Mittwoch, 19. März 2014

Den Spaß überzogen?

Da meine Herrin noch mit wichtigen Arbeiten für ihre Kaste beschäftigt war, bei denen ich ihr wie immer nicht helfen konnte, ich meine Aufgaben jedoch bereits alle erledigt hatte, durfte ich zum Haus des Hauptmanns laufen, um mal nach dem kleinen Gianni zu schauen. Ich hatte Glück, denn ich traf Lita mit ihrem zu diesem Zeitpunkt offensichtlich noch recht gut gelaunten Herrn nicht nur vor der Tür, sondern bekam von ihm auch die Erlaubnis dem kleinen Viech einen Besuch abzustatten. Es lag wie immer oder schon wieder in seinem Körbchen. Sein verzücktes Schnurren zeigte mir sofort, dass es wohl auf ein paar Streicheleinheiten gewartet hatte und sie anscheinend genauso genoss, wie ich den kurzen Kajiratratsch mit Lita, bevor wir uns dann aber schließlich doch aufmachten, um ihren Herrn zu suchen. Er war inzwischen nämlich verschwunden.

Wir vermuteten ihn in der Arena oder in der Unterstadt und wollten natürlich nicht seinen Ärger riskieren, weil wir uns nicht nützlich machten, sondern lieber mit dem kleinen Fellknäuel herumkuschelten. Doch die Arena war leer, weil das Waffentraining wie immer erst Mitte der Hand stattfindet und Litas Herrn anscheinend doch nicht der Sinn nach zusätzlichem Staub und Sand zwischen den Zähnen gestanden hatte. Der Hauptmann befand sich auf dem Marktplatz, denn die Terrasse des Gasthauses war um diese frühe Zeit noch gänzlich ausgestorben, allerdings trafen nach und nach immer mehr Freie am Brunnen ein. Auch die beiden Kajirae des Händlers tauchten auf und taten sich ein wenig leid, da jede mit einer Kiste mit Melonen bepackt war, die sie einem der Krieger als Futter für seinen Affen anliefern sollten. Es war für mich natürlich keine Frage, die Erlaubnis des immer noch gut gelaunten Hauptmanns zur Besichtigung des Affen zu nutzen und den beiden Mädchen zum Haus des Kriegers zu folgen.


Welchen Grund der Rarius für den Kauf dieses Tieres gehabt hatte, erschloss sich mir übrigens immer noch nicht. Vor dem Käfig angekommen stellte ich fest, dass der große Affe mit seinen unheimlichen roten Augen immer noch nicht schön anzusehen war und sein Nutzen zumindest für mich irgendwie nicht erkennbar, denn sein Futter kostet Geld, der Käfig muss regelmäßig gereinigt werden und außerdem hat das Viech schreckliche Essmanieren, sodass ich schließlich das Weite suchte, nachdem das Tier anfing, mit matschigen Melonenstücken um sich zu werfen. Leider entbrannte mit dem Eintreffen des Affenbesitzers der bereits mit dem Kauf begonnene Streit zwischen dem Hauptmann und seinem Untergebenen erneut über den Namen, den dieser seinem Affen gegeben hatte, sodass die bis dahin immer noch gute Laune des Hauptmanns sich schlagartig verabschiedete. 

Litas Herr sah in der Namensgebung immer noch einen Affront auf seinen Rang als Hauptmann der jortsschen Wachen. Ehrlich gesagt empfand ich es ebenso und war daher nicht wirklich verwundert, dass der Hauptmann so wütend war. Übrigens war er seinerzeit auch nicht damit einverstanden gewesen, dass der Hofkrieger seinen stattlichen Bosk „El Commandante“ genannt hatte. Doch dieses Problem hatte sich mittlerweile erledigt, weil der alte Bosk mittlerweile das Zeitliche gesegnet hatte und zwischen den Zähnen von Freien gelandet war. Ich vermute, erst als der Hauptmann wutschnaubend davon stampfte, wurde dem Affenbesitzer klar, dass er den Spaß überzogen hatte. Er lief nämlich mit sehr betroffener Miene sofort hinter seinem Vorgesetzten her, um die Sache zu bereinigen. Trotzdem keimten in mir ein paar Gedanken zum übers Ziel hinausschießen, über die ich jedoch tunlichst meine Klappe gehalten habe.


Der Schreiberin war der Disput zwischen ihrem Fastgefährten und seinem Vorgesetzten anscheinend auf den Magen geschlagen, denn kaum war ihr Angebeteter davon geeilt, gelüstete es sie plötzlich nach einem Paga, ein bekanntlich sehr hochprozentiges Getränk. Doch obwohl dieser Paga vermutlich aus medizinischen Gründen wirklich seine Berechtigung für die Herrin hatte, bediente ich selbstverständlich zuerst den Krieger und legte mich dabei natürlich ordentlich ins Zeug. Es war nämlich das erste Mal, dass ich diesem Herrn servieren durfte. Daher war es mir besonders wichtig, mich ihm von meiner besten Seite zu präsentieren. Auch wenn meine rotseidenen Ambitionen in Anwesenheit einer Herrin selbstverständlich immer eine ziemliche Gratwanderung sind, zeigten mir die gierigen Blicke des Rarius, dass mein Vorhaben wohl ganz gut gelungen war und das anschließenden, wirklich große Lob der Herrin, dass ich sie nicht brüskiert hatte und sie ebenfalls sehr zufrieden mit meinen Diensten war.


Auch wenn jede Kajira immer ihr Bestes geben sollte, Freie zu erfreuen, war es trotzdem schön, dies zu hören… vor allem wenn es meine Besitzerin mitbekommt. Denn genau in diesem Moment tauchte meine Herrin auf, war nach Beendigung ihrer vielen Arbeit durch das Gehörte also schon mal bestens eingestimmt auf eine Honigmilch, die ich ihr zur Feier des Tages sogar mit Sahnemilchhäubchen und einer kleinen Malerei aus ein paar Honigspuren kredenzte. Sie war wirklich gut drauf, denn sie erlaubte mir sogar, von ihren Käsestückchen und Kalanatrauben zu naschen. Wobei ich eingestehen muss, dass ich bei aller Dankbarkeit und Ehrerbietung für meine Herrin in diesem Moment trotzdem am Liebsten mit Lita getauscht hätte, die dem Krieger nun nicht nur etwas zu Essen servierte, sondern ihm auch beim Baden dienen darf… was ich ihr aber von ganzem Herzen wirklich gönne! Zum Glück hat meine Herrin gegen solche Dienste noch nie Einwände erhoben… nur mit dem Mitfliegen auf einem Tarn war sie gestern irgendwie komisch… daran muss ich wohl noch ein wenig arbeiten! ;-)))

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