunsch, denn blind wie ich war, blieb mir nichts anderes übrig, als vorsichtig mit meiner Hand über den Tisch zu streichen, um den Pagabecher zu ertasten, den der Herr dort vor dem Wettkrabbeln abgestellt hatte. Leider hatte ich zuvor den Becher mit dem Wasser ebenfalls dort abgestellt und beide Becher fühlten sich gleich an. Ich entschloss mich, den rechts stehenden zu wählen, da der Herr ja rechts von mir saß und es mir logischer erschien, dass der Wasserbecher der linke war. Und so war es auch... ich hatte tatsächlich das richtige Gefäß erwischt und wurde die Sklavenhaube wieder los.^^

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