Sonntag, 12. Januar 2014

Kajiraschicksal

An diesem Tag gab es so viel zu tun für mich, dass ich nicht nur den Heimsteinschwur der Händlerin verpasste, sondern auch bei der danach anstehenden Feier nicht gleich zum Servieren zur Verfügung stand. Ehrlich gesagt fand ich dies nicht weiter schlimm, denn auch wenn ich ständig im Gasthaus diene, bin ich trotzdem keine Herbergs- oder Stadtkajira, sondern immer noch Privatbesitz. Außerdem nahm ich an, dass die Händlerin sich um die Organisation für ihre Feier selbst gekümmert hatte bzw. ihre Sklavin und vielleicht auch die Kajira ihres zukünftigen Gefährten damit beauftragt worden waren. 

Merkwürdigerweise sah ich jedoch keine der beiden vorgenannten Kajirae, als ich auf der Terrasse des Gasthauses eintraf. Dafür wuselte Dark fleißig mit den Getränken hin und her und hatte wie nicht anders zu erwarten alles perfekt im Griff, sodass es für mich gar nichts mehr zu tun gab, denn alle Freien waren bestens versorgt und fast guter Dinge, denn die Rarii waren etwas um den Kriegerbauern besorgt. Er war nämlich noch nicht wieder aufgetaucht, nachdem er den Heimstein in sein Versteck zurück gebracht hatte. Doch alle Sorge war zum Glück umsonst, da mir der Herr wohlbehalten entgegen kam, als ich den Hof erreichte, um nach ihm zu schauen. Er war also nicht überfallen worden und auch der kostbare Heimstein wieder in Sicherheit.

Einzig dem Rekruten mit nur einem kleinen Zeh schien eine Laus über die Leber gekrochen zu sein, da er sich etwas abwertend über Lita äußerte, weil sie noch etliche Ehn nach mir erst in der Herberge auftauchte. Was seine Bemerkung sollte entzog sich mir jedoch, denn erstens war seine eigene Kajira überhaupt nicht anwesend und zweitens wusste er nicht, welche Wäscheberge Lita an diesem Tag gewaschen hatte, wie ihre Waschfrauenfinger durchaus bewiesen, die sie dem Herrn aber natürlich nicht unter die Nase halten wollte. Da Lita während der Zeit meiner Obhut beim Hauptmann meine Erste ist, war es für mich selbstverständlich, mich um die Bedienung des nächsten Gastes zu kümmern, damit sich ihre Finger noch ein wenig entschrumpeln konnten.

Es war ausgerechnet die Herrin aus Ar zu bedienen, die zurzeit in Jorts weilt, jedoch leider keine eigene Sklavin besitzt. Bei dieser Dame bin ich wegen ihrer meist ziemlich arroganten Art stets sehr auf der Hut, denn besonders in meinem derzeitigen Zustand ohne Herrin möchte ich mit einer Freien nicht aneinandergeraten, die ständig über mich verfügt. Am Schlimmsten fand ich die Berge von Gepäck, die ich nach ihrer Ankunft auf ihr Zimmer schleppen musste… natürlich erst, nachdem die Gnädigste zusammen mit mir sämtliche zur Verfügung stehenden Räume ausgiebig inspiziert hatte.

Leider hatte sie an diesem Tag nicht nur einen Getränkewunsch, sondern wünschte schon wieder meine Gepäckdienste. Diesmal ging es um etliche Kisten, die ganz vom Hafen auf ihr Zimmer transportiert werden mussten. Der Transport sollte wegen des zerbrechlichen Inhalts besonders vorsichtig durchgeführt werden. Na klar, andernfalls wäre die Schlepperei doch auch viel zu einfach. Ich wies zwar noch darauf hin, dass es für solche Transporte am Hafen eigentlich immer Hilfsarbeiter gibt, bekam jedoch nur zu hören, sie erwarte, dass ich mich kümmere, ich hätte schon verstanden worum es ging. Ach was soll’s, ich finde schon einen Weg… Kajiraschicksal eben… alles klar, ich hatte verstanden. Solange meine Herrin oder der Hauptmann nichts anderes bestimmen, und die waren leider beide nicht anwesend, muss ich jeden Auftrag von Freien ausführen.

Wobei mir der darauffolgende Befehl eines Kriegers, ihm in den Alkoven der Taverne zu folgen, natürlich oberwillkommen war. Und zwar nicht nur wegen meiner rotseidenen Veranlagung, sondern um den langweiligen Gesprächen um die Feier einer weiteren, demnächst in Jorts anstehenden Gefährtenschaft zu entrinnen. Doch dem Herrn ging es nicht nur um meine rotseidenen Dienste. Nein, er nutzte mein inzwischen hell loderndes Sklavenfeuer aus, um mich hinzuhalten, damit ich ihm etwas erzähle, über das ich versprochen hatte Stillschweigen zu bewahren. Tja, was sollte ich tun… ich war in den Händen dieses Herrn sozusagen Butter, die im wahrsten Sinnes des Wortes kurz davor war zu zerfließen, sodass ich ihm natürlich die gewünschte Auskunft gab. Außerdem handelte es sich sowieso nur um die heimsteinfremde Herrin aus Ar. 


Ich hätte ja später zu gerne noch dem Hauptmann ein paar Fragen zu der Kistenschlepperei gestellt, als er zu vorgerückter Ahn von seiner Wache nach Hause kam. Doch leider gab es vor dem Schlafengehen keine Gelegenheit mehr, da manche Menschen einfach kein Verständnis dafür haben, dass auch ein Hauptmann mal Feierabend braucht, vor allem wenn es schon so spät ist. Naja, höflich wie er ist, konnte er natürlich nicht anders, denn selbst sein Hinweis, dass Lita und ich nackt sind, hielt die Freie nicht davon ab, ihn durch die offene Haustür weiter mit Beschlag zu belegen.

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