Mittwoch, 5. Februar 2014

Erste einer Sklavenhändlerin

…zu sein und das auch zu bleiben, bedeutete die an mich gestellten Aufgaben zur vollsten Zufriedenheit meiner Herrin zu erfüllen. Dazu gehörte selbstverständlich auch mitzudenken. Die Entscheidung meiner Herrin wieder als Sklavenhändlerin tätig zu werden, war gefallen und mir blieb mir nun nichts anderes übrig, als mich zu fügen und ihr zu zeigen, dass ich es immer noch Wert bin, ihr erstes Mädchen zu sein. Nachdem ich mit meinen Aufgaben in ihrem Haus fertig war, fand ich es daher erforderlich, mich ohne lange zu fragen nun um den Zustand des Sklavenhauses der Stadt zu kümmern, auch wenn derzeit keine Sklavin an der Stadtkette ist. Aber das kann sich natürlich schnell ändern. Da Katy noch anderweitig beschäftigt war, schnappte ich mir kurzerhand einen Besen, um vorsichtshalber einmal durchzufegen.

Gleichzeitig wollte ich mir ein Bild über den Zustand des Sklavenhauses machen, denn es war inzwischen eine ganze Weile her, dass in Jorts ein Sklavenhändler tätig gewesen war. Außerdem nahm ich an, dass meine Herrin das Haus an ihrem ersten offiziellen Tag bestimmt noch inspizieren würde, sodass ich es einigermaßen eilig hatte, mit einer groben Erstreinigung fertig zu werden. Ich grüßte daher die am Brunnen versammelten Herrschaften wie es sich gehört zwar freundlich, aber nur sehr kurz und blieb nicht wie sonst meistens bei ihnen stehen, sondern sah zu, mit meinem Besen schnell im Haus zu verschwinden. „Je eher heran, umso eher davon“ ist eigentlich immer mein Motto bei unbequemen Arbeiten oder solchen, zu denen ich nicht gerade allzu große Lust habe. Ich will mal ehrlich sein… ich tat mir auch immer noch ein wenig leid wegen der Entscheidung meiner Herrin. 


Fegen schien mir daher genau das Richtige zu sein, um mir ein wenig Luft zu machen, aber ohne mich daneben zu benehmen. Da mich niemand beobachten konnte, ging ich nicht gerade sanft mit meinem Besen um, fühlte mich nach und nach auch tatsächlich immer besser und öffnete schließlich einfach nur die Eingangstür, um den Staub- und Krümelhaufen in hohem Bogen hinauszubefördern. Ups, damit wäre mein Reinigungseinsatz fast nach hinten losgegangen, denn ich hatte die draußen immer noch versammelten Freien bei meinem emsigen Fegen inzwischen ganz vergessen. Es blieb nur zu hoffen, dass kein Wind die Staubwolke in Richtung der kleinen Gruppe geweht hatte. Ich war mir dessen jedoch nicht wirklich sicher, sodass ich nun schleunigst zusah, mit meinem Besen schnell den Rückzug nach Hause anzutreten. Dafür nahm ich vorsichtshalber den Weg links um den Brunnen herum, um nicht direkt an den rechts vom Brunnen jetzt möglicherweise verstaubten Herrschaften vorbei zu müssen. 

Ich fand meinen Plan eigentlich ganz gewieft, nur funktionierte er leider nicht. Noch nicht weit genug weg, um so tun zu können, als hätte ich nichts gehört… das wäre bei der lauten Stimme nämlich total unglaubwürdig gewesen und mein Rückzug wäre somit als Verdrücken ausgelegt worden… donnerte plötzlich eine mir sehr bekannte Stimme unüberhörbar: „Dina, wo willst du hin?“. Es war der Hauptmann, der mich nun zu sich zitierte, damit ich Rechenschaft über mein „Tun und Lassen“ ablegte. Nagut… „das Tun“ war schnell erklärt und die Staubwolke dem Krieger zum Glück wohl nicht direkt in seine Nase geweht. Außerdem stellte sich mit meinem Bericht heraus, dass er offensichtlich von dem ersten Händler noch gar nicht darüber informiert worden war, dass sein Heimstein seit gestern eine Sklavenhändlerin hat, was ihm anscheinend aber zu gefallen schien und ihn erstaunlich milde stimmte, denn ich erntete keinen seiner üblichen Kopfditscher. 

Tja und „das Lassen“ bedurfte eigentlich auch nicht vieler Worte. Ich verkündete lediglich meine Absicht, demnächst eine Stadtkettensklavin mit dem gründlichen Wischen des Bodens im Sklavenhaus einschließlich Fensterreinigung zu beauftragen, erntete dafür jedoch einige pikierte Blicke von Shani, die sich wohl um die Reinigung des Hauses gekümmert hatte, was mir aber ehrlich gesagt nicht so wirklich aufgefallen war. Merkwürdigerweise meinte mir einer der anwesenden Krieger nun eine Art Dämpfer versetzen zu müssen, kannte sich jedoch nicht mit den Hierarchien an Sklavenketten bzw. mit denen im Haus meiner Herrin aus. Er wusste nämlich nicht, dass ich schon seit vielen Jahren Kettenerste ihrer Privatkette bin und somit auch das Sagen über ihre Handelskette habe. Oder tat er nur so, weil er Shanis Reinigungsaktivitäten in Schutz nehmen wollte und mich vielleicht ein wenig foppen? 

Jedenfalls sparte er sich nicht die frotzelnde Bemerkung, ich würde mich nun als Erste der Stadtkette ganz schön aufspielen. Wie gut dass ich es ab und an schaffe tatsächlich meine Klappe zu halten, was bei meiner an diesem Tag immer noch nicht oberallerbesten Laune durchaus angebracht war, auch wenn mir die rechtfertigenden Worte bereits auf der Zunge lagen. Freie haben leider immer Recht, sodass ich meine Situation nur verschlechtert hätte. Doch ich brauchte überhaupt nichts weiter zu sagen, weil der Hauptmann und Shani meine Stellung schnell bestätigten. Trotzdem war ich ganz froh, noch einen kleinen Botendienst zur Festung übernehmen zu dürfen. Als ich danach dann meine Herrin auf uns zusteuern sah, war das alles schon lange vergessen und ich konnte ihr nun stolz berichten, dass ich mich als ihre Erste bereits nützlich gemacht hatte, sodass ihrer Besichtigung des wirklich gut ausgestatteten Sklavenhauses nichts mehr im Wege stand. 


Da meine Herrin nur einige wenige, sehr geringfügige Änderungswünsche mit mir zu besprechen hatte, die jedoch alle nicht eilig sind und mindestens zwei Hand Zeit haben, zog es sie schließlich hinüber ins Gasthaus, um endlich einer Honigmilch zu frönen. Das war an diesem Tag eine wirklich tolle Entscheidung. Andernfalls wäre möglicherweise ein Herr vielleicht schon wieder abgereist, der auf meiner kurzen geheimen Liste mit wenigen Männern steht, bei denen ich immer ganz weiche Knie bekomme, gepaart mit wildem Herzklopfen. Auch wenn ich es selbstverständlich toll finde, dass eine freie Frau sich im Gasthaus nicht zu schade gewesen war, mangels anwesender Kajira einem Herrn einen Kalana zu servieren, hatte sie mir damit leider die Chance genommen, zumindest einen kleinen Moment direkt neben ihm zu knien… ich hätte ihn wirklich sehr gerne bedient. Aber es gibt eben solche und solche Tage. Für mich war es trotzdem schön, diesen Herrn nach einer gefühlten Ewigkeit wiederzusehen. 

Nun kann ich nur hoffen, dass er seine Ankündigung tatsächlich wahr macht und Jorts bald mal wieder besucht… vielleicht bringt er dann auch etwas mehr Zeit mit?^^

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