Donnerstag, 27. November 2014

Komplett versagt

Boah, was für eine schreckliche Schande! 

Ich hätte lieber das Haus putzen, Essen kochen, Kuchen backen, Wäsche waschen, alleine und still im Bach angeln oder am besten einem Schönheitsschlaf frönen sollen, anstatt in der Hoffnung auf ein wenig Kajiratratsch zur Kriegerwiese zu trödeln. Der Kajirafunk wurde mir von meinem Herrn nämlich verwehrt, weil die Krieger diesmal wieder in der Oberstadt trainieren wollten und er das als perfekte Gelegenheit für mich ansah, endlich das Entwaffnen, Fesseln und Befreien zu üben… so weit so gut. Nein, überhaupt nicht gut, genau das Gegenteil war nämlich leider der Fall. Vor lauter Nervosität war ich komplett neben der Spur und benahm mich, als sei ich den ersten Tag auf Gor. Ich machte alles verkehrt, was ich nur verkehrt machen konnte… fesselte ohne zu entwaffnen, schnitt dafür Fesseln durch, wo gar keine waren und hatte sowieso keine Ahnung, was überhaupt Ziel der Übung der Rarii war, da ich mich mit solchem Kriegerkrams, wie das Erbeuten von Flaggen bislang noch nie befasst hatte.

Warum auch? Ich war jahrelang Eigentum einer freien Frau und daher mehr oder weniger Luft für jegliche rotkastigen Angelegenheiten gewesen. Doch darüber will ich mich nicht beschweren, denn damit waren ja durchaus auch Vorteile verbunden gewesen. Jedenfalls hatte ich bei diesem Kriegertraining echt keinen Plan von nichts und wusste nicht mal, ob oder wann ich wieder aufstehen durfte, wenn mich einer der gegnerischen Krieger niedergestreckt hatte. Überhaupt war ich ziemlich orientierungslos, rannte… quatsch, ich kroch wie eine Schnecke in Sackgassen oder gegen Mauern, die eigentlich gar nicht da waren und fand mich komplett eingedreckt plötzlich in irgendwelchen Gemüsebeeten wieder, wo ich gegen einen eigenartigen Sturm ankämpfen musste, um mich aus dem Zeugs wieder befreien zu können. Auch wenn es mir ein einziges Mal wohl tatsächlich gelungen ist, einen der gegnerischen Krieger zu fesseln… ein blindes Vulo findet eben auch mal ein Korn oder hatte ich das nur geträumt?… habe ich also jede Menge Schande über meinen Herrn gebracht. Da war es auch nicht wirklich hilfreich, von allen Seiten immer wieder „üben, üben, üben“ zu hören, auch wenn mir inzwischen klar ist, wie freundlich das gemeint war. 

Ich war jedenfalls froh, als ich mich endlich nach einer kurzen Gianniwäsche im Vosk mit eingezogenem Kopf und herabhängenden Schultern nach Hause schleppen durfte. Am liebsten hätte ich mich natürlich in der hintersten Ecke der großen Kiste unter der Treppe verkrochen und den Deckel über mir zugezogen, denn nach dieser Schande mochte ich meinem Herrn gar nicht mehr unter die Augen kommen. Doch es half nichts, ich musste ihm noch einen häuslichen Paga servieren. Naja, was heißt servieren… total zerknirscht über mein peinliches Versagen, wagte ich nicht meinen Blick zu erheben und brachte wirklich nicht mehr als ein mattes Anreichen zustande, während ich gegen den dicken Frustkloß in meinem Hals ankämpfte. Mir war bei diesem schrecklichen Kriegertraining jedenfalls so richtig bewusst geworden, wie ungeeignet ich für solche Dinge bin. Komischerweise stufte mein Herr mich anders ein und versuchte mir Mut zu machen, dass ich alles noch lernen werde, weil ich quasi ins kalte Wasser gesprungen war. 

Seine Worte „Glaubst du ich kaufe ein Mädchen, das jahrelang einer Sklavenhändlerin gehörte und erwarte, dass sie alles sofort kann? Meine Scharlachrote, es ist noch keine Kriegerkajira aus dem Sardar gespuckt worden… zwischen Theorie und Praxis besteht nun mal ein Unterschied“ und seine sanft durch mein Haar streichelnde Hand waren wirklich tröstlich, hatten aber auch zur Folge, dass ich meine Tränen über mein Versagen nun endgültig nicht mehr zurückhalten konnte. Doch irgendwie spülten sie auch meinen Kummer fort und nachdem mein Herr mir schließlich noch ein wenig Nachhilfeunterricht gegeben hatte, keimte sogar ein Hauch von Minihoffnung in mir, dass ich nächstes Mal vielleicht besser weiß, was ich tun muss? Mal sehn, möglicherweise habe ich gerade Mitte der Hand aber auch ganz besonders viel Hausarbeit zu erledigen.^^

Dienstag, 25. November 2014

Die Vergeltung


Eigentlich war es ein schöner Tag, der für mich nur leider mal wieder mit dem lästigen Reinigungsdienst begann, sodass ich erst einige Zeit nach meinem Herrn am Hafen eintraf, wo er bereits auf die Abreise der jortsschen Krieger nach Argentum wartete. Da außer ihm kein anderer Rarius zu sehen war, gönnte ich mir eine kleine Balancierübung auf den hochstehenden Balken des immer noch provisorisch geflickten Kais und hüpfte dabei übermütig über jeden einzelnen der hochstehenden Nägel. Doch als mein Herr mich leicht ungeduldig zu sich winkte, beeilte ich mich natürlich, mich neben ihn zu knien. Außerdem trudelten jetzt nach und nach nämlich die anderen Krieger ein, die den Hauptmann auf der Reise nach Argentum begleiten sollten. Während die Herren nun verschiedene Strategien zur Vergeltung und Entschädigung mit oder ohne Pfand besprachen… Jorts war immerhin nicht nur beleidigt worden, sondern dies ausgerechnet auch noch von einer Frau!... war selbstverständlich vor der Abreise noch genug Zeit für einen Zielpaga, einen verwässerten Magenberuhigungskalana oder ein Ale auf das eigene Wohl.


Zum Glück verlief die Reise den Vosk hinunter und dann in den Nebenfluss Richtung Argentum ohne weitere Zwischenfälle. Dank wenig bis ganz ohne Wellengang behielt sogar der übersensible Magen des Hauptmanns seinen Inhalt bei sich, sodass die Fische im Vosk diesmal leer ausgingen und wir schließlich mit dem tief stehenden Zentralgestirn im Rücken vor der hohen Palisadenwand standen, die die Stadt einzäunt. Wobei die Wand aus meiner kurzen Sichthöhe ja sowieso, aber ansonsten nur für die Nichtriesen unter den Kriegern hoch war. Einer der längeren Herren meinte nämlich, er könne da ganz problemlos drüber klettern. Tja, irgendwie war der erste Besuch meines Herrn einfacher gewesen, da er mit seinem Tarn direkt auf der Wiese vor der Taverne gelandet war. Doch letztendlich wurde das Gemaule des Hauptmanns und vor allem sein lautes Bollern am Tor hinter dem Zaun gehört und geöffnet. 


Erstaunlich war, dass der Kommandant von Argentum und auch sein Stellvertreter angeblich überhaupt nichts von den Beleidigungen und dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen wussten, die ihre rotkastige Heimsteinangehörige gegen Jorts ausgesprochen hatte. Sie behaupteten nämlich, dass Frauen in politischen Dingen nichts zu sagen haben, wussten aber immerhin, wer sich als erstes Weib ihres Heimsteins so aufgespielt haben könnte. Allerdings taten sie es bei dieser Frau als typisch weibliche Untermalung ihres Status ab. Außerdem sei die Wichtigtuerin für ihr eigenmächtiges Handeln bereits bestraft worden und die Sache damit erledigt. Selbstverständlich war für den Hauptmann jedoch überhaupt nichts erledigt und der schließlich angebotene Paga oder Kalana auch keine angemessene Entschädigung für eine solche Beleidigung. Trotzdem zeigte er sich weiter von seiner netten Seite und bot an, den unerfreulichen Vorfall durch eine großzügige Goldzahlung zu vergessen.


Oha, irgendwie wollte der Kommandant den Ernst seiner Lage wirklich nicht verstehen und versuchte es nun auf die Mitleidsmasche, sie seien nur ein Fort von Argentum, das nicht mal 10 Gold zahlen könne und fing immer wieder von den Getränken an. Er sah nicht ein, für das Verhalten dieser Frau überhaupt eine Entschädigung zahlen zu müssen. Die ganze Zeit war ihm offensichtlich aber auch nicht die jortssche Übermacht bewusst, denn die Krieger hatten sich inzwischen günstig auf der Wiese verteilt, sodass sämtliche argentumer Rarii schließlich gefesselt im Gras lagen… darunter übrigens auch ein niedergestreckter Söldner, der sich einige Beleidigungen nicht verkneifen konnte. Während ich Letzterem mit einem Eimer kaltem Brunnenwasser eine Abkühlung zukommen lassen durfte, hatte einer der Krieger aus Jorts anscheinend die Freie geschultert, die wohl für den ganzen Zwist gesorgt hatte.


Doch der Hauptmann hatte sich mittlerweile gegen dieses Weib als Pfand für die ausstehende Zahlung entschieden und gab stattdessen die Freigabe zum Plündern, um die Entschädigung nun aus den umliegenden Häusern selbst zu holen. Leider gestaltete sich dieses Vorhaben etwas schwierig, da viele Türen verrammelt waren, sodass ich mich hinter meinem Herrn schließlich ein Seil hinauf hangeln musste, um über den Balkon in ein von außen recht herrschaftlich aussehendes Haus zu gelangen, das drinnen aber eher karg eingerichtet war. Trotzdem stellte sich die Beute an Münzen, die ich bei unserer Abreise in meinen Tunikarock gewickelt hatte, nach langem Zählen und Sortieren zu Hause als nicht unbeträchtlich heraus. Leider war es an diesem Tag jedoch zu spät zum Teilen und um noch zu erfahren, wieviel die anderen Krieger erbeutet hatten. Mein Herr war über diese Finanzspritze jedenfalls sehr erfreut und überlegt nun, sich vielleicht die eine oder andere Botha Kalana zu kaufen… mal abwarten, ob da vielleicht noch ein Knäuel rote Wolle herausspringt? ;-)

Montag, 24. November 2014

Abkühlung

Es war einer der ruhigeren Tage in Jorts, an dem alle Bewohner ihren Arbeiten nachgingen oder der guten Luft auf ihren Landsitzen frönten. Da zu meiner Freude die kleine Insel im Voskdelta für meinen Herrn inzwischen wohl ebenfalls zu einer Art Erholungssitz geworden ist, freute ich mich natürlich riesig, ihn an diesem Tag endlich mal wieder auf einem Erkundungsflug begleiten zu dürfen, der auf besagter Insel enden sollte, bevor es am nächsten Tag dann wieder zurück nach Hause ging. Ein Flug auf dem Tarn ist für mich einfach immer wieder ein unbeschreibliches Erlebnis, denn ich genieße es jedes Mal erneut, mich eng an den Rücken meines Herrn anschmiegen zu dürfen… besonders wenn ich nur einen so dünnen Seidenfummel trage, der wirklich kein bisschen wärmt und kein Stück den Flugwind abhält. 

Carolus hat inzwischen wohl wirklich akzeptiert, dass er Ärger mit seinem Reiter bekommt, wenn er mit seinem großen Schnabel nach mir hackt… trotzdem flößen mir die riesigen Raubvögel nach wie vor ganz gewaltigen Respekt ein, besonders wenn ich mal wieder alleine zum Reinigungsdienst im Tarnturm eingeteilt bin. Dann ist mein Herr normalerweise nämlich nicht dabei, um einem verfressenen Tarn notfalls mit seinem Tarnstab klar zu machen, dass ich nicht auf seinem Speiseplan stehe und er sich sein Futter im Wald erjagen muss. Im Gegensatz zu Carolus hocken zwei von diesen Viechern dort eigentlich immer auf ihren Stangen und beäugen mich meistens mit ihren verfressen Blicken, wenn ich unter ihnen ihre angehäuften Hinterlassenschaften wegschaufeln muss. 


Doch der Flug auf einem dieser großen Vögel entschädigt wirklich für alles! Während ich glücklich vor mich hinträumte, als der Tarn meines Herrn noch eine kleine Orientierungsrunde über Jorts drehte, betrachtete ich gedankenverloren die sich inzwischen gelb und braun einfärbenden Blätter der unter uns zurückbleibenden Bäume und gab mich dabei der Hoffnung hin, dass mein Herr mir meine Patzer der letzten Hand inzwischen wohl vergeben hatte. Ich hatte mein Plappermaul nämlich mal wieder nicht halten können… ausgerechnet auch noch zu einem Zeitpunkt, als mein Eigentümer seine ganze Konzentration bei irgendeiner Arbeit für seine Kaste benötigte. Mist, mit diesem Wunschdenken sollte ich leider gänzlich daneben liegen, auch wenn unser Inselaufenthalt ganz wundervoll begann.

Kaum waren wir nämlich gelandet und der Tarn zum Jagen fortgeschickt, als mein Herr mich auch schon in seine starken Arme zog und mir einen fordernden, sehr leidenschaftlichen Kuss gab, der meine Knie ganz weich werden ließ. Leider war seine innige Umarmung jedoch fast so schnell wieder vorbei, wie sie begonnen hatte. Stumm und ernst sah mein Herr mich nun nämlich an und deutete mit einem Finger auf den Boden vor sich, sodass ich mich beeilte niederzuknien. Da ich mit wild klopfendem Herzen nicht mehr wagte zu ihm aufzuschauen, bekam ich nicht mit, was er jetzt hervor holte, bis er schließlich um mich herumging und meine Hände hinter meinem Rücken fesselte. Danach setzte er sich dann auf eines der Kissen und befahl mich zu sich. Gleichzeitig zog er einen Knebel aus der Tasche, den er aber erst einmal demonstrativ auf seinem Oberschenkel liegen ließ. Mir war natürlich sofort klar, was nun auf mich zukommen würde.


Mein Flehen, Betteln und Geloben von Besserung nützte nach der Strafpredigt meines Herrn jedenfalls nichts… ich erhielt in Form des Knebels, den er mir ziemlich stramm umband, nun die Ehre einer weiteren Lektion Nachhilfeunterricht im Schweigen. Gefesselt und geknebelt auf einer kleinen Insel irgendwo im Voskdelta war ich jetzt vollkommen hilflos ausgeliefert, gleichzeitig aber auch erfüllt von einem unbeschreiblichen Vertrauen in meinen Herrn. Unbeschreiblich waren übrigens auch die heiß in mir kribbelnden Gefühle, mich seinem Willen fast handlungsunfähig unterzuordnen. 


Was wünscht sich eine Sklavin mehr als alles andere? Genau, ihren Herrn zu erfreuen. Dass mir dies wohl doch ganz gut gelungen ist, zeigte er mir an diesem Abend jedenfalls mehr als deutlich, bevor er meine Bestrafung mit einer ausgiebigen Abkühlung im Wasser beendete, die uns beiden ziemlich gut tat… allerdings war sie so spontan, dass hinterher nicht nur unsere Kleidung, sondern auch die voll Wasser stehenden Stiefel meines Herrn am warmen Lagerfeuer getrocknet werden mussten. ;-))

Freitag, 21. November 2014

Männer und ihre Bedürfnisse


Mist, ich hatte mal wieder verschlafen, denn mein Herr lag nicht mehr in seinem schönen weichen Fell. "Hoffentlich ist er nicht schon zur Wache", war mein Gedanke, als ich schnell nach unten sauste und ihn am Fuß der Treppe fast über den Haufen rannte. Ungewohnt sah er aus und das Küssen seiner Fußspitze zur Begrüßung schmeckte ebenfalls anders, vor allem roch er sehr neu. Mein Herr trug nämlich seine warmen Stiefel, die er sich vor kurzem wegen der nahenden kühlen Jahreszeit zugelegt hatte und eine Hose. Ohje, waren seine Sandalen etwa kaputt oder draußen über Nacht schon Schnee gefallen? Neugierig reckte ich meine Nase, um aus dem Fenster zu schauen, wo aber immer noch alles grün war. Doch nun wies mein Herr mich darauf hin, dass er einfach den Zeitpunkt als gekommen sah, seine Schweißfußzüchter zu tragen… ok, er sprach natürlich von Stiefeln… weil er mit kalten Füßen zu extrem schlechter Laune neigt.

Ich fand seine Stiefelmaßnahme als Folge von erhöhtem Wärmebedürfnis trotzdem mehr als überflüssig, denn gegen die Kälte hat er doch mich, musste ihm allerdings zustimmen, dass ich ihn mit meinem Feuer zwar in der Nacht hervorragend wärmen, er mich tagsüber aber nicht ständig um seine Beine oder Füße wickeln kann. Außerdem wollte er nicht das Schicksal eines anderen Kriegers erleiden, der aufgrund einer Erfrierung jetzt mit neun Zehen auskommen muss und ließ auch nicht gelten, dass ich ihn mit einem Zeh weniger, nicht weniger lieben werde. Grund für seine warme Kleidung war der seit einiger Zeit angeblich stets ziemlich warm verpackte Händler, dem nur noch die Ohrenschützer fehlen und einer der Wachen, der morgens jetzt gleich zwei Paga gegen die Kälte trinkt. Pah, ich hatte die Winterausrüstung des Händlers noch gar nicht bemerkt, weil ich immer nur Augen für meinen Herrn habe... außerdem sind Männer mit solchen Kleidungsbedürfnissen eher Frostködel.


Letzteres gab ich übrigens lieber nicht laut von mir, sondern kam stattdessen dem Befehl meines Herrn nach, nun selbst die Außentemperatur zu testen und fand abgehärtet wie ich bin, meine Meinung über männliche Frostködel voll bestätigt. Draußen herrschten nämlich wirklich milde Temperaturen, doch mein Herr begründete seine Kleidung nun mit dem vom Fluss aufsteigenden Dunst und führte zusätzlich den Umhang seines Mentors an, auf den der das ganze Jahr nicht verzichtet. Aber egal, für mich war eigentlich nur wichtig, dass er mir erlaubte, solange knappe Kleidung zu tragen, bis ich ihn vor Kälte klappernd darum anflehe, etwas Wärmeres anziehen zu dürfen. Während ich nun wieder hinein ins Haus zur Kleidertruhe unter der Treppe hüpfte, um mir eine schöne, möglichst wenig bedeckende Tunika überzustreifen, musste ich grinsen, denn es war mir schon ein kleiner innerer Genuss, dass er nicht ahnen konnte, was für Diskussionen ich darüber früher bereits mit meiner ehemaligen Herrin geführt hatte.


Die Sichtkontrolle seines Eigentum fiel immerhin entsprechend wohlwollend aus, leider erinnerten meinen Herrn jedoch wahrscheinlich meine hinter den Kopf erhobenen Hände, als ich mich ihm nun von allen Seiten präsentierte, an mein Schwächeln am Vortag. Mist, da ich mit der grünen Kaste ein wenig auf Kriegsfuß stehe… allerdings nur, wenn ich selbst behandelt werden soll… gab ich natürlich von mir, dass es meinem Kopf ziemlich gut geht, denn ich erhoffte mir immer noch, um einem Besuch in der Krankenstation herum zu kommen, auch wenn meine dicke Beule am Hinterkopf ziemlich weh tat. Trotzdem fand ich es richtig toll, wie besorgt mein Herr um mich war, der mich nun löcherte, ob mir erneut schwindelig oder sogar übel geworden war… was ich zum Glück aber alles verneinen konnte.

Merkwürdig war nur meine fehlende Erinnerung daran, ob ich in der letzten Nacht am Fußende meines Herrn geschlafen hatte oder mich in seinen Arm kuscheln durfte. Seine Äußerung, die Heilerin soll darüber entscheiden, ließ mich dann allerdings doch an meinem Gesundheitszustand zweifeln, sodass ich ungläubig nachfragte, ob die Herrin etwa letzte Nacht neben uns in seinem Fell geschlafen hatte, weil ich mich daran ebenfalls nicht erinnern konnte. Gut gelaunt lachend klärte mein Herr mich jedoch auf, dass sie lediglich darüber entscheiden soll, ob die Beule an meinem Kopf noch einer Behandlung bedarf. Doch dann wurde sein Gesichtsausdruck sehr ernst und er ermahnte mich: „Sowas erzählen wir aber nicht über die Herrin, denn wir sind froh, Grüne in der Stadt zu haben und reden ihnen deshalb nicht übel nach... verstanden, Kajira?“ 

Erleichtert über die fehlende Freie im Fell meines Herrn, bat ich ihn natürlich sofort voller Hingabe um Verzeihung für meine unbedachte Äußerung. Wie gut, dass ihn die warmen Stiefel offensichtlich wirklich gutgelaunt stimmten, denn er verzieh mir, allerdings kam ich trotzdem um einen Besuch der Krankenstation nicht herum. Seine Äußerungen, niemand behandelt sein Eigentum ohne sein Einverständnis und meine Untersuchung ist grundsätzlich nur in seinem Beisein möglich, machten mich aber mehr als froh, sodass ich ihm schnell versprach, alles über mich ergehen zu lassen, was er als erforderlich ansieht. Zum Glück ist die angehende Ärztin genau wie ihre Ausbilderin ebenfalls von der netten Sorte dieser Spezies. Ich erhielt von ihr gegen meine schmerzende Beule ohne lange Untersuchung einfach eine Salbe, die mich die Blessur hoffentlich in wenigen Tagen vergessen lässt und mein Herr konnte seinen Rundgang Richtung Hof fortsetzen.

Er war nämlich leicht in Sorge um seinen Mentor, weil dieser von Dark beim Angriff am Vortag vermisst und später in dem ganzen Trubel anscheinend nirgendwo mehr gesehen worden war. Da ich wegen der Folgen meiner Blessur und der anschließend erforderlichen Abstützung der Stadtmauer ebenfalls das weitere Geschehen nicht so wirklich mitbekommen hatte, sah er nun eine Rücksprache mit dem Krieger vom Hof wegen einer möglicherweise erforderlichen Befreiungsaktion als wichtig an, denn der Hauptmann war leider immer noch zur doofen Spätwache eingeteilt und nicht abkömmlich. Doch es wurde vermutet, dass Darks Herr bereits wieder auf seinen Landsitz gereist war, denn leider gehört er weder dem Heimstein an, noch hat er ein Haus in Jorts gemietet. Weil der Rarius außerdem Besuch vom Händler hatte… Shani öffnete uns übrigens die Tür… wollte mein Herr die Unterredung der beiden Ratsmitglieder nun auch nicht länger stören und verabschiedete sich bald.


Dieser Umstand verhalf mir zu einer leider viel zu seltenen, dafür aber umso schöneren Begegnung. Meine ehemalige Herrin war nämlich endlich mal wieder in der Stadt und ließ sich gutgelaunt mit meinem Herrn auf der Gasthausterrasse für eine Schale ihrer geliebten heißen Milch nieder, die ich zur Feier des Tages natürlich mit einer Extraportion Honig besonders süßte. Ohje, ihre Anrede brachte mich mal wieder an meine Grenzen, denn nach so vielen Jahren war es immer noch eine Herausforderung für mich, nicht ständig mit und ohne ehemalige, mein, meine, Herr und Herrin durcheinander zu bringen. Ich glaube, beim nächsten Mal werde ich mir in der Küche zur Feier des Tages… selbstverständlich nur zur besseren Konzentration, also aus rein medizinischen Gründen… einfach auch einen Extralöffel Honig gönnen…mal sehen ob das vielleicht hilft?^^

Donnerstag, 20. November 2014

Überfall auf Jorts


Mein Herr war bereits aus dem Haus, weil das übliche Waffentraining anstand. Nachdem ich noch schnell meine letzten Aufgaben erledigt hatte, war mein Ziel daher logischerweise die Wiese hinter dem Hof, denn ich wollte ihm und den anderen Kriegern natürlich bei ihrem Training zuschauen. Leider sollte es an diesem Tag jedoch ganz anders kommen. Nachdem ich die Haustür geschlossen und noch in den Dokumentenkasten geschaut hatte, wanderten meine Blicke wie immer über den Vosk zum Leuchtturm hinüber. Während ich die tolle Aussicht genoss, entdeckte ich plötzlich einen Fremden, der dort über die Sandbank lief, zwischendurch im Wald verschwand, letztendlich dann aber die Fähre nahm und zur Stadt übersetzte.


Auch wenn ich selbstverständlich nicht neugierig bin, erschien es mir sinnvoll, auf meinem Weg zur Trainingswiese einen kleinen Schlenker Richtung Hafen zu machen, um dem Fremden vielleicht meine Dienste anzubieten, falls dies erwünscht war. Er benötigte tatsächlich meine Hilfe, denn er fragte mich, wo die Taverne ist. Freundlich wie ich ja bin, zeigte ich sie ihm natürlich, wunderte mich allerdings darüber, dass er keinen Getränkewunsch äußerte, sondern dort lediglich auf irgendwelche Partner warten wollte, bevor er mich anherrschte, mich endlich zu trollen und mir drohte, mich andernfalls in einen Sack zu stecken. Oha, mit solch einem Ding wollte ich selbstverständlich keine Bekanntschaft schließen, sodass ich mich eiligst verdünnisierte, während es mir bei seinem „sichere Wege, solange du sie noch haben kannst“ irgendwie kalt den Rücken herunter lief.


Während ich nun zum Marktplatz flitzte, fiel mir sofort die schwer beladene Fähre mit einer Horde Fremder auf, sodass ich noch einen Zacken zulegte, um die jortsschen Krieger auf der Wiese über diese Fremdeninvasion zu informieren. Doch ich hatte Pech, denn es war nur ein einzelner Rarius zu sehen, der mich komplett ignorierte und einfach ohne zu stoppen an mir vorbei lief. Wo mein Herr und seine Kastenbrüder gerade trainierten, erschloss sich mir jedenfalls nicht mehr. Im Nachhinein weiß ich auch, dass dieser Krieger bereits auf dem Weg in die Oberstadt war, um sie gegen den bevorstehenden Angriff zu verteidigen. Ich sauste jedenfalls was das Zeug hielt hinter ihm her und war anscheinend die Letzte, die das große Stadttor passieren konnte, bevor die Wachen es herabließen. Mist, wo steckten nur mein Herr und die anderen jortsschen Krieger? 

Lange Zeit zum Jammern blieb allerdings nicht, denn nun ging der Pfeilhagel los, leider auch durchs Gitter des Stadttors, sodass ich zusah auf die Stadtmauer zu gelangen. Oben angekommen, machte ich mich hinter der Brüstung erst einmal möglichst klein, um nicht getroffen zu werden. Außerdem wollte ich schauen, wo vielleicht meine Hilfe benötigt wurde. Mit großer Erleichterung stellte ich fest, dass Shani bereits die große Alarmglocke läutete, sodass leise Hoffnung in mir aufkeimte, dass mein Herr und die anderen jortsschen Krieger nun von dem Überfall erfuhren, wo auch immer sie gerade steckten.

Leider passierte mir dann jedoch ein blöder Fehler. Ich vergaß nämlich, ab und an mal nach hinten zu sehen und vor allem um die Ecke der Stadtmauer zu schauen, denn plötzlich packte mich einer der Angreifer von hinten und verpasste mir einen so heftigen Schlag auf den Kopf, dass ich kurz nur noch ein paar Sterne sah, bevor dann alles dunkel wurde… irgendwie hatten die Feinde es offensichtlich geschafft, an der Seite zum Wald die Mauer zu erklimmen. Doch das weiß ich logischerweise nicht so genau.

Wach wurde ich erst wieder am Fuß der Treppe neben dem großen Stadttor, als ein Krieger sehr schmerzhaft auf mir landete. Doch die paar dabei erlittenen blauen Flecke und Prellungen waren echt ein Fliegenpups gegen meinen Brummschädel, der mir das Gefühl vermittelte, mein Kopf sei kurz vor dem Platzen. Ich glaube, ich muss ziemlich apathisch gewesen sein, denn ich bekam nur am Rande mit, dass Dark zwischendurch meine Fesseln zu lösen versuchte, bevor sie wieder weg lief, um Shani zu helfen. 

Das Ende des Kampfes ging jedenfalls mehr oder weniger an mir vorbei. Von meinen Fesseln befreit hatte ich mich inzwischen zwar etwas aufgerichtet, kämpfte nun aber gegen Schwindel an, sodass ich mich einfach gegen die Stadtmauer lehnte, bis etwas sehr Merkwürdiges passierte. Die Füße eines Feindes verwandelten sich nämlich von einer Ihn auf die andere schlagartig in die meines Herrn, der mir den komischen Hinweis gab, dass die Stadtmauer auch alleine steht, was ich in diesem Moment nun so gar nicht verstand. 

Doch dieses Phänomen war für mich eigentlich auch total unwichtig. Das einzig Wichtige war nämlich jetzt, wie sanft mein Herr mein Gesicht in seine Hände nahm und mich anschaute, nachdem er sich vor mich gehockt hatte. Das alleine hatte bestimmt gereicht, dass ich ganz von selbst wieder stehen konnte. Außerdem wollte ich mich seiner natürlich würdig erweisen, denn eine Kriegerkajira zeigt selbstverständlich keine Schwäche. Das fiese Ekelstinkezeug, was die Ärztin mir da zum Einatmen vor die Nase hielt, fand ich jedenfalls total überflüssig, sodass ich mich nun in zackigem Stehen versuchte... auf das Hacken zusammenknallen verzichtete ich allerdings dann doch lieber. 


Die Ärztin wandte sich zum Glück nun endlich einem wirklich Verletzten zu und mein Herr wusste ein gutes Rezept gegen meine weichen Knie… einfach ein Stückchen laufen und ausführlich über das Erlebte reden, was ich am Hafen ausgiebig tat. Danach ging es mir jedenfalls um einiges besser. Und die Beule am Kopf fällt bei der Menge meiner langen Locken sowieso nicht auf… mal sehen ob es klappt, um einen Besuch im Heilerhaus herumzukommen? ;-)

Mittwoch, 19. November 2014

Gefährliche Konstruktionen

…und wieder etwas dazugelernt. Aber eine Kajira lernt sowieso nie aus und die eines Kriegers schon gar nicht.



Schade, dass es bei mir mit dem frühen Aufstehen mal wieder nicht geklappt hatte und mein Herr bereits komplett angezogen in irgendwelche rotkastigen Überlegungen vertieft an seinem Schreibtisch saß, als ich aufwachte. Er war sogar so beschäftigt, dass er mir auftrug, ihm dort sein Frühstück zu servieren… wobei es nur ein Abstellen auf der Tischfläche war und er mich vertieft in seine Grübeleien logischerweise überhaupt nicht weiter beachtete.

Danach schickte er mich leider vor die Tür, damit ich mich in der Stadt nützlich mache und er die nötige Ruhe für seine Arbeit hat. Grrr… eigentlich sollte er inzwischen doch wirklich wissen, wie still ich sein kann! Doch „wünsch dir was“ gibt es für eine Kajira nun mal nicht.

Mein erster Blick galt natürlich dem Marktplatz, nachdem ich um die Ecke des Schmiedegebäudes herumgelaufen war. Die Pflastersteine schienen an diesem Tag offensichtlich jedoch bereits platt genug getreten zu sein, denn es war niemand zu sehen. Leider muss ich beim Vorbeilaufen an der Schmiede von diesem ungewöhnlichen Umstand so abgelenkt gewesen sein, dass ich plötzlich und vor allem gänzlich unerwartet, dafür aber äußerst unangenehm von irgendetwas an der Stirn getroffen wurde.

Während ich über die schmerzende Stelle mit meinen Fingern rieb, bemerkte ich nun leider zu spät die auf der Mauer aufgereihten, mir unbekannten Konstruktionen aus gebogenen Stöckern, die teilweise in den Weg hinein ragten. Gegen eines dieser Dinger muss ich aufgrund meiner Länge wohl gegengelaufen sein… oder vielmehr wegen meiner Kürze, denn ich gehöre ja zur eher kurz gewachsenen Bevölkerung von Jorts. Da von dem Schmied weit und breit nichts zu sehen und auch die Gasthausterrasse an diesem Tag erstaunlicherweise komplett ausgestorben war, vom Hafen allerdings einzelne Gesprächsfetzen zu hören waren, lief ich stirnreibend in diese Richtung weiter. Vom Anleger konnte ich dann notfalls weiter in die Oberstadt laufen, falls ich mit meiner Blessur doch noch zu einer der Ärztinnen musste.

Egal wie genau ich meine Finger nach dem Befühlen der schmerzenden Stelle auch musterte, Blut war immerhin nicht zu entdecken, doch konnte ich mir ja nicht selbst auf die Stirn sehen und hatte daher keine Ahnung, wie schlimm meine Schramme war. Nach einer Begutachtung durch den freundlichen Schmied stellte sie sich zum Glück jedoch als harmloser, nicht behandlungsbedürftiger Kratzer heraus, den ich gegenüber meinem Herrn später dann auch gar nicht mehr erwähnte, denn ich wollte natürlich nicht schon wieder hören, wie dumm sein Eigentum ist.


Den Schmied traf ich jedenfalls am Hafen zusammen mit dem Händler und dem Brand- und Grillmeister. Letzterer wurde übrigens von dem Schmied so bezeichnet, nachdem der Krieger es mit seiner Aktion vor kurzem zwar geschafft hatte, die Planken des Anlegers zu zerstören, jedoch nicht alle Urts. Naja, wie sollte das auch gelingen, wenn das stinkende Ekelfass für Fleischabfälle immer noch am Kai stand und weiterhin die Viecher mit dem kahlen Schwanz anlockte?

Doch darüber steht mir natürlich kein Urteil zu und selbstverständlich auch keine Bewertung der Konstruktion aus dicken, mit riesigen Nägeln zusammengenagelten Balken, mit der jener Krieger das große Loch im Anleger notdürftig geflickt hatte. Es ist für mich eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis jemand über die Balken stolpert oder eine Herrin sich ihre Röcke daran aufreißt, weil sie an einem Holz oder einem der hochstehenden Nägel hängengeblieben ist.


Während mein Gruß von den drei Herren freundlich, lächelnd oder mit knappem Nicken erwidert wurde, bekam ich heraus, dass sich ihr Gespräch offensichtlich um den Verkauf von Shani drehte, weil sie anscheinend auf dem Verkaufsblock am Hafen gehockt hatte. Der Hinweis ihres Herrn auf die lange Schlange von Kaufinteressenten für seine Kajira schien den Brand- und Grillmeister übrigens nicht weiter zu interessieren. Von seiner Schwerthand überzeugt, die er ja ständig ziemlich verbissen trainiert, glaubte er tatsächlich mit seinem Gladius auf des Recht des Stärkeren pochen zu können, wenn Shani irgendwann, also in wahrscheinlich mehr als ferner Zukunft, tatsächlich verkauft werden sollte. Ihr Aufenthalt auf dem Block hatte zu diesem Zeitpunkt jedenfalls keinerlei Bedeutung gehabt.


Da es dem Krieger schließlich gelang, den darüber nicht gerade begeistert wirkenden Händler zu einem Vieraugengespräch in der Taverne zu überreden, nutzte ich die Gelegenheit, den netten Schmied um eine Musterung meiner Stirn zu bitten, bei der er zum Glück jedoch nur eine eher unbedeutende Schramme entdeckte... aber das hatte ich ja schon erwähnt. Während er sich nun erkundigte, woher ich die hatte, begann er zu meinem Leidwesen darauf mit seinem Daumen herum zu rubbeln, weil er sie anscheinend wegwischen wollte… puhhh, wenigstens verzichtete er dabei auf die Zuhilfenahme von Spucke!

Oha, für meinen Hinweis war er aber wohl wirklich ganz dankbar, denn er lief gleich los, um die über die Mauer hinausragenden Stöckerkonstruktionen beiseite zu hieven und rechtzeitig zu verhindern, dass sich möglicherweise noch jemand daran stieß. Mein Angebot ihm zu helfen, lehnte er übrigens ab, kam hinterher aber wieder zurück zum Hafen und unterhielt sich dort noch lange mit mir. Es war ein sehr interessantes Gespräch, denn ich lernte wieder etwas dazu und erfuhr nicht nur, dass die Konstruktionen auf der Mauer vor der Schmiede Ballisten genannt werden und der roten Kaste gehören, der Zeugmeister sie jedoch noch nicht abgeholt hat. Nein, der Schmied erzählte mir auch diverse Details über seine Gefangennahme vor kurzem und Entführung in die Tahari, die an meinem Herrn und mir ja wegen unseres Aufenthalts in Argentum ziemlich vorbei gegangen war.

Zuletzt erwähnte er noch sehr private Dinge, die sich leider in dem Dorf ereignet hatten, in dem er früher gelebt hat. Doch darüber bewahre ich wie versprochen selbstverständlich Stillschweigen. ;-)

Dienstag, 18. November 2014

Fragen der Motivation

Komischerweise schnarchte mein Herr noch, als ich an diesem Morgen aufwachte. Das ließ natürlich sofort Überlegungen in mir entstehen, ob er vielleicht meinetwegen so gut schlief? Bestimmt!! Ich lag nämlich immer noch eng an ihn gekuschelt in seinem Arm, was mir ja leider nur ganz selten vergönnt ist, da ich meistens an seinem Fußende schlafen muss. Hach, seine Nähe war einfach ein wundervolles Gefühl, das ich mit Stillliegen noch ein wenig länger auskostete. Gleichzeitig dachte ich aber darüber nach, welche Freude ich ihm beim Aufwachen zuerst bereiten sollte… Ideen und ausgeprägte Fantasien hatte ich da selbstverständlich eine ganze Menge und zwar in diversen Varianten… eine übrigens leckerer und köstlicher als die andere… doch die Details bleiben mein Geheimnis!

Eigentlich brauchte ich letztendlich auch nicht lange zu überlegen, denn noch während ich meinen leise neben mir schnarchenden Herrn betrachtete, war meine Entscheidung für das Frühstück wie von alleine ganz schnell gefallen. Es bestand selbstverständlich aus einer leckeren Vorspeise zum Wecken und dann aus weiteren Gängen. Auch ein wenig Morgengymnastik war dabei, allerdings ohne Frischluft, denn irgendwie schaffte ich es nicht das Fenster zu öffnen. Bei der Nachspeise meinte mein Herr übrigens „Nana, jetzt reicht es erst mal meine Scharlachrote!“ Sein bemüht strenger Gesichtsausdruck dabei, während er gleichzeitig einen Happen Schinkenbrot vertilgte, veranlasste mich allerdings dazu, ihm eine Kostprobe anzubieten, indem ich mein Gesicht ganz dicht vor seines schob und ihm meine Lippen anbot. Doch sein „Nein“ war mehr als eindeutig… irgendwie sind Männer manchmal ziemlich unneugierig.

Als ich bei meiner letzten Belohnung an diesem Tag in Form eines Schinkenbrotes dann übrigens genüsslich kauend von mir gab, dass ich vielleicht doch noch zur Frühaufsteherin werde, grinste mein Herr mich gut gelaunt an und meinte breit grinsend, es sei alles eine Frage der Motivation. Danach schien seine gute Laune leider jedoch vorbei zu sein und seine Motivation, an diesem Tag überhaupt noch vor die Tür zu gehen, annähernd Null. Doch es nützte nichts, denn entgegen meiner Vermutung hatte er am Vortag seinen Eintrag ins Wachbuch über die in Argentum in Erfahrung gebrachten Informationen doch noch nicht erledigt, sodass wir schließlich in Richtung Oberstadt zum Kriegerhaus liefen. Schade, dass mein Herr nicht umzustimmen ist, wenn er sich erst einmal zu etwas durchgerungen hat. Aus der Taverne am Hafen war nämlich Musik zu hören, die mich reichlich neugierig machte… meinen Herrn leider jedoch weniger bis gar nicht, seine Wachbucheintragmotivation war einfach zu groß.

Mist, er lief daher stur weiter zum Schreibtisch mit dem Wachbuch der Krieger, was mich dazu verleitete neben ihm kniend zu murmeln: „Dein Herr Vater hätte jetzt bestimmt gesagt: „Scheiße Junge… erst die Arbeit, dann das Vergnügen!“… oder mein Herr?“ Ohje, sein Blick zu mir herunter ließ es mir ganz kalt über den Rücken laufen und nach seinen Worten: "Kajira, es steht dir weder zu, so einfach über meinen Vater zu urteilen, noch mich bei einer wichtigen Eintragung im Wachbuch zu stören... das Wachbuch geht natürlich vor Taverne!" veranlassten mich selbstverständlich zu einer hastigen Entschuldigung. Danach hüllte ich mich lieber in Schweigen und konzentrierte mich auf die Betrachtung seiner Beine, um nicht erneut auf dumme Gedanken zu kommen.


Tja, leider passierte mir dabei jedoch ein peinliches Missgeschick. Während ich mich hochmotoviert ganz gewaltig auf mein Schweigen und die Musterung besagter Kriegerbeine konzentrierte, muss mir komplett entgangen sein, dass ich mir unbewusst eine meiner vorwitzig aus dem Zopf herausschauenden Haarlocken um den Finger gewickelt hatte. Blöderweise bemerkte ich mein Tun zu spät, nämlich leider erst, als meine Haare so fest um den Finger getüdelt waren, dass ich ihn nicht mehr herausbekam. Der Umstand, dass genau in diesem Moment auch noch der Mentor meines Herrn und Dark das Kriegerhaus betraten, löste mein Problem leider auch nicht. Mein Finger war inzwischen nämlich noch fester eingeschnürt. Wie gut, dass ich hinter dem Schreibtisch einigermaßen getarnt kniete, sodass bislang niemand meine peinliche Lage bemerkt hatte.

Als dann von Dark und ihrem Herrn sehr eindeutige Geräusche aus dem Fell hinter dem Vorhang zu hören waren, blieb mir jedoch nichts anderes mehr übrig, als meinen Herrn mit möglichst unschuldigem Augenaufschlag flüsternd um ein Messer zu bitten. Da ich nicht vorhatte, mit einem in den Haaren verhedderten Finger quer durch die Stadt zurück nach Hause zu laufen, wollte ich meine missliche Lage jetzt beenden, für die ich übrigens nicht wirklich etwas konnte, weil sie im Prinzip eigentlich von ganz alleine entstanden war. Mein Herr sah das anscheinend anders. Während er es tatsächlich schaffte, meinen Finger ohne Haareschneiden zu enttüdeln, gab er nämlich recht unwirsch von sich: „Und sowas Dummes ist mein Eigentum!“ und verpasste mir zur Motivationsverstärkung noch eine Kopfnuss, damit ich zukünftig keine Locken mehr um Finger zwirbel… mal sehen, ob‘s klappt. ;-)

Montag, 17. November 2014

Wieder zu Hause in Jorts

Nach einer durch die ungewohnte, fremde Umgebung etwas unruhigen Nacht in den Fellen der Taverne von Argentum, entschloss sich mein Herr am nächsten Morgen zum zeitigen Aufbrechen, um möglichst bald wieder zurück in Jorts zu sein, denn zu Hause ist es bekanntlich ja immer am Schönsten. Wir drehten daher auf seinem schnell herbei gepfiffenen Tarn nur noch eine letzte Abschiedsrunde über der um diese frühe Ahn noch schlafenden Stadt. Dann ging es unter dem verblassenden Licht der drei Monde den ersten Strahlen des hinter den Bergen aufgehenden Zentralgestirns entgegen und in nordöstlicher Richtung davon. 


Diesmal folgte mein Herr jedoch nicht dem Lauf des Iasus bis zum Vosk und legte leider auch keinen Zwischenstopp auf der kleinen Voskinsel ein, wo wir auf dem Hinweg übernachtet hatten, sondern flog auf direktem Weg direkt nach Hause. Er notierte seine wohlbehaltene Rückkehr und was er in Erfahrung gebracht hatte selbstverständlich sogleich im Wachbuch der Krieger und stattete dem Hauptmann anschließend darüber mündlichen Bericht ab. Zumindest glaube ich, dass er beides in welcher Reihenfolge auch immer tat, denn mir blieb leider nichts anderes übrig, als mich erst einmal um die Reinigung des Tarnturms zu kümmern, da ich an diesem Tag dort zum Dienst eingeteilt worden war. 

Danach war natürlich noch meine eigene Säuberung im Bach angesagt, bevor ich mit frischer Tunika bekleidet schließlich zurück in die Stadt lief, um nach meinem Eigentümer Ausschau zu halten. Ich traf ihn auf der Gasthausterrasse im Gespräch mit seinem Trainingspartner, dem Brauereikrieger, der ihm vorher bei einem zusätzlichen Waffentraining anscheinend überdeutlich gezeigt hatte, wie chancenlos er gegen ihn war. Aber dieser Rarius war ja auch einer der kampfstärksten oder wahrscheinlich sogar der beste Krieger von Jorts, auf den ich aus diesem Grunde auch seinerzeit bei einem Turnier gewettet hatte. Trotzdem fand ich es sehr verständlich, dass mein Herr ein wenig deprimiert war. Nachdem der Brauereikrieger seine Wache antreten musste, forderte inzwischen wohl auch der lange Rückflug von Argentum seinen Tribut, sodass es meinen Herrn schließlich nach Hause zog.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass er dort angekommen zwar leise, aber zufrieden "trautes Heim..." gemurmelt hat und seine Waffen abnahm, um sie wie immer an den Waffenständer zu hängen, während ich wie immer als erstes schnell meine Tunika auszog. Doch mein Herr war an diesem Abend offensichtlich wirklich ziemlich groggy und verzichtete sogar auf den üblichen Zuhausepaga, um gleich nach oben in seine Felle zu gehen. Während ich mich beeilte, ihm beim Entkleiden zu helfen, musterte er übrigens die große Karte an der Wand und zeigte mir noch schnell unsere Flugroute von Argentum nach Hause.

Doch nach einem letzten Blick aus dem Fenster hielt ihn dann nichts mehr von seinen weichen Fellen ab. Sogar für das, wonach ihm eigentlich war, war er viel zu müde und zog mich daher einfach nur an meinem Kragen in seine starken Arme. :-)))

Freitag, 14. November 2014

Reise nach Argentum

Ich will ja nicht behaupten, dass mein Herr sich vor dem Waffentraining drückte, denn sowas tut ein Krieger selbstverständlich nicht. Trotzdem tobte er diesmal Mitte der Hand nicht über die Wiese hinter dem Hof und ersparte mir, mal wieder diverse Grasflecken aus seiner Tunika waschen zu müssen. Ich vermute eher, er hatte wohl endlich mal wieder ein Tarntraining nötig und brauchte nach dem Gestank am Hafen vor allem etwas frischen Wind um die Nase. Für beides bot sich natürlich am besten ein Erkundungsflug auf seinem Tarn an. Juhuuu...ich durfte mit!

Obwohl es zu Hause bekanntlich am Schönsten ist, war ich von einer Reise mehr als angetan, denn zurück nach Hause zu kommen ist eigentlich noch schöner. Außerdem sehe ich eben gerne auch mal eine andere Stadt. Ich kam daher eilig dem Befehl meines Herrn nach und packte ein bisschen Reisproviant ein und was man sonst noch so für 3 bis 5 Tage braucht, während mein Herr den Händler aufsuchte, um ihm als Ratsmitglied über seine Reiseabsichten und vor allem den Grund dafür zu informieren, denn sein Kastenerster oder ein anderes Ratsmitglied war anscheinend nicht verfügbar.


Nachdem er selbstverständlich auch im Wachbuch der Krieger noch den strategischen Zweck seiner diplomatischen Kundschafterreise hinterlegt hatte, flogen wir schließlich am frühen Abend noch los. Und als die Strahlen des Zentralgestirns schließlich immer länger wurden, stellte ich mit großer Freude fest, wo wir mittlerweile waren und wo mein Herr anscheinend übernachten wollte. Tatsächlich ließ er Carolus auf dieser hübschen unbewohnten Insel landen, die er vor einiger Zeit entdeckt hatte. Es war wirklich ein wunderschöner, sehr milder Abend dort vor der kleinen Hütte, an dem mein Herr sich lange mit mir über alles Mögliche unterhielt, was ihm zurzeit so durch den Kopf geht. Erneut zeigte sich, wie sehr er es mag, wenn sein Eigentum eine Meinung hat, auch wenn sämtliche Entscheidungen letztendlich natürlich immer bei ihm liegen. 


Eine seiner Entscheidungen war leider auch, an diesem schönen Abend rechtzeitig schlafen zu gehen, weil er am nächsten Morgen sehr früh in die Provinz von Argentum weiterfliegen wollte. So kam es, dass wir am folgenden Tag bereits im Dunklen wieder in der Luft waren. Ich wahrscheinlich mit Ringen unter den Augen, denn mir kam es eigentlich wie mitten in der Nacht vor, aber im Gegensatz zu meinem Herrn zähle ich auch wirklich nicht zu den Frühaufstehern. 

Daher war es nicht weiter verwunderlich, dass ich von der unter uns liegenden Landschaft kaum etwas mitbekam und ich muss eingestehen, dass in Anbetracht dieser frühen Ahn das Bestaunen von Feldern, Wäldern und Dörfern von oben ziemlich unwichtig für mich war. Mir war logischerweise viel mehr danach, mich noch etwas enger an meinen Herrn anzuschmiegen, meinen Kopf gegen seinen Rücken zu legen, seine Nähe zu genießen und ein wenig meine Augen zu schonen.


Geschlafen habe ich natürlich nicht, denn sonst hätte ich bestimmt verpasst, als es anfing  zu dämmern und mein Herr seinen Tarn schließlich tiefer und tiefer lenkte, nachdem eine größere, auf einem Berg gelegene Ansiedlung von Häusern rund um eine große Kathedrale im morgendlichen Dunst aufgetaucht war. Wir überflogen noch einige Male im Tiefflug die Dächer des zum großen Teil oberhalb der schroffen Felsen liegenden Ortes, bis mein Herr Carolus schließlich auf einer größeren Wiese landen ließ und wir aus dem Sattel stiegen. 

Unsere Ankunft war offensichtlich nicht unbemerkt geblieben, denn es dauerte nur wenige Ehn, bis auch schon zwei Krieger auftauchen. Besonders der Kommandant von Argentum war sehr freundlich und begrüßte meinen Herrn sichtlich beeindruckt von seinem großen Tarn mit den Worten „immer wieder faszinierend, die Herrscher der Lüfte“.


Selbstverständlich schickte mein Herr Carolus mit einem eindeutigen Pfiff aus seiner Tarnpfeiffe sogleich wieder weg, damit niemand von dem großen Raubvogel gefährdet wurde, denn wir waren ja in friedlicher Absicht gekommen. „Lasst uns in die Taverne gehen. Dort können wir uns etwas zu trinken genehmigen… vielleicht auch ein paar Kajirae… und in Ruhe über das Ansinnen von Jorts Fähre reden“, war nach einer kleinen Vorstellungsrunde nun die freundliche Einladung des Kommandanten, die mein Herr sehr gerne annahm, mir mangels einheimischer Sklavinnen jedoch einiges an Arbeit bescherte. 


Aber ok, irgendwie sind sich alle Tavernenküchen recht ähnlich, sodass ich die Herren nach einiger Sucherei und Herumklappern in der mir fremden Umgebung schließlich mit Paga, Kalana und… hört, hört… sogar einem Blackwine versorgen konnte.

Auch wenn ich nicht allzu viel davon mitbekam, kann ich wohl sagen, dass es ein sehr freundschaftliches Gespräch zwischen meinem Herrn und dem Kommandanten war, aus dem sich der andere Krieger übrigens fast komplett heraus hielt, da er nicht dem Heimstein von Argentum angehört, sondern aus Tor ist. 

Besonders interessant war bestimmt, dass Jorts und Argentum mit Belnend einen gemeinsamen Bündnispartner haben.

Während ich immer wieder vom Scheppern und Klirren nebenan in der Tavernenküche abgelenkt war… wie gut, dass die Herren von mir bereits mit Getränken versorgt worden waren und nicht auf die Dienste dieser nebenan herumpolternden, offensichtlich sehr tolpatschigen Kajira warten mussten… wurde zuletzt sogar von gemeinsamen Waffentrainings gesprochen.


Doch schließlich forderte das frühe Aufstehen seinen Tribut, sodass mein Herr sich nach einem Gästezimmer erkundigte und sich recht früh mit mir zurückzog, wogegen ich natürlich überhaupt nichts einzuwenden hatte. :-))

Mittwoch, 12. November 2014

Urtplage

Nachdem sich das herauspinzettierte Ding aus der Wunde meines Herrn letztendlich als Nicht-Trophäe und langweiliger Holzsplitter herausgestellt hatte, war die Verletzung noch einmal ausgiebig desinfiziert und zusätzlich noch mit einer heilenden, desinfizierenden Salbe versorgt worden. Beim Anlegen des Verbands zeigte mir die nette Ärztin dann noch worauf es ankam und schließlich durfte mein so gut wie neuer, trotzdem aber leicht humpelnder Held die Krankenstation verlassen, um den nächsten Patienten hinein zu bitten, während ich noch einen kleinen Tiegel einer Salbe zur weiteren Behandlung meines Herrn abgefüllt bekam. Oha, vor der Tür warteten inzwischen sogar zwei Patienten… wobei nur der Krieger ein weiterer, leicht angekratzter der Sleenjagd war, genau wie mein Herr.


Bei dem anderen Herrn handelte es sich nämlich nicht um einen Patienten, sondern um den Schmied, der über eine Urtplage am Hafen berichten wollte. Einer der Krieger hatte dort leider ein Fass aufgestellt, in dem alle Fleischabfälle gesammelt werden sollen, weil er damit die Thalarions füttern will. Kein Wunder eigentlich, dass es aus diesem Ekelfass inzwischen ganz gewaltig stinkt und jede Menge Viecher mit kahlen Schwänzen angelockt worden sind. Während ein paar Kajirae am Vortag anscheinend kreischend davon gelaufen waren und der Händler sich lieber auf einer Mauer in Sicherheit gebracht hatte, hatte der beherzte Schmied wohl etliche dieser Biester bereits tot geschlagen, sah es jedoch als zwingend erforderlich an, das Fass woanders zu lagern, um dieser Plage Herr zu werden. Doch ist es nicht sein Fass und eine solche Fassverlagerung muss daher natürlich mit dem Verantwortlichen für die Thalarionstaffel besprochen werden.

Während ich nebenbei darüber nachdachte, dass ich meine grünkastigen Erlebnisse nicht verallgemeinern darf… es scheint ja offensichtlich doch noch andere, überhaupt nicht wichtigtuerische, dafür aber erheblich nettere Angehörige dieser Kaste zu geben, als die Ärztin, mit der mein Herr vor einiger Zeit mal zusammengeraten war und genau die tauchte nun plötzlich auf. Ohje, eiligst verdrückte ich mich hinter meinen Herrn, kniete beim Grüßen dieser Freien aber weiter im Nadu, weil er es nun mal so wünscht. Außerdem trug ich trotz fehlendem Stoffstreifen, den ich doch im Wald für die Erstversorgung der Wunde abgerissen hatte, immer noch eine recht lange Tunika, sodass eigentlich nichts zu sehen war, woran die zickige Grüne Anstoß nehmen konnte. 


Aber erstens war diesmal Liebling wieder dabei… ähmm… ihr Gefährte wollte ich natürlich sagen, dem offensichtlich das Hauptaugenmerk der Herrin galt und zweitens schien es der Gnädigsten nicht allzu gut zu gehen, denn sie krümmte sich andauernd zusammen und erweckte damit bei mir den Eindruck, dass sie wahrscheinlich unter Bauchkrämpfen litt, wollte aber trotzdem anscheinend den Händler sprechen. Meinem Herrn war das offensichtlich sehr Recht, denn er verabschiedete sich alsbald von dieser Ärztin und ihrem Liebling, da immer noch die Reinigung der blutverschmierten Klinge seines Schwertes ausstand und natürlich sein abendlicher Zuhausepaga. Doch diesmal trank er von seinem Lieblingsgetränk nur einen eher knappen Schluck, bevor er ein sauberes Tuch mit dem Paga tränkte und das verkrustete Sleenblut von seiner Schwertklinge abrieb. 

Mein Kommentar „nur das Beste für den Herrn und sein Schwert“ schien ihm zu gefallen, denn er zwinkerte mich anerkennend an, dass so nur die Kajira eines Kriegers spricht und gab grinsend eine weitere Weisheit seines Vaters von sich: „Scheiße Junge! Paga ist gut für dich, der ist auch gut für deinen Stahl!“ Natürlich sprachen wir noch über die Jagd und ich gestand ein, dass ich noch viel lernen muss und wie viel Angst ich gehabt hatte, vor allem um ihn. Meine Zähne hatten nämlich verdächtig laut geklappert... allerdings nicht vor Kälte, während ich hinter einem Baum versteckt die Sleens beobachtet hatte, die den Kriegern immer wieder gefährlich nahe kamen. Wobei ich mir sicher war, wenn mein Herr in Gefahr geraten wäre, wäre meine Angst in einem solchen Notfall sicher schlagartig verpufft und ich hätte ihn mit dem Stein in meiner Hand gegen die Viecher verteidigt. Seine Worte „du hast das Zeug zur Kriegerkajira, sonst hätte ich dich nicht gekauft“, ließen mich zu vorgerückter Ahn jedenfalls sehr glücklich einschlafen.

Am nächsten Tag verließ ich wie fast immer erst etwas später als mein Herr sein Haus. Ich traf ihn auf dem Marktplatz im Gespräch mit den 1 ½ Ärztinnen. Worüber er sich mit ihnen unterhalten hatte, erfuhr ich jedoch nicht mehr, weil sich plötzlich die Ereignisse überstürzten. Schade eigentlich, denn die Ärztin hatte gerade einen weiteren Pluspunkt auf meiner geheimen Liste errungen, nachdem sie sich sehr positiv über mein Benehmen am Vortag geäußert hatte… wobei mein Herr mit dem Hinweis, sie kenne mein Mundwerk nicht, leider gleich abwinkte. Aber egal, das war alles auf einmal total unwichtig, als plötzlich laute Rufe „Feuer, Feuer!“ vom Hafen herüber schallten, sodass ich mich beeilte, mir schnell einen Eimer zu holen, mit dem ich dann zum Kai sauste.


Tja, erwähnte ich eigentlich schon, dass es ein Schlauberger gewesen sein muss, der den Befehl gegeben hatte, rohe Fleischabfälle in einem Fass am Hafen zu lagern und damit massenhaft Urts angelockt hatte? Diese Plage wollte besagter Herr nun anscheinend mit Feuer bekämpfen und war damit so erfolgreich, dass er außer den Urts gleich den ganzen Hafen bekämpfte… es brannten nämlich etliche dicke Planken am Kai. Zum Glück wurde niemand verletzt und es waren so viele Einwohner sofort zur Stelle, dass die Flammen bald gelöscht waren und somit verhindert werden konnte, dass sie auf die umliegenden Gebäude übergriffen. Einzig die Planken waren teilweise sehr stark verkohlt und einsturzgefährdet, sodass der Händler vermutlich seine nächste Zaunkrise erleiden wird. Denn um die Gefahrstelle erst einmal abzusichern, bis die verkohlten Planken erneuert sind, schrebergärtnert es jetzt auch noch am Hafen.


Wegen dem ganzen Tohuwabohu am Hafen, der Plankenanzünder war inzwischen nämlich ins Hafenbecken gefallen, bekam außer meinem Herrn und dem Sattler wahrscheinlich niemand mit, dass sich hinter einem der Stände am Hafen eine Waldfrau zu schaffen machte und das allgemeine Chaos anscheinend zu ihrem Vorteil ausnutzen wollte. Ich sah es ehrlich gesagt auch nur halb, denn meine Aufmerksamkeit war von dem Schauspiel des unfreiwillig im Hafenbecken badenden Kriegers und seinem Gezeter, er könne nicht schwimmen, ziemlich gefesselt. Auch wenn mir dieser Herr in seiner leicht überschäumenden Wut schon mehrfach schlimmste Strafen angedroht hatte, lag es mir selbstverständlich fern, schadenfroh zu sein. Dennoch hatte es was, als der Schmied ihn schließlich triefend nass wie eine begossene Gianni an den Haaren aus dem Wasser wieder herauszog. Dadurch war mir allerdings komplett entgangen, dass die Waldfrau anscheinend abhauen wollte und von meinem Herrn gefangen und in der Kriegerkaserne eingesperrt worden war.  

Leicht irritiert hielt ich überall nach meinem Eigentümer Ausschau und suchte die gesamte Unterstadt nach ihm ab, bis ich schließlich vom Sattler und einem anderen Krieger erfuhr, wo er war und dass ich mich dort bei ihm einfinden sollte. Das Verhör der verstockten Gefangenen, die es mit der Wahrheit anscheinend nicht allzu genau nahm, gestaltete sich nämlich leider äußerst zäh und schwierig. Doch mein Herr und der Sattler schienen alles gut im Griff zu haben… glaubte ich jedenfalls. Aber ok, kurz darauf zeigte sich, wie doof ich bin und wie viel ich noch lernen muss, nachdem der rotkastige Experte in Sachen Urt- und Plankenverbrennung in der Kaserne aufgetaucht war. Er empörte sich darüber, dass mein Herr eine gänzlich falsche Verhörmethode anwandte und dies auch noch mit Hilfe eines Herrn, der nicht nur nicht der Kriegerkaste angehört, sondern sogar von niederer Kaste ist. 


Das Zuschlagen der Tür hinter dem ohne weitere Worte wütend hinausstapfenden Lederarbeiter sagte zumindest mir jedenfalls mehr, als es viele Worte hätten tun können. Was kann ein Handwerker aber auch einem rotkastigen Verhörexperten entgegen setzen, der nach dem Desaster am Hafen, bei dem er gerade erst den Schmied abgekanzelt hatte, offensichtlich immer noch hochnäsig und arrogant auf jeden Angehörigen einer niederen Kaste herabsah? Dennoch war ich dem Wichtigtuer eigentlich sogar dankbar, denn mein Herr verzichtete ebenfalls auf die wahrscheinlich überflüssige Diskussion mit diesem Experten, der zuvor noch öffentlich von sich gegeben hatte, dass sein Hauptmann nicht alles wissen muss. Auch wenn ich nur eine Kajira bin… oder vielleicht gerade weil ich eine bin, sträuben sich mir bei diesem Herrn immer wieder meine Nackenhaare auf eine sehr alarmierende Art. 

Trotzdem war ich natürlich mehr als froh, dass mein Herr auf das weitere Verhör der verstockten Waldfrau verzichtete und ebenfalls die Kaserne verließ. Ihm war statt Kriegerzoff offensichtlich wichtiger, sich vor dem Einschlafen lieber noch ein wenig mit seiner Kajira zu unterhalten. :-)))

Dienstag, 11. November 2014

Sleenjagd

Mein Herr war noch auf Wachdienst und ich hatte bereits alle wichtigen Hausarbeiten fertig, sodass ich mich zum Einkaufen aufmachte, um ein paar Lebensmittelvorräte zu ergänzen. Beim Überqueren des Marktplatzes traf ich auf zwei Krieger, die ich anscheinend aber wohl bei einer wichtigen Unterhaltung unterbrochen hatte, die vielleicht nicht für meine Ohren bestimmt war. Sie hüllten sich bei meinem Gruß nämlich schlagartig in Schweigen. Da ich selbstverständlich nicht weiter stören wollte… wobei einer der Krieger ziemlich erstaunt war, als ich dies von mir gab… die beiden Herren aber natürlich auch nicht mit meinem Auftauchen gerechnet hatten, machte ich mich eiligst Richtung Hof wieder aus dem Staub. Leider traf ich dort jedoch niemanden an, sodass ich darüber leise vor mich hin grummelnd den Hügel zum Haus meines Herrn schließlich wieder hinauf lief und fast mit einem Krieger zusammenstieß. 

„Ach da ist sie ja wieder“ gab er von sich, während ich nun erzählte, dass mein Herr nicht zu Hause ist. Doch das wussten die beiden Schlauberger bereits, denn ich erfuhr nun, dass sie ja nicht vor seinem Haus herumstehen, um darauf zu warten, von seiner Kajira aufgeklärt zu werden… aha. Eigentlich fand ich meine Schlussfolgerung sehr logisch, dass an diesem Tag anstatt der Pflastersteine auf dem Markt also Gras platttreten dran ist. Aber ok, bei den Worten „Dinchen, komm mal her“ wurde mir dann sofort klar, dass ich den Bogen überspannt hatte. Doch zum Glück hob der Krieger nur mein Kinn an und musterte mich mit einer fast unheimlichen Ruhe, während er von mir wissen wollte, wo mein Herr ist und wann er wieder da ist… beides Fragen, die ich nun selbstverständlich sehr schnell, überaus höflich und wahrheitsgetreu beantwortete. 


Puhh, das war knapp, aber gerade noch mal gut gegangen. Die beiden Krieger befahlen mir nämlich nur, meinen Herrn darüber zu informieren, dass sie vor der Brauerei auf ihn warten und zogen von dannen. Dementsprechend erleichtert sammelte ich schnell die Werbe-Papierflieger aus dem Dokumentenkasten vorm Haus meines Herrn, um sie drinnen ins Feuer zu werfen. Tja, die Krieger hatten aber doch Pech gehabt oder einfach nicht laut genug geklopft? Mein Herr war nämlich bereits zu Hause! Ich hatte ihn anscheinend nur knapp verpasst, als ich zum Hof gelaufen war und konnte mich diesmal auch gleich wieder anziehen, denn meinen Herrn zog es nach meinem Bericht natürlich sofort Richtung Brauerei, um zu erfahren, was die Krieger von ihm wollten. Ich will ja nicht behaupten, dass sich die beiden Rarii dort Mut antranken… aber ich bin mir sicher, dass es kein Kamillentee war, den sie gerade in sich hineingossen. 


Nein, es muss wohl Zielwasser gewesen sein, denn sie wollten mit meinem Herrn auf die Sleenjagd… und ich durfte auch mit! Was für ein Abenteuer… so tief im Wald war ich noch nie gewesen. Wobei ich eingestehen muss, dass mein Herzklopfen bestimmt einen Zacken zugelegt hatte, weil ich nämlich hinter jedem Busch und Baum eins der fiesen sechsbeinigen Viecher vermutete. Doch erst an der Waldhütte sahen die Krieger eins von den Biestern. Während ich mich mit vor Angst klappernden Zähnen versuchte hinter einem Baum unsichtbar zu machen, zogen die Herren ihre Bögen vom Rücken oder das Schwert und stürmten auf das Viech los. 


Ich glaube, ich vergaß zwischendurch vor Spannung wahrscheinlich sogar zu atmen, denn plötzlich waren überall Sleens… kleine, große, dicke und dünne, aber alle mit mindestens sechs oder sogar mehr Beinen und zwei Reihen gefährlich aussehender Reißzähne in ihren riesigen Mäulern. Im Rudel griffen sie die Krieger an, während ich hinter meinem Baum auf dem Sprung war, um notfalls schnell wegzulaufen, so wie mein Herr es mir befohlen hatte. Wobei mir das Weglaufen nicht so ganz in den Kram gepasst hätte, da ich ihn doch dann nicht mehr bewachen konnte. Ich hatte inzwischen nämlich einen dicken Stein aufgesammelt, den ich im Notfall mit lautem Gebrüll auf eines der Sleenmonster geschleudert hätte, um meinen Herrn zu retten.


Doch bis auf ein paar Blessuren ging alles gut… die gefährlichen Raubtiere waren irgendwann getötet oder vertrieben und ihre Höhle ausgeräuchert. Leider hatte mein Herr eine stark blutenden Wunde am Bein erlitten, mit der er lieber bei einer der beiden Ärztinnen vorstellig werden wollte, damit sich nichts entzündete. Wie gut, dass meine Tunika nach meinem Geschmack eh zu lang war, denn für einen schnellen Notverband riss ich kurzerhand einfach einen Streifen davon ab und wurde dafür später sogar von der Ärztin gelobt, die für eine Herrin grüner Kaste übrigens erstaunlich nett war und kein bisschen der wichtigtuerischen Aushilfsärztin ähnelt. Wobei ich ihre Desinfektionsmaßnahmen nicht so ganz verstanden habe, denn was nützen sterile Finger, wenn die Azubine vor lauter Nervosität erst alle möglichen Sachen auf den Boden wirft und danach dann mit einer nicht desinfizierten Pinzette in der Wunde herumpinzettet wird, um einen Splitter herauszuziehen?


Aber ich bin natürlich auch keine Ärztin. Und außerdem war hinterher das Desinfizieren der Wunde bestimmt oberperfekt und vor allem schmerzhaft gründlich, so gepresst wie mein Herr dabei plötzlich sprach.^^