Dienstag, 4. Februar 2014

Die Entscheidung

Es gibt tatsächlich Sachen, die glaubt man erst wenn man sie hört. Nachdem meine Herrin vor einigen Tagen in Richtung ihres Landsitzes abgereist war, hatte ich auf meinem Weg in die Stadt an der Giebelwand des Hauptmannshauses einen großen Aushang mit irgendeinem heldenhaften Text bemerkt, der mit Sicherheit für die rotkastigen Herren von Jorts bestimmt war. Er erinnerte mich sehr stark an ein heroisches Lied, das mein früherer Herr mich vor langer Zeit gelehrt hatte, der ja bis zu seinem Tod der Kommandant von Samanu gewesen war und gleichzeitig ein großer Anhänger von Liedern oder Balladen über die rote Kaste. Er schrieb sogar selbst Gedichte, von denen mich eines über eine kleine Blume immer ganz besonders gerührt hatte, weil ich in meinen ganzen Jahren auf Gor bis auf wenige kurze Unterbrechungen von allen meinen Besitzern Dina genannt wurde... wie die Blume.

Am gestrigen Tag bekam ich nun genauer heraus, was es mit dem Text an der Hauswand des Hauptmanns auf sich hatte, den ich mir bislang noch überhaupt nicht richtig durchgelesen hatte… aber warum auch? Es war ein neues Rarius-Lied für die Krieger von Jorts, das der Baumkrieger jetzt auswendig lernen wollte. Da er wie die meisten Goreaner lese- und schreibunkundig ist, ließ er sich den Text von einer mir unbekannten Sklavin vorlesen und gab mir dann prompt die Ehre einer sogenannten Gesangsprobe. Mein vorsichtiger Versuch, mich dieser Darbietung ohne unhöflich zu erscheinen nach Möglichkeit zu entziehen, wurde von dem inzwischen selbstbewusst aufgeplusterten Krieger mit der Begründung zum Scheitern verurteilt, auch der Hauptmann habe gesungen und im Vergleich damit könne sein Gesang nicht schlimmer sein. Zum Glück kannte er noch nicht sämtliche Strophen, war aber doch tatsächlich der Meinung, er könne fast so gut trällern wie die singende Herrin aus Lydius… naja. 

Den Priesterkönigen sei Dank, es gelang mir tatsächlich meine Klappe zu halten und mir auf diese akustische Kostprobe und Erstaufführung einen Kommentar zu verkneifen, denn dieser wäre für eine Kajira mit Sicherheit sehr unklug und nicht gerade von Vorteil gewesen. Außerdem erübrigte er sich mit dem Auftauchen des reichlich maulig aussehenden Hauptmanns, der mir sozusagen die Worte aus dem Mund nahm, indem er sich über den Lärm vor seinem Haus beschwerte. Doch Singen war jetzt eh nicht mehr angesagt, da sich der Marktplatz nun mit dem Sattler und seinen ganzen Sklavinnen füllte, die in Sachen Lederbeschaffung für einen Auftrag der roten Kaste zusammen mit der neuen Zeugmeisterin auf Reisen gehen wollten. Da im Norden sicherlich immer noch Schnee liegt und alle ihre 10 Zehen liebgewonnen hatten, waren sie im Gegensatz zu mir ziemlich dick angezogen und sogar die Kajirafüße bestiefelt.

Doch wer glaubt, dass nach der Abreise der kleinen Gruppe jetzt Ruhe auf dem Marktplatz einkehrte, der irrt. Nach und nach tauchten immer mehr Krieger auf, allerdings glücklicherweise nicht für eine Chorprobe, sondern für eine rotkastige Besprechung über Methoden bzw. Hilfsmittel zum bequemen Schaufeln und Transport von Erz. Da mich die kriegerische Fachsimpelei nicht so wirklich interessierte, war ich ziemlich froh, als meine Herrin eintraf. Anscheinend hatte sie die letzten Tage auf ihrem Landsitz genutzt, um nach unserem kurzen Gespräch in der letzten Hand nun zu einem Entschluss zu gelangen, den sie Katy und mir jetzt mitteilen wollte, sodass wir uns vorerst auf den Rückweg nach Hause machten. In Anbetracht der vielen schlecht ausgebildeten Kajirae und weil sie ihre Blumen- und Pfefferzucht anscheinend doch nicht so ganz ausfüllt, eröffnete meine Herrin uns nun, dass sie ihre Kastentätigkeit wieder aufnehmen wird.


Ich gestehe, das Benehmen mancher Kajirae ist teilweise wirklich haarsträubend und lässt mehr als zu wünschen übrig. Eine so große Stadt wie Jorts braucht einfach einen guten Sklavenhändler, denn es hat sich immer wieder gezeigt, dass der erste Händler dieser Aufgabe nicht nachkommen kann, aus welchen Gründen auch immer. Leider ist mir meine jahrelange, meistens sehr intensive, jedoch häufig vergebliche Mühe als erstes Mädchen meiner Herrin noch allzu präsent und lässt bei dem Gedanken an die nun erneut auf mich zukommenden Aufgaben intensive Fluchtgedanken in mir aufkeimen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Qualität der Ware inzwischen nicht besser geworden ist und ich erneut in diese schreckliche Tretmühle geraten werde, in der ich so viele Jahre steckte ohne ihr entrinnen zu können. 

Trotzdem werde ich mich selbstverständlich bemühen, meine Herrin zu erfreuen und auf jeden Fall versuchen, alles möglichst unvoreingenommen erst einmal auf mich zukommen zu lassen. Ich helfe eigentlich immer gerne, habe jedoch furchtbare Angst, wieder total vereinnahmt zu werden und mich ständig wiederholen zu müssen, indem ich irgendwelchen Kajirae das Knien, Grüßen, Servieren & Co. beibringe, auch wenn meine Herrin ihr Ausbildungskonzept auf ein Minimum herunterschrauben will. Genau diese Befürchtungen wurden mir übrigens durch die vor Freude kaum mehr zu bremsende Shani sofort bestätigt, insbesondere die große Portion Mitgefühl, mit der sie zu mir hinüber schaute, nachdem meine Herrin ihren Entschluss beim ersten Händler von Jorts amtlich gemacht hatte.

Mal sehen, ob ich irgendwann darum bitten werde, verkauft zu werden. Weglaufen ist jedenfalls doof, auch wenn mir der Wald gerade zurzeit besonders verlockend erscheint. ;-)

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