Montag, 3. Februar 2014

Problemlösungen

Bereits auf halber Strecke in die Stadt hörte ich lautes Stimmengewirr, was mich auf einen Volksauflauf schließen und fast wieder umdrehen ließ. Trotzdem lief ich dann aber doch weiter bis zum Marktplatz, wo meine Befürchtungen bestätigt wurden… jede Menge Freie vor und auf der Terrasse des Gasthauses und außer mir keine Kajira weit und breit. Falls die Herrschaften sich nicht wieder verstreuen würden, sah das nach ziemlich viel Arbeit aus. Vorerst hatte ich jedoch Glück, denn niemand schien am Verdursten oder Verhungern zu sein. Während der Neunzehenkrieger sich zuerst als Bote betätigte, um die Ratsmitglieder für eine Besprechung in der Festung zusammenzutrommeln und danach dann mit dem Brauereikrieger über seine Umsatzbeteiligung bei Pagalieferungen verhandelte, versuchten andere Freie das Problem belegter Gästezimmer zu lösen und die Unterbringung einer Fremden zu organisieren, was sich mangels zur Verfügung stehender Zimmer jedoch äußerst schwierig gestaltete. 

Es nahmen zwar sämtliche Herrschaften regen Anteil an dem Unterbringungsproblem, indem sie diverse Vorschläge brachten, nur verpufften alle irgendwie, da das Gasthaus zurzeit leider keinen Wirt hat. Trotzdem wurde das Problem letztendlich bestens gelöst. Während ich plötzlich mit einer ziemlich doofen Unpässlichkeit zu kämpfen hatte, sodass ich leider noch einmal nach Hause laufen musste, übernahm der Neunzehenkrieger beherzt die Organisation und richtete gemeinsam mit Lita schnell und unkompliziert in der Dachkammer ein weiteres Gästezimmer ein. Da die fremde Herrin in seiner Begleitung nach Jorts gereist war, fühlte er sich als ein Mann von Ehre natürlich für sie verantwortlich, denn freie Frauen reisen selbstverständlich nicht einfach so durch Gor, schon gar nicht alleine ohne männlichen Geleitschutz und die Aussicht auf eine angemessene Übernachtungsmöglichkeit.

Nachdem sich meine dumme, überhaupt nicht zu erklärende Unpässlichkeit einigermaßen gelegt hatte, machte ich mich erneut auf in die Stadt, auch wenn meine Knie immer noch etwas weich waren und wurde dort von dem zu euchzenden Krieger beauftragt, für ihn und den Braten seiner Zukünftigen namens Hugo, ein auf der Terrasse der Herberge neuerdings immer Suls speisendes Minitarsk, etwas zu Essen zu machen. Da die Besitzerin des Tarskbratens offensichtlich eingenickt war und daher weder die ihren Hunger betreffende Frage noch den verliebten, bezaubernd lächelnden Blick ihres Fastgefährten mitbekam, konnte ich diesen Wunsch recht schnell erfüllen. Beim Anblick des sich laut schmatzend und grunzend an den servierten Suls gütlich tuenden Minitarsks kam der Hauptmann auf die Idee, dass Lita und ich den Braten am nächsten Tag ausleihen sollen, um mit ihm vor Fenris herumzuwedeln. Der Sleen darf bis auf weiteres nämlich nicht gefüttert werden, damit er richtig aggressiv wird und sich somit noch besser für die geplante Jagd auf den verschwundenen Kranbaumeister eignet.

Kaum hatte der Hauptmann besagten Herrn erwähnt, tauchte plötzlich ein Mitglied dieser hohen Kaste auf, allerdings nicht der Gesuchte und so wie es aussah auch nur halb freiwillig, denn der Kriegerbauer hatte ihn wohl beim Herumschleichen um einige Häuser erwischt. Was für ein perfekter Zufall, dass genau in diesem Moment Shani auftauchte und den Herrn als den Mann identifizieren konnte, den sie am Vortag anscheinend um die Hütte des verschwundenen Kranbaumeisters hatte herumstreichen sehen. Während Lita und ich vom Hauptmann nun losgeschickt wurden, für den ziemlich wortkargen Baumeister, der angeblich nichts zu verbergen hatte, Fenris zur Verbesserung des Mitteilungsbedürfnisses dieses Herrn zu holen, nahmen die beiden Krieger ihn ins Verhör. Es ging darum herauszufinden, wer er überhaupt ist, wo er seinen Heimstein hat und warum er in Jorts herumschleicht und sich versteckt. Übrigens nannte mich der Hauptmann mal wieder Dita… worauf ich selbstverständlich sofort reagiert habe, auch wenn es mir überhaupt nicht behagte, seinem Sleen ohne Käfigstäbe zwischen uns zu begegnen.


Dankenswerterweise erinnerte Lita mich daran, dass Fenris ja schon an uns geschnuppert hatte und uns wohl nichts tun wird, weil er seitdem doch weiß, wer wir sind und zu wem wir gehören. Trotzdem waren wir natürlich sehr vorsichtig und sprachen erst mal beruhigend auf das gefährliche Biest mit den scharfen Zähnen ein, um ihn vor dem bevorstehenden Spaziergang freundlich zu stimmen. Zum Glück gelang uns das, denn wir kamen schließlich zwar etwas aus der Puste, weil Fenris mehr auf die andere Richtung aus war als die von uns geplante, aber wohlbehalten auf dem Marktplatz an und konnten Litas Herrn die Leine des Sleen übergeben. Leider war die ganze Aktion inzwischen jedoch überflüssig geworden, da die Krieger gerade beschlossen hatten, den fremden Baumeister zum Nachdenken in der Festung einzusperren. Mal sehen, ob er am nächsten Tag gesprächiger sein wird, denn der Anblick des an der Leine zerrenden Sleens hatte ihm immerhin schon ein paar Schweißperlen auf die Stirn getrieben.

Inzwischen war es für den Hauptmann Zeit geworden, seine Felle aufzusuchen, da er am nächsten Morgen einigermaßen fit für die Frühwache sein musste. Trotzdem ließ er es sich nicht nehmen, Fenris höchstpersönlich zurückzuführen und ihn noch ordentlich durchzukraulen, bevor er die Käfigtür verschloss. Danach kamen Lita und ich in den Genuss eines erstaunlich sanften Tätschelns unserer Köpfe durch die normalerweise ja eher grobmotorisch veranlagten Hauptmannshände und wurden noch einmal ermahnt, keinen Unsinn zu machen, was aber total überflüssig war, da wir ja immer brav sind… fanden wir jedenfalls. Während ich schließlich langsam den Hang hinunter zum Haus meiner Herrin trottete, bekam ich gerade noch den Kommentar des Euchzers mit, dass ich eh nicht mehr Unsinn machen kann, als sowieso schon.


Nanu, was meinte der Herr denn damit? Ich war natürlich mittelprächtig empört über diese Bemerkung, begann aber trotzdem darüber zu grübeln. Nachdenklich ließ ich mich vor dem Haus meiner Herrin im Gras nieder und betrachtete die hin und her wuselnden Vulos, während ich angestrengt darüber nachdachte, ob ich noch nachfragen sollte oder doch lieber nicht, denn der Krieger war auf dem Weg zu seinem Haus ja bislang nicht vorbeigekommen. Sollte ich ihn abpassen oder in Anbetracht der späten Ahn besser schnell im Haus verschwinden? Ok, ich war zu langsam mit meinen Überlegungen, denn der Herr kam mir zuvor. Gedankenversunken wie ich war, hatte ich seine Schritte im weichen Untergrund gar nicht gehört. Nun war es also zu spät, sich noch zu verdrücken. Außerdem stellte mich der Rarius zur Rede, wieso ihm ständig Gerüchte über irgendeine Gefährtenschaft zu Ohren kommen und meinte damit natürlich seine eigene… keine Ahnung, warum er sich so vage ausdrückte... und mit ständig meinte er viermal.


Dafür hatte ich nun wirklich keine Erklärung, gestand ihm jedoch offen ein, dass ich natürlich meiner Herrin von seiner geplanten Gefährtenschaft erzählt hatte, damit sie wegen des im Zuge meiner von ihm verabreichten Bestrafung für eine mögliche Beschwerde gewappnet war, auch wenn ich das Kleid seiner Zukünftigen gar nicht zerknittert hatte. Dass meine Herrin über die Strafmaßnahme wegen Ignorieren nicht gerade begeistert gewesen war verschwieg ich lieber, denn der Herr hatte inzwischen mein Kinn fest im Griff und wies mich an, zukünftige Berichte über seine Privatangelegenheiten an meine Herrin nicht zum Herbergstratsch werden zu lassen. Das Eis unter mir wurde immer dünner, auch wenn ich noch zu erklären versuchte, dass ich die Wünsche von Freien selbstverständlich respektiere, aber ein Befehl meiner Herrin trotzdem für mich immer Vorrang hat, auch wenn ich dabei Gefahr laufe einen Herrn zu verärgern. 

Selbstverständlich war ich mir sicher, in diesem Fall auf der Terrasse sehr leise gesprochen zu haben, hatte aber an den Reaktionen der anderen Herrschaften bemerkt, dass sie über ausgezeichnete Ohren verfügten, sodass alle letztendlich Bescheid wussten, was zwischen dem Euchzer und der Bäckerin lief. Naja, vielleicht war mein leises Sprechen tatsächlich nicht leise genug gewesen. Falls es sich um geheime Gefährtenschaftsüberlegungen handelte, warum hatte der Herr dann mir gegenüber überhaupt von seiner Zukünftigen gesprochen oder mich hinterher nicht zu Stillschweigen verdonnert? Meiner Herrin hätte ich es zwar trotzdem erzählt, dabei aber sicherlich auf noch mehr Diskretion geachtet. Naja, Kajiraschicksal eben. Eine Sklavin kann es oft nicht allen Freien recht machen. Für manche Kajiraprobleme gibt es einfach keine Lösung. ;-)

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