Sonntag, 9. März 2014

Begegnungen

Da ich festgestellt hatte, dass der Käse zur Neige ging und auch keine Eier mehr im Haus waren, machte ich mich mit meinem Einkaufskorb Richtung Unterstadt auf, um auf dem Hof die Vorräte meiner Herrin zu ergänzen. Ich spekulierte natürlich darauf, auf dem Weg dorthin so ganz zufällig vielleicht auf den einen oder anderen Freien zu stoßen und vielleicht die eine oder andere Neuigkeit aufzuschnappen. Ganz besonders hätte ich mich natürlich gefreut, Lita und ihren Herrn mal wieder zu treffen. Aber der Hauptmann war nirgends zu entdecken und wenn ich ihn gesehen hätte, wäre vermutlich wie fast immer die Zeugmeisterin bei ihm gewesen, der ich jedoch lieber aus dem Weg gehen wollte.

Leider hatte ich nicht nur das Pech unterwegs niemandem zu begegnen, sondern traf auch auf dem Hof niemanden an. Ich lief zwar noch ums Gebäude herum, doch außer den Viechern war nirgendwo jemand zu sehen. Na gut, nicht zu ändern, dann würde es an diesem Tag eben keine frischen Eier und leckeren Käse geben… mir blieb nur umzudrehen. Mein Rückweg führte mich ganz zufällig an der Mühle vorbei. Ok, ich gebe ja zu, dass ich einen Miniumweg gemacht habe, allerdings nicht durch den Wald, der mich eigentlich immer wieder magisch anzieht. Diesmal konnte ich jedoch widerstehen, nur schien die Mühle jedoch ebenfalls ausgestorben und der dort wohnhafte Brauereikrieger vermutlich auf einer Reise zu sein, sodass ich nun langsam zu der Erkenntnis gelangte, dass offensichtlich wirklich kein günstiger Tag für Besuche war... schade eigentlich. 


Während ich noch überlegte, was ich vielleicht und vor allem mit welcher Begründung erkunden konnte, hörte ich neben mir plötzlich ein leises Platschen oder eigentlich war es eher nur ein Plupp gewesen. Da ich oben auf der Brücke stand, vermutete ich Fische im Wasser unter mir und beugte mich neugierig zur Seite. Das Wasser war sehr klar und sah wie immer sehr einladend aus, nur war kein Fisch weit und breit zu sehen, eine weitere Bestätigung für mich, dass dieser Tag nicht für Begegnungen vorgesehen war. Allerdings hörte ich es jetzt im nahen Wald gefährlich rascheln. Ohje, mir stockte der Atem und ich bekam wildes Herzklopfen vor Schreck. Kam das Rascheln womöglich von acht oder sechs Beinen? Auf die Begegnung mit einer Riesenspinne oder einem Sleen legte ich keinerlei Wert. 

Gerade hatte ich mich entschlossen, ganz schnell nach Hause zu laufen, als es erneut unter mir im Wasser leise ploppte. Warf die fiese Monsterspinne jetzt etwa mit Steinen? Quatsch, wie sollte sie das denn schaffen... ich versuchte umgehend meine albernen Spinnenfantasien in den Griff zu bekommen, beugte mich dummerweise jedoch noch etwas weiter vor, um besser in den Bach schauen zu können… sah jedoch immer noch nichts. Irgendwie muss ich dabei das Gleichgewicht verloren haben, sodass es nun zu einer ungeplanten Begegnung mit nassem, recht erfrischendem Wasser kam. Wahhh, schon wieder ein unfreiwilliges Bad, diesmal auch noch begleitet von schallendem Gelächter. 


Nein, nicht Monsterspinne oder Sleen machten sich lustig über mich, sondern der Neunzehenkrieger, der sich nun elegant über sein Balkongeländer schwang und sich dann an seinen starken Armen herunter auf den Boden ließ. Sichtlich besorgt erkundigte er sich, ob mit mir alles in Ordnung war. Ich versuchte mir natürlich nichts von meiner Spinnenangst anmerken zu lassen und tat so, als sei es das Normalste auf ganz Gor, mitten im Bach mit einem Einkaufskorb zu stehen, denn soweit hatte ich mich inzwischen bereits hochgerappelt. Leider hatte ich jedoch nicht mit den glitschigen Steinen gerechnet. Eigentlich wollte ich das Wasser nun nämlich voller Eleganz verlassen, rutschte jedoch an der bemoosten Uferböschung aus, sodass ich peinlicherweise noch einmal auf dem Po mitten in dem schmalen Bachbett landete. 

Was für ein peinlicher Mist! Da sich mit meinem Poplatscher nun mein letztes bisschen Eleganz im wahrsten Sinne des Wortes in Wasser aufgelöst hatte, ergriff ich jetzt doch dankend nach der mir entgegengestreckten Kriegerhand und ließ mir aus dem Wasser helfen. Anders als auf dem Hinweg hoffte ich inzwischen natürlich, dass mir auch auf dem Rückweg niemand begegnen würde, um nicht zur allgemeinen Erheiterung beizutragen, denn eigentlich hatte es mir bereits gereicht, dass sich ein einzelner Krieger über mein unfreiwilliges Bad lustig gemacht hatte. Für mehr Belustigung stand mir eigentlich nicht der Sinn.

Doch besagte Belustigung des Herrn schwenkte nun schlagartig um in Besorgnis um meine Gesundheit. Um dieser peinlichen Situation endlich zu entkommen, versuchte ich meine nasse Kleidung zwar als gänzlich unwichtig abzutun, doch der Krieger ließ nicht mit sich reden und befahl mich streng in sein Haus, damit ich mich mit einem großen Rep-Tuch abtrockne. Er ließ sich auch nicht davon abbringen, mir eine Tunika seiner früheren Sklavin auszuleihen, damit ich nicht krank werde. Auch wenn ich sowas natürlich nie denken würde, kam mir mittlerweile doch der Gedanke, ob er womöglich derjenige gewesen war, der Steinchen in den Bach geworfen hatte und nicht die Monsterspinne?


Egal, ohne auf die Ursache für mein Missgeschick weiter einzugehen, nutzte er die Gelegenheit und nahm nun den praktischen Teil unseres durchaus interessanten Gespräches über die Vorteile von Hosen oder Tuniken in Angriff, von dem wir auf der Terrasse vor kurzem irgendwie abgekommen waren. Danach war mir übrigens auch kein bisschen mehr kalt und der Herr wohl ein wenig für das ausgeliehene Kleidungsstück entschädigt? Ich sah jedenfalls zu nach Hause zu kommen, aber meine Herrin hatte mich zum Glück noch nicht vermisst, da sie inzwischen Besuch von der Sängerin aus Lydius erhalten hatte, der sie das gesamte Haus zeigte. 

Trotzdem bekam ich zu später Ahn noch Gelegenheit, ihr über mein unfreiwilliges Bad zu berichten und warum ich von einer Einkaufstour zum Hof mit einer fremden Tunika und nassen Haaren zurück gekommen war. Wie gut, dass meine Herrin noch genau wusste, dass sie mir nur weitere Bäder im Vosk bzw. im Hafenbecken verboten hatte... vom Bach war nicht die Rede gewesen, sodass ich ohne Strafe davon kam. Ach ja, meine Herrin konnte sich übrigens überhaupt nicht vorstellen, dass Spinnen oder Krieger mit Steinchen werfen, um ihr Erste zu foppen. Auch wenn ich mir das bestimmt nicht eingebildet habe, wird das Plupp und Platsch im Bach wohl ungeklärt bleiben. ;-))

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