Donnerstag, 6. März 2014

Irgendwie anders

…aber trotzdem nicht ruhig in Jorts.

Ich wurde wach vom lauten Rufen tiefer Männerstimmen, dem Getrampel schwerer Schritte auf den Holzbohlen auf der am Haus meiner Herrin vorbeiführenden Stadtmauer, metallisch klingenden Schwertern und sah vor dem Fenster die Silhouetten eilig vorbei rennender Schatten. Achja, es war mal wieder Mitte der Hand und somit Kriegertraining… eigentlich ein Tag, an dem es eine Menge zu sehen geben sollte und die Möglichkeit für den einen oder anderen Tratsch. Doch an diesem Tag war es leider anders. Außer dem einen oder anderen Krieger, der nicht auf der Stadtmauer herumrannte, sondern sich kurzfristig in den Garten meiner Herrin verirrte, um schnell ein paar Blumen platt zu trampeln und dann noch schneller wieder zu verschwinden, gab es nämlich nichts zu sehen und zu tratschen schon gar nicht… ich war daher entsprechend enttäuscht. 

Mit der wegen ihres Knebels stummen und erstaunlicherweise nicht mal mehr brummenden Katy im Gefolge versuchte ich wenigstens Lita für ein paar Neuigkeiten aufzutreiben, aber selbst das gelang mir nicht, da ich keine Ahnung hatte und auch nicht herausfand, wo sie steckte. Sämtliche Stadttore waren übrigens geschlossen, sodass auch ein Besuch der Unterstadt oder am Hafen zumindest vorerst ausfallen musste. Um einen möglicherweise besseren Überblick über das aktuelle Geschehen bei den Kriegern zu erhalten, kletterte ich zwar noch auf die Stadtmauer, nahm dann jedoch schnell wieder Reißaus, als ich vor dem Tarnturm eine Gruppe Krieger erblickte. Mir fiel nämlich ein, dass ich keinen Plan hatte, welchen Grund ich für meine Anwesenheit auf der Stadtmauer nennen sollte, falls ich gefragt werde. Na gut, dann eben nicht… uns blieb also nur, wieder nach Hause zu laufen. Hauptsache die Herren hatten ihren Spaß… ähmm… konnten ihr Training absolvieren, um noch besser für die Sicherheit von Stadt und Einwohnern sorgen zu können. 

Meine Rückkehr zu meiner Herrin hätte zeitlich eigentlich nicht passender sein können. Dank des Besuches von Shani mit einer mir unbekannten Sklavin, bekam ich nämlich eine interessante Neuigkeit mit, die mich ziemlich erstaunte. Der erste Händler, oder vielleicht war es auch Shani gewesen, hatte eine Kajira mit dem für angespülte Ware irgendwie typischen Symptom Gedächtnisschwund aus dem Wasser gefischt und ihr einen Namen mit „ina“ am Ende gegeben, wie es bei meiner Herrin mit den an ihrer Kette befindlichen Kajirae eigentlich Brauch ist. Als Shani mit dem Mädchen nun im Garten meiner Herrin auftauchte, lag natürlich die Vermutung nahe, dass die Sklavin bis zur Klärung ihrer Besitzverhältnisse bzw. für die mindestens abzuwartende Zeit von einer Hand, an die Stadtkette genommen werden sollte. Danach würde sie dann irgendwann verkauft werden, wobei der Händler selbstverständlich ein Vorkaufsrecht auf die Ware erhält, da er sie ja gefunden hatte. So ist es jedenfalls mit herrenlosen Reise- und Spülkajirae in Jorts üblich.

Tja, üblich? Vielleicht, vielleicht auch immer öfter, nur eben nicht üblich für einen ersten Händler, der offensichtlich gar nicht vorhatte, diese Sklavin in die Obhut meiner Herrin zu geben, sondern sie bereits an seinen Besitz genommen hatte… so kann man sich also täuschen. Aber was soll’s, ich bin nur eine einfache Kajira, die sich für die Machenschaften und Vorteilsnahmen von Freien nicht zu interessieren hat und meine Herrin hatte sowieso viel zu gute Laune, um sich darüber zu ärgern. Trotz meiner Verwunderung über diesen Herrn und dass er an seiner Kette anscheinend doch noch Platz für eine weitere Sklavin hat, wobei meine Herrin sofort darüber sinnierte, ob Shani demnächst verkauft werden soll, hütete ich mich selbstverständlich, auch nur einen Piep von mir zu geben. In Anbetracht meiner Abneigung gegen die wiederaufgenommene Kastentätigkeit meiner Herrin, war ich nämlich sowas von erleichtert, bei dieser Nicht-Stadtketten-Kajira nichts gegen ihren Gedächtnisschwund unternehmen zu müssen, dass mein Mund schlagartig von ganz alleine stumm blieb. Immerhin hatte sie trotz Gedächtnisschwund nicht vergessen, in Gegenwart einer freien Frau ihre Schenkel zu schließen. Allerdings bleibt wohl abzuwarten, ob das im Beisein ihres Herrn genauso schlecht klappt wie bei Shani.


Mit dem Ende der Kriegerübungen oben auf den Mauern und dem Joggen der Roten quer durch die Gärten der Stadt, kehrte plötzlich Ruhe ein, die einige Kaissaspieler anscheinend zum Anlass für ein Trainingsspiel nahmen... oder war es sogar ein Spiel im Rahmen des zurzeit laufenden Turniers? Egal, um die Herrschaften nicht in ihrer Konzentration durch unser Gespräch stören, verließ meine Herrin nun ihren Sitzplatz beim öffentlichen Kaissabrett. Allerdings kamen wir nicht weit, da uns auf dem Weg gleich zwei Rarii begegneten, die offensichtlich vom Kriegertraining zurückkamen. Es waren der Neunzehenkrieger und ein mir unbekannter Krieger, der erst am Vortag von einer anscheinend längeren Reise nach Jorts zurückgekehrt war. Leider war er genau wie die anderen Krieger nach dem anstrengenden Training offensichtlich sehr müde und abgekämpft, sodass er sich alsbald auf den Weg nach Hause machte… schade irgendwie, aber auch verständlich.


Eine erheblich bessere Kondition hatte dagegen der Neunzehenkrieger, der es nach den absolvierten Kampfübungen nicht nur schaffte, noch einen Besuch im Amtszimmer der ersten Schreiberin zu überstehen, sondern danach auch zu seinem Wort stand und mit meiner spielbegeisterten Herrin eine Runde Zar wagte… übrigens sein erstes Zarspiel überhaupt. Höflich wie meine Herrin ja immer ist, bedankte sich hinterher natürlich bei ihm, dass er sie hatte gewinnen lassen. Wobei… vielleicht steht hinter seinen Unternehmungen in Sachen Gefährtenschaft doch nicht nur das Interesse an Nachwuchs? Denn heißt es nicht „Pech im Spiel, Glück in der Liebe“? ;-)

Kommentare:

  1. hehe
    Ich hab Marina auf einer der Reisen meines Herrn nach Alfreds Kuppe aus dem Vosk gefischt Dina, da greift das Stadtrecht von Jort's Fähre nicht, was das Auffinden betrifft. :)

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    1. Ahhh...noch viiiieeeel besser!!! :-))... und damit die "Gefahr" für die Stadtkette endgültig gebannt^^
      *nuschelt grinsend* wie gut, dass Dina's Ohren heute endlich wieder durchgespült worden sind! ;-)

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  2. Als wenn sie das so genau gehört hätte, ICH habe das durchaus wahrgenommen, so wie ich auch bemerkt habe das Georg wohl doch wieder Langeweile hat und sich wieder um Kajirae kümmern kann... ;-)

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  3. Ach mein Herr lässt kümmern, weißt du doch :) Sich noch mit jeder Sklavin im Haus rumzuärgern, dafür hat er wirklich keine Zeit ^^

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