Sonntag, 5. Januar 2014

Fasslieferung in den Norden

Welche Ehre für mich, ich durfte den Hauptmann und den Brauereikrieger begleiten! Es war das erste Mal für mich, in den Norden Gors mitgenommen zu werden. Naja, es ging meinem Obhutherrn wahrscheinlich nicht um meine Gesellschaft oder vielleicht doch ein klitzekleines bisschen? Egal, mir kam jedenfalls die Aufgabe zu, die beiden Fässer mit Ale und Paga zu rollen, weil der Brauereibesitzer ja bekanntlich Rücken hat, aber zurzeit auch keine eigene Sklavin und die Stadtkette mal wieder mit anderen Aufgaben beschäftigt war und die anderen Itas des Hauptmanns ebenfalls. Die Lieferung war für ein kleines Dorf mit einem unaussprechlichen Namen bestimmt, der sich beim Aussprechen irgendwie nach Halskrankheit anhörte… zumindest für meine ungeübte Zunge.

Die Reise verlief ruhig und ohne weitere Zwischenfälle, wenn man von der immer grüner werdenden Gesichtsfarbe meines Obhutherrn mal absah. Der Norden war übrigens ebenfalls grün, von Schnee weit und breit keine Spur und das Wetter herrlich milde. Trotzdem verzichtete ich lieber, den Hauptmann darauf hinzuweisen, wie überflüssig ich immer noch die Stiefel an meinen Füßen fand, denn diese Vorsichtsmaßnahme war selbstverständlich sein gutes Recht, um meiner Herrin nach ihrer Rückkehr keinen Schadenersatz zahlen zu müssen, falls ihr Eigentum beschädigt wäre. Kurz vor unserem Ziel standen wir plötzlich vor einem wild rauschenden Fluss, über den es zwar eine Brücke gab, die jedoch hochgeklappt war. 

Während der Brauereikrieger nun versuchte, das Getöse des Wassers zu übertönen, damit ein Nordmann auf der anderen Seite den Mechanismus zum Herablassen der Holzbohlen betätigte, war das Rauschen für den Hauptmann Anlass, sich ausgiebig in die hohen Büsche zu erleichtern und zwar nicht nur seine Blase, was für alte Männer ja durchaus normal ist... nein, der Ärmste gab auch das restliche noch im Magen befindliche Essen von sich und hatte damit wirklich mein vollstes Mitgefühl. Wobei mir leider beim Umschauen nach ihm dummerweise mitten auf der Brücke ein kleines Missgeschick passierte, denn ich strauchelte und lag schon so gut wie im Fluss, wenn mich nicht die starken Arme des Nordmannes gepackt hätten, der bereits damit angefangen hatte, die Brücke wieder hochzuziehen. Er hatte anscheinend den sich hinter der am Ufer dicht wuchernden Hecke erleichternden Hauptmann total übersehen. 

Übrigens war ich meinem Obhutherrn beim Anblick der Sklavin des Nordmanns dann doch dankbar wegen meiner Stiefel. Das Mädchen war nämlich barfuß, hatte aber so schrecklich verformte Füße, dass sie nur auf den Zehenspitzen laufen konnte. Wenn Kälte für diese Entstellungen die Ursache ist, will ich meine Stiefel wirklich ohne Murren tragen... aber darüber ließ ich lieber nichts verlauten. Am Lagerfeuer der kleinen Ansiedlung angekommen, die man kaum als Dorf bezeichnen konnte, war es mir leider nicht möglich zu verhindern, dass die Kajira mir ohne zu fragen zwei gefüllte Hörner für den Hauptmann und den Brauereikrieger in die Hand drückte... ausgerechnet mit Met, einem Getränk, dass beide nur in Notfällen zu sich nehmen. Naja, die Gastfreundschaft der Nordleute war wohl ein solcher Notfall. 


Während der clevere Brauer lediglich an dem Zeug nippte, stürzte mein stocksteif auf einem Baumstumpf hockender Obhutherr das Getränk mit Todesverachtung hinunter (man konnte fast denken, er hätte einen ehemaligen Ast seines Sitzes verschluckt und nicht den Met) und drückte mir das Horn schließlich in die Hand, damit ich es mit dem guten jortsschen Paga füllen konnte. Die beiden Fässer mit Ale und Paga aus Jorts hatte ich inzwischen nämlich zur Feuerstelle gerollt. Danach wurde das Gespräch über mögliche Handelsbeziehungen auch etwas lockerer und ich erhielt die eine oder andere Zuwendung des Hauptmanns in Form von einigen Tropfen Paga, die eigentlich den Priesterkönigen galten, ein paar Kopfnüssen, wurde aber auch mit einem Durchwuscheln meiner Haare bedacht, das mich förmlich unter der rauen Kriegerhand dahinschmelzen ließ.


Nachdem sich noch zwei weitere Nordleute zu der kleinen Runde am Feuer dazugesellt hatten, die dem am Feuer anscheinend ständig warm gehaltenen Met kräftig zusprachen, während der Hauptmann sich den Norden und das Gejarle der Sklavin auf seinen leeren Magen mit Paga schön soff, gab schließlich ein Wort das andere. Die Jarlin... keine Ahnung, ob Herrinnen im Norden so heißen... versuchte zwar noch zu vermitteln, doch so wirklich gelang es ihr nicht. Nach der etwas abfälligen Bemerkung des einen Nordmannes zum Hauptmann, ob die ihm unterstellten Krieger Nebenmänner genannt werden und dass es im Norden ganz andere Bezeichnungen gibt, nämlich Besenkehrer (oder so ähnlich, genau wie die fremd klingenden Namen konnte ich mir diese komischen Bezeichnungen nicht merken), die im Ernstfall dann von einem Highjarl, also dem nordischen Hauptmann zusammengerufen werden müssen, weil sie im Norden überall verstreut wohnen, begann er beleidigend zu werden.


Zum Glück für die Nordleute endete der Besuch des Hauptmanns an ihrem Lagerfeuer ohne Kampfhandlung, allerdings dann doch recht überstürzt. Ich war jedenfalls froh, als wir wohlbehalten zu Hause ankamen, auch wenn der Fährmann mal wieder sehr wortkarg war und wie immer zur Begrüßung unanständig rülpste. ;-)

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