Freitag, 17. Januar 2014

Qual der Wahl

Die Eröffnung meiner Herrin, dass ich nur bei Schnee Stiefel tragen muss und bei dem milden Wetter weiter barfuß laufen darf, ließ mich schlussfolgern, mich auch ansonsten wieder etwas leichter bekleiden zu dürfen. Ich tauchte daher am nächsten Tag ausgiebig und tief in die Kiste mit Sklavenkleidung ab und probierte eine ganze Weile sämtliche Kombinationen durch, bis ich mich endlich entscheiden konnte, denn ich bin klamottenmäßig nicht gerade üppig ausgestattet. Es war wirklich eine ziemliche Qual! Aber ich will selbstverständlich nicht meckern. Eine Kajira muss froh sein, wenn sie überhaupt Kleidung erhält… außer sie ist lieber nackt. Zumindest meine Füße durften es wieder sein, solange noch kein Schnee gefallen oder Frost ist und hatten erstmal ausgequalmt... meine Freude war also ziemlich groß, denn es drohte nach der Rückkehr meiner Herrin nun auch keine Geflügelschere mehr.


Meine Herrin machte es sich an diesem Tag mal wieder einfach und wählte das selbe Kleid wie am Vortag, diesmal allerdings drapierte sie ihr rotes Tuch um die Schultern, das sie seit langer Zeit in Ehren hält, weil damit eine sehr schöne Erinnerung verknüpft ist. Ich konnte mir dazu natürlich mal wieder eine Bemerkung nicht verkneifen und wurde prompt ermahnt, in der Öffentlichkeit ja meine Klappe zu halten, damit niemand auf komische Ideen kommen würde. Na, das hätte sie sich sparen können. Ich weiß doch was sich gehört, jedenfalls meistens oder zumindest immer öfter. Außerdem ist meine geheime Liste inzwischen ziemlich lang geworden, sodass dadurch die Plätze meiner Favoriten ganz schön verschoben haben. Nur darüber werde ich natürlich nichts weiter verlauten lassen, denn dann wäre meine Liste ja nicht mehr geheim.

In der Stadt mussten wir uns echt durch die Menschenmassen durchschlängeln, die schon wieder den Marktplatz direkt vor der Herberge bevölkerten, um auf die Terrasse zu gelangen. Vermutlich hätte ich mir das Grüßen sparen können, denn das bekam bei dem Stimmengewirr sowieso kaum jemand mit… trotzdem gehörte sich das natürlich so. Während ich gleich weiter in die Tavernenküche flitzte, um die Honigmilch für meine Herrin zu kochen, wählte sie am Terrassentisch diesmal kein Kriegerkissen. Eine gute Entscheidung, denn kaum hatte sie sich niedergelassen, gesellte sich der zu euchzende Krieger zu ihr, indem er sich ganz ohne Gemecker gleich auf seinem Kissen niederließ. Ok, manchmal ist das auch die Unterlage für das Hinterteil des Kiegerbauern, aber der war an diesem Tag nicht in der Stadt.

Beim Bedienen des Euchzers wurde mir sofort klar, dass der Rarius schlecht auf mich zu sprechen war, denn er ignorierte mich fast, sprach nur das Nötigste mit mir, um einen Kalana zu erhalten, beachtete mich auch nicht weiter, als ich ihm dann seinen Wein servierte, ließ mich eine gefühlte Ewigkeit mit ausgestreckten Armen und gesenktem Kopf warten, bis er mir den Kelch abnahm und wedelte mich danach ohne weitere Worte einfach nur unwirsch weg, damit ich ihm nicht länger die Sicht versperrte. Mir war natürlich klar, dass er damit seinen Unmut zum Ausdruck brachte, weil ich ihn am Vorabend nicht mehr bedient hatte. Doch was sollte ich machen, meine Herrin hatte mir zuvor bereits den Wink gegeben, mit ihr nach Hause zu laufen. Tja, Pech für mich und typisch dafür, dass eine Kajira manchmal eben nur verlieren kann, denn der Wunsch meiner Herrin war für mich natürlich vorrangiger, als die Kalanagelüste eines Kriegers. Die Qual der Wahl hatte ich in diesem Fall also nicht gehabt.

Lita hatte übrigens auch Pech. Sie war nämlich immer noch bestiefelt, während ich locker und luftig barfuß vor ihr herumhüpfen konnte und meine Freude über die nackte Freiheit meiner Füße zum Ausdruck brachte. Das war aber nicht das Schlimmste. Nein, sie musste die Oberzicke aus Ar mit den scharfen Krallen bedienen und eggte damit an, der Herrin den falschen Wein serviert zu haben. Zum Glück kam sie ohne Löcher in der Kopfhaut davon. Trotzdem nutzte ich die erste Gelegenheit, um sie vor den angespitzten Fingernägeln der hochnäsigen Roten zu warnen. Dankenswerterweise hatte meine Herrin unseren Tuschelbedarf sofort erkannt, als sie noch einen Teller mit Trauben und Käsehäppchen bestellte, den wir nämlich erst innerhalb einer Ahn servieren sollten. 

Es war zwar knapp, aber ich glaube wir lagen letztendlich dann doch ziemlich gut in der Zeit und hatten wie erwartet viel zu viel Käse und Trauben auf den Teller dekoriert, sodass wir zu dritt noch ein richtiges Festessen genießen konnten, da Katy mit ihren Aufgaben fertig war und sich dazu gesellt hatte. Übrigens hat sie es mittlerweile tatsächlich gelernt, meine Herrin endlich mit „meine Herrin“ anzusprechen, wie es sich gehört. Vielleicht haben Kopfwäsche und Fristsetzung ja tatsächlich etwas gebracht?^^

1 Kommentar:

  1. Ha.. also ich finde ein roter Schal steht Deiner Herrin phantastisch. *grinst Dina an* Gestern habe ich im vielleicht zukünftigen Wohnsitz Fußboden verlegt und Wände verputzt. Vielleicht sehen wir uns ja bald wieder mal im Ort (nein, ich habe nicht Dorf gesagt!) wenn ich nicht mehr auf der Baustelle eingeteilt bin...

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