Mittwoch, 5. März 2014

Ein Glückstag

...der erst gar nicht danach aussah.

Während ich noch dabei war, meiner Herrin nun erst einmal von der Sache mit dem Seil des Hauptmanns zu berichten und warum Katy einige Tage einen Knebel tragen darf, hörte ich plötzlich eine weibliche Stimme, die sich nach einer Unterkunft in der Herberge erkundigte. Ohje, ich sah mit mittelprächtigem Entsetzen, dass es die Verwandte der jortsschen Likörhändlerin war, versuchte mir allerdings meine Gefühle nicht anmerken zu lassen. Ich erinnerte mich nämlich noch sehr gut daran, dass ich dieser... naja... merkwürdigen Herrin vor etlichen Hand mal eine Zwiebel zum Ausreiben ihrer entzündeten Augen bringen sollte. Glücklicherweise konnte ich ihr mangels selbiger dann jedoch einen Behandlungstermin in der Heilerei vermitteln, sodass ich dank der Ärztin damit von weiteren Diensten für diese Person entbunden gewesen war.

Auch jetzt hatte die Herrin ein paar Damen im Gefolge, von denen eine wegen ihres tiefen Dekolletees nach Einschätzung meiner Herrin lieber knien sollte, was die reichlich Busenansatz zeigende angebliche Freie jedoch ganz anders sah. Außerdem waren alle drei unverschleiert, ein Umstand der gemäß Aushang des Rates von Jorts bei Zuwiderhandlung mit öffentlichen Peitschenhieben bestraft wird. Doch das schien die Besucherinnen nicht weiter zu interessieren… im Gegenteil. Beleidigend und provozierend waren sie ja eh von Anfang an, da sie meine Herrin mit „Magd“ anredeten, ein wirklich alberner, hoffnungsloser Versuch, den meine Herrin selbstverständlich ignorierte. Sie wollte sich natürlich nicht auf das Niveau dieser Weiber begeben und ärgerte sie dadurch wahrscheinlich mehr, als mit einer scharfen Erwiderung.

Da meine Herrin sich vorgenommen hatte, an diesem Tag gute Laune zu haben und ich vermute, um vor allem diese Gäste aus ihrem Garten wieder loszuwerden, beauftragte sie mich schließlich, die Damen zum Gasthaus zu führen… allerdings kamen wir nur bis zum Brunnen, da die Gnädigsten dort nun vom Hauptmann und dem Neunzehenkrieger zum Tragen von Schleiern aufgefordert wurden. Wie nicht anders zu erwarten, waren die Weiber immer noch nicht allzu einsichtig und mokierten sich über diese Anmaßung, während eine mit lautem Getöse ekelhafte Abgase von sich gab. Sie gaben schließlich jedoch recht schnell klein bei… zumindest zwei von ihnen, die sogar einen Stofffetzen dabei hatten, den sie sich nun vor ihr Gesicht banden. Der dritten durfte ich mit einem Reptuch aus dem Gasthaus aushelfen. Wobei ich vorsorglich versuchte, inzwischen auf jegliche Nasenatmung zu verzichten.

Was war ich froh, dass mein Glückstag war und meine Herrin nicht auf ihrem Landsitz weilte. Denn in dem Fall wäre ich wahrscheinlich nicht um die Bedienung dieser unangenehmen Frauen herum gekommen. Meine Herrin legte verständlicherweise keinerlei Wert darauf, in Gesellschaft solcher Freien und schon gar nicht in deren Ausdünstungen für eine Honigmilch auf der Gasthausterrasse Platz zu nehmen. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass es anderen Bewohnern ähnlich ging, so schnell wie sich der Platz vor der Bank am Hafen füllte, nachdem meine Herrin dort saß. Es war eigentlich auch ganz gemütlich am Hafen und niemand musste hungern oder dursten. Während Ravi und ich aus der Taverne schnell ein paar Getränke holten, versorgte Kira alle mit Teigtaschen, von denen mir der Neunzehenkrieger und vor allem meine Herrin richtig viel abgaben… LECKER!!! 


Für mich war es jedenfalls ein echtes Festessen, für Ravi wegen der Fleischfüllung wohl eher nicht, nachdem sie erfahren hatte, welches Fleisch Kira in den Teigtaschen verarbeitet hatte. Wie gut, dass ich die Hurts nie persönlich kennengelernt habe, als sie noch durch die Gegend hoppeln durften! :-))

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