Mittwoch, 12. Februar 2014

Immer noch Nebel

Was für ein Wetter! Es herrschte nun schon seit Tagen dicker dunkelgrauer Dunst, der mir inzwischen echt aufs Gemüt drückte und mich ständig meine Augen in der Hoffnung reiben ließ, meine Umgebung hinterher vielleicht wieder klar und vor allem hell zu sehen, was aber leider nicht klappte. Seit einer gefühlten Ewigkeit war es nicht richtig hell geworden in Jorts. Alles war in diesen kalten, feuchten Nebel gehüllt, der kaum noch Farben erkennen ließ. Ruhig war es auch, kein Vogel zu hören und auch die wilden Vulos waren bislang nicht zurückgekehrt, sodass sich langsam in mir der Gedanke breit machte, ob irgendetwas Unheilbringendes im Gange war und sie sich deswegen verdrückt hatten, denn haben nicht Tiere manchmal einen siebten Sinn? Aber vielleicht war ihr Verschwinden nur Zufall oder meine Herrin hatte Recht, dass der Kriegerbauer sie wegen des vergifteten Wassers zusammen mit den anderen Tieren fortgebracht hatte?

Da meine Herrin sich an diesem Tag mal wieder nicht von ihren Kastenangelegenheiten trennen konnte, lief ich schließlich alleine Richtung Stadt, um mich dort ein wenig nützlich zu machen und meine trüben Gedanken zu verscheuchen. Wobei ich mich eigentlich viel lieber unter einem dicken, warmen Fell meiner Herrin verkrochen hätte, um so lange zu schlafen, bis dieser unheimliche Nebelspuk endlich vorbei ist. Ich vermutete übrigens, dass meine Herrin sich mit ihrer Arbeit eigentlich auch nur von dem schrecklichen Wetter ablenken wollte und nur so tat, als hätte sie viel zu tun, denn wen gelüstet es schon nach einem feuchten Sitzkissen auf der Terrasse des Gasthauses und schlechten Sichtverhältnissen draußen? Aber hierüber ließ ich mich lieber nicht aus. Ich weiß eben, wann es besser ist meine Klappe zu halten… zumindest manchmal.

Anscheinend tauchte ich wohl genau zur richtigen Zeit auf dem Marktplatz auf, denn als hätte der Neunzehenkrieger nur noch auf mich gewartet, befahl er mir sofort mitzukommen, kaum dass ich alle Herrschaften begrüßt hatte. Ich sollte ihm beim Ausräumen des Hauses seiner Nachbarin helfen. Leider hatte er nur keinen Schlüssel für die Haustür, was für diesen kraftstrotzenden Krieger aber selbstverständlich kein Problem war. Während er nun einfach sein Schwert zog und damit gefährlich am Türschloss herumstocherte, beeilte ich mich schnell in Deckung zu gehen, denn sein Gladius sah nicht gerade wie ein harmloser Zahnstocher aus. Natürlich verkniff ich mir jeden Kommentar darüber, dass ein Schwert wohl keinen Schlüssel ersetzen kann, denn die Bemühungen des Rarius blieben tatsächlich vergeblich, sodass er letztendlich die Tür kurzerhand einfach eintrat. Wenn seine Nachbarin nachhause kommt, wird sie bestimmt über die viele frische Luft in ihrem Haus richtig begeistert sein.


Warum der Krieger in ihrem Haus nun Lebensmittel und Fässer konfiszierte, erschloss sich mir irgendwie nicht so ganz, aber eine Sklavin muss ja auch nicht alles verstehen. Zum Glück war Lita inzwischen dazu gekommen, sodass wir das große und daher ziemlich schwere Fass gemeinsam zur Festung rollen konnten. Erstaunlicherweise ging mein Plan tatsächlich auf und wir schafften es mit ordentlichem Anlauf sogar den Berg vor der Festung hinauf. Aber wir waren ja nicht nur clever, sondern auch frisch gestärkt, da der Krieger zuvor erlaubt hatte, dass jede von uns eine der kleinen luftgetrockneten Würste vertilgen durfte. Mmmmhhh, die waren echt oberlecker! Wobei mir eigentlich alles schmeckt, das nicht breiig ist und keine Milch ist.

Unsere zweite Aufgabe nach Ablieferung des Fasses war dann zum Glück sehr einfach und relativ leicht im Vergleich zu dem dicken Fass. Wir mussten nämlich nur noch einmal zurück und die im Haus befindlichen Lebensmittel holen, die Lita alle in einem Korb verstaute. Ich durfte mir dann den großen Katenschinken schnappen und klemmte ihn mir einfach unter den Arm. Hach was roch der lecker! Es war wirklich eine sehr große Versuchung für mich, diese Köstlichkeit anzuknabbern. Vielleicht wäre das gar nicht weiter aufgefallen, denn meine Knabberspuren hätten ja auch von einer Urt stammen können, aber ich habe mich natürlich beherrscht… sowas tut eine wohlerzogene Kajira nämlich nicht.

Zurück in der Festung stellte sich dann heraus, dass ich auf dem Weg zuvor im dicken Nebel keinen Geist gegrüßt hatte, sondern tatsächlich den Händler, der nun gerade dabei war, seine Wasserration abzuholen. Anscheinend war der Neunzehenkrieger an diesem Tag auch dafür zuständig Er nahm es damit auch ganz genau und erkundigte sich nach der Personenzahl im Händlerhaushalt. Das Gespräch der beiden war nicht uninteressant, wobei ich natürlich so tat als würde ich überhaupt nichts hören. Als Shani anfing für ihr kerzenfressendes Gianni und das Kailla ihres Herrn um etwas mehr Wasser zu betteln, erfuhr ich von dem Krieger, dass nur Freie und Sklaven alle 2 Tage eine Wasserration bekommen und es schon reicht, dem Lederarbeiter zwei Fässer zugestehen zu müssen, weil er sich drei Kajirae hält. Merkwürdigerweise besann er sich dann jedoch darauf, dass der Händler ja im Rat ist und gestand ihm nun plötzlich eine weitere Wasserration zu, weil das Händlerkailla vielleicht irgendwann mal etwas schleppen und dafür natürlich fit sein muss.

Keine Ahnung was Shani zwischendurch ihrem Herrn zuflüsterte, es brachte ihn jedoch anscheinend auf die Idee, dass Jorts je Sklavin eine Kopfpauschale erheben könnte, um die Kosten der Stadt für die gesundheitliche Versorgung der Kajirae wieder hereinzubekommen. Wie gut, dass ich an diesem Tag im Klappehalten wirklich spitzenmäßig war. Es gelang mir tatsächlich, mir in Anbetracht der Tatsache, dass ich noch nie in Jorts gesundheitlich versorgt worden bin und auch zukünftig gerne darauf verzichten möchte, meine Herrin auch noch nie etwas dafür verlangt hat, dass ich ständig im Gasthaus serviere, eine Erwiderung darauf zu verkneifen. Aber ich erwähnte ja schon, dass ich mich stets darum bemühe, mich wie eine wohlerzogene Sklavin zu benehmen.


Zurück in der Stadt überkam mich schlagartig das Gefühl, dass offensichtlich die ersten Nebeltouristen eingetroffen waren, die sich das farblose, dunkle Jorts mal ansehen wollten. Aber damit lag ich anscheinend daneben. Die ganzen Nordleute waren nämlich angereist, um eine Herrin sicher zurück in den Norden zu geleiten, nachdem sie ein paar Tage in Jorts zu Besuch gewesen war. Nachdem der Volksauflauf auf dem Marktplatz schließlich ein Ende hatte, zog es die Freien mit ihren Kajirae für ein Getränk auf die Terrasse, da ihre Kehlen bei dem Gesabbel anscheinend etwas trocken geworden waren. Für mich gab es jetzt eigentlich nichts mehr zu tun, weil zum Bedienen reichlich Sklavinnen anwesend waren, sodass ich den starken Drang verspürte, mich zu verdrücken. 


Doch es kam anders. Der Neunzehenkrieger befahl mir erneut, ihm zur Festung zu folgen, um ihm nun beim Sortieren der Fässer zu helfen. Es war übrigens eine wirklich interessante Art des Sortierens, die ich zuvor in dieser Form noch nicht kennengelernt hatte… eine Kajira lernt eben nie aus. ;-)

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