Donnerstag, 6. Februar 2014

Kleinholz im Gasthaus

Der Weg meiner Herrin führte an diesem Tag zuerst zum Stadtkennel. Doch ich hatte Glück, denn er war leer, sodass keine Ausbildung angesagt war und nun einer Milch mit Honig auf der Herbergsterrasse nichts mehr im Wege stand. Außer einigen Bürgern aus Jorts hatte dort ein Gast Platz genommen, der mich auf meinem direkten Weg Richtung Küche abrupt innehalten ließ, nachdem ich entdeckt hatte, was er sich auf seinen nackten Rücken geschnallt hatte. Außer den üblichen Waffen, die ich von den Kriegern kenne, befand sich dort ein riesiger Hammer, der mich aufgrund seiner gewaltigen Ausmaße an einen Schmiedeamboss mit langem Stiel erinnerte. Das Ding muss schrecklich schwer gewesen sein. Übrigens nahm ich nun auch erst den Herrn richtig wahr. Einen dermaßen muskelbepackten Mann hatte ich zuvor noch nie gesehen. Wie gut, dass er hinten keine Augen hatte und meine Neugier niemandem aufgefallen ist, sodass ich mich schließlich doch noch ohne eine Ermahnung von diesem Anblick losreißen konnte, um endlich die Milch aufs Feuer zu setzen. Allerdings sollte es noch eine Weile dauern, bis meine Herrin endlich ihr Lieblingsgetränk zu sich nehmen konnte.


Als erstes fiel mir leider der Milchtopf laut scheppernd zu Boden und veranlasste mich, meiner Herrin schnell eine Entschuldigung für mein Gepolter zuzurufen und dass nichts weiter passiert war. Während ich mich nun darum bemühte beim Erhitzen der Boskmilch keinen weiteren Krach mehr zu machen, wurde es schließlich nebenan auf der Terrasse laut, sodass ich vorsichtshalber den Topf mit der inzwischen dampfenden Milch erneut vom Feuer zog, um schnell mal um die Ecke zu schauen. Ich hatte allerdings keine Ahnung, was vorgefallen war und worum es überhaupt ging. Tatsache war jedoch, dass sich der jortssche Händler und der Gast jetzt lautstark verbal beharkten. Während der Händler Arroganz in Reinkultur heraushängen ließ, versuchte der andere das mit einem Wortschwall primitiver Fäkalausdrücke zu toppen und sprang schließlich auf, um sich mit dem Händler zu prügeln. Ich bemerkte erst jetzt mit Schrecken, aus was für einer Masse dicker Muskeln dieser Kerl bestand. Alle anderen Gäste sprangen übrigens ebenfalls auf, nur der Händler blieb sitzen… eine clevere Entscheidung, denn gegen einen solchen Muskelprotz hätte er bei einer körperlichen Auseinandersetzung vermutlich nicht die geringste Chance gehabt, auch wenn er nicht gerade schwächlich gebaut ist.

Die Situation spitzte sich mehr und mehr zu. Während der Lederarbeiter sein Schwert zog und seine Kajirae aus der Gefahrenzone schickte, fragte ich meine Herrin leise, ob ich den Topf mit der fast kochenden Milch vielleicht holen soll. Ich fand meine Idee eigentlich nicht schlecht, den Widersacher des Händlers notfalls damit zu begießen. Mit fast kochender Flüssigkeit auf nackter Haut würde der Streitsuchende bestimmt von ihm ablassen, denn leider war von den jortsschen Wachen keine Hilfe zu erwarten, weil sie alle mit den Tarnschiffen unterwegs waren. Doch meine Herrin wollte von meinem Verteidigungsplan nichts wissen. Naja, ich gebe zu, so ganz zu Ende gedacht war der eigentlich auch nicht. Je lauter der Fremde wurde, umso ruhiger blieb erstaunlicherweise der Händler… zumindest nach außen sah es so aus… und brachte den wütenden Muskelmann damit natürlich noch mehr auf die Palme, sodass der letztendlich mit dem Hammer seine Wut am Tisch ausließ und diesen mit einem einzigen Schlag zertrümmerte. 

Das Gepolter und Krachen der zersplitternden Tischplatte war gewaltig, die in mehr oder weniger großen Einzelteilen über die gesamte Terrasse flog, aber niemand sonst wurde getroffen und der Kerl stampfte nach dieser Entladung seiner nicht mehr beherrschbaren Wut ohne eine weitere Demonstration seiner Körperkraft von dannen, sodass es tatsächlich bei nur einem kaputten Tisch blieb. Mittlerweile war ich übrigens froh, mein Vorhaben mit dem Milchtopf nicht umgesetzt zu haben, denn meine Knie waren vor Angst ganz weich geworden. Das bemerkte ich aber erst, nachdem alles vorbei war. Ich glaube übrigens, auch der Händler war innerlich nicht so ruhig wie er nach außen wirkte. Wenn ich mich nicht vollkommen getäuscht habe, hat die Schale mit seinem anschließenden Paga sogar etwas gezittert… was nur normal ist nach einem solchen Erlebnis… finde ich jedenfalls. 


Zum Glück konnte der übliche Terrassenklöhnschnack der Freien bald wieder fortgesetzt werden. Die überall herumliegenden Holzteile waren schnell eingesammelt und zum Feuerholzstapel gebracht, die Kleinteile einfach weggefegt und schließlich der hintere Tisch zusammen mit Shani, Elena und Sefa nach vorne geschleppt, sodass die Teller und Getränke der Herrschaften wieder abgestellt werden konnten.

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