Donnerstag, 16. Januar 2014

Privatkajira

Es war mal wieder Mitte der Hand und somit Waffentraining angesagt. Nur logisch also, dass es mich als Zuschauerin dort hinzog. Das Training ist ja eigentlich immer sehr gut besucht, denn die rote Kriegerkaste ist in Jorts sehr stark vertreten. Zusätzlich waren diesmal auch wieder zahlreiche Krieger aus anderen Gorstädten angereist, sodass die Wiese nach einiger Zeit nicht nur ganz schön durchgepflügt war, sondern die Herren sich schließlich sogar in zwei Gruppen aufteilten, um vor, auf und in der Festung Angriff und Verteidigung zu üben. Schade irgendwie, denn die eine Hälfte der Rarii war nicht mehr zu sehen, weil sie innerhalb der Festungsmauern Stellung bezogen hatten, während die anderen sich Deckung suchend irgendwo durchs Gebüsch schlugen und ebenfalls meinen Blicken entschwunden waren. Aber gut… das Training diente ja auch nicht der Erbauung von Kajirae, die gerne schwitzenden, mit Grashalmen und Dreck besuhlten, muskelbepackten Männern zuschauen.

Wir verzogen uns also von unserem Aussichtsplatz vor der Festung in die andere Richtung und knieten dann voller Erwartung wie die Vulos auf der Stange vor einem großen Felsbrocken, auf dem oben drauf der Kriegerbauer hockte, als ob er der Hahn unserer Vuloschar war. Nur zu sehen war leider wirklich fast nichts mehr. Auch wenn die Kajira des Baumkriegers noch für ein wenig Stimmung mit ihren Alarmrufen sorgte, trollte ich mich letztendlich dann doch in die Stadt, denn mir war inzwischen eingefallen, dass ich mich noch bei dem zu euchzenden Krieger für den köstlichen Kringel am Vortag zu bedanken hatte. Da der Herr immer sehr viel unterwegs ist, nahm ich zwar an ihn wahrscheinlich nicht anzutreffen, weder im Gasthaus noch zu Hause, doch ich hatte Glück und wurde sogar in sein Haus gebeten. Ich glaube, dass der Rarius mir seit einiger Zeit etwas zugetan ist, denn er ignorierte sogar einen bedauerlichen Versprecher von mir, den ich allerdings sofort korrigierte, weil ich ja weiß, dass er von einer Sklavin geeuchzt werden will. Vielleicht war er auch mit seinen Gedanken ein wenig abgelenkt, denn er fragte mich erneut ein wenig über die Bäckerin und ihren Minibraten namens Hugo aus, bei dessen Erwähnen ich vor kurzem ja noch angenommen hatte, Hugo sei ein Kajirus.


Da ich noch eine weitere Aufgabe erledigen musste, bat ich den Herrn alsbald darum gehen zu dürfen. Mein Verschwinden schien ihm zwar nicht so ganz in den Kram zu passen, aber er tröstete sich damit, mich später dann im Gasthaus wiederzusehen. Es hatte sich für mich nämlich immer noch keine Gelegenheit ergeben, den Shanis Herrn wie befohlen von einem Sklavenhändler aus Belnend zu grüßen. Das wollte ich nun endlich nachholen, zumal dieser besagte Sklavenhändler sowieso nicht allzu gut auf mich zu sprechen gewesen war. Er behauptete doch tatsächlich, ich würde nicht zuhören und nicht verstehen was er von mir erwartet, obwohl meine Ohren intakt und sauber sind. Ach ja, und tanzen kann ich sowieso nicht, denn ich war ja nicht in der Lage gewesen in ZWEI Ehn darzustellen was er von mir verlangte… oder waren es sogar 3 gewesen? Egal. Wie gut, dass der Herr meine Gedanken nicht lesen konnte, während ich mir ansonsten natürlich nichts zuschulden kommen ließ. Meine Herrin bezeichnete diesen Kastenkollegen übrigens als echten „Genießer“ und beschrieb damit die Situation in der Taverne eigentlich perfekt.

Ich hatte Glück und traf den Händler an diesem Tag direkt vor der Terrasse an. Nur interessierte er sich einen feuchten Kehricht für meine unverständliche Nachricht, da besagter Sklavenhändler ihn inzwischen anscheinend persönlich getroffen hatte. Danach beeilte ich mich dann in die Tavernenküche zu flitzen, um dem Neunzehenkrieger endlich seinen Tee zuzubereiten, den er bereits bei mir bestellt hatte, bevor ich mit Shanis Herrn sprach. Erfreulicherweise ging es mit der Zubereitung recht schnell, da bereits heißes Wasser vorrätig war. Wahrscheinlich hatte zuvor schon jemand auf der Terrasse einen Tee bestellt. Und so war es auch…leider war es jedoch der Neunzehenkrieger, dem ich nun einen zweiten Becher servieren wollte. Mist, ich war nach meinem Gespräch mit dem Händler durch die Außentür der Taverne gelaufen und nicht über die Terrasse, wo der Krieger mir natürlich gesagt hätte, dass sein Tee schon im Werden war. Da er zwar gerne Tee trinkt, aber keine Tee-Kur macht, musste ich das Getränk nun versuchen jemand anderem anzudrehen.

Wie schön, dass nun meine Herrin auftauchte. Mit einem Extraklecks Honig im Tee fand ich in ihr tatsächlich doch noch eine Abnehmerin für den Becher mit dem dampfenden Getränk, nachdem ich alle anderen Herrschaften am Tisch vergeblich gefragt hatte. Natürlich war jetzt auch der richtige Zeitpunkt gekommen, ihr einen Kringel anzubieten, die allerdings nun schon einen Tag älter waren. Nur logisch also, dass ich mich opferte und eines der Gebäckstücke vorkostete… natürlich systematisch. Zuerst widmete ich mich voller Hingabe dem Zuckerguss außen herum, den ich rundherum vom Kringel ablutschte, denn es wäre ja fatal, wenn eine Seite nicht schmecken würde. War aber nicht der Fall. Tja und dann ging‘s ans Eingemachte oder vielmehr um das Prüfen der Larmafüllung, die jedoch so obersuper schmeckte, dass mir dafür echt die Worte fehlten. Außerdem wurde ich abgelenkt von der Kissendiskussion zwischen dem inzwischen wie angekündigt doch noch aufgetauchten Krieger und meiner Herrin, die angeblich auf „seinem“ Kissen saß.

Doch sagt man nicht, die Klügere gibt nach? Meine Herrin wechselte jedenfalls auf ein anderes Kissen, nämlich auf das des Hauptmanns, der ja leider schon wieder auf seiner Spätwache war, während ich dem Herrn ein paar funkelnde Blicke zuwarf. Ich fand eigentlich, dass der Rarius sich durchaus auch auf ein anderes Sitzkissen hätte niederlassen können. Aber was soll’s… es ging natürlich nicht um Rechthaberei, sondern um den optimalen Blickwinkel für die wachsamen Augen eines Kriegers, der schließlich jedoch Pech hatte, sich seinen Kalana selbst holen zu müssen. Auch ich durfte nämlich ausnahmsweise mal Privatkajira sein und meiner Herrin nach Hause folgen, ohne vorher noch zu bedienen! ;-)

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