Dienstag, 7. Januar 2014

Es kringelt weiter


Auch wenn ich zurzeit beim Hauptmann untergebracht bin, schaue ich natürlich ab und an im Haus meiner Herrin nach dem Rechten und kümmere mich um ihre Blumen, die dank der milden Witterung übrigens immer noch wunderschön blühen. Gestern war wieder so ein Tag, denn der Hauptmann hatte bereits seine doofe Spätwache angetreten und die beiden anderen Itas waren mit ich weiß nicht was beschäftigt, bei dem ich ihnen nicht helfen konnte. Mein Blick vor der Hauptmannshaustür Richtung Gasthaus zeigte mir sogleich, dass meine Dienste dort nicht benötigt wurden. Auf der Terrasse hatten lediglich zwei Bürger mit ihren Privatkajirae Platz genommen, waren also bestens versorgt, sodass ich mich nach rechts zum Haus meiner Herrin wandte. Als ob es eine Eingebung gewesen war, kam ich dort genau rechtzeitig an, um das Schlimmste durch eine mir bis dahin unbekannte Vulofamilie zu verhindern, bestehend aus einem Hahn und drei Hennen. 

Vielleicht waren es wilde Vulos, denn ihr Gefieder sah ganz anders aus als das der gackernden Viecher auf dem benachbarten Hof. Oder hatte sich der Brauereikrieger womöglich eine neue Art zugelegt, die er frei herumlaufen ließ? Eines der Federviecher war jedenfalls so frei es sich gerade genau vor der Tür meiner Herrin gemütlich zu machen. Auch wenn die Hinterlassenschaften dieser kleinen Vögel logischerweise nicht allzu groß sind, war natürlich trotzdem zu befürchten, dass Schmutz ins Haus getreten wird, wenn man nicht aufpasst und durch ein frisches Häufchen läuft, denn weder meine Herrin noch ihre Besucher ziehen gleich im Eingang ihre Schuhe aus.

In der Annahme sie würde dort hingehören, scheuchte die Vulohenne also Richtung Hof, konnte dort jedoch leider niemanden entdecken, sodass die Besitzverhältnisse der Viecher vorerst ungeklärt blieben. Ich legte mich daher auch nicht mehr weiter ins Zeug, um sie einzufangen. Ohne das ich ihn bemerkt hatte, denn die Federviecher waren eine Mischung aus dickköpfig und stur und wollten sich anfangs überhaupt nicht aus den Blumen meiner Herrin vertreiben lassen, war der zu euchzende Herr hinzu gekommen und grinste sich eins bei meiner Betätigung als Vuloschreck. Da er wusste, wie sehr meiner Herrin gewisse Hinterlassenschaften in ihren Blumenbeeten ein Dorn im Auge sind, konnte er sich eine anzügliche Bemerkung zu diesem Thema natürlich nicht verkneifen. Übrigens gibt es am Hafen immer noch kein Plumpsklo.

Zusätzlich äußerte er sich wie immer abfällig über meine Figur, da die weder seinem und generell auch leider nicht dem goreanischen Idealbild entspricht und es wohl auch nie tun wird… zumindest nicht bei dem ekeligen Sklavenbrei, den ich immer essen muss. Er mag ja sehr nahrhaft sein, nur kann ich das Zeug einfach nicht ausstehen und esse daher immer nur gerade das Minimum, um nicht noch dünner zu werden und durch Magenknurren aufzufallen. Insofern war es mir sehr recht, dass in diesem Moment die Bäckerin des Weges kam. Alleine bei dem Gedanken an ihre Kajirakringel, bei deren Herstellung ich am Vortag hatte helfen dürfen, lief mir schon wieder die Spucke im Mund zusammen, auch wenn ich letztendlich nur drei Viertel eines Kringels hatte ergattern können. Kein Wunder also, dass ich es nun darauf anlegte, vielleicht einen weiteren zu erstehen. 

Ich begann mit zweigleisiger Taktik sämtliche Register meiner Überredungskünste zu ziehen. Den Krieger bezirzte ich natürlich nach Strich und Faden wie eine Rotseidene, sodass mir alleine schon von meinen sich verselbständigenden Fantasien mächtig heiß wurde… meine Füße qualmen wegen der Stiefel ja sowieso immer. Trotz meiner roten Wangen achtete ich jedoch darauf, einen möglichst kühlen Kopf zu bewahren und die Herrin nicht zu brüskieren. Ich versuchte mich bei ihr einzuschmeicheln mit einer Mischung aus großzügigem Lob für ihr fantastisch leckeres Backzeugs, während ich mich gleichzeitig möglichst unauffällig um ihr Mitleid bemühte, weil ich gestern doch entgegen ihrem Wunsch gar keinen ganzen Kringel mehr abbekommen hatte. Meine Portion war zwar immer noch ein Happen mehr gewesen, als die von Lita und Sita… aber diesen Umstand vergaß ich irgendwie zu erwähnen. 

Selbstverständlich brachte ich gleichzeitig mein größtes Anliegen zum Ausdruck, denn ich wollte meinem kuchenverliebten Obhutherrn eine kleine Kajirakringelfreude bereiten, wenn er nach seiner Wache nach Hause kommt. Tja, was soll ich sagen, es funktionierte! Der zu euchzende Krieger und die Bäckerin kamen überein, mit mir dünnem, unterernährtem Mädchen nun tatsächlich zur Backstube zu müssen. Was für eine Freude, aber nicht nur für mich! Die Bäckerin war glücklich, den Hauptmann als Kunden gewonnen zu haben und packte mir nicht nur die Leckerei für ihn ein, sondern bestand gleichzeitig darauf, dass ich einen weiteren Kringel in ihrem Beisein verputzte, damit der nicht wieder im kuchengierigen Mund meines Obhutherrn verschwand.

Ich denke, auch dem Krieger sagte der Ortswechsel zu. Er verdrückte nämlich nicht nur ebenfalls einen Kajirakringel, sondern drückte bzw. sicherte mich gleichzeitig auf eine… naja… vor dem Verkaufstresen einer Bäckerei jedenfalls zumindest sehr ungewöhnliche Art, von der die Herrin allerdings nichts mitbekam. Wegen meiner etwas kurzen Körpergröße, hatte ich mich etwas auf den hohen Tresen hinaufgezogen, lag also mit in der Luft baumelnden Füßen mehr oder weniger auf dem Bauch und stützte mich etwas mit den Unterarmen ab, um einen guten Bick auf die leckeren Erzeugnisse der Bäckerin zu haben. Ich hoffe nur, es ist der Herrin nicht weiter aufgefallen, dass ich aufgrund der Fixiermethode des Herrn bei ihrer Plauderei mit dem Rarius unter leichten Konzentrationsstörungen litt und daher nicht mehr so ganz dem Gespräch folgen konnte. 

Immerhin schaffte ich dann doch noch einen zumindest fast rechtzeitigen Aufbruch und sauste mit meiner Kuchentrophäe eilig zum Haus des Hauptmanns, der bei meinem Eintreffen bereits zurück von seiner Wache war, sich über den Kajirakringel aber freute…hoffe ich jedenfalls. ;-))

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