Freitag, 28. Februar 2014

Nicht mein Tag

Irgendwie hatte ich schlecht geschlafen… keine Ahnung warum. Meine Herrin war bereits sehr zeitig aufgebrochen, da sie noch sehr viel Arbeit für ihre Kaste zu erledigen hatte und danach dann gleich auf ihren Landsitz weiterreisen wollte. Da Katy sich ich weiß nicht wo herumtrieb, hatte ich also eine sturmfreie Bude, fühlte mich jedoch ein wenig verloren in dem großen Haus. Mir wurde klar, wenn ich keine Lust hatte, den ganzen Tag herumzugammeln, musste ich mich wohl aufraffen und vor die Tür gehen. Da ich eigentlich noch nie zu der Sorte „hoppla hier bin ich“ gehört habe, kostete es mich mal wieder einige Überwindung, alleine durch diese mir immer noch so fremde große Stadt zu laufen, aber zum Stadttor und Hafen war es zum Glück ja nicht weit.


Anscheinend tauchte ich für den Euchzer und die Gefährtin des Baumkriegers genau zum richtigen Zeitpunkt auf, denn kaum hatte ich einen kleinen Schluck Wasser am Brunnen getrunken, als der Herr mich zu sich zitierte und zwar sehr nahe vor sich. Ich befürchtete schon, in Anbetracht der Körpergröße des Kriegers demnächst womöglich Genickstarre zu bekommen, hatte diesen Gedanken jedoch noch gar nicht ganz zu Ende gedacht, als ich plötzlich von seinen kräftigen Kriegerhänden an den Hüften gepackt und hochgehoben wurde, sodass mein Gesicht nun genau vor dem des Rarius war. Erschrocken stützte ich mich an den muskelbepackten Schultern des Herrn ab und betrachtete fasziniert die angespannten Bizeps seiner Oberarme. 

Es ging dem Herrn jedoch nicht darum, der Herrin oder mir seine Kraft zu demonstrieren, denn er befahl mir nun, in sein Gesicht zu schauen und ihm zu sagen, ob er noch so aussieht wie sonst auch oder anders. Natürlich kam ich diesem Befehl umgehend nach, konnte jedoch nichts Ungewöhnliches in seinem Gesicht entdecken, was da nicht sonst auch war… außer dass sein Bart ziemlich stoppelte. Es war wohl einige Tage her, dass ihn seine Kajira rasiert hatte. Der Herr ermahnte mich nun, es gehe nicht um seine Bartlänge und ermahnte mich, ihm offen mitzuteilen, ob ich irgendwas Gelbes sehe. Erschrocken schaute ich den Rarius nun noch einmal besonders intensiv an, konnte jedoch keine ungewöhnliche Farbe an ihm entdecken und teilte ihm mit, dass in seinem Gesicht nicht mal ein Hauch von verschmiertem Vuloeigelb zu entdecken ist.

Oha, soviel denn zu offenem Sprechen. Ich vermute einzig der Umstand, dass ich entgegen der Behauptung der Kriegergefährtin auch sonst kein Gelb in seinem Gesicht entdeckt hatte, verschonte mich vor einer ernsteren Strafe. Ich wurde nämlich postwendend wieder auf dem Boden abgesetzt und angeherrscht, ich solle mir ja nicht anmaßen ihm zu unterstellen, dass er beim Essen kleckert, denn dann würde er mich in den Brunnen werfen und hinterher die Blasen zählen. Uff… wie gut, dass es mir dank meiner schlagartig zu einem schmalen Strich fest zusammen gekniffenen Lippen gelungen ist, diese Drohung nicht damit zu kommentieren, wie gut ich schwimmen und hervorragend tauchen kann, sodass es keine Blasen zu zählen gibt.


Auch wenn der Krieger vor Erleichterung über seine gesunde Gesichtsfarbe offensichtlich sehr sanft gestimmt war und mich nun sogar ein wenig kraulte, was sich wirklich gut anfühlte, war ich einigermaßen erleichtert fortgeschickt zu werden, da er der Meinung war, dass ich bestimmt noch Aufgaben zu erledigen hätte. Das hatte ich zwar nicht, aber es ist für eine Sklavin sicher auch nicht von Vorteil nichts zu tun zu haben, sodass ich mich nun Richtung Hafen davon machte. Dort hatte ich von weitem schon den Hauptmann mit dem Neunzehenkrieger und der Ärztin entdeckt. Auch wenn ich selbstverständlich nicht neugierig bin, was die Herrschaften zu besprechen hatten, gebot mir natürlich nun die Höflichkeit, mich zu ihnen zu gesellen, um sie zu begrüßen.

Nagut, mir war ja bereits am Morgen schon klar gewesen, dass wohl nicht mein Tag ist. Ich hätte vielleicht doch lieber zu Hause bleiben sollen. Nun erfuhr ich nämlich Dinge über die Ermittlungen in Sachen der angeschwemmten Wasserleichen, die nicht für meine Ohren bestimmt waren. Es nützte auch nichts, dass ich mich nach meinem Gruß möglichst unauffällig wieder nach rückwärts verdrückte und so tat, als hätte ich überhaupt nichts gehört… ich wurde zu absolutem Stillschweigen verdonnert. Die Androhung, gemeinsam mit Fenris in den Sleenkäfig eingesperrt zu werden tat dann ein Übriges, denn noch in der selben Ihn vergaß ich sofort alles, was ich gehört hatte und sah nun zu, mich auf der ziemlich vollen Terrasse ein wenig nützlich zu machen.

Dort waren übrigens auch der Rekrut, die Kriegergefährtin und der mysteriöse Fremde, die ich vor einigen Tagen durch die Stadt hatte führen müssen. Ich sagte ja schon, es war nicht mein Tag, denn irgendwie ging das ganze Hin und Her der Gespräche über den Angriff eines Nordmanns auf die Zeugmeisterin, das vermutlich tote Kailla des Baumkriegers, das von seiner Gefährtin geschlachtet worden sein soll, den merkwürdigen Fremden, der wegen ich weiß nicht was fast in einen ernsthaften Streit mit den Anwesenden geriet und irgendwelche Foltern mit Daumenschrauben total an mir vorbei, sodass ich mich schließlich nach Hause verdrückte, um mir sehr früh das Fell über den Kopf zu ziehen… es war eben nicht mein Tag. ;-)


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