Donnerstag, 20. März 2014

Kajiraschicksal

Endlich war Mitte der Hand und das übliche Waffentraining angesetzt, auf das ich mittlerweile wirklich gelauert hatte, weil ich mir insgeheim erhoffte, wenigstens dort einen gewissen Krieger und Helden meiner Träume endlich wiederzusehen. Die letzten Tage hatte ich ihn nämlich bestenfalls von weitem ein paarmal entdecken können, dabei jedoch feststellen müssen, dass er nie auch nur einen einzigen Blick in meine Richtung geworfen hatte. Kein Wunder also, dass ich vor lauter Aufregung an diesem Tag viel zu früh an der Wiese hinter dem Hof auftauchte. Das Training hatte nämlich überhaupt noch nicht angefangen und da ich von den drei dort befindlichen Kriegern lediglich mit Brummen oder knappem Nicken registriert wurde und ER sowieso nicht dabei war, verdrückte ich mich lieber noch kurz ins Gebüsch… wahrscheinlich war mir meine Aufregung ein wenig auf die Blase geschlagen.

Bei meiner Rückkehr war das Training dann inzwischen zwar in vollem Gange, nur ein ganz bestimmter Krieger leider immer noch nicht dabei. Ziemlich enttäuscht blieb mir nichts anderes übrig, als mich neben Lita zu knien, die mein Gefühlstief sofort durchschaute und sich alle erdenkliche Mühe gab, mich ein wenig aufzumuntern. Auch wenn dies nicht wirklich klappte, war ich ihr für ihre liebe Art wirklich dankbar und gab mir zusätzlich große Mühe, mich von meinen trübsinnigen Gedanken durch ein Gespräch mit der Sängerin aus Lydius abzulenken. Allerdings muss ich zugeben, dass ich der Herrin nur mit halbem Ohr zugehört habe, denn ich hoffte natürlich immer noch, dass ein weiterer Krieger, vielleicht ja mit etwas Verspätung, doch noch zum Training auftauchen würde… und so war es tatsächlich!

Ich konnte mein Glück kaum fassen, als ich plötzlich leise Schritte hinter mir hörte und mich eine männliche Stimme begrüßte, die mir nicht nur durch und durch ging, sondern mein Kajiraherz vor Freude wild klopfen ließ. Er war also doch noch gekommen, beabsichtigte allerdings nicht am Training teilzunehmen, sondern war auf der Suche nach der Schreiberin bzw. zuerst nach einer Sklavin, die ihn zur Schreibstube führen würde und schaute dabei nicht Lita, sondern tatsächlich mich an! Wie gut, dass ich schon kniete, denn andernfalls wären mir bestimmt meine Knie ganz weich geworden, weil ich unter dem lächelnden Blick des Rarius förmlich dahinschmolz. Übrigens wurde mir erneut klar, wie gut meine Herrin mich kennt. Ihre wissenden Augen zeigten mir, dass ihr anscheinend bewusst war, was mich seit Tagen innerlich glühen lässt. Meine Bitte, mich als Stadtführerin betätigen zu dürfen, wurde mir von ihr nämlich sofort gewährt.

Da ich als Führerin logischerweise vor dem Herrn gehen durfte und nicht wie sonst hinter einem Freien, gab ich mir auf dem Weg zur Schreibstube natürlich alle erdenkliche Mühe, ihm mit aufreizend wiegenden Hüften einen guten Blick auf mein Hinterteil zu bieten, indem ich zwar nicht trödelte, aber auch nicht gerade vor ihm davonrannte. Hach, wie schade, dass ich hinten keine Augen habe und ja leider nicht sehen konnte, ob meine Bemühungen von Erfolg gekrönt waren! Ich hatte dies jedoch noch nicht ganz zu Ende gedacht, als ich auch schon mit einem gutmütigen Klaps auf meinen Po belohnt wurde. Aber was für ein Mist, dass ich mich in der Oberstadt inzwischen ziemlich gut auskenne und leider sogar den direkten Weg zur Schreibstube kannte… wobei ich es mir nicht nehmen ließ, dem Krieger wenigstens kurz zu zeigen, wo meine Herrin wohnt. Wer weiß, vielleicht möchte er ihr ja mal einen Besuch abstatten? Für mein Empfinden kamen wir jedenfalls viel zu schnell bei den Türmen der hohen Kasten an, wo sich mein Glück dann leider schlagartig wendete.

Die Schreiberin war nämlich tatsächlich dort und leider auch zu sprechen. Das war jedoch nicht das Schlimmste. Nein, der Herr schickte mich nun fort, dabei wäre ich natürlich am Liebsten bei ihm geblieben. Und dann sein Blick, mit dem er die Freie anschaute… aber auch die Worte, die er ihr angeblich diktierte, ließen mich sofort das Weite suchen. Wobei mein Verlassen der Schreibstube mehr ein Instinkt zur Flucht gewesen sein muss, denn was genau ich in den Augen des Herrn gesehen hatte und die Bedeutung seiner Worte an die Herrin, das wurde mir erst hinterher klar. Gegen die nun auf mich einstürmende, grenzenlose Enttäuschung half jedenfalls kein Blick über die Oberstadt, egal wie gut die Aussicht auch war, die mir vor der Tür der Schreibstube geboten wurde. Das Bezirzen der beiden Wachen lenkte mich auch nicht wirklich von den auf mich einstürmenden Erkenntnissen ab und warum sollte mich das Lauschen des wie aus dem Nichts auftauchenden Fastgefährten der Schreiberin an der Tür zum Turm interessieren? Sowas gehört sich einfach nicht... aber egal, meine unbefriedigte Neugier war mein kleinstes Problem!

Krampfhaft gegen den in meinem Hals aufsteigenden Kloß ankämpfend und mit hängenden Schultern, als ob eine unendlich schwere Last darauf liegen würde, trottete in langsam zurück zu meiner Herrin, die ich natürlich noch mit ihrer Milch zu versorgen hatte. In meiner großen Traurigkeit eröffnete ich ihr allerdings, dass ich in Anbetracht meines großen Leids bestenfalls in der Lage bin, so gerade eben nur die üblichen zwei Löffel Honig in ihre Milch zu rühren… wofür sie durchaus Verständnis zeigte und sowieso auch keinen Extralöffel benötigte, weil sie ja keinen Liebeskummer hatte. Nicht so verständnisvoll war dagegen Darks Herr mit irgendeiner in meinen Augen total unpassenden Bemerkung über Verlust, die mir zeigte, dass er überhaupt nicht verstanden hatte, was für eine Schmach und gewaltigen Schock ich zuvor gerade kassiert hatte und dass ich bei den ganzen Gefährtenschaften besser dran wäre, wenn ich zur Trockenpflaume werde. Sämtliches Rotseidene in mir war jedenfalls wie weggeblasen. Ich fühlte mich durch und durch zur Topfsklavin degradiert und war vermutlich endlich am Boden meines Sklavendaseins angelangt. Denn war ich nicht schon öfter so genannt worden?

Tja und schließlich kam ER tatsächlich doch noch auf die Terrasse und verlangte, von „einer der Kajirae“ einen Paga serviert zu bekommen! Am Liebsten wäre ich ja sofort aufgesprungen, doch warum sollte er ausgerechnet mich damit gemeint haben, die er zuvor noch weggeschickt hatte? Ich zog es daher vor, mit tief gesenktem Kopf stumm neben meiner Herrin knien zu bleiben und rührte mich nicht. Leider war Lita jedoch damit beschäftigt, einen anderen Krieger zu bezirzen und tat so, als hätte sie nichts gehört. Wahrscheinlich wollte sie mir einfach eine Chance zukommen lassen, mich um genau diesen Krieger zu kümmern, da sie ja nicht wissen konnte, dass meine Schwärmerei für den Herrn inzwischen eine so schmerzhafte Enttäuschung erlitten hatte und ich immer noch kurz davor war, mich in Tränen aufzulösen. Und Ravi hatte selbstverständlich auch nur Augen für ihren Herrn, was ich ebenfalls verstehen konnte. Mir blieb also tatsächlich nichts anderes übrig, als mich schließlich doch um den gewünschten Paga zu kümmern.

Leider schaffte ich es nicht, so durcheinander wie ich war, mich beim Servieren des Getränks zu verstellen. Der Herr merkte jedenfalls sofort, dass irgendetwas mit mir los war und ich anders, als er mich sonst erlebt hatte. Tja, was sollte ich tun? Ich konnte ihm doch nicht einfach gestehen, was in mir vorging! Ich bin doch nur irgendeine unbedeutende Kajira… ach nee, Topfsklavin, sollte glücklich sein, wenn es ihm gut geht, sollte mich freuen, wenn er sich wofür auch immer interessiert! Sollte, sollte, sollte… pahh, ich war total unglücklich!!! Zum Glück rettete mich meine Herrin und schickte mich zum Spülen in die Küche, was ich dann auch ausgiebig tat… nämlich nicht nur das Geschirr, sondern auch sehr ausgiebig meine Augen und die Nase, denn als auch noch Lita und Ravi voller Mitgefühl bei mir auftauchten, Lita mich in den Arm nahm und Ravi mich sanft streichelte, war der Kloß in meinem Hals endgültig nicht mehr aufzuhalten und machte sich in zwei breiten Strömen dicker Tränen Luft.

Ging es mir danach eigentlich besser? Ich weiß nicht mehr so genau… jedenfalls hatte ich einige Reptücher verbraucht und ins Feuer gepfeffert, bis ich nun einen Entschluss fasste. Natürlich waren wir drei uns vollkommen einig darüber, dass ich das typische Kajiraschicksal erlitten hatte. Aber musste ich deswegen entgegen meiner Natur zur Topfsklavin werden? Nööö… es gibt doch auch noch andere Männer! Leider schmolz ich nur schon wieder leicht dahin, als der Krieger mir beim Abschied erst zuzwinkerte und mich dann auf eine Art anlächelte, die mich schon wieder schwach werden ließ… allerdings nur so lange, bis er mich meiner Herrin hinterher schickte……………. aber das musste er wohl?^^ ;-)

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