Dienstag, 11. März 2014

Zu heiß gekocht

Eigentlich war ich ziemlich gut drauf, weil ich alle meine Aufgaben einigermaßen flott bereits erledigt hatte, sodass ich mich Richtung Unterstadt aufmachte. Schon vom Stadttor aus entdeckte ich eine kleine Gruppe Krieger und dass am Hafen offensichtlich ein neuer Kennel gebaut worden war. Also nichts wie hin, um Genaueres zu erfahren. Während Lita mir freudig zuwinkte und mich dann richtig durchwuschelte als ich neben ihr war, machten sich die Herren erbost Luft über die Wucherpreise irgendeines unter der Fuchtel seiner Gefährtin stehenden Schmieds und dass die Gnädigste offensichtlich nicht bereit war, ihren Angefährteten nach Jorts reisen zu lassen, denn hier ist leider immer noch kein Schmied ansässig. Wobei es dem Hauptmann bei dem Gemecker eines seiner Krieger zuletzt dann doch zu weit ging, als dieser einen Freien von niedriger Kaste mit wertlos gleichsetzte, sodass er ihm ein wenig Nachhilfeunterricht angedeihen ließ, und schließlich mit seinen Untergebenen in Richtung der leer stehenden Schmiede verschwand.

Leider blieb Lita und mir nicht allzu viel Zeit, um uns über die sehr unterschiedlichen Geschmäcker von Herren unsere Hinterteile betreffend auszutauschen, weil nun die Zeugmeisterin vollkommen außer Atem auftauchte und nach dem Hauptmann verlangte. Sie kam anscheinend gerade von einem Flug mit dem Tarn zurück und hatte offensichtlich sehr Wichtiges mit ihm zu besprechen, sodass sie fast so schnell wie sie aufgetaucht war, auch schon wieder weg war. Mich wunderte das ehrlich gesagt nicht sonderlich, da die Herrin eigentlich ständig etwas mit dem Hauptmann zu besprechen hat und zwar meistens unter vier Augen, sodass ich eine flapsige Bemerkung zu Lita über mögliche Entzugserscheinungen machte. Wir waren inzwischen ja bis auf ein paar Fische, die vor dem Kai im Wasser anscheinend das Springen übten, wieder alleine am Hafen… dachte ich jedenfalls. 

Mist, leider hatte ich nicht mit dem obergeschärften Gehör eines der Krieger gerechnet und auch nicht eingeplant, dass sich dieser Herr offensichtlich hinter dem Kennel vor unseren Blicken versteckt und anscheinend wegen der seichten vom Hafenbecken herüberwehenden Brise meine Worte verstanden hatte… zumindest teilweise. Mit lautem Gebrüll sprang er nun plötzlich hervor und erschreckte er uns damit fast zu Tode, was ihn jedoch mächtig zu erheitern schien. Leider schwang seine noch überaus freundliche Ermahnung, wir sollten lieber nicht über freie Frauen tuscheln, sondern besser darauf achten wer hinter uns steht, schlagartig um in fürchterliche Wut. Er hatte wegen meines Flüsterns nämlich nicht alles verstanden und forderte mich nun auf, meine Worte zu wiederholen. Natürlich war mir das ziemlich unangenehm, da das ja eigentlich nicht für die Ohren eines Freien bestimmt gewesen war, sodass ich mich verständlicherweise nun ein wenig zierte und es mit ein paar Ablenkungsmanövern versuchte.


Leider klappten die an diesem Tag überhaupt nicht, denn sein Ton wurde nun noch ernster, kaum dass ich Luft geholt hatte. Er endete mit der Drohung, den Hauptmann über die ihn und die Zeugmeisterin betreffenden Gerüchte zu befragen, über die ich angeblich getratscht hatte. Ehrlich wie ich ja nun mal bin, blieb mir nichts anderes übrig, als wahrheitsgemäß über die von mir bemerkten Vieraugenbesprechungen zwischen dem Hauptmann und der Zeugmeisterin zu berichten, wurde jedoch umgehend mit einer kräftigen Ohrfeige bestraft, weil ich es gewagt hatte, solchen Unsinn zu verbreiten. Mit der Begründung, Lita höre sich meinen Scheiß an und beschäme damit ihren Herrn, schlug er sie ebenfalls und brüllte dann lauthals, wir wüssten nicht, was wir mit solchen Aussagen anrichten können. 

Ich wusste zwar, was ich gesehen hatte und dass meine Augen in Ordnung sind, verkniff mir jedoch vorsichtshalber jegliche Erwiderung darauf, auch wenn es mir sehr schwer fiel, mich nicht zu rechtfertigen. Mir blieb nur, über mich eine Tirade darüber ergehen zu lassen, wie schnell eine Freie im Kragen landen und der Hauptmann seine Gefährtin verlieren kann, wenn sowas heraus kommt. „Hähhh? Warum sollte eine Zeugmeisterin der roten Kaste nicht Angelegenheiten der roten Kaste mit einem Hauptmann der roten Kaste besprechen, egal ob unter vier Augen oder nicht, mit oder ohne persönliche Sympathie füreinander, wenn diese Gespräche in der Öffentlichkeit stattfinden?“ waren meine Gedanken bei diesem Wutausbruch, die ich jedoch nicht laut aussprach, denn es kam auch ohne noch viel schlimmer. Der vor Wut mittlerweile schäumende Herr drohte Lita und mir an, dass man uns auspeitschen lassen sollte, bis uns das Fleisch in Fetzen von den Knochen hängt und stampfte schließlich zum Hauptmann davon.


Mit unendlicher Erleichterung bemerkte ich meine Herrin herannahen und hoffte, ihr sogleich von diesem Vorfall berichten zu können, um sie um Verzeihung zu bitten. Doch leider tauchte erst der erboste Krieger wieder auf, der nun fast so tat als sei nichts geschehen und im nächsten Moment dann die Zeugmeisterin, sodass mir nichts übrig blieb, als erst einmal abzuwarten. Als Sprachrohr des Hauptmanns verkündete sie Lita und mir nun die von ihm verhängte Strafe für unser Vergehen. Uns wurde die Ehre zuteil, den Tarnturm mit bloßen Händen zu säubern. „Bin ich enteignet worden und habe das verpasst?“ waren die ersten Worte meiner erstaunten Herrin über das soeben Verkündete. Sie wurde für weitere Erklärungen dann jedoch an den Hauptmann verwiesen und zog es nun vor, erst einmal mich anzuhören, während die Herrin wieder davon rauschte.


Leider sah meine Herrin es so, dass ich mit meinem unbedachten Getuschel den Ruf dieser Herrin riskiert hatte. Sie fand es allerdings fast genauso schlimm, mit ansehen zu müssen, dass ich vom Hauptmann bestraft werde, ohne dass sie gefragt wurde. Zum Glück kam ich letztendlich bis auf diverse Ermahnungen um eine Bestrafung durch meine Herrin herum, nachdem der Hauptmann ihr mitgeteilt hatte, dass er überhaupt nichts auf Sklaventratsch gibt und ihm sowieso nicht klar ist, warum sich der Krieger so aufgeregt hatte. Tja, und die Zeugmeisterin hat über diese viel zu heiß gekochte Sache nur gelacht, sodass ich tatsächlich mit dem Saubermachen von Tarnkacke davon gekommen bin. Bei zukünftigen Tratschereien werde ich auf jeden Fall vorher die Windrichtung prüfen und ganz genau hinter irgendwelche Hausecken schauen!^^

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