Donnerstag, 27. Februar 2014

Mitte der Hand

…fand wieder das Waffentraining der Krieger statt. Seit dem Wiederaufbau von Jorts trainieren die Rarii allerdings in der neuen Arena unterhalb des Tarnturms, also nicht mehr auf der grünen Wiese, sondern auf sandigem Untergrund. Leider üben sie sich in der Waffenkunst aber auch in teilweise gewaltigen Staubwolken und suhlen sich in dem einen oder anderen Tarnfladen, falls ihre Kajirae nicht vorher mit Harken, Schaufeln und Eimern bewaffnet die ekelig großen Hinterlassenschaften der riesigen Vögel beseitigt haben. Seit dem Umzug meiner Herrin ins neue Haus und der zusätzlichen Einrichtung des städtischen Sklavenhauses war es mir leider bislang nicht vergönnt gewesen, den Kriegern beim Trainieren in ihrer neuen Arena zuzuschauen. Das wollte ich gestern nun endlich wieder tun, damit der Hauptmann oder vielleicht auch der eine oder andere Herr nicht erneut auf mein Daumendrücken verzichten mussten. Als zusätzlichen Glücksbringer für den Hauptmann und wegen meiner Lieblingsfarbe sowieso, band ich mir vorsichtshalber noch einen roten Gürtel um die Taille, denn nach mehreren Tagen in roter Tunika war mal wieder eine in den Kastenfarben meiner Herrin angesagt.

Die jortsschen Krieger waren natürlich wie immer sehr zahlreich vertreten, einschließlich des neuen Rekruten, den der Neunzehenkrieger anscheinend ein wenig unter seine Fittiche genommen hatte. Alles gut und schön… nur fehlten leider Plätze für die Zuschauer. Der steile Weg vor der Arena war dafür eigentlich nicht wirklich gut geeignet… aber die umfangreichen Bauarbeiten in Jorts sind wohl auch noch nicht beendet. Am liebsten hätten Lita und ich uns ja auf die Mauer gesetzt, doch das durften wir leider nicht, sodass uns nichts anderes übrig, als auf dem ziemlich steilen Weg stehen zu bleiben, denn vor dem Eingangsbereich der Arena drängten sich zwischendurch immer wieder die Krieger, die gerade Trainingspause hatten. Ich konnte von meinem Platz zwar wirklich ganz gut sehen, fühlte mich jedoch ein wenig unwohl, weil ich mich wegen der Hanglage oberhalb der Freien befand… ein sehr eigenartiges Gefühl für mich, das sich wegen des Andrangs jedoch nicht wirklich abstellen ließ. Immerhin fühlte sich meine Höhe neben meiner Herrin später wieder richtig an, nachdem sie sich irgendwann zu uns gesellt hatte und ich neben ihr kniete.


Solange ich noch stand, war das Herabschauen auf den Kopf des Hauptmanns übrigens nicht uninteressant gewesen. Ganz unauffällig konnte ich dabei einfach mal feststellen, dass in seinem dunklen Haar noch keine helle Strähne und auch keinerlei Ansatz für eine Glatze ist… aber darüber hielt ich selbstverständlich lieber meine Klappe. Er sprach mich nämlich auf meine Stadtführertätigkeit vom Vortag an und erkundigte sich vor allem danach, was der fremde, anscheinend aus Kasra stammende Herr sich alles angeschaut hatte. Seinem Hauptmannsbrummen war absolut eindeutig zu entnehmen, dass ihn mein Bericht nicht gerade zu Freudenausbrüchen verleitet hatte. Trotzdem sah er ein, dass ich nicht anders hatte handeln können und überlegt wohl nun, mit einer Bekanntmachung alle Bewohner von Jorts darüber zu informieren, dass nicht jeder Fremde einfach so durch die Oberstadt geführt werden darf. Zusätzlich trug er mir noch auf, auch den anderen Kajirae Bescheid zu geben.

Interessant war übrigens, auf meinem Weg zur Beschaffung von Getränken für die durstigen Krieger auf zwei Kajirae zu stoßen, die auf mich den Eindruck machten, der Spezies Reisekajirae anzugehören. Außerdem sisten sie ziemlich… also nannten sich ständig Sis, obwohl ihr Herr ihnen Namen gegeben hatte. Aber gut, die regionalen Sitten und Gebräuche sind teilweise wohl unterschiedlich. Mit meiner Vermutung über ihre Reiselust hatte ich mich jedenfalls gewaltig getäuscht, denn sie erzählten mir, dass sie einem überarbeiteten Sklavenhändler aus Enkara gehören, der sich momentan zur Erholung in Jorts aufhält, sich dafür ein Ferienhaus in der Unterstadt gemietet hat und anscheinend mit seiner Kastentätigkeit eine Weile pausieren möchte. Leider konnten die beiden Mädchen mir die Frage nach den Blumenzüchterinteressen ihres Herrn oder ob er womöglich sogar Pfeffer anbaut, nicht beantworten und mussten sich inzwischen auch beeilen, ihren Urlaubsherrn endlich zu finden… oder hatten sie genug von meinen vielen Fragen, mit denen ich sie löcherte?


Zurück bei meiner Herrin bemerkte ich dann, dass die Krieger bis auf den Hauptmann schon fort waren... vielleicht um sich den Staub von ihren Kajirae abwaschen zu lassen? Egal, ich platzte jedenfalls fast vor Mitteilungsbedürfnis und wollte die interessante Neuigkeit natürlich sofort erzählen, wurde von meiner Herrin jedoch erst einmal mit einer Mischung aus kritisch bis skeptisch von oben bis unten beäugt. Bevor ich überhaupt nur Luft holen konnte, wollte sie bereits wissen, ob ich unterwegs vielleicht einen Herrn getroffen und ihm zu Diensten gewesen war, ob noch alles an mir dran war und trocken oder ob ich wieder ins Hafenbecken gefallen war und ob ich noch erinnere, was sie tun wird, wenn ich unerlaubterweise wieder samt Tunika kopfüber baden gehe. Puhh… wie gut, dass ich diesmal gar nicht bis an die Kaimauer gekommen war und somit keinerlei Chance auf ein unfreiwilliges Bad gehabt hatte. Außerdem hatte mich gar kein Herr aufhalten können, da ja alle tollen Männer in der Arena gewesen waren.

Tja… meine Neuigkeit über den erholungsbedürftigen Kastenkollegen meiner Herrin stellte sich dann als bereits bekannt heraus und sowohl mein Daumendrücken als auch der Glücksbringer um meine Taille haben nicht wirklich funktioniert, so oft wie der Hauptmann in den Sand gebissen hat. Es gibt eben solche und solche Tage… aber beim Kriegertraining Mitte der Hand schaue ich trotzdem immer gerne wieder zu. ;-)))

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