Samstag, 15. März 2014

Zuverlässigkeit

Tja, meine Pechsträhne hielt tatsächlich noch an, denn es war mir leider nicht vergönnt, beim Schwerttunier zuzuschauen. Hinterher erfuhr ich dann, dass mein Favorit und Titelverteidiger Dritter geworden war. Ich finde aber, auch das war ein wirklich sehr guter Platz. Immerhin lagen Lita und Shani mit ihren Wetten ebenfalls daneben, sodass ich meinen Wetteinsatz, das schöne Tuch behalten konnte... es also im Besitz meiner Herrin blieb, wollte ich natürlich sagen, auch wenn ich es seinerzeit aus dem Vosk gefischt hatte. Da meine Herrin inzwischen auf ihren Landsitz gereist war und Katy an diesem Tag nicht abkömmlich, machte ich mich alleine Richtung Kaissabrett auf, um mal zu schauen, wann das nächste Spiel mit Beteiligung eines jortsschen Bewohners stattfand. Vielleicht traf ich dort ja auch jemanden und würde die eine oder andere Neuigkeit erfahren?

Leider war der Platz vor der Anzeigetafel für das Kaissaturnier jedoch ausgestorben, sodass ich mich bald wieder auf den Rückweg machte, nachdem ich in Erfahrung gebracht hatte, dass der zu euchzende Herr am nächsten Tag spielen würde. Erneut schauten mich die reifen Larmafrüchte auf den Bäumen verlockend an… nur war ich mir immer noch nicht sicher, ob ich mir davon eine nehmen durfte. Und wen sollte ich fragen? Die angestellte Leiter und ein halb gefüllter Korb zeigten mir zwar, dass irgendjemand anscheinend schon mit der Ernte begonnen hatte… jedoch war dieser Irgendjemand weit und breit nicht zu sehen. Natürlich würde mir nie einfallen, mich einfach aus dem Korb zu bedienen, aber vielleicht konnte ich mir eine Larma selbst pflücken? Während ich mich reckte, um an eine der Köstlichkeiten heranzukommen, hörte ich plötzlich Schritte und hielt lieber schnell inne.


Es war der Hauptmann, der mir sofort unterstellte herumzulungern. Immerhin konnte ich ihn schnell davon überzeugen, dass ich nicht lungere und erfuhr dann, dass die Früchte neben den Wegen für die Öffentlichkeit sind. Inzwischen war die Sängerin aus Lydius zu uns gestoßen. Sie war anscheinend einkaufen gewesen, denn sie hatte ein Stück Speck dabei, dass sie offensichtlich an Shanis Gianni verfüttern wollte, es damit allerdings nicht besonders eilig hatte. Sie nutzte sofort die Gelegenheit, sich beim Hauptmann ausführlich nach seinem Sleen zu erkundigen. Zurzeit laufen nämlich Überlegungen, Fenris vor der Tür des Händlers zu positionieren und sich seine gute Nase zu Nutzen zu machen, um einem mysteriösen Verehrer des Händlers auf die Sprünge zu kommen, der ihm täglich Geschenke vor die Tür legt. Wobei es natürlich auch eine Frau sein kann. Die Idee mit der Installation einer Farbeimerfalle war leider nach hinten losgegangen und hatte den Händler selbst getroffen.

Da die Neugier der Sängerin nicht zu bändigen war und ihre Wissbegierde darüber, ob der Sleen des Hauptmanns beißt, wie gut er Spuren erschnüffeln kann und über ich weiß nicht was noch alles, das überhaupt kein Ende nehmen wollte, ging es schließlich zu Fenris, dem ich nun etwas Fleisch in den Käfig werfen musste, damit die Herrin ihm beim Fressen zuschauen konnte. Zum Glück schien meine Pechsträhne wirklich beendet zu sein als die Sängerin vorschlug, ob der Hauptmann ihr die Spurensuchkünste seines Sleen nicht mal an mir vorführen könnte, ich bekäme auch zehn Ehn Vorsprung. "Oh je, bitte nicht!" dachte ich noch voller Schrecken, als der Hauptmann auch schon ablehnte. Er behauptete nicht zu wissen, ob es meiner Herrin gefallen würde, wenn er Fenris hinter mir herjagt, weil der leider auch manchmal die Beute frisst, die er hetzt.

Mir fiel echt ein richtig großer Stein vom Herzen… wobei mein Kajiraherz dann sowieso auch noch einen kleinen Extrahüpfer machte, als ich plötzlich eine Stimme hinter mir hörte: „Ah, da ist ja das Mädchen.“ Es war der tolle Krieger mit den zwei Schwertern, dem ich vor einigen Tagen nach dem Waffentraining leider keinen Paga mehr hatte servieren können, weil der Hauptmann und meine Herrin mal wieder etwas über meine Kettenschwester zu besprechen hatten, während ich wie auf Kohlen daneben knien musste. Seitdem hatte ich immer wieder an diesen Herrn denken müssen und inzwischen sogar befürchtet, dass er womöglich weitergereist war. Doch nun stand dieser gutaussehende Mann vor mir und erkundigte sich besorgt sogar nach meinen blauen Flecken, auf die ich immer noch stolz war… wobei sie inzwischen leider schon ziemlich blass geworden waren.

Beschämt bekam ich nun von dem Krieger zu hören, dass er keine unzuverlässigen Sklavinnen mag, die einfach nicht auftauchen und dass er sich seinen Paga natürlich auch nicht selbst holen mag. Vermutlich waren danach nicht nur meine Ohren rot, sondern wahrscheinlich glühten auch meine Wangen, während mein Herz noch wilder klopfte. Ich versuchte dem Herrn natürlich schnell zu erklären, warum ich ihn nicht hatte bedienen können und dass ich normalerweise immer sehr zuverlässig bin, wenn meine Herrin es mir erlaubt. Selbstverständlich stellte ich mich dabei ein wenig in Positur, damit der Rarius sich wenigstens an meinen weiblichen Rundungen ein wenig erfreuen konnte… und bekam tatsächlich noch eine zweite Chance zum Servieren eines Paga! Juhuuu, ich konnte mein Glück kaum fassen. Am Liebsten hätte ich den Herrn ja gleich auf seinem Spaziergang durch die Oberstadt begleitet, doch dabei war meine Anwesenheit leider nicht erwünscht und außerdem benötigte mich der Hauptmann noch, worüber ich mich selbstverständlich ebenfalls freute.

Mist, er hatte leider sogar noch jede Menge Arbeit für mich, die mich noch eine ganze Weile vom Gasthaus fernhielt und mich immer unkonzentrierter werden ließ, da meine Gedanken inzwischen ununterbrochen um den Herrn kreisten, der vielleicht schon wieder auf seinen Paga wartete. Während es den Hauptmann in keiner Weise Richtung Gasthaus zog, schaffte ich für Fenris weiteres Futter heran und die Gruppe Freier im und vor dem Garten des Hauptmanns wurde immer größer. Zusammen mit dem Händler und der Zeugmeisterin drehten sich die Gespräche jetzt um die Finanzierung des ersten Schwertes und einen fehlenden oder doch nicht fehlenden Ratsbeschluss dazu, schließlich aber auch um ein altes Fass und Holz, das ich auf Befehl des Hauptmanns aus dem Kontor heranzuschaffen hatte. Meine Befürchtungen, möglicherweise wieder nicht rechtzeitig im Gasthaus aufzutauchen, wurden größer und größer und ich immer unkonzentrierter, sodass nicht nur der Hauptmann, sondern irgendwann auch Shani vermutete, ich hätte meine Ohren nicht gewaschen.


Doch ich erwähnte ja schon, meine Pechsträhne war vorbei. Da der Hauptmann irgendwann zur Spätwache musste, schickte er mich schließlich doch noch zum Gasthaus, damit ich mich dort nützlich mache… gab mir allerdings noch mit auf den Weg, mich nicht klauen zu lassen. Ich verstand zwar nicht, was er damit meinte, denn warum sollte mich jemand klauen, hatte aber nun wirklich keine Zeit mehr, mich noch lange danach zu erkundigen. Ich flitzte eiligst in die Unterstadt, denn es ging ja darum, jemand zu beweisen, wie zuverlässig ich bin. Tja, und mein geheimer Schwarm mit den zwei Schwertern war tatsächlich noch dort, hatte sich nicht selbst bedient und war auch noch nicht bedient worden... ICH durfte ihm dienen! :-)))

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen