Freitag, 7. Februar 2014

Versorgungsengpass

Ich gestehe, an diesem Tag hatte ich ein etwas ungutes Bauchgefühl und trödelte deswegen mehr oder weniger im Haus meiner Herrin herum. Allerdings bemühte ich mich, es nicht allzu offensichtlich zu tun, sondern vielmehr den Eindruck zu erwecken, als ob ich schwer beschäftigt bin. Dabei war eigentlich nur meine Herrin wirklich beschäftigt. Mein Herumtrödeln begründete sich darin, dass ich zurzeit lieber nicht so gerne alleine in die Stadt mochte. Ich befürchtete nämlich, dort vielleicht auf einen Herrn zu treffen, der mir ein wenig auf dem Magen lag oder vielmehr das, um was ich ihn bitten musste. Außerdem hatte meine Herrin mir mitgeteilt, dass sie dabei sein will, was natürlich unbedingt zu berücksichtigen war.

Auch wenn ich diese Angelegenheit gerne hinter mich gebracht hätte, musste der Weg in die Stadt doch noch verschoben werden, da es plötzlich sehr überraschend an der Haustür klopfte. Meine Herrin bekam Besuch vom Lehrling der jortsschen Schreiberin, allerdings nicht wegen irgendeines Schreibens oder einer erneuten statistischen Erhebung über ich weiß nicht was, sondern weil die Herrin sich in ihrer Freizeit mit Näharbeiten für ein neues Kleid betätigte, beim Stoffkauf jedoch nicht an den Kauf von Nähgarn gedacht hatte. Falls ich das richtig mitbekommen habe, hatte der erste Händler nicht eine einzige Garnrolle in Blau vorrätig, sodass die Herrin sich nun erhoffte, welches bei meiner Herrin ausleihen zu können, da zu ihren Kastenfarben ja ebenfalls Blau gehört. Was für ein Zufall, dass ich tatsächlich noch eine einzige, allerdings angebrochene Garnrolle fand, die allerdings nie im Leben für ein ganzes Kleid reichen würde, sondern bestenfalls für eine kurze Naht.


Großzügig wie meine Herrin immer ist, überließ sie der Freien natürlich ihre letzte Nähgarnreserve Blau, auch wenn sie befürchtete, dass ich nun vorerst keine gerissene Naht mehr in einem ihrer Kleider reparieren kann, und bereitete ihrer freundlichen Besucherin damit offensichtlich eine große Freude. Natürlich war es leicht für mich, meine Herrin damit zu beruhigen wie unproblematisch es doch sei, wenn man Berge von Kleidern in sämtlichen Farben und unterschiedlichen Schnitten besitzt und in diesem Fall dann einfach ein anderes anzieht, bis der unerklärliche Versorgungsengpass im Händlerkontor behoben ist. Allerdings fand ich es sehr wichtig noch darauf hinzuweisen, was ohne Nähgarn im Haus richtig schlimm wäre. Nicht auszudenken, wenn ausgerechnet in der Garnengpasszeit am Ufer des Vosk ein Stoffballen angeschwemmt wird, aus dem ich erst dann eine neue Tunika nähen kann, wenn wieder welches da ist.

Übrigens konnte sich meine Herrin überhaupt nicht vorstellen, wie ich ohne einen Fluss oder die Thassa in der Nähe ihres Wohnsitzes klarkommen soll und fragte sich tatsächlich, ob es dann möglicherweise Sandstürme gäbe, die irgendwelche brauchbaren Dinge zurücklassen. Mit meiner Mitteilung, dass ich bei Tunikaengpässen dann einfach nackt herumlaufe, konnte ich sie wohl einigermaßen beruhigen. Ach nee… ich glaube das überhörte sie einfach und setzte das Gespräch mit ihrer Besucherin fort, während ich die Gelegenheit dieser hochinteressanten Unterhaltung freier Frauen über Gefährtenschaften dazu nutzte, mich im Klappe halten zu üben, hatte meine Herrin doch zuvor gerade noch behauptet, ich würde dies bestenfalls tun wenn sie nicht da ist. Pah, ich bin mir sicher, mein Beweis war überzeugend!

Leider schnatterten die beiden Herrinnen so lange, dass es für meinen mir immer noch bevorstehenden Gang in die Stadt inzwischen zu spät geworden war. Nun werde ich den heute leider doch alleine bewältigen müssen, da meine Herrin wie immer am Ende der Hand auf ihrem Landsitz weilt. ;-)

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