Dienstag, 25. Februar 2014

Ganz schön rund so ein Ball

Nachdem nun erneut der Maler dagewesen war, um meiner wie immer am Ende der Hand auf ihrem Landsitz weilenden Herrin diverse Tapetenvorschläge zu unterbreiten… die hellen Wände haben ihrem etwas speziellen Geschmack natürlich nicht zugesagt… und auch die von ihr gewünschte zusätzliche Treppe zwischen ihrer Privatetage und dem städtischen Sklavenhaus eingebaut worden war, war ich ehrlich gesagt froh, mich endlich auf ihr weiches Fell zu flegeln, noch eine Weile über dies oder das zu sinnieren, bevor ich schließlich in meinen wie ich fand wohlverdienten Schönheitsschlaf sank. 

Einigermaßen ausgeruht war es daher nicht weiter verwunderlich, dass ich gestern entsprechend unternehmungslustig aufgelegt war, was allerdings nicht bedeutete, dass es mich danach gelüstete, sämtlichen Freien ohne eigene Kajira in Jorts ein Getränk zu servieren. Da bis zur Rückkehr meiner Herrin und ihrer anstehenden endgültigen Tapetenbeurteilung noch einige Zeit vergehen würde, sah ich also zu, vor die Tür zu kommen, um das neue Jorts ein wenig zu erkunden. Es war mir nämlich immer noch fast vollkommen fremd. Ich schlug als Erstes den Weg zum Stadttor ein, um mich ein wenig am Hafen umzuschauen und dort vielleicht sogar meine Herrin abzupassen. Wobei das eher Zufall gewesen wäre, denn mir nur ungefähr bekannt war, mit welchem Schiff sie kommen würde. 


Außerdem war ich auf der Suche nach der Taverne, die zusammen mit meiner Herrin natürlich keine mehr wäre, denn eine freie Frau mit ihrem tadellosem Ruf betritt eine solche Lokalität natürlich nicht, außer sie deklariert sie umgehend als Schankraum einer Herberge um. Erstaunlicherweise war meine Treffsicherheit enorm, denn ich fand die Taverne gleich auf Anhieb… allerdings ausgestorben. Aber egal, meine Entdeckungstour sollte ja noch weiter gehen und nicht bereits im ersten Etablissement enden. Die Marktstände am Hafen mussten auch noch inspiziert werden. Da jedoch keiner der Händler anwesend war, schlenderte ich recht schnell weiter. 


Die Gasse, die zum Platz vor dem Gasthaus führte, mied ich vorsorglich, um nicht von irgendeinem Freien mit ich weiß nicht was beschäftigt zu werden. Am Hof vorbei, wo ich demnächst die Vorräte im Haus meiner Herrin auffrischen will, lief ich weiter in den angrenzenden Wald. Leider kam dort ganz anders als geplant, sodass ich entgegen meinen Absichten recht schnell den Rückzug antrat. Nein, hinter mir war nicht schon wieder ein Sleen hinterher gewesen, sondern ich hatte ein riesiges, gefährlich aussehendes Spinnennetz in einer Baumhöhle entdeckt und wollte selbstverständlich nicht riskieren, die Eigentümerin dieses Netzes kennenzulernen oder womöglich auf ihrem Speisplan zu landen.


Meine Rückkehr nach Hause war gerade noch rechtzeitig, um meine Herrin nun bei der Kleiderwahl zu beraten, auch wenn der Bestand ihrer Kleider zurzeit immer noch sehr übersichtlich ist. Die meisten Roben hatten das Inferno zwar erstaunlicherweise überstanden, jedoch war ich mit der Reinigung der stark verrußten Stoffe immer noch etwas im Hintertreffen, da ich bislang keinen wirklich gut geeigneten Wasch- und Trockenplatz gefunden hatte. Mal abwarten, vielleicht gibt der Garten ja ein Eckchen dafür her, falls die Blumen dies zulassen, die meine Herrin bestimmt wieder pflanzen wird. Wobei… der Pfeffer wächst übrigens inzwischen schon wieder, denn sowohl meine Herrin als auch ich hatten in der nebligen Zeit vor dem Inferno vorsorglich ein paar Saatkörner in kleine Beutelchen getan, die wir stets bei uns trugen und daher wirklich auf alles vorbereitet waren.


Zum Glück war die Tapetenaussuchaktion irgendwann endlich erledigt und sogar die Kastenfarben meiner Herrin am Haus angebracht, sodass wir uns für einen kleinen Spaziergang vor die Tür wagten. Zumindest einige Häuser konnten wir übrigens sofort ihren Bewohnern zuordnen, denn der Garten mit Fenris kann nur zum Haus des Hauptmanns gehören und die grüne Kastenflagge am gegenüberliegenden Gebäude war eindeutig die der Ärztin. Wieso es ein Gästehaus für Krieger gibt, erschloss sich mir jedoch nicht mehr, denn meine Herrin war inzwischen an einem zweiten Stadttor angelangt, das gerade von den freundlichen Wachen für uns geöffnet wurde. Da meine Herrin nun zum Hafen strebte, musste ich zusehen hinterherzukommen.


Wie gut, dass wir einen anderen Weg als sonst genommen hatten. Der Hauptweg war nämlich von der Sängerin aus Lydius mit einem Holzzaun gesperrt worden. Sie hatte sich von dem Lederarbeiter einen Ball anfertigen lassen, den sie nun mit Begeisterung den Weg hinunter rollen ließ. Die Kunst dabei war, eine schmale Öffnung im Zaun zu treffen und dann aufzupassen, dass der Ball nicht ins Wasser rollte. Puhhh… eigentlich sah das auch überhaupt nicht schwierig aus. Während Katy mit dem Ball den Hang hinauflief, plusterte ich mich ziemlich torwartmäßig auf, indem ich vor der Öffnung leichtfüßig hin und her sprang, meinen Po dabei ein wenig herausstreckte und mit meiner gesamten Körperhaltung signalisierte, dass ich bestens gewappnet war, demnächst alles im Griff zu haben, nämlich den Ball.


Pah…von wegen! Das Ding kullerte elegant an mir vorbei direkt ins Hafenbecken… so ein Mist. Zum Glück gelang es Katy und mir, ihn mit einem Netz wieder herauszufischen, was sich als nicht so ganz einfach herausstellte, da er nämlich leider nicht schwamm. Übrigens im Gegensatz zu den gefräßigen Flussthalarions, die mitten in der Bucht eine Runde nach der anderen drehten und wahrscheinlich nur darauf lauerten, dass eine von uns ihren großen Zeh ins Wasser steckte. Diesen Gefallen taten wir den fiesen Wassermonstern natürlich nicht. Nein, ich sprang sogar ganz hinein, allerdings aus Versehen. Der blöde Ball konnte zwar nicht schwimmen, rollte dafür jedoch auch im nassen Zustand noch ausgesprochen gut… leider zu gut und vor allem schnell in Richtung Kai, kaum dass wir ihn herausgeangelt hatten.

Tja und so passierte es dann. In meinem Eifer das runde Ding zu stoppen, verschätzte ich mich leider total und landete mitsamt dem Ball im Wasser. Dort war natürlich angesagt Prioritäten zu setzen… erst den Ball der Sängerin oder erst das Eigentum meiner Herrin retten? Da ein Lederball bestimmt nicht auf dem Speiseplan von Flussthalarions steht, entschied ich mich sehr spontan für mein Leben und schlug den an der Oberfläche lauernden Fieslingen und ihren Sägezähnen ein Schnippchen. Ich tauchte einfach ein Stück und erreichte schließlich neben den Hafenanlagen sicher und wohlbehalten, allerdings sehr nass das rettende Ufer. Wie gut, dass ich nicht nur so super schwimmen, sondern auch lange die Luft anhalten kann!

Komischerweise war meine Herrin darüber überhaupt nicht so begeistert wie ich und drohte mir mit reichlich angesäuertem, äußerst ernstem Gesichtsausdruck sogar an, meinen Kragen an eine Kette anzuschließen, wenn ich zukünftig solche Bäder nicht zu verhindern weiß… warum muss ein Ball auch so rund sein? ;-)

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