Freitag, 3. Januar 2014

Stiefel

Der Tag fing eigenartig an und hätte für mich fast einen sehr unangenehmen Verlauf genommen. Aber der Reihe nach…

Sogar ich empfand die Außentemperatur an diesem Morgen als recht kühl und erschauerte leicht, als ich etwas frische Luft ins Haus zum Lüften hinein ließ. Auf solch spontanes Frösteln hatte ich bislang nie etwas gegeben und mir war eigentlich auch noch nie kalt gewesen. Im Gegensatz zu mir, scheinen sich andere Kajirae förmlich danach zu sehnen, sich mit irgendwelchem langen Gewedel bedecken zu dürfen, sodass sie fast wie Freie aussehen. Am schlimmsten finde ich aber, wenn Sklavinnen nach Schuhen jammern. Aber ich gebe zu, ich bin einfach am liebsten barfuß und nackt sowieso, eben kein Marzipanschwarzhaarlöckchen. 

Trotzdem entschied ich mich an diesem Tag zu einem etwas längeren Rock und einem Oberteil mit kurzen Ärmeln, auch wenn mir der Blick aus dem Fenster gezeigt hatte, dass zum Glück immer noch kein Schnee in Jorts liegt und auch die vielen Blumen noch keinen Frost bekommen hatten, sondern immer noch bunt und hübsch wie im Frühling blühten. Eigentlich gut gelaunt, machte ich mich auf die Suche nach dem Hauptmann und den beiden anderen Itas. Es war erstaunlich ruhig in der Stadt und vor allem nirgendwo ein Krieger zu sehen. Doch vor dem Spielehaus wurde ich fündig. Der Hauptmann war dort im Gespräch mit der Händlerin.

Um meinen Obhutherrn herum waren nicht nur Lita und Sita versammelt, sondern offensichtlich sämtliche Kajirae der Stadt, deren Herren alle in irgendeiner militärischen Aktion unterwegs waren, die sich später allerdings als gescheitert herausstellen sollte. Doch darüber lass ich lieber andere berichten, die mehr davon verstehen. Für mich war erst einmal vorrangig, was Lita mir mitteilte. Der Hauptmann hatte nämlich nicht nur militärische Befehle an die Krieger ausgegeben, sondern für sämtliche Itas angeordnet, dass sie ab sofort Schuhe zu tragen haben… das betraf mich leider ebenfalls, da er doch das „n“ in dem Namen, den meine Herrin mir gegeben hatte in ein „t“ verwandelt hatte und mich seit einiger Zeit Dita nennt.

In Anbetracht der etwas kühleren Temperatur als sonst, einiger immer noch sehr dünn bekleideter Kajirae und den bislang zum Glück fehlenden Nachtfrösten befürchtete ich, Lita sei vielleicht krank und legte ihr besorgt meine Hand auf die Stirn. Doch die fühlte sich kein bisschen zu heiß an und auch sonst erweckte sie nicht den Eindruck, als würde sie krank sein. War sie auch nicht, der Befehl war wirklich ernst gemeint, sodass für mich kein Weg daran vorbeiführte, die doofen dicken Stiefel aus den tiefsten Tiefen einer ganz zuunterst gestapelten Kiste im Haus meiner Herrin anzuziehen. Wahh, als ich mit den gehassten Tretern auf dem Marktplatz ankam, qualmten mir bereits die Füße.

Kein Wunder also, dass ich mir ein leises Grummeln nicht verkneifen konnte und zur Abkühlung ein paar giftige Blicke auf den Rücken des Hauptmanns abschoss, weil alle Kajirae bei meiner Rückkehr natürlich auf die grässlichen Stiefel an meinen Füßen schauten und Lita sich sogar lustig darüber machte, indem sie die Dinger als schick bezeichnete. Angeblich hatte der Hauptmann nur unser Wohl im Auge und wollte verhindern, dass unsere Zehen abfrieren, wie es vor kurzem dem Rekruten passiert ist. Menno… erstens habe ich keine Kriegerzehen und laufe auch nicht barfuß durch Schnee und Frost, denn beides gab es noch nicht in Jorts. Zum Glück hatte der Hauptmann nicht auch noch so alberne lange Strümpfe vorgeschrieben, die uns noch mehr nach gestiefelten Giannis aussehen lassen würden.

Mein Obhutherr bemerkte natürlich wie sauer ich wegen der doofen Stiefel war und machte sich lustig über mich, verstand mein Gemecker aber vollkommen falsch… ich wollte keinen Zeh mit einer Geflügelschere abgeknipst bekommen, um zu beweisen, dass ich nicht wie ein Krieger schreie, denn mein Gebrüll würde mit Sicherheit um ein Vielfaches lauter ausfallen und nach Dina klingen, auch wenn ich zurzeit Dita genannt werde. Es war mir aber sehr wichtig, ihm zu beweisen wie sehr meine Füße qualmten, sodass ich Anstalten machte, die blöden Schweißfußzüchter wieder auszuziehen. Leider verhinderte ein Knuff von Lita in meine Seite dies, was wohl auch ganz gut war, da die Geflügelschere bereits geholt wurde.


Oha, nun wurde es brenzlig, als der fies grinsende Hauptmann bösartig mit der Geflügelschere klapperte, sodass ich schlagartig zu kleiner als klein zusammenschrumpfte, während Lita und Sita mich versuchten zu decken. Menno, die beiden damit hinein zu ziehen ging ja nun gar nicht, denn ich wusste genau, was dem ersten Mädchen in einem solchen Fall passieren kann und jeder anderen Sklavin, die mitmacht ebenfalls. Ich hatte mir den Mist alleine eingebrockt und würde ihn auch alleine auslöffeln und nahm daher meinen ganzen Mut zusammen. Während die Händlerin nun eine Wette mit dem Hauptmann auf meinen Zeh abschloss, versuchte ich überzeugend zu beteuern, mich langsam an die Sauna in den Stiefeln zu gewöhnen, schmiss mich aber zusätzlich vor dem Hauptmann auf den Boden und bettelte um Verzeihung, indem ich auf seine Stiefelspitze einen klitzekleinen Kuss drückte.

Ich hätte meine Demutsbekundungen natürlich noch etwas gesteigert, wenn in diesem Moment nicht der Händler hinzugekommen wäre und es nun viel wichtiger wurde, dem Herrn einen Ring auf seinen Wurstfinger zu quetschen. Warum wieso weshalb ein Händler überhaupt Schmuck tragen sollte, den wer auch immer finanziert hatte… keine Ahnung. Für mich war nur wichtig, dass die Geflügelschere neben mir auf den Boden fiel. Der Ring endete dann in einem mittelprächtigen Gezerre an dem Händlerfinger, weil er zwar hinaufging aber nicht wieder hinunter, da er offensichtlich zu eng war. Mit welcher Methode dann Abhilfe geschaffen werden konnte, bekam ich nicht mehr mit, weil ich einen Nordmann zur Festung führen durfte, was mir durchaus lieb war, um dem Hauptmann erstmal aus den Augen zu kommen.


Später auf der Terrasse bei etwas mehr als ausgiebig Paga war mein Obhutherr dann überaus gut drauf und schien es sogar zu genießen, von Lita und mir links und rechts flankiert zu werden, denn statt der üblichen grobmotorischen Kopfnüsse wurden wir mit Streicheleinheiten bedacht… na gut, einige Male hat er natürlich auch auf unsere Schenkel gehauen. Trotzdem schien er unsere Nähe irgendwie zu mögen, denn wir durften ihm sogar den Pagakrug gemeinsam an die Lippen heben, während er seine Arme um uns legte. Wow, ein echt tolles Gefühl… so kannte ich den Hauptmann bislang noch nicht und vergaß dabei sogar fast die Sauna in meinen Stiefeln.

Total vergessen waren die schrecklichen Schuhe dann als der Rekrut eine Mundharmonika hervor zog und ein Lied zum Besten gab. Er untertrieb zwar maßlos und behauptete, er könne nicht gut spielen und alle würden sich bestimmt die Ohren zuhalten, doch dem war überhaupt nicht so…im Gegenteil. Ok, er konnte leider nur ein einziges Lied, aber als er das dann zum zweiten Mal spielte hielt mich nichts mehr auf den Knien. Ich konnte einfach nicht anders als aufzuspringen und mich anmutig zu der Musik mit erhobenen Armen und langsam wiegenden Hüften im Kreis zu drehen. Als die Stimmung schließlich immer ausgelassener wurde, kam ich nur zu gerne der Aufforderung der drei Männer nach und tanzte für sie auf dem Tisch… verschwendete dabei auch keinen Gedanken mehr daran, dass meine Füße nun noch heißer wurden. So kam es, dass ein ziemlich doof angefangener Tag wirklich toll endete… trotz in meinen Augen total überflüssiger Stiefel, die ich dann aber ausziehen durfte! ;-))

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