Dienstag, 29. Dezember 2015

Spuren in Bodenbrettern

Die Gefährtin meines Herrn hatte in der Krankenstation irgendetwas zu arbeiten, bei dem ich ihr nicht behilflich sein konnte und mein Herr holte noch Schlaf von der Nachtwache nach, sodass ich mich leise aus dem Haus schlich. Ich wollte mich um frisches Brot kümmern, denn mein Herr sollte selbstverständlich nicht auf einem trockenen Knust herumkauen… damit wäre Ärger sicherlich vorprogrammiert, den ich tunlichst vermeiden wollte. Bei meiner Rückkehr kam er mir allerdings schon entgegen…dabei hatte ich auf meinem Weg in die Unterstadt und zurück wirklich nicht getrödelt und auch der Kajirus der Sklavenhändlerin, den ich von weitem noch gesehen hatte, war mir entwischt und damit kein kurzer Plausch mit ihm möglich gewesen. Naja, vermutlich musste er sich genau wie ich sputen, um alle seine Aufgaben schnell zu erledigen.

Da mein Herr inzwischen seinen Allerwertesten kratzte… übrigens immer ein ziemlich sicheres Zeichen, dass seine Geduld nicht ewig währt… beeilte ich mich das Brot im Brotkasten zu verstauen, damit es schön frisch blieb und schnell noch ein paar Scheite Holz im Küchenofen nachzulegen, damit es schön warm war zuhause, denn die Außentemperaturen waren immer noch recht kühl. Wie vermutet wartete mein Herr tatsächlich nur darauf, dass ich wieder heraus kam, denn er wollte mich an diesem Tag auf seinen Rundgang mitnehmen, der zu meiner Freude auf der Stadtmauer begann. Ich mag einfach den schönen Blick, den man von dort über die Stadt hat. Seinen ersten Stopp legte mein Herr jedoch ausgerechnet an einer Stelle ein, an der ich überall in den Bodenbrettern Fußspuren eines ganz bestimmten Kriegers sah und fast glaubte, seinen männlichen Geruch in der Nase zu haben.

Ich bin mir nicht sicher, glaube aber, mein Herr ahnte, was in mir vorging, denn er wollte nun von mir wissen: „Dita, du gehörst wem?“ Meine Antwort war natürlich klar und dafür brauchte ich auch nicht nachschauen, welcher Name auf meinem Kragen steht. Doch nach der Beantwortung seiner Frage bat ich ihn mit heftig klopfendem Herzen leise, ob wir nicht weitergehen können. Ich kann gar nicht sagen, wie dankbar ich ihm war, als er das tatsächlich tat und auf Höhe des großen Stadttors erst wieder anhielt. „Besser hier kleine Kajira? Ist weniger Tarnturm in der Nähe.“ Natürlich wollte er trotzdem den Grund für meine Bitte wissen, worauf ich erst einmal den frischen Wind erwähnte, der an jener für mich sehr erinnerungsträchtigen Stelle tatsächlich um die Ecke pfiff. Schließlich gestand ich ihm dann aber die vermeintlichen Fußspuren von einem Herrn ein, den er sehr gut kennt. Zum Glück ließ er die Sache danach aber auf sich beruhen und setzte seinen Rundgang auf der Stadtmauer fort.


Der Blick über die Stadt war wie immer herrlich, zeigte jedoch kaum einen Bewohner. Mein Herr vermutete deswegen, sämtliche Heimsteinangehörigen brauchen wohl Erholung, um vielleicht die richtige Inspiration für den Einkauf von Geschenken zu erhalten und wollte von mir wissen, ob ich auch etwas geschenkt bekommen möchte. Uff, welch eine Frage! Natürlich freut sich eine Kajira über ein Geschenk, doch da sie ja nichts besitzt, wäre jedes Geschenk ein Geschenk für ihren Eigentümer. Daher ist es toll, dass manche Sachen ihrem Eigentümer nicht passen, wie z.B. die Kleidung, die mein Herr für mich gekauft hat. Auch an diesem Tag auf der Stadtmauer freute er sich übrigens darüber, seinen Nasenring an meiner Nase zu sehen, weil die doch eigentlich seine Nase ist, denn ich gehöre ihm ja. Nach meiner Antwort legte er seine Hand auf eine wunderbar besitzergreifende Art um meinen Hals, um mich an sich heran zu ziehen, bei der meine Knie ganz weich wurden, sodass ich einfach nicht anders konnte, als mich an ihn zu drücken.


Doch ehe ich mich versah, packte mein Herr mich und warf mich über seine Schulter. Anscheinend hatte er von der Stadtmauer aus den Brauereikrieger vor seiner Haustür entdeckt und es nun eilig, mit ihm über die Dienste von Sancari während der Tabukjagd zu sprechen, sodass er mich erst auf dem Marktplatz wieder auf meine Füße stellte… hach, mein Herr ist wirklich stark!

Montag, 28. Dezember 2015

Doch nicht verkauft

Während ich der Gefährtin meines Herrn am nächsten Tag einen Kräutertee zubereitete, erkundigte sie sich, wie ich nach der Jagd und der damit einhergehenden Schufterei geschlafen hatte. Ich gestehe, ganz kurz habe ich überlegt, darüber lieber zu schweigen. Doch da ich immer ehrlich bin, gestand ich dann, wie gerädert ich mich nach dieser Nacht mit viel zu wenig Schlaf fühlte. Ununterbrochen waren meine Gedanken nämlich um die Erlebnisse im Wald und auf dem Hof gekreist. Sie hatten mich vom Einschlafen abgehalten, denn ich hatte leider total versagt und meinen Herrn sicherlich nicht erfreut… konnte als erstes das Joch nicht finden… verlor dann beim Treiben vollkommen die Orientierung… wusste schließlich nicht, wie man die erlegte Beute ausnimmt, häutet und wie auch immer weiter verarbeitet.

Letztendlich war ich mit dem unguten Gedanken eingeschlafen, in den Norden verkauft zu werden, weil ich nun mal nicht die Kajira bin, die mein Herr sich erhofft… deutlicher hätte er mir das kaum zeigen können. Vielleicht kann ich manche Dinge ganz gut und habe damit in der Vergangenheit möglicherweise auch den einen oder anderen Freien erfreut, doch sind das vermutlich alles Eigenschaften an mir, die meinem Herrn nicht so wichtig sind oder sogar ungelegen kommen. Kein Wunder also, dass diese Nacht in dem engen, trotz des zusätzlichen Fells von der Gnädigsten unbequemen Sklavenkäfig nicht gerade erholsam war und ich mir entsprechend leid tat, während ich vergangene Zeiten zurück sehnte. 

Obwohl ich zugebe, dass mir einige nordische Sitten durchaus sehr gefallen, liegt mir der Norden nicht wirklich… er ist einfach zu kalt und es liegt zu viel Schnee. Ich mag jedoch, dass die Männer dort nicht so verklemmt sind und sich ihr Vergnügen nicht von irgendwelchen Weibern nehmen lassen, sich vermutlich auch niemals über nackte Brüste einer Statue echauffieren würden und eine Kajira auf dem Tisch tanzen lassen, wenn ihnen danach ist. Ich mag es natürlich auch, wenn Männer meinen nackten Körper mustern und vor allem, wenn es die Blicke meines Herrn sind, der im Norden übrigens so ganz anders war, als ich ihn bislang kenne. Zuhause in Jorts, beim Servieren des Tees für seine Gefährtin, wurde mir jedoch ebenfalls ganz warm ums Herz.

Allerdings hatte dieses Gefühl nichts mit roter Seide und Sklavenfeuer zu tun, sondern mit dem mitfühlenden Blick der Herrin, der auf mir ruhte. Selbstverständlich interessierte sie sich nicht für Details, was mir an meinem Herrn im Norden so gefallen hatte, strich mir aber ganz sanft über meine Haare und versuchte mich wegen meiner Zweifel nach dem Jagdausflug zu trösten: „Kopf hoch Dita, ich werde nicht zulassen, dass du in den Norden verkauft wirst.“ Dummerweise habe ich vergessen, die Treppe weiter im Auge zu behalten, während ich der Gnädigsten mein Leid klagte, meinem Herrn nicht so gedient zu haben, wie er das von mir erwartete. Deswegen erschrak ich ganz gewaltig, als plötzlich ein undefinierbares Brummen zu hören war… mein Herr hatte seinen durch die Nachtwache fehlenden Schlaf anscheinend gerade beendet. 


Nachdem die Gnädigste aufgesprungen war, um ihrem Gefährten einen Kuss auf die Wange zu hauchen, beeilte ich mich natürlich, ihn schnell so zu begrüßen, wie er es von mir wünscht, wenn wir uns am neuen Tag das erste Mal sehen. Bei seinem „Tal meine Dita“, traute ich jedoch kaum meinen Ohren und konnte gerade noch verhindern, vor Freude die Beine meines Herrn zu umklammern und mich an ihn zu drücken. Schon zum zweiten Mal hatte er das besitzanzeigende Pronomen „meine“ benutzt! Und das nach meinen Unzulänglichkeiten bei der Jagd?! War er vielleicht doch nicht so unzufrieden mit mir, wie ich befürchtete?? Schnell beteuerte ich, wie leid mir mein Unwissen tat und dass ich mir wirklich allergrößte Mühe gegeben hatte, ihn so gut ich eben konnte zufrieden zu stellen.

„Dita, merke dir… wir haben das Tabuk erwischt, auch wenn San mit ihrem Lärm alles Mögliche dagegen unternommen hat. Das nächste Mal kriegt sie tatsächlich ein Joch und zusätzlich noch einen Knebel. Verkaufen werde ich dich nur, wenn ich unzufrieden oder arm bin. Sehe ich etwa unzufrieden oder arm für dich aus, Dita, oder tut dir dein Rücken weh und du hockst in der dunklen Kiste?“ Nein, so sah er wirklich nicht aus, er hatte bei meiner sehr genauen Musterung seines Gesichts auch keine zornige, steile Falte auf seiner Stirn… mein Rücken hatte auch keine erneute Bekanntschaft mit der Kurt gemacht und draußen in die Strafkiste war ich ebenfalls nicht gesperrt worden… ich sollte also nicht verkauft werden, zumindest vorerst nicht.

Oben in einer der Kisten hatte mein Herr inzwischen übrigens ein Joch deponiert, das er aus dem Lager geholt hatte, damit ich in Zukunft nicht wieder so lange suchen muss. Ich bin ja nicht neugierig, dafür allerdings sehr wissbegierig und war natürlich entsprechend erfreut, dieses Joch nun holen zu dürfen. Tja, offensichtlich war meine Wissbegier nur zu groß, denn ich konnte mir nicht verkneifen, dieses ungewöhnliche Gerät auszuprobieren, das so ganz anders aussah, als eines für Lasten. Es bestand merkwürdigerweise aus zwei auseinander- bzw. zusammenklappbaren Teilen, in denen sich Öffnungen für Hals und Handgelenke befanden. Mist… keine Ahnung, wie das passieren konnte, denn eigentlich bin ich technisch nicht ganz unbegabt. Irgendetwas musste sich bei meinem Test verklemmt haben.


Das Joch ging echt nicht wieder auseinander, leider steckten blöderweise aber mein Hals und meine Hände darin. Ich kam einfach nicht frei und musste peinlicherweise so wie ich war nach unten, um meinen Herrn um Hilfe zu bitten. Wobei ich eingestehe, dicht vor ihm kniend, hilflos im Joch steckend zu spüren, wie seine Hand spielerisch meine Haare kraulte, während er seinen Stiefel langsam immer weiter zwischen meine gespreizten Schenkel schob, machte die Frage nach dem Schlüssel schlagartig total unwichtig. Stattdessen begann mein Sklavenherz ganz wild zu klopfen und es gab nur noch meinen Herrn und mich… seine Gefährtin hatte sich irgendwie in Luft augelöst. Voller Vertrauen zu ihm, wurde mir in diesem Moment erneut sehr bewusst, dass er mit mir tun kann, was ihm beliebt… er ist mein Herr und ich nur seine Sklavin.

Schade eigentlich, ausgerechnet jetzt klopfte es an der Haustür. Mein Herr nahm mir das Joch ab und rief gleichzeitig, die Tür sei offen… komischerweise war nun auch die Gnädigste plötzlich wieder im Raum. Die gemurmelte und daher kaum zu verstehende Bemerkung des mich genauer musternden Besuchers „hatte die schon immer so hübsche Titten?“ gefiel mir übrigens und veranlasste mich selbstverständlich umgehend, meinen Rücken noch etwas mehr durchzudrücken, um das Eigentum meines Herrn besonders vorteilhaft zu präsentieren... momentan will er mich wohl doch nicht verkaufen! ;-))

Freitag, 25. Dezember 2015

Die Tabukjagd (2)

Ich erwähnte ja bereits, dass Sancari tränenüberströmt dem Tabuk schließlich die Kehle durchschnitt. Total in Anspruch genommen von meinem Ringkampf mit dem verletzten Tier, hatte ich das jedoch nur am Rande registriert. Erst als die letzten Zuckungen des Tabuks vorbei waren und ich mich erleichtert zur Seite auf den weichen Waldboden rollte, um wieder zu Atem zu kommen, wurde mir bewusst, wie apathisch San mit blutüberströmten Händen neben mir kniete und anscheinend nicht in der Lage war, sich zu rühren. Stattdessen stammelte sie wie in Trance: „Es hat mich… angeschaut… ich… ich… ich habe… getötet!“

Offensichtlich sehr zufrieden darüber, ein so großes Tier erlegt zu haben, ging mein Herr darauf nicht ein und befahl uns stattdessen: „Macht euch an die Arbeit, das Fleisch kommt nicht von allein auf den Teller!“ San rührte sich jedoch immer noch nicht, sondern schlug mit zitternder Stimme vor, man solle zukünftig öfter fleischlos essen, damit keine Tiere mehr sterben müssen… eine Erkenntnis, die mein Herr als Unsinn abtat… Fleisch hält Krieger stark und fällt nun mal nicht vom Himmel. Er zeigte mir dann die Richtung an, in der die Hütte lag, damit ich unser Gepäck holen konnte. Ich war nämlich immer noch komplett orientierungslos. Erstaunlicherweise fand ich die Hütte tatsächlich und habe mich auch nicht auf dem Rückweg verlaufen.

Sancari hatte sich inzwischen einigermaßen wieder berappelt. Mein Herr meckerte zwar herum, dass das alles viel zu lange dauerte, doch davon ließ ich mich nicht beirren und band die Füße des Tabuks mit Seilen an den mitgebrachten dicken Stock, um es zum Hof zu transportieren, denn mein Herr hatte in der Zwischenzeit keinerlei Anstalten gemacht, es auszunehmen. „Dita, was soll das Tabuk am Hof? Ich will es bei der Vertragsverlängerung essen und sehe hier zwei Kajirae!“ Oh je, die einzigen Viecher die ich jemals von Innereien befreit und gerupft hatte, waren Vulos gewesen… mit einem Tier dieser Größenordnung hatte ich mich noch nie befassen müssen und San genauso wenig. 

Meine früheren Herren hatten ihre Beute immer selbst zerlegt oder Fleisch gekauft und auch für meine ehemalige Herrin musste ich eine solche Arbeit nie verrichten. Der einzige Jagdausflug, an dem sie beinahe teilgenommen hätte, war nämlich ausgefallen. „Dann lernt ihr es“, gab mein Herr nicht gerade erfreut über unsere Hinweise von sich und machte mir damit erneut klar, eine Kajira lernt nie aus. Allerdings lag ich mit meiner Annahme komplett daneben, er würde es uns jetzt zeigen. Stattdessen erhielten wir die Anweisung, das Tabuk zum Hof zu schaffen… na also, hatte ich doch sowieso vorgeschlagen. 

Mist, inzwischen drängte leider die Ahn seiner nächsten Nachtwache, sodass er nach einer weiteren Drohung „wehe, das Tabuk ist nicht fertig bearbeitet morgen“ davon eilte, nachdem wir schließlich leicht schnaufend die Wiese hinter dem Hof erreicht hatten. Args… und wenn auf dem Hof niemand war? Doch wir hatten Glück, Hadi öffnete und wusste auch, was mit dem erlegten Tier zu tun war, während ich San nun darum beneidete, eine Brauereikajira zu sein und einen Herrn zu haben, der sein Fleisch gebraten bevorzugt oder neben sich im Fell. Den Ansprüchen meines Herrn fühlte ich mich nämlich erneut nicht gewachsen, ahnte aber auch nicht, was noch auf mich zukommen würde, nachdem wir das Viech schließlich am Bach zum Ausbluten neben dem dort hängenden Haustarsk aufgehängt hatten. 

San riefen inzwischen die Brauereikessel, sodass ich mich nun alleine den Fragen der beiden Hofkajirae stellen musste… welchen Vorteil ihr Herr von der Verarbeitung des Tiers haben würde, was mit dem Fell passieren soll, ob das Tabuk zerteilt oder als Ganzes ein Braten werden soll und, und, und. Die Gnädigste war mir dabei eigentlich keine Hilfe, denn außer „nun macht zu mit dem Tabuk und jammer nicht herum Dita, du wirst schon nicht sterben… das Tabuk ist für ein kleines Essen geplant zum Anlass unserer Vertragsverlängerung“, kam nicht viel von ihr… Entscheidungen ihres Gefährten wollte sie nicht vorgreifen: „Da das Viech bis morgen hängen muss, kann dein Herr darüber entscheiden.“ 


Na toll, ihr Gespräch mit dem Ersten Schwert, wie kühl es unter den Roben einer Freien ist, war anscheinend wichtiger, als sich über das Zerlegen eines Bratens anlässlich IHRER Gefährtenvertragsverlängerung Gedanken zu machen. Die drohenden Worte meines Herrn noch im Ohr, mich in den Norden zu verkaufen, machte sich nach und nach immer mehr Verzweiflung in mir breit, denn ich würde natürlich wieder an allem Schuld haben, was ihm nicht passte. Hinzu kam noch dieser immer ekeliger werdende Geruch des Blutes, das in Unmengen aus dem toten Viech neben uns heraus lief und meine Knie schließlich merkwürdig weich werden ließ, während mir immer klarer wurde, dass meine Tage als Hauptmannkajira gezählt waren. 

Fix und fertig, dreckig, verschwitzt und mit Blut besudelt wie ich war, sah ich mich letztendlich auch nicht in der Lage, etwas dagegen anzumerken, dass die Gefährtin meines Herrn gerade das Tabukfell weg gab, denn inzwischen stieg mein Mageninhalt langsam aber stetig höher und hatte bereits einen kritischen Pegelstand erreicht. Die Krönung kam jedoch erst noch und zwar in Form eines von Eo angebotenen Kuchenstücks, bei dem ich nun kurz davor war tatsächlich zu würgen, obwohl ich mir eine solche Leckerei normalerweise nicht entgehen lasse. Ich beeilte mich zwar schnell, dankend abzulehnen, doch leider nahm die Gnädigste mit einem erstaunten „ach?“ für mich an.


Mist, mit dem Kuchenstück in der Hand mir blieb nur, Eo kläglich lächelnd dafür zu danken und mich gleichzeitig auf die Beherrschung meines Mageninhalts zu konzentrieren. Anstatt durch die Nase atmete ich jetzt konzentriert durch den Mund tief ein und stellte mich gleichzeitig umgehend ein Stückchen abseits vom Eimer, in den das ganze Blut des Tabuks lief und mich immer mehr anekelte. Sichtlich verärgert über meine fehlende Begeisterung wollte die Grüne nun auch noch von mir wissen, was mit mir los ist… warum ich maulend abseits herumstehe. Pahhh, ich maulte doch gar nicht, aber vielleicht sah man mir wegen des ganzen Drecks etwa doch nicht an, wie weiß ich vermutlich um die Nase war und wie kurz davor, rückwärts zu essen?! War das möglicherweise meine Rettung gegen den verhassten, nämlich viel zu kalten Norden?

In der Hoffnung, dass meine Schwäche also vielleicht doch nicht aufgefallen war und mein Herr mich deswegen vielleicht doch nicht verkaufen wird, beeilte ich mich, schnell vom Kuchen abzubeißen. Dann schickte mich die sichtlich genervte Gnädigste zum Glück nach Hause... ein Befehl den sie mir nicht zweimal sagen musste. Vor Erleichterung fiel mir ein Stein vom Herzen, dass sie keinen Bedarf mehr an meinen Diensten hatte. Endlich musste ich mich nicht mehr verstellen, sondern konnte mich mit meinem Kummer darüber, total versagt zu haben, endlich im Sklavenkäfig zusammenrollen. Wie sollte ich meinem Herrn am nächsten Tag nur klar machen, dass ich keine Superkajira bin und auch keine Hofkajira!?! Dabei bin ich mir ganz sicher, bei einem Notfall wird mir nicht schlecht und ich falle auch nicht in Ohnmacht… na gut, hinterher vielleicht doch. ;-)

Mittwoch, 23. Dezember 2015

Die Tabukjagd (1)

Mein Herr kündigte nach der Bestrafung von Sancari an, am nächsten Tag mit mir auf die Jagd zu gehen. Da sie in der Brauerei nicht gebraucht wurde, wollte er sie als Lastsklavin für die erlegte Beute mitnehmen. Leider wurde mir nicht klar, wie die Art der Vorbereitung aussehen sollte, die mein Herr von mir für San erwartete. Wenn ich mit meinen früheren Herren auf die Jagd gehen durfte, hatten wir die Vorder- und Hinterläufe der erlegten Beute meist an einen dickeren Stock gebunden, dessen Enden man dann zu zweit auf je einer Schulter tragen konnte. Doch für diesen Ausflug in die umliegenden Wälder von Jorts Fähre wünschte mein Herr, dass ich San in ein Lastjoch einschließe. 

Huch, wo sollte ich solch ein Teil denn finden? Ich vermutete es natürlich in der großen Kiste im Garten meines Herrn, erfuhr nun aber, dass in der nichts außer leere Luft war. Es war nämlich DIE Kiste, über die ich ihn schon früher manchmal mit anderen Freien sprechen gehört hatte… eine unbequeme Erziehungsmaßnahme für strafresistente Sklaven. Bevor er zur Nachtwache loshetzte, gab er mir allerdings noch den Befehl, San darüber aufzuklären, was sie praktischerweise für unseren Jagdausflug anziehen soll. 

Mit der Gefährtin meines Herrn schließlich alleine zuhause, fiel mir plötzlich ein, dass meine alte, unempfindliche Tarnturmreinigungskleidung im Haus meines verschollenen Herrn geblieben war, den ich jetzt Vorbesitzer nennen muss. Wie gut, dass sie mir erneut erlaubte, aus der Truhe mit Sklavenkleidung etwas Pflegeleichtes, Unempfindliches herauszusuchen, in dem ich mich am nächsten Tag rechtzeitig vor unserem Aufbruch meinem Herrn präsentierte. Diese Vorsichtsmaßnahme erschien mir sinnvoll, da ich sein Brummen zuvor nicht ganz hatte deuten können, obwohl er mich zu meiner Freude das erste Mal mit „Tal meine Sklavin“ begrüßt hatte.


Ich glaube, meine Wahl stellte ihn einigermaßen zufrieden, denn sein „na, damit kann man auch gut Scheisse schaufeln… das ist ganz in Ordnung“ war ja quasi ein Lob und auch seine Gefährtin war angetan von meinen Überlegungen hinsichtlich der Unempfindlichkeit gegen Blutspuren und Tarnung. Ein Stück nackte Haut gefiel meinem Herrn offensichtlich besonders gut oder zumindest seinem Finger, der in meinen unter dem ziemlich weiten Oberteil herausschauenden Bauch piekte, während das Tuch um meine Hüften einen leichten Hang zum Rutschen verspürte. Die Sachen fanden also Zustimmung, sodass ich sie für einen weiteren Versuch bei der Schneiderin anbehalten durfte. Mein Herr kam übrigens mit, damit die Ausgaben im Rahmen bleiben.

Leider verstand er meinen kostensparend gemeinten Hinweis, dass ich viele meiner früheren Tuniken selbst genäht habe, vollkommen falsch: „Dita, wenn ich Geld brauche, verkauf ich dich in den Norden“. Auf dem Weg zur Schneiderwerkstatt verkniff ich mir daher meinen Aufklärungsversuch lieber. Tja, die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, doch auch diesen Weg hätten wir uns sparen können, denn die Schneiderin war schon wieder nirgends aufzutreiben. Immerhin konnte das Erste Schwert aufklären, warum die Eingangstüren zur Schneiderei und dem Gästezimmer im Handwerkerkastenhaus offen standen. Die Herrin war nicht entführt worden, sondern die Türen verzogen und die Angeln brauchten Öl.


Die Schneiderin und ihre Türen hin oder her… mich ja sowieso, aber auch meinen Herrn hatte inzwischen langsam das Jagfieber gepackt, sodass er mich nun zu Sancari schickte. Sie war wegen unseres Ausflugs ganz aufgeregt, allerdings mehr wegen ihrer Kleidung, aus der man Blutspuren zwar vermutlich eher schlecht herausbekommen würde, die ansonsten jedoch ganz zweckmäßig aussah. Zurück bei meinem Herrn meldete ich zackig, dass seine Treiberinnen und Lastenträgerinnen zur Stelle sind. Mist, anstatt Zufriedenheit erntete ich leider unzufriedenes Gebrumme… ich hatte nicht an das Joch für San gedacht, sodass wir noch einmal los liefen. 


Wir suchten wirklich überall, fanden nur leider auch niemanden, den wir hätten fragen können, denn weder in der Schmiede, noch auf dem Hof, auch im Kriegerhaus war niemand und die große Kiste im Garten meines Herrn war tatsächlich leer. Seine angehobenen Augenbrauen und seine beidseitig in die Hüften gestemmten Fäuste besagten nichts Gutes, als wir letztendlich ohne Joch zurückkamen. Ich bin mir nicht sicher, ob mich der an mein Gepäck gebundene dicke Stock rettete, den ich als Tragestock für das Tabuk verwenden wollte oder doch eher die inzwischen fortgeschrittene Zeit. Jedenfalls drängte mein Herr nun zum Aufbruch, nachdem er uns noch einmal verwarnte, was passieren wird, sollte er im Kriegerhaus doch ein Joch finden… doch dort hatte ich in einem Ständer wirklich nur Schwerter gesehen. 


„Wenn ich eine von euch beiden suchen muss, weil ihr mich aus den Augen verloren habt, dann lass ich euch im Wald zurück, damit euch die wilden Tiere zum Frühstück essen“, war zumindest für mich eine vollkommen überflüssige Mahnung, da ich doch sowieso immer nur Augen für meinen Herrn habe. Wir klebten also förmlich an seinen Hacken, bis vor uns eine Waldhütte auftauchte, wo wir unser Gepäck deponierten. Danach gab es noch ein paar Instruktionen und den Befehl: „Na los, da ihr beide Treiberkajirae sein wollt, dann treibt mal… und zwar mir vor die Armbrust!!“ Uff… und nun? Mit einer Mischung aus einer gesunden Portion Angst vor einem Larl oder Sleen, aber auch jede Menge Mut im Bauch, schlug ich mich seitlich ins Unterholz und versuchte eine Art Bogen hinzubekommen, um vielleicht ein Tabuk aufzuscheuchen und auf meinen Herrn zuzutreiben. 

Mist… ich gestehe, mein Jagdfieber verwandelte sich unerwartet schnell in leichte Beklemmung. Ich war nämlich noch gar nicht weit geschlichen, als sich auch schon das Gefühl in mir breit machte zu versagen. Ich befürchtete die Chance zu verpassen, meinem Herrn zu zeigen, dass sein Eigentum die gestellte Aufgabe bewältigt. Wenigstens hab ich mich nicht verlaufen, denn ich fand erst einen Weg und dann plötzlich meinen Herrn wieder… nur von einem Tabuk hatte er bislang nichts gesehen und ich leider auch nicht. Also zweiter Versuch, denn irgendwie hatte mich inzwischen doch ganz gewaltig der Ehrgeiz gepackt. 

Ich schlich erneut leise durchs Unterholz, diesmal aber in einem weitaus größeren Bogen und entdeckte dann auf einer Lichtung tatsächlich ein grasendes Tabuk, eindeutig zu erkennen an seinem einen Horn. Ohje, in welche Richtung befand sich denn jetzt mein Herr? Vollkommen orientierungslos wusste ich es echt nicht mehr, trampelte nun aber mit meinen Stiefeln über den Waldboden, sodass es laut knackte und raschelte und scheuchte das Tabuk auf. Ich konnte es zwar nach wenigen Ihn nicht mehr sehen, lief aber einfach weiter mit entsprechendem Gebrüll und suchte mir dann hinter einem Baum Deckung, um von keinem Pfeil getroffen zu werden. Vielleicht war die Richtung ja nicht verkehrt gewesen?


Tja, anstelle eines sirrenden Pfeils hörte ich es nun seitlich von mir grummeln: „Dita… falsche Richtung“ und flitzte erneut davon. Keine Ahnung wie, aber ein blindes Vulo findet eben auch mal ein Korn. Jedenfalls haben die wo auch immer steckende, laut niesende Sancari und ich es irgendwie geschafft, das Tabuk so durcheinander zu bringen, dass es stehenblieb und ein gutes Ziel für meinen Herrn abgab. Er schoss sofort einen Pfeil ab und traf... zum Glück nicht mich, da ich mich irgendeiner mir bis dahin gänzlich unbekannten Eingebung folgend, auf den Boden geschmissen hatte.

„Ich hab getroffen… angeschossen… lasst es nicht entkommen!“ Dieser laute Ruf meines Herrn veranlasste mich aufzuspringen und hinter dem Tabuk hinterher zu hetzen. Die Priesterkönige müssen mir wohlgesonnen gewesen sein, denn das verletzte Tier konnte kaum mehr laufen, sodass ich es einholte, mit lautem Gebrüll noch „HIER!!!“ schrie und mich dann auf das Tabuk warf, um es irgendwie in den Schwitzkasten zu nehmen. Während ich mich mit dem zappelnden Viech herumschlug, kamen mein Herr und San hinzu, die von meinem Herrn einen Dolch erhielt, um es zu töten. 

Keine Ahnung, warum San so lange dafür brauchte, doch letztendlich konnte ich inzwischen rittlings auf dem Tabuk sitzend sein Horn packen, sodass sie ihm tränenüberströmt schließlich die Kehle durchschnitt.

Dienstag, 22. Dezember 2015

Kupfer oder lieber Schläge

Von Sancaris unerlaubtem Dekowahn mit roten und weißen Perlenschnüren hatte ich ja schon berichtet und auch, dass sie alles wieder abnehmen und gemeinsam mit mir den Teppich verkleinern musste, damit sich Rekruten bei einem Anschiss „nicht zu wohl fühlen“. Obwohl ich mir nichts zu Schulden kommen lassen hatte, war zumindest bei mir von „wohl fühlen“ keine Spur bei der Standpauke, die mein Herr Sancari wegen des offen gelassenen Nebentors hielt. Dabei war der Teppich zu diesem Zeitpunkt noch riesig. So bedrupst, wie San zu Boden schaute, bin ich mir fast sicher, dass sie bei seinem Anblick nicht wirklich Trost fand wegen der 10 Strafkupfer, die für ihren Fehler in die Stadtkasse zu zahlen waren… ihren Herrn erfreute sie damit sicherlich nicht. 

Nach dem Donnerwetter und dem Verteilen unserer Vorhang- bzw. Teppichverkleinerungsaufgabe, machte mein Herr sich mit seiner Gefährtin zu einem Spaziergang Richtung Hof auf. Natürlich nutzten San und ich beim Umdekorieren der Fenster die Gelegenheit für einen ausgiebigen Kajiratratsch, denn sie war eine Weile auf den Feldern oder ich weiß nicht wo gewesen und interessierte sich jetzt logischerweise sehr dafür, wie ich von einer Tarnreiterkajira zur Hauptmannskajira geworden war. Doch schließlich war alles fertig und für sie auch an der Zeit, nach den Brauereikesseln zu schauen, während ich erneut zur Schneiderin lief… diesmal wieder ohne Erfolg.


Meinen Herrn und seine Gefährtin traf ich danach vor dem großen Stadttor, wo sie sich mit der zweiten Grünen unterhielten. Trotzdem galt das Interesse meines Herrn nun unseren Bemühungen im Kriegerhaus. Offensichtlich sehr erfreut darüber, dass er sich dort wieder hineinwagen kann, ohne vom Deko-Schlag getroffen zu werden, setzte er dann aber sein Gespräch über die Verlängerung seines Gefährtenvertrags fort und ich erfuhr, dass der Hofkrieger anscheinend die Verlängerung nur bezeugen soll. Zu meiner Erleichterung wird daraus diesmal nicht wieder ein großes Tamtam gemacht, wie es neuerdings bei solchen Anlässen in Mode zu sein scheint. Trotzdem kündigte mein Herr an, mich demnächst mit auf die Jagd zu nehmen… er hatte Appetit auf einen Tabukbraten bekommen.

Juhuuu… in den Wald und nur mein Herr und ich?! Prompt gingen mir jede Menge Fantasien über weiches Moos, piekende Baumnadeln und einsam gelegene Hütten durch den Kopf, wo man vor der hereinbrechenden Dunkelheit wunderbar Zuflucht finden kann. Meine glitzernden Augen fielen seiner Gefährtin übrigens sofort auf, nur führte ihre Bemerkung leider bei ihm zu der Überlegung, ob er nicht lieber alleine gehen sollte. Letztendlich sah er mein Mitnehmen jedoch als eher vorteilhaft an. Schade nur, dass seine Gründe so ganz andere waren, als die in mir herumspukenden und nichts mit meiner „Macht des Anschmiegens“ zu tun hatten, von der er zuvor gerade erst gesprochen hatte. Na toll, vielleicht bezog sich das Anschmiegen auf die Beute, die er mir auf die Schultern binden wollte?!


Ich war am nächsten Tag noch nicht ganz fertig mit ein paar häuslichen Arbeiten, als es an der Haustür klopfte. Es war die Brauereikajira, die meinen Herrn darum bat, etwas mit ihm besprechen zu dürfen. Natürlich ging es um die in die Stadtkasse zu zahlenen 10 Kupfer, für die sie sich mildernde Umstände erhoffte, weil sie schwer beladen gewesen war und deswegen keine Hand frei gehabt hatte. Doch mein Herr ließ sich nicht umstimmen… San hätte zweimal laufen oder zum Schließen des Tores ihre Sachen genauso wieder abstellen können, wie zuvor beim Öffnen. Auch ihr Augenklimpern prallte von ihm ab und genauso wenig interessierte meinen Herrn der Hinweis, dass sie in eine Art Arbeitskoma gefallen war, kaum dass sie das Kriegerhaus erreicht hatte.

Da San keine 10 Kupfer dabei hatte, ließ er sich letztendlich erweichen, ihre Strafe mit 20 Schlägen zu begleichen und war auch mit ihrem Vorschlag einverstanden, die Schläge zu halbieren, indem er ihr anstelle der 20 großen Schläge 40 kleine zugestand. Tja… Sancari bevorzugte dann aber doch die 20, nachdem sie einsehen musste, dass eine Belehrung bei meinem Herrn nicht gut ankommt und er keinerlei Verständnis für ihre buchführerischen Kenntnisse zeigte. Da „je eher heran, umso eher davon“ in solchen Fällen nie verkehrt ist, kam mir nun die Aufgabe zu, San an den Pfahl zu fesseln und mich danach zu beeilen, meinem ziemlich mürrisch wirkenden Herrn seine Kurt zu bringen, diesmal wollte er die mit den harten Riemen.


Während ich jeden Schlag, der auf Sancaris Rücken niederging fast körperlich zu spüren glaubte und mir auf die Unterlippe biss, um keinen Piep von mir zu geben, bewunderte ich sie für ihre Beherrschung, denn außer leisem Stöhnen und unterdrücktem Schluchzen kam lange Zeit kein Ton über ihre Lippen. Erst bei den letzten Schlägen auf die inzwischen gut sichtbaren Striemen, konnte sie ein deutlich zu hörendes Wehklagen nicht mehr verhindern. Leider klang das Brummen meines Herrn aber immer noch mürrisch, als er San die Kurt vor ihr tränennasses Gesicht hielt, damit sie sich mit einem Kuss für ihre Strafe bedanken konnte.

Seine Laune besserte sich auch nicht, als sich zwischen ihm und seiner Gefährtin nun eine eigentlich überflüssige Auseinandersetzung darüber entwickelte, ob der Rücken einer mit der Kurt behandelten Kajira ärztliche Versorgung benötigt, ob das dem grünen Kastenkodex entspricht oder ob es Verhätscheln einer zu Recht bestraften Sklavin ist und die Strafe dann nicht mehr weh tut. Ehrlich gesagt erschloss sich mir nicht, warum die Grüne jetzt auf einmal so ein Tamtam darum machte, hatte sie bei meinen Schlägen vor kurzem doch auch nicht! Außerdem entstehen durch die Schläge einer Kurt nur mehr oder weniger blutunterlaufene Striemen, die zwar sehr schmerzhaft sind, aber keine dauerhaften Schäden hinterlassen und daher keiner Behandlung bedürfen. 

Je kühler die Anworten der Grünen wurden, umso finsterer wurden leider auch die Blicke meines Herrn, die er mir zuwarf, sodass ich mich beeilte, dicht neben ihn zu rutschen, während seine Gefährtin nun tatsächlich den Rücken von San begutachtete. Wie gut, dass ich Kekse gebacken hatte, während mein Herr seinen durch die Nachtwache fehlenden Schlaf nachholte und ihm nun dieses leckere Gebäck zusammen mit einem frisch aufgebrühten Tee servieren durfte. Die Kekse fielen leider etwas klebrig aus, weil ich es mit dem Honig zu gut gemeint hatte, doch daran störte sich mein Herr zum Glück nicht… er liebt ja Süßes. 


Vielleicht trugen die Klebkekse ein wenig dazu bei, dass er die Bestätigung seiner Gefährtin über die Ausgewogenheit seiner Schläge mehr oder weniger von sich abprallen ließ. Es war ja wie gesagt nicht das erste Mal, dass er eine Sklavin mit der Kurt bestraft hatte. Während sich die Gnädigste nun dem Streicheln ihres Giannis hingab, hätte seine an mich gerichtete Warnung übrigens nicht deutlicher sein können und ist angekommen: „San kann froh sein, dass sie nicht mir gehört… Dita wäre nicht so einfach davon gekommen… da leg ich hohe Maßstäbe an.“ Ich bin mir sehr sicher, dass ich diese Maßstäbe nicht näher erkunden möchte, denn so viel Honig kann ich in den Teig zukünftiger Kekse wohl doch nicht hinein rühren, um damit eine mildernde Wirkung bei meinem Herrn zu erreichen.

Montag, 21. Dezember 2015

Überflüssig oder nicht?

Den Auftrag zum Wischen der Böden in der Schneiderei und der darüber befindlichen Wohnung hatte ich gleich am nächsten Tag erledigt, damit es dort ordentlich aussah. In der Hoffnung, die Fremde ist vielleicht ernsthaft interessiert, sich in Jorts niederzulassen, hatte mein Herr sich mit ihr nämlich verabredet, um ihr die Schneiderwerkstatt zu zeigen, in der sich übrigens noch etliche Stoffballen befinden, die mittlerweile jedoch Stadteigentum geworden waren. Für die Besichtigung der darüber befindlichen Wohnung war ich dann zuständig. Sie besteht zwar nur aus einem Raum, dafür hat man aber vom Balkon aus einen fantastischen Blick über die Stadt, den ich selbstverständlich entsprechend anpries.


Ich vergaß natürlich auch nicht den sauberen Boden zu erwähnen, von dem man quasi essen kann. Nagut… das hätte ich mir schenken können, denn das Weib bevorzugt doch lieber einen Tisch dafür, war aber dennoch sichtlich beeindruckt, sodass ihre Entscheidung wohl nur noch von einem angemessenen Preis für die zu übernehmenden Stoffe abhing. Da der erste jortssche Händler leider schon eine Weile auf Reisen ist, wollte mein Herr sich darüber mit der Händlerin beraten, denn als Krieger versteht er vom Stoffhandel logischerweise nicht allzu viel. Leider war die Herrin jedoch nicht zuhause. Der Weg dorthin hätte mein Herr sich zwar sparen können, doch war er nur kurz, weil die Freie ja gleich nebenan im Haus des Schmieds wohnt.

Wir trafen die Händlerin letztendlich im Gasthaus, wo mein Herr sowieso hinwollte. Sie hatte seiner Gefährtin gerade einen Restposten roten, etwas dickeren Stoff besorgt, der momentan wegen der kälteren Temperaturen anscheinend zur Mangelware geworden war. Leider stellte sie sich hinsichtlich der Restbestände in der Schneiderei jedoch nicht wirklich als Hilfe heraus, da sie normalerweise nicht mit Stoffen handelt, sondern überwiegend mit Kräutern, Gewürzen, Ölen und Badeutensilien. Letztendlich blieb es also doch bei meinem Herrn, als Ratsmitglied der Fremden ein Angebot für die Übernahme der Schneiderei zu unterbreiten, von dem ich wegen der Getränkezubereitungen jedoch nicht allzu viel mitbekam, außer dass die Fremde über alles noch eine Nacht schlafen wollte.


Inzwischen hatte sich das Interesse in Erinnerung an einen Krieger mit abgefrorenem Zeh den nackten Beinen und Sandalen des im Gasthaus eingetroffenen Sattlers zugewandt, der offensichtlich vom Schneetreiben am Hafen nichts bemerkt hatte… von dem weißen Zeug war bislang ja nichts liegengeblieben. Er fand übrigens lange Hosen und Stiefel bei den Temperaturen draußen überflüssig, litt aber auch nicht unter Hitzewallungen. Seinem Gespräch mit dem Schmied über einige Kastenangelegenheiten konnte ich jedoch nicht weiter zuhören, weil mein Herr nun nach dem von seiner Gefährtin zuvor gerade gekauften Stoff griff, um ihn mir in die Hand zu drücken: „Dita, bring den zur neuen Schneiderin und sag ihr, was du daraus genäht haben möchtest.“

Oooohh, der war für mich?! Ich konnte mein Glück kaum fassen und habe bestimmt wie ein Honigkuchenkailla gestrahlt. Die fremde Schneiderin nannte mir wegen ihrer noch ausstehenden endgültigen Entscheidung nur leider keinen konkreten Termin, sondern schlug lediglich vage vor, dass ich demnächst mal vorbei kommen soll. Na gut, ich konnte es zwar kaum erwarten etwas geschneidert zu bekommen, aber trotzdem verstehen, dass der Frau ihr vorübergehender Umzug von der Herberge in ein kostenloses Gästezimmer der Handwerkerkaste erst einmal wichtiger war, als meine Maße. Außerdem zog mein Herr mich wieder so herrlich besitzergreifend an sich, dass meine Gedanken natürlich um ganz andere Dinge kreisten, bevor es nach Hause ging. 


In dieser Nacht schlief ich übrigens trotz des weichen Fells äußerst unruhig, das mir die freundliche Gefährtin meines Herrn zusätzlich in den Sklavenkäfig hineingelegt hatte. Ich stehe mit dem viel zu kurzen und daher sehr unbequemen Ding einfach auf Kriegsfuß, sodass besonders vor dem Einschlafen mein Sehnen nach leider vergangenen, aber deutlich besseren Zeiten oft Überhand nimmt. Diesmal kreisten meine Gedanken und später meine Träume jedoch um meinen jetzigen Herrn. Es war mir wirklich nahe gegangen, wie sehr ihm der Nasenring an mir gefällt und zu spüren, wie sehr er mein Anschmiegen genossen hatte, bevor er mich dann jedoch wieder in den verhassten Käfig sperrte, war einfach ein total schönes Gefühl gewesen. Natürlich träumte ich auch von seinem schönen Stoffgeschenk, wobei mir durchaus klar war, dass ich dies auch seiner Gefährtin zu verdanken hatte.


Kaum fertig mit meinen häuslichen Arbeiten am nächsten Morgen, brannte es mir logischerweise unter den Nägeln, möglichst bald zur neuen Schneiderin zu laufen. Leider war auch dieser Versuch überflüssig, denn ich hatte erneut Pech und konnte mir wieder die Nase an der Scheibe der Schneiderei plattdrücken. Ich fand das Weib aber auch sonst nirgendwo, sodass mir nichts anderes blieb, als enttäuscht den Rückweg nach Hause anzutreten. Meinen Herrn und seine Gefährtin sah ich gerade in die Gasse zum Nebentor einbiegen, wo irgendwelche perlenbesetzten Strippen angebracht worden waren. Die beiden wunderten sich natürlich, dass ich so schnell zurück war, noch mehr allerdings über die weißen Perlenschnüre über ihnen, die offen stehende Tür des Kriegerhauses und dass es drinnen rumorte. 


Es war Sancari, die Brauereikajira, die offensichtlich ihrem Drang zum Dekorieren frönte. Blöderweise hatte sie vergessen, das kleine Stadttor wieder zu schließen und trug damit nicht gerade zu Begeisterungsbekundungen meines Herrn bei… im Gegenteil. Sein ungehaltenes Brummen steigerte sich jedoch noch weiter, als er die innen vor den Fenstern anbrachten roten Perlenschnüre bemerkte und den riesigen Teppich, den San ausgerollt hatte. Sie hatte eigentlich ihrem Auftrag zum Reinigen des Kriegerhauses nachkommen wollen, dabei anscheinend jedoch die Gelüste nach dieser überflüssigen, nämlich ungewollten Deko entwickelt, meinte es aber eigentlich nur gut. Leider waren ihre Vorstellungen von Gemütlichkeit von niemandem genehmigt worden und entsprachen so gar nicht den Vorstellungen meines Herrn. 


„Wir sind Krieger… wir waschen uns nicht mit warmem Wasser, sondern mit kaltem. Ich mach hier Rekruten rund und maule sie an… dabei sollen die sich nicht wohlfühlen!!“ machte mein Herr sich lautstark polternd Luft. Letztendlich durften wir den Riesenteppich auseinander schneiden… in einen kleineren zum Stiefelabtreten der an der Tür und einen für die Kriegerunterkunft im Nebenraum. Sämtliche Perlenstrippen draußen und vor den Fenstern musste San abnehmen, durfte stattdessen aber richtige Vorhänge anbringen, damit nicht jeder Unbefugte hereinschauen kann. Wie das bei der sehr hohen Brüstungshöhe überhaupt möglich sein soll, erschloss sich mir jedoch nicht, dazu hielt ich allerdings tunlichst meine Klappe, denn die Aussage meines Herrn: „San bis morgen ist alles ab und ein ordentlicher Vorhang an den Fenstern, sonst binde ich dir das Ganze um den Hals und lass dich damit schwimmen“, war mehr als deutlich.

Donnerstag, 17. Dezember 2015

„T“ wie Topfsklavin

Da ich mich noch um den Nachschub an Feuerholz im Haus meines Herrn gekümmert hatte, erreichte ich die Trainingswiese erst einige Zeit nach ihm, als das Waffentraining der jortsschen Krieger bereits voll in Gang war und seine Tunika mit etlichen Grasflecken übersät. Thema Nr. 1 am Rand der Wiese war natürlich das schlechte Wetter. Kurz zuvor war nämlich am Hafen ein Schneeschauer niedergegangen, sodass es sich perfekt anbot, mit meiner neuen Kleidung und den Sandalen ein wenig anzugeben und das Eigentum meines Herrn dabei möglichst vorteilhaft zu präsentieren. Besonders ins Zeug legte ich mich natürlich beim Gefährten der Sängerin. Während die Herrin vermutlich nur meinen sandalten Fuß betrachtete, liftete ich die schönen weichen Felle meines Rocks äußerst großzügig, um dem Krieger zusätzlich einen guten Blick auf meinen wohlgeformten Schenkel zu ermöglichen.

Da von seiner dick eingepackten, vermummten Gefährtin im Prinzip nichts Anfeuerndes zu sehen war und die Herrin zusätzlich etwas unglücklich mit dem riesigen Umhang des Kriegers kämpfte… zumindest sah es so aus… muss es also mein Anblick gewesen sein, der die Kräfte des schon wieder über sein Alter stöhnenden Rarius dermaßen mobilisierte, dass er sich nun für eine Trainingsrunde mit meinem Herrn fit genug fühlte. Ok, ich gebe zu, der Sängeringefährte war wie immer wirklich fast unschlagbar, lag auch nur drei Mal im Gras und behauptete dann aber, das würde reichen, er käme sonst zu sehr außer Atem. Huiihh… dieser Herr und außer Atem? Nicht dem Krieger, sondern mir blieb fast die Luft weg, nachdem er mich packte, um mich so herrlich besitzergreifend zu küssen, dass ich ganz weiche Knie bekam. 

Meinem Herrn war der Kuss dieses Kriegers übrigens nicht entgangen. Breit grinsend erkundigte er sich nämlich bei ihm, ob er mich mit in die Felle nehmen möchte. „Sag mal…haben wir zu Hause schon was vor der Tür liegen?“ versicherte sich der Rarius dann jedoch vorsichtshalber bei seiner Gefährtin, deren Gedanken allerdings immer noch um seinen Umhang kreisten, denn sie erwiderte, der dicke rote Stoff sei bei dem Schietwetter nass geworden, sodass ich schnell anbot, falls mein Herr es erlaubt, würde ich für die Tür natürlich auch meinen schönen langen Fellrock zur Verfügung stellen. Tja, und weil sich der Umhang nun nicht mehr zum Wärmen eignete, bot mein Herr mich natürlich sofort als Ersatz an… einzige Bedingung war, ich sollte mich am nächsten Tag zurückgebracht werden.


Doch soweit war es noch nicht und später stellte sich heraus, dass besagter Krieger noch am gleichen Tag zurück auf seinen Landsitz reisen wollte und ihm mein Zurückbringen nicht behagte. Doch vor seiner Abreise musste selbstverständlich noch ein wenig Flüssigkeitsdefizit ausgeglichen werden… wegen Schneefalls allerdings IM Gasthaus und nicht davor auf der Terrasse. Die Gespräche drehten sich übrigens immer noch um mich… oder vielmehr um den Namen, den mein Herr mir gegeben hatte… das weiche, anschmiegsame „n“ war ja von ihm durch ein hartes „t“ ersetzt worden, als ich zu einer „ita“ wurde. Auch wenn es mir nicht leicht fällt, respektiere ich den Wunsch meines Herrn selbstverständlich, egal wie lieb ich dieses kleine „n“ immer hatte. Dumme Gehässigkeiten über meinen Namen oder auch den Nasenring versuche ich einfach von mir abprallen zu lassen und zu ignorieren. 

Trotzdem freue ich mich jedes Mal wie ein Honigkuchenkailla, wenn ich „Dina“ genannt werde oder mit Verbesserung „Dina-ita“ und dann erst „Dita“. Allen voran die Sängerin, aber auch ihr Gefährte, der beim Servieren seines Kalanas schmunzelnd behauptete, der Verlust seines Umhangs sei ein guter Tausch gegen eine feurige Kajira, und auch der Sattler waren zu meiner stummen Freude der Meinung, dass dieses „t“ nicht zu mir passt, außer mein Herr will mich zur Topfsklavin umschulen lassen. Doch das will er wohl nicht, denn er scheint inzwischen nicht nur bei Kälte mein Anschmiegen sehr zu genießen. Es war echt tolles Gefühl, als er mich im Gasthaus an sich drückte und den anderen Freien erzählte, er fände es sehr unschön, mich entsorgen zu müssen.

Nachdem sich die Sängerin und ihr Gefährte wegen des mühseligen Zurückbringens dann also ohne mich zu ihrem Landsitz auf die Reise gemacht hatten, haute mein Herr sich breit grinsend auf den Schenkel und behauptete: "Dita, ich wette, er nimmt mein großzügiges Angebot nur an, wenn seine Gefährtin nicht dabei ist. Du könntest nackt vor ihm tanzen... er würde nicht... wobei ich dich vielleicht wirklich mal wieder nackt tanzen lassen sollte!" Oha, es hatte meinem Herrn offensichtlich gefallen, als ich im Norden von den Männern in ihrer Hall aufgefordert wurde, auf dem Tisch zu tanzen und schließlich ein Kleidungsstück nach dem nächsten fallen ließ!?


Achja... bevor es meinen Herrn Richtung Oberstadt zog und letztendlich vor den bollernden Küchenofen, wo sich innerhalb wenigen Ehn, alleine schon durch das in mir brennende Feuer, feine Schweißperlen auf meiner Stirn bildeten und mein Herr hoffentlich feststellte, dass er sich meine Ausbildung zur Topfsklavin wirklich verkneifen sollte, machte er noch einen kleinen Abstecher zum Schmied, der im ekeligen Schneetreiben seinen Nachwuchs spazieren fuhr... komischerweise waren die kleinen Scheißer dabei offensichtlich ganz zufrieden. ;-)

Mittwoch, 16. Dezember 2015

Sandalen

So tief und gut wie in dieser Nacht auf den dicken Fellen vor dem Lager meines Herrn, habe ich noch nie im Hauptmannhaus geschlafen. Es ist eben doch ganz anders, sich jederzeit recken und strecken zu können, ohne meine Füße und Beine zwischen den Gitterstäben des Sklavenkäfigs durchfädeln zu müssen. Doch darüber würde ich mich selbstverständlich nie beschweren. Außerdem liebt mein Herr anscheinend Gitter… ob er vielleicht so eine Art Klau-Phobie hat?

Super gut gelaunt machte ich mich schnell etwas zurecht, bürstete vor allem meine langen Locken  kräftig durch und hüpfte zwei Stufen auf einmal nehmend die Treppe hinunter. Ich hatte unten nämlich die Stimme meines Herrn gehört, die allerdings wie immer in sein typisches Brummen überging, kaum dass er mich sah. Leider ist diese Sorte Brummen vollkommen undefinierbar, ohne auch nur einen Hauch von Hinweis über seine Laune zu geben. Doch anscheinend war er an diesem Tag gut drauf und legte seine Hand leicht wuschelnd auf meinen Kopf, wobei sich eine sanfte Wärme in mir breit machte.

Während ich das neue Kleid der Gefährtin meines Herrn zu bewunderte, freute ich mich darüber, dass ihr die von mir vorgeschlagene neue Frisur immer noch sehr gut gefiel. Stets auf ihren guten Ruf bedacht… sie ist schließlich von hoher Kaste… hebt sie sich wirklich mit ihren unterschiedlichen Hochsteckfrisuren von anderen freien Frauen ab, die darauf nicht so viel Wert legen und teilweise sogar mit kurzen Ärmeln und tief ausgeschnittenem Dekolletee eine Menge Haut zeigen.

„Dita, es ist kalt geworden… du gehst jetzt 5 Ehn nach draußen, wenn dir dann immer noch warm ist, kannst du barfuß laufen“, ließ sämtliche Alarmglocken auf einmal in mir läuten. Args… war die Laune meines Herrn doch nicht so gut wie ich angenommen hatte? Mir wurde sofort klar, welche Kleidung er an diesem Tag an mir zu sehen wünschte. Leider hatte er mir damit echt einen Strich durch die Rechnung gemacht, denn schon beim Aufwachen hatte ich mir vorgenommen, die warmen Sachen anzuziehen, die er mir im Norden gekauft hatte und zwar ganz ohne Gezeter, um ihn zu überraschen. Außerdem hoffte ich, endlich die neuen Sandalen abholen zu können.

Die 5 nackten Ehn draußen waren eigentlich überflüssig und vergingen gähnend langsam. Vor dem Haus stand zwar die Kajira mit dem erhöhten Wärmebedürfnis, diesmal allerdings ohne Fellmütze. Dafür war sie extrem schlecht gelaunt. Bevor ich mich jedoch anschweigen ließ, leistete ich lieber dem schlafenden Sleen im Garten Gesellschaft, nachdem ich mich vorsichtshalber bei meinem Herrn erkundigt hatte, ob die 5 Ehn nicht vielleicht schon vorbei waren. Grr… waren sie leider nicht. Das untätige Herumstehen und darauf warten, ob mir kalt wird, war echt total langweilig. Ich befürchte, ich habe mich im Ehntakt nach der Zeit erkundigt, die ich noch ausharren musste.

Sonderlich kalt wurde mir in dieser kurzen langen Zeit allerdings nicht. Trotzdem beeilte ich mich meinem Herrn schließlich zu bestätigen, dass es draußen tatsächlich nicht so warm war wie am Vortag, allerdings auch nicht richtig kalt. Uff… die Priesterkönige und vor allem mein Herr müssen nun ein Einsehen gehabt haben… ich durfte die schönen Sachen aus dem Norden anziehen. Selbstverständlich kam ich diesem Wunsch eiligst nach, zumal ich diese Kleidung doch sowieso hatte anziehen wollen, auch ohne Kältetest. Danach erkundigte ich mich, ob ich wegen der Sandalen noch einmal zur Schuhmacherwirtin laufen durfte, was mir brummend erlaubt wurde. 


Mir war inzwischen wirklich klar geworden, dass ich um die Dinger nicht herum kam und außerdem erzeugte die Fürsorge meines Herrn ein ganz warmes Gefühl in mir… oder lag das an der warmen Kleidung? Egal, ich sputete mich, einen weiteren Sandalenversuch schnell hinter mich zu bringen und konnte kaum glauben, dass die Herrin tatsächlich zu Hause war. Tja… es kam sogar noch besser, denn die Sandalen waren fertig und saßen wie für mich gemacht. Das Gefühl unter meinen Fußsohlen war jedoch sehr ungewohnt und ich bildete mir ein, ich würde wie ein Thalarion trampeln. Auch an den Anblick meiner sandalten Füße muss ich mich erst noch gewöhnen und blieb auf dem Rückweg immer wieder stehen, um mir die Dinger anzuschauen… so schlecht sahen sie eigentlich gar nicht aus.


Mein Herr war jedenfalls zufrieden und nur das zählt für mich. Aber auch seiner Gefährtin sagten die Sohlen mit den dünnen Riemchen zu, die unter medizinischen Gesichtspunkten ja immer sehr darauf achtet, dass ich nicht zu viel Kontakt mit kalten Steinen habe. Endlich warm genug eingepackt stand einem Getränk am Hafen also nichts mehr im Wege. Mein Herr bevorzugte wegen der etwas kühleren Temperaturen übrigens Tee mit Honig, allerdings ohne Pagaschuss, während er sich mit dem Ersten Schwert über die Planungen für das neue Badehaus unterhielt und ankündigte, gründlich ausprobieren zu wollen, ob das Auflegen kleiner warmer Steine besser ist oder doch sanft knetende Kajirahände… na, das ist doch wohl oberklar! ;-))

Zart besaitet

Mein Herr unterwies gerade eine Sklavin in Sachen Bandschutzmaßnahmen, als ich mich zu ihm und seiner Gefährtin vor seinem Haus dazu gesellte, nachdem ich drinnen soweit alles erledigt hatte. Es ging aber auch um irgendeine Spritze, die die Sklavin bekommen sollte… ich glaub wegen Stottern durch Kuchengelüste oder weil das Mädchen trotz der recht milden Temperaturen fror und sich in dicke Sachen gehüllt hatte… was mich selbstverständlich nichts anging und Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.

Irritierend fand ich nur, dass mein Herr beim Anblick dieser eingepackten Sklavin nun meinte, es sei kühler geworden und dann an die Sandalen erinnerte, dich ich trotz mehrfacher Versuche immer noch nicht von der Schuhmacherwirtin hatte abholen können. Wobei die Dinger ja eh nicht viel bei Kälte taugen. Leider interessierte ihn kein bisschen, dass meine Füße überhaupt nicht zart besaitet bin und mir außer bei frostiger Kälte und Schnee sowieso nie kalt ist. Er ignorierte einfach meinen in seine Richtung zum Kontrollieren ausgestreckten Fuß und wollte mir statt Wärmetest lieber von seiner Gefährtin eine Spritze in selbigen verpassen lassen. Warum was auch immer in meinen Fuß gespritzt werden sollte blieb unklar, aber auch die Injektion zum Glück aus. Fürsorge hin oder her, meine Füße sind genauso gesund wie ich und stets warm!


Irgendwann schwante mir dann, dass dieses Mädchen glaubte, es habe ein Wintereinbruch stattgefunden, weil sich an einigen Bäumen Äste weiß verfärbt hatten und vermutlich abgestorben waren. Ich bin zwar keine Fachkajira für Forstwirtschaft und GALA Bau, nur kann es noch keinen Frost gegeben haben, solange unter besagten Bäumen sämtliche Blumen noch so farbenprächtig blühen… ihre Blüten wären nämlich als erstes erfroren. Leider stellten sich meine wie ich fand sehr logischen Argumente jedoch als Fehler heraus. Mein Herr WOLLTE, dass es kühler ist und demnächst Schnee fällt, dass ich Sandalen trage und mich mit wärmerer Kleidung bedecke… mein leicht bekleideter Anblick erfreute ihn offensichtlich nicht.

Je länger ich beteuerte wie kernig ich bin, umso gefährlicher wurde sein Brummen, während ich immer verzweifelter wurde. Ständig fand er neue Dinge, die an mir auszusetzen waren: Ich hatte kein Heu geholt… natürlich nicht, es lagen noch 2 Ballen vor dem Sleenkäfig! Ich hatte den Käfig noch nicht ausgemistet… wann hätte ich das machen sollen? Die Beschaffung neuer Lebensmittelvorräte war mir wichtiger erschienen und erst nach einigen vergeblichen Versuchen gelungen. Außerdem hatte ich diverse Male umsonst bei der Schuhmacherwirtin vorbei geschaut… das Weib war einfach nicht aufzutreiben! Und um die Reparatur seines Zeltes hatte ich mich ebenfalls gekümmert… mal abgesehen von meinen üblichen Hausarbeiten. 

Meine Prioritäten waren offensichtlich komplett andere als die meines Herrn… aber ich bin ja auch nur eine nicht hellsehen könnende Kajira, die ihm wie gewünscht zwar die Kosten der Zeltreparatur nennen konnte, aber nicht den Preis für ein neues. Warum auch danach fragen… 10 Kupfer für die Reparatur eines ansonsten noch guten Zeltes war doch ok?! Gar nicht ok an diesem grauenvollen ersten Tag der neuen Hand war letztendlich auch die Reihenfolge meiner Aufträge, wie ich sie verstanden hatte. Mein Herr wünschte plötzlich nun doch nicht, dass ich erst seinen Sleen versorge, danach zur Schuhmacherwirtin laufe, bevor ich dem Sattler seinen Entschluss hinsichtlich der Zeltreparatur mitteile und mir zuletzt irgendeine Spritze in den Fuß geben lasse. 

Stattdessen durfte ich mich zuallererst… und zwar noch vor den Sandalen… um ein neues, haltbares, gut aussehendes Zelt kümmern, das einem Hauptmann angemessen ist und Platz für 4 Personen bietet. Während mein Herr mir nun ein Silber in die Hand drückte erwähnte er noch, dass er einen anständigen Preis erwartet. Menno, ist das nicht sowieso selbstverständlich und versuche ich nicht sowieso immer zu handeln? Ich hab bei den Vorräten doch sogar 20 % Hauptmannrabatt bekommen, diese Selbstverständlichkeit meinen Herrn gegenüber aber natürlich nicht erwähnt.


Wenigstens die Priesterkönige hatten nach mindestens 5 Ehn Klopfen und leicht wunden Fingerknöcheln ein Einsehen mit mir, als der Sattler endlich seine Tür öffnete. Sichtlich erstaunt, dass es nun ein neues Zelt sein sollte, weil das alte doch einfach zu reparieren und ansonsten in einem guten Zustand ist, ließ er sich diesen Auftrag dennoch nicht entgehen. Die bis auf den Riss bestätigte gute Qualität war für mich natürlich sofort ein Grund, ihm das Teil zur Inzahlungnahme anzubieten. Schmunzelnd meinte er: " Dina, du handelst nicht schlecht. Also gut... ich rechne das alte mit 10 Kupfer an." Damit er keine Vorschussleistungen erbringen muss, versuchte ich ihm noch Vorauszahlung zusätzlich schmackhaft zu machen und erhoffte mir dadurch einen weiteren Preisvorteil… doch das widersprach wohl seiner Handwerkerehre, er nimmt von seinen Kunden grundsätzlich erst hinterher Geld, wenn sie mit seiner Arbeit zufrieden sind.

Da die Schuhmacherwirtin nach diesem wie ich fand guten Handel erneut nicht anzutreffen war, blieb mir nichts anderes übrig, als in Sachen Sandalen unverrichteter Dinge zu meinem Herrn zurück zu laufen. Doch nahm er dies erstaunlich gelassen und lobte mich sogar für den Preis beim Sattler. Meine trübsinnige Stimmung hob sich zwar etwas, doch trotzdem blieb ich weiter ein wenig geknickt darüber, meinem Herrn außer dem Zeltkauf nichts recht gemacht zu haben… ich bin zwar nur eine Kajira, aber auch ein Mensch und manchmal eben etwas zarter besaitet. Daher war ich ganz froh, mich nun um neues Heu im Sleenkäfig kümmern zu dürfen. Dort hinten in der Ecke des Gartens war ich sozusagen unsichtbar und konnte ein wenig meinem Frust frönen, indem ich den Stinker anzischte, sich ja nicht mit mir oder der Schaufel anzulegen, die er anscheinend als neues Spielgerät ansah. Wenigstens hier hatte ich die Oberhand und musste nicht klein beigeben… ok, nur solange das Viech in seinem Käfig war.

Ich glaube, mein Herr muss gespürt haben, wie sehr ich an diesem Tag neben der Spur war und um wen meine Gedanken in meiner Verzweiflung schon wieder kreisten, denn plötzlich rief er mir zu, das Stroh im Sleenkäfig habe noch Zeit. Kaum neben ihm, legte er seinen Arm um mich, um mich an sich zu ziehen und mich einfach nur festzuhalten, so als ob er mich gar nicht mehr loslassen will. Das war ein total schönes Gefühl, trieb mir aber auch vor Glück fast die Tränen in die Augen, während ich mich endlich etwas entspannte und sehr dankbar an meinen Herrn anschmiegte. Leider stellte er mir dann jedoch die Frage: „Dita ist es schrecklich meine Sklavin zu sein?“ Meine wie ehrliche Antwort „Ja mein Herr… manchmal schon“ führte dazu, dass ich sie meinem Herrn später bei einer sanften Rückenmassage näher erklären musste… wieder habe ich etwas dazu gelernt. ;-)

Montag, 14. Dezember 2015

Keine unnötige Geldausgabe

Ich hatte gerade oben alle Fenster wieder geschlossen und wollte eigentlich nur noch schnell die Blumen begießen, als ich ein Brummen hörte, das mich veranlasste, schleunigst die Treppe hinunter zu sausen. Mein Herr war nach einem Rundgang durch die Stadt vor dem Beginn seiner Spätwache noch einmal kurz nach Hause gekommen und sein Brummen bezog sich vermutlich auf die sperrangelweit offen stehende Haustür… eine wirklich erforderliche Lüftungsmaßnahme wegen meiner diversen Essensvorbereitungen und dem Braten von Zwiebeln und Speck, obwohl mir echt nichts angebrannt war. Um ihn gar nicht erst auf falsche Gedanken kommen zu lassen, stellte ich zur Ablenkung daher schnell die Frage, ob es im Haus immer noch nach Essen riecht, denn er kam ja von draußen. Puhh, meine Rechnung ging tatsächlich auf.


Anstatt mir einen Anschiss zu verpassen, begann mein Herr nämlich zu schmunzeln und erkundigte sich: „Dita, du willst mir also sagen, dass die Tür nicht die ganze Zeit offen stand, sondern nur kurz?“ Nach meiner Bestätigung interessierte ihn merkwürdigerweise meine Meinung zu seinen Überlegungen, an den Erdgeschossfenstern Gitterstäbe anbauen zu lassen. Tja, wenn er die tatsächlich hören will, muss er damit rechnen, dass es eine andere als seine ist... ich mag nämlich keinen vergitterten Ausblick nach draußen und denke, dank Stadtmauern und bewachter bzw. geschlossener Tore wohnt man in der Oberstadt sehr sicher, Gitterstäbe sind also überflüssig und somit eine unnötige Geldausgabe.

Mit dem Blick nach draußen gab er mir tatsächlich Recht, will aber trotzdem noch weiter über Gitterstäbe nachdenken… er „… mag nicht aufwachen und feststellen, dass das Haus weg ist, weil es geklaut wurde.“ Na gut, denken kostet noch nichts.

Nach dem Eintreffen seiner Gefährtin gab mein Herr der übrigens immer noch offen stehenden Tür einen Schubs, sodass es gewaltig rumste und die Gnädigste nicht nur zusammenzuckte, sondern sich leicht irritiert nach seiner Laune erkundigte. Doch die war ganz hervorragend… zumindest noch. Er kündigte nämlich an, erst dann schlechte Laune zu bekommen, wenn seine neueste Errungenschaft „nackt, blond, weiße Haut“ abhaut, weil ich nicht aufgepasst habe. Na toll, das Ding war anscheinend eine Diebin… warum hatte er sie nicht einfach in den Stadtkennel gesteckt? Meine Begeisterung über diese Aufpasseraufgabe ging fast gegen Null, doch das versuchte ich mir natürlich nicht anmerken zu lassen. Mal sehn, vielleicht gelingt es mir, gewisse Nettigkeiten meines Herrn zu vermeiden, falls die Vulodiebin nicht türmt… wobei ich mir gerade die Frage stelle, ob ihr Abhauen nicht vielleicht weniger schlimm ist?

Nachdem mein Herr dann zur Wache aufgebrochen war, goss ich schnell die Blumen und erkundigte mich schließlich bei seiner Gefährtin wegen der diversen inzwischen wirklich erforderlichen Lebensmitteleinkäufe. Ich hatte sie leider schon zwei Mal aufschieben müssen, weil ich auf dem Hof niemanden angetroffen hatte. Der Gnädigsten fehlte zwar jeglicher Durchblick über die Vorräte… offensichtlich war an ihr vorbeigegangen, dass mein Herr bei der Vorbereitung seiner Rede für den Schuhmacherwirtinheimsteinschwur einer Fressattacke erlegen war… doch verspürte sie Lust zu einem kleinen Spaziergang.

Ob aller guten Dinge drei sind, wollte ich vorerst jedoch noch abwarten, sodass ich die Einkaufskörbe erst einmal zuhause ließ. Doch diesmal hatte ich Glück und eine der Kajirae Hofkriegers öffnete tatsächlich die Haustür.

Ich erzählte ihr, welche Lebensmittel wir brauchten und lief dann eilig zurück zum Haus meines Herrn, um zwei Einkaufskörbe zu holen. Während ich mit meinem Sprint gleich das von ihm verordnete Lauftraining absolvierte, stellte Hadi die von mir genannten Dinge zusammen, die dann flott in meinen herbeigeschafften Körben verstaut waren. Nicht ganz so flott gelang ihr allerdings die Addition der einzelnen Preise, bei der sie auf die unglaubliche Summe von einem Silber und zwei Kupfer kam… unvorstellbar, denn ich hatte bei ihrem Gemurmel der Einzelpreise ungefähr 15 Kupfer ausgerechnet. Letztendlich stellte sich heraus, dass Hadi Silber in Kupfer nicht wie in Jorts üblich mit 1:100 gerechnet hatte. Sowas passiert, weil dieser Umrechnungskurs in jeder Stadt anders sein kann und vielleicht war sie ja gerade erst mit ihrem Herrn auf einer Reise gewesen.


Es zahlte sich jedenfalls aus, dass mir Rechnen schon immer einigermaßen leicht gefallen ist und ich das Haushaltsgeld meines Herrn, der nicht mehr mein Herr ist, immer vollkommen selbständig verwalten durfte, sodass jede Hand meistens etwas übrig war. Als Kajira eines Kriegers mit nur wenig Sold war nicht nur Haushalten wichtig, sondern gutes Kopfrechnen einfach unumgänglich, weil mein Herr von seinem Sold außer Lebensmitteln natürlich auch noch alle sonstigen Ausgaben bezahlen musste.

Nach diesem Einkauf gestern, war ich jedenfalls etwas stolz auf mich. Während die Gefährtin meines Herrn sich nicht weiter darum kümmerte, sondern stattdessen mit der inzwischen aufgetauchten anderen Grünen über Met ohne Alkohol und Kinder schnatterte, gelang es mir nämlich, nicht nur den richtigen Kurs zu bekommen, sondern noch zusätzlich einen guten Hauptmannrabatt heraus zu handeln! ;-))

Freitag, 11. Dezember 2015

Fast verlaufen…

…hätte ich mich, wenn ich nicht plötzlich von einem freundlichen „Talchen“ aus meinen Träumen gerissen worden wäre. Meine Gedanken kreisten nämlich mal wieder um meinen Herrn, der nicht mehr mein Herr ist, sodass ich automatisch den Weg zu seinem Haus einschlug, obwohl ich doch eigentlich wegen ein paar Lebensmitteleinkäufen zum Hof wollte. Wie gut, dass in diesem Moment die Kajira des Schmieds auftauchte, beim Gruß ihres Herrn ihre Arme um seinen Oberschenkel schlang und meine etwas trübsinnigen Gedanken verscheuchte. Sie lenkte mich nicht mit iherer Begrüßung „Tal mein Herr“ ab, sondern weil sie ihren Herrn, während sie an ihm klebte, gleichzeitig informierte , dass sie nur eben schnell nachsehen will, ob die Windeln trocken sind... sie hielt ihren Kopf dabei nämlich genau auf Kontrollhöhe und wo sich ihre Hände befanden, konnte ich nicht sehen.

Vollkommen erstaunt, denn selbstverständlich glaubte ich mich verhört zu haben und fand ihre Begrüßung eigentlich auch sehr schön, platzte aus mir heraus: „Tahira, dein Herr trägt WINDELN?“ Bislang hatte ich immer angenommen, der Schmied sei kerngesund, dass er nun ein Inkontinenzproblem haben könnte, entsetzte mich ziemlich, trotzdem kann sowas ja vorkommen. Wie gut, es handelte sich jedoch nur um ein Missverständnis… Tahira wollte an ihrem Herrn mit der Umklammerung keine Windeln hinsichtlich nass oder trocken kontrollieren, sondern nach dieser Begrüßung die im Kontor aufgehängten. Wegen des Unwetters vor kurzem hatte sie anscheinend das Schmiedekontor zum Wäschetrockenraum umfunktioniert. Puhh, ich war erleichtert, konnte mir den knackigen Hintern des Schmieds echt nicht in Windeln vorstellen. Richtig froh war ich allerdings, mich nicht um die Sauberkeit der zahlreichen Kinderschar im Haus des Schmieds kümmern zu müssen.

Leider befolgte Tahira nach einer kurzen Nachfrage ihres Herrn, die Leuchtkraft ihres Allerwertesten betreffend, dann  umgehend seinen Befehl „Kleines, schau nach den Windeln und feg hinterher hier ordentlich durch“. Sie begann also die Schmiede auszufegen und legte sich wegen seinem „ordentlich“ dermaßen ins Zeug, dass ich mich in den Gang zwischen Brauerei und Schmiede flüchten musste, damit meine gerade erst frisch gewaschenen Haare in den von ihr aufgewirbelten Staubwolken nicht schlagartig ergrauten. Zum Glück kam ein leichter Wind vom Hafen her, andernfalls hätte ich bestimmt nicht erkennen können, woran der Schmied gerade herumfeilte. Ich glaube, es war eine der Metallfesseln, die mein Herr vor kurzem passend zu meinem Kragen bei ihm in Auftrag gegeben hatte… aber vielleicht habe ich mich auch getäuscht.


Zum genaueren Erkunden blieb mir keine Zeit mehr, da ich nun weiter musste, um einige Aufträge meines Herrn zu erledigen. Doch der Hof schien ausgestorben zu sein und die Lebensmitteleinkäufe waren somit erst einmal aufgeschoben. Echt so gar keine Lust verspürend, wegen der überflüssigen Sandalen nun als nächstes zur Schuhmacherwirtin zu laufen, zumal ich das Weib sowieso gerade mit dem Brauereibesitzer im Gasthaus hatte verschwinden sehen, lief ich weiter zum Sattler, um mich um die Zeltreparatur zu kümmern. Sofern ich auf einer Reise überhaupt mit in seinem Zelt schlafen durfte, war die Reparatur logischerweise in meinem eigenen Interesse. Wer für die Nässe verantwortlich gemacht wird, also die bei Regen von außen eindringende, ist ja klar. Außerdem gelingt Schönheitsschlaf einfach besser, wenn ich nicht unter dem langen Riss als Schwamm herhalten muss.

Fast befürchtete ich schon, mein Zeitpunkt beim Sattler war falsch gewählt, denn es dauerte ein paar Ehn, bis seine Tür geöffnet wurde und zwar von dem Herrn persönlich… seine Kajira konnte nämlich nicht, da sie mit tief gesenktem Kopf kniend an einen Pfahl gefesselt war. Args, das sah mir ganz nach einer Bestrafung aus, bei der ich natürlich nicht stören wollte. Doch meine Frage wurde bejaht, ob ich das kaputte Zelt meines Herrn zur Reparatur bringen kann, um ihm einen Preis fürs Flicken zu nennen, sofern der Sattler meinem Herrn nicht empfehlen würde, lieber ein neues zu kaufen. Da diese Investition in meinen Augen um ein Vielfaches sinnvoller war, als Geld für Sandalen auszugeben, beeilte ich mich, um nun den zusammengerollten Zeltstoff herbei zu schaffen.

Während der Sattler dann eingehend das Tuch untersuchte, befahl er mir, seine Sklavin von ihren Fesseln zu befreien, damit sie ihm einen Paga servieren konnte. Dabei entdeckte ich, warum sie ihren Kopf immer noch so tief hielt… ihr Gesicht war nämlich ziemlich nass, allerdings nicht von Tränen. Woher diese weiß bis durchsichtige Nässe in leicht dickflüssiger Konsistenz kam, war mir natürlich sofort klar, sodass ich mir beim Lösen der Fesseln breit grinsend nicht verkneifen konnte zu fragen, ob sie sich mit einem Eiweißdrink bekleckert und ihn im Gesicht verteilt hatte. Ohje, oberschlecht drauf war sie und fauchte mich humorlos an, meine Frage sei nicht witzig. Leider nannte sie mich dabei „Bosk“, sodass ich ihre Handfesseln erst noch etwas anzog, bevor ich sie nicht gerade vorsichtig löste… um den Rest konnte die Zicke sich dann gefälligst selbst kümmern.

Danach ignorierte ich das verschmierte Ding und wandte mich ihrem Herrn wieder zu, der mir nach Untersuchung des Schadens nun mitteilte, eine Reparatur des Risses lohne sich. Er erklärte mir auch genau, wie er sie durchführen wollte, was sie kosten würde und erlaubte mir, das Zelt solange bei ihm zu lagern, bis mein Herr sich zur Reparatur entschlossen habe. Während seine Kajira sich darum kümmerte, ihrem Herrn nun den gewünschten Paga zu bringen, erkundigte er sich bei mir, ob ich durstig bin. Dankbar für diese Fürsorge nach der nicht ganz leichten Zeltschlepperei bejahte ich natürlich, hatte ich mir doch schon vorgenommen, mir vor meinem Rückweg in die Oberstadt noch einen Schluck Wasser am Brunnen zu genehmigen.

Für mich war eigentlich selbstverständlich, schnell in der Küche des Sattlers zu trinken, doch der Herr forderte mich auf, mich auf eines der weichen Sitzkissen an seinen Tisch zu knien, damit seine Sklavin mir das Wasser servieren konnte. Das ließ ich mir natürlich nicht zweimal sagen, war es mir doch eine ganz gewaltige Genugtuung, von diesem frechen Vulo, das mich „Bosk“ genannt hatte, nun bedient zu werden. Dementsprechend herablassend schaute ich auf sie von meinem Kissen herab, um ihr gnädig die Erlaubnis zum Servieren zu erteilen und betonte jeden Buchstaben ihres Namens überdeutlich. Leider kapierte das eingeschnappte Ding nichts, nannte mich jetzt zwar nicht mehr „Bosk“, sondern konterte mit der Betonung des „T“ in meinem Namen. Mal sehn, ob  R A V I N A  irgendwann von alleine drauf kommt, womit sie es sich bei mir verscherzt hat?! ;-)

Mittwoch, 9. Dezember 2015

Auf dem Weg...

...vielleicht doch eine richtige Hauptmannkajira zu werden? Naja, das ist wohl noch ein langer und manchmal auch nicht ganz leichter Weg.

Gestern verpasste ich den Heimsteinschwur der Schuhmacherwirtin, obwohl ich eigentlich gut in der Zeit lag und fast angezogen war. Mein Entschluss, an diesem Tag Nr. 4 zu wählen… eine der nicht geklauten Tuniken, die mein Herr mir erst am Vorabend zurückgegeben hatte, Nr. 5 – 7 bleiben leider noch länger in seiner Schreibtischschublade eingeschlossen… war nämlich schnell gefallen. Es war still im Haus, nachdem meine Herrschaften bereits Richtung Ratssaal aufgebrochen waren, weil mein Herr sich ja noch um den Transport des Heimsteins von seinem sicheren Versteck in den Saal kümmern musste. Doch plötzlich hörte ich merkwürdige Geräusche von unten, die ich mir nicht erklären konnte, zumal ich Lilly, das Gianni der Gefährtin meines Herrn, zusammengerollt bei einem Verdauungsschlaf in seinem Körbchen vermutete.

Tja, leider falsch vermutet… ich dachte mich trifft der Schlag, als ich die Treppe herunter kam. Das Erdgeschoss des Hauptmannshauses sah aus, als wäre dort eine ganze Schar Vulos gerupft worden. Lilly war auf die für sie vielleicht spaßige, für mich jedoch sehr zeitaufwendige Idee gekommen, ihre überschüssigen Kräfte an einem der Sitzkissen auszulassen. Zum Glück konnte ich den Schaden am Kissenstoff dank der guten Ausstattung im Nähkasten der Gnädigsten einigermaßen schnell beheben, schaffte es danach jedoch nur äußerst mühsam, die vielen umherflatternden Federn alle wieder einzufangen und zurück ins Kissen zu stopfen… eine Tätigkeit, bei der Lilly sich hilfsbereit gab, dabei nur leider keine Federn einfing, sondern sie immer wieder neu verteilte. 

Auch wenn mir nicht wirklich zum Lachen war, fand ich unsere Federschlacht eigentlich lustig und ob eine Kajira nun irgendwo stumm im Hintergrund beim Heimsteinschwur kniet oder nicht, fällt vermutlich sowieso niemandem auf… dachte ich, irrte mich aber auch darin. Meinem Herrn war meine Abwesenheit aufgefallen, ich hatte nämlich seine Rede verpasst und damit vermutlich nicht gerade bei ihm gepunktet. Wie gut, dass ich tagsüber wenigstens den Auftrag von der Schuhmacherwirtin erledigt und die in der Bäckerei bestellten Kuchen und Brote ins Gasthaus gebracht hatte, sodass auf der anschließenden Feier keine Backwaren fehlten, da mein Herr ja auch gerne Süßes isst. Ob das Ausgleich genug war, würde sich noch zeigen müssen.

Nachdem endlich sämtliche Spuren des Gianniübermuts beseitigt waren, sparte ich mir in Anbetracht der vorgerückten Ahn den Weg in den Ratssaal und lief gleich zum Gasthaus, wo die Feier offensichtlich schon voll in Gange war. Mein erster Blick über die Terrasse galt natürlich meinem Herrn und der zweite seiner Gefährtin, die zu meiner Erleichterung beide bereits mit Essen versorgt waren, wobei das für meinen Herrn natürlich erst der erste Gang war. Aber sein Teller war noch nicht ganz leer, im Gegensatz zu seinem Pagabecher... es gab vorerst also Bedarf an Getränkenachschub, dem ich schnell abhelfen konnte. Leider bekam ich dabei von den Gesprächen der Freien nicht wirklich etwas mit, sondern konzentrierte mich stattdessen lieber ganz darauf, meinem Herrn seinen Paga zu servieren.

Wie gut diese Konzentration war, zeigte sich übrigens, als mein Herr mir mittendrin überraschend, so richtig „à la Hauptmann“ auf mein Hinterteil patschte, dass ich vor Schreck quer auf seinem Schoß landete. Ich weiß zwar nicht wie, jedoch ist es mir dabei total hauptmannkajiramäßig gelungen, das Überschwappen seines Pagas zu verhindern. Wow, außer ein bisschen Gebrummel „Dita, ich bin kein Sklavenlandeplatz, außer ich zieh dich auf meinen Schoß“, war tatsächlich nichts passiert, sodass ich mich einfach wieder aufrappelte und erleichtert, aber auch ein wenig stolz über dieses Leistung, meinem Herrn seinen Pagabecher überreichte… nicht auszudenken, wenn ich den ganzen Inhalt seiner Gefährtin auf den Schoß gegossen hätte! Ob ich vielleicht doch langsam auf dem Weg zur Hauptmannkajira bin?

Keine Ahnung, jedenfalls hoffte ich, dass die sanfte Art meines Herrn nicht schon wieder beendet ist und sich seine Veranlagung zur Grobmotorik zurückmeldete. In weiser Voraussicht überreichte ich seiner Gefährtin ihren Kalana trotzdem vorsichtshalber lieber etwas zügiger, denn ich konnte ja nicht ahnen, was sich hinter mir noch tun würde und zwischen den Kissen auf der Gasthausterrasse ist relativ wenig Platz. Doch die Enge gefällt mir eigentlich, bietet sie so eine schöne Möglichkeit, sich mit dem Allerwertesten leicht an einen Herrn zu drücken… in diesem Fall an meinen. Meine Ahnungen wurden durch einen Knuff in meinen Rücken leider jedoch leider bestätigt, allerdings hielt die Herrin ihren Kalanakelch bereits in der Hand, sodass auch diesmal nichts passierte.

Eines muss man der Schuhmacherwirtin wirklich lassen, das Büffet bog sich unter den vielen leckeren Speisen, die sie aufgefahren hatte, sodass nicht nur mein Herr satt wurde… wir Kajirae durften zuletzt übrigens auch noch von den Köstlichkeiten essen. Dabei hatte mein Herr beim Schreiben seiner Rede schon sämtliches Essen vertilgt, was im Haus war, sodass seine Gefährtin sich nun wunderte, ihn schon wieder kräftig zulangen zu sehen… naja, beim Rede schreiben war es Mittag und nun eben Abend. Nachdem sich die Gnädigste und andere Gäste schließlich zurückgezogen hatten, kam nach dem dritten Gang meines Herrn übrigens seine sanfte Ader zurück. 

Ach nee, es war wohl doch der vierte, denn zwischendurch musste ich der Sklavenhändlerin noch einen Schlüssel für den Kragen ihrer neuesten Ware überreichen, den mein Herr loswerden wollte. Ihm war tagsüber anscheinend nach Aufräumen gewesen und der Entsorgung unwichtiger Dinge. Dabei hatte er auch den Schlüssel zu meinem Kragen weggeworfen… einfach über die Mauer in den Vosk. Keine Ahnung, aber vielleicht war die Erinnerung an das Ausmisten und seine Erleichterung darüber, keinen so schweren Beutel mehr mit sich herumtragen zu müssen, vielleicht die Ursache, dass zu vorgerückter Ahn seine sanfte Seite zurück kam und er mich so herrlich besitzergreifend an sich zog?   ;-)

Jede Menge Aufträge

Mein Herr meinte vor kurzem, ich würde mich bestimmt bald einleben, doch bin ich mir darüber immer noch total unsicher und habe oft das Gefühl, seinen Ansprüchen nicht gerecht zu werden. Manchmal habe ich aber auch keine Zeit für irgendwelche Gefühlsduseleien und kann mir kaum merken, was mein Herr mir alles aufträgt. Gestern war wieder solch ein Tag…

Es begann damit, dass er mich zur Krankenstation schickte, kaum dass ich bei ihm vor der Tür auftauchte, damit ich seiner Gefährtin zu Diensten bin. Die Herrin hatte jedoch keine weitere Verwendung für mich, sodass ich die Gelegenheit nutzte und ihr eine Frage wegen Desinfektion meiner Nase stellte… an diesem Tag war ja mein Nasenringtermin beim Sattler. Die Herrin machte sich sofort mit einer merkwürdig riechenden, leicht brennenden Tinktur an meiner Nase zu schaffen. Meine Skepsis, ob diese Maßnahme nicht lieber direkt vor dem Termin erfolgen sollte, ignorierte sie jedoch, sodass ich dann stumm ihr Gefummel an meinen Nasenlöchern über mich ergehen ließ, zumal inzwischen auch die andere Grüne aufgetaucht war und ich mich darauf konzentrieren musste, mir meinen Kommentar zu ihrer Behauptung zu verkneifen, mein Herr müsse auf Reisen zukünftig aufpassen, dass ich mit dem Nasenring nicht mit einer feinen Herrin der Tuchuk verwechselt werde. 

Nach dem Hinweis, mich beim Lederarbeiter wegen der Reparatur des Zeltes von meinem Herrn zu erkundigen, wurde ich zu ihm zurück geschickt. Doch erst einmal wartete noch ein anderer Auftrag auf mich. Ich durfte dem stinkenden Sleen meines Herrn sein Halsband umlegen… ein nicht ungefährlicher Auftrag, weil ich aufpassen musste, dass Hände und Arme an mir dran blieben und nicht im Maul des gefräßigen Biests verschwanden. Nachdem das ganz gut geklappt hatte, musste ich den Sleenkäfig öffnen, schnell hinter der Tür in Deckung gehen und nachdem Fenris ausgiebig am Kajirus der Sklavenhändlerin geschnüffelt und ihn dabei ordentlich besabbert hatte, hinter dem Viech die Tür des Käfigs wieder schließen. 


Mein Herr hatte den Sleen dort wieder hinein bekommen mit dem Versprechen, er bekäme nun sein Fressen. Auch dafür war ich selbstverständlich zuständig, denn halb vergammeltes, ekelhaft stinkendes Fleisch mit Innereien fasst mein Herr möglichst nicht an… dafür hat er ja seine Kajira, also mich. Hach… was für ein Gegensatz ist dieser stinkende Sleen zu dem zwar ebenfalls sehr gefährlichen, aber fast geruchlosen und vor allem vollkommen pflegeleichten Carolus, dem Tarn meines verschollenen Herrn, der nicht mehr mein Herr ist. Tarns werden nämlich nicht eingesperrt, sondern jagen sich ihre Nahrung selbstständig, kommen aber trotzdem sofort angeflogen, wenn ihr Reiter seine Tarnpfeife bläst.

Da ich meinen brummigen Herrn eigentlich mag und ihm selbstverständlich eine gute Kajira sein möchte, muss ich eben auch unbequeme oder ekelige Arbeiten verrichten oder Aufgaben, vor denen ich Angst habe. Nach dem Ekelfleisch war jedoch erst mal ausgiebiges Händewaschen am Brunnen angesagt, wo sich bereits der beschnüffelte Kajirus gründlich reinigte. Ich bin mir nicht sicher, ob vorher oder nachdem Fenris satt war, jedenfalls beauftragte mich mein Herr, bei der Schuhmacherwirtin Sandalen zu bestellen, allerdings weder für ihn, noch seine Gefährtin, sondern für mich… eine in meinen Augen überflüssige Geldausgabe für etwas, das nicht wärmt. Stiefel habe ich doch, die im Norden bei Schnee und Eis auch wirklich schön wärmen und ansonsten brauche ich nichts an meinen Füßen… nur sah mein Herr das leider anders und ich hütete mich, auch nur einen Piep dazu von mir zu geben.

Inzwischen war es leider Zeit für meinen schlimmsten Auftrag an diesem Tag geworden… mir beim Sattler das Nasenringloch stanzen zu lassen. Obwohl mein Herr seine Lochzange inzwischen wiedergefunden hatte, schickte er mich los, fesselte vorher aber meine Hände noch auf dem Rücken. Warum auch immer… keine Ahnung… Zeit darüber nachzudenken hatte ich jedenfalls nicht, weil auf diesem so schrecklich schweren Weg in die Unterstadt jede Menge Überlegungen in meinem Hirn kreisten, ob ich dieser furchtbaren Maßnahme nicht vielleicht doch noch in letzter Ihn entgehen konnte. Doch da mein Herr, der nicht mehr mein Herr ist, leider immer noch verschollen ist, sah ich keinen Ausweg und lief tatsächlich zum Sattlerhaus, wo dann meine allerletzte Hoffnung ebenfalls zunichte gemacht wurde… der Herr war nämlich zuhause.


Ich gebe zu, so schrecklich wie ich es mir vorgestellt hatte, war meine Angst dann nicht. Im Gegenteil, sie wurde genau in dem Moment sogar noch viel schlimmer, als sich die Lochzange des Sattlers meiner Nase näherte und ich immer mehr schielen musste, weil ich sie mit den Augen angepeilt hatte. Ok, weitere Einzelheiten werde ich mir hier jetzt lieber verkneifen, denn wie auch immer, ich habe überlebt und schaffte es hinterher noch, mich bei meinem Piesacker wegen der Zeltreparatur zu erkundigen. Ob meine Nase demnächst abfaulen wird, bleibt zwar leider noch einige Tage abzuwarten, doch lief ich trotzdem in einer Mischung aus großer Erleichterung und einer vorsichtigen Portion Stolz Richtung Marktplatz… durch die offen stehende Haustür des Sattlers hatte ich nämlich gehört, dass mein Herr nach der Schuhmacherwirtin brüllte.

„Dita versteck dich nicht… komm her, wir wollen dich ansehen“, war jedoch nicht wirklich das, was ich mir nach dieser Tortur ersehnt hatte, als ich meinen Herrn mit seiner Gefährtin auf dem Marktplatz entdeckte, wo er sich mit dieser Freien unterhielt. Doch als neue Kajira des Hauptmanns muss ich mich noch an so viel gewöhnen und vor allem lernen, von mir abprallen zu lassen, dass ich mit dem Boskring zur Belustigung beitrage. Zählt Belustigung eigentlich auch zum „Freie erfreuen“, das sich jede Sklavin mehr ersehnt, als alles andere? Egal, ich habe eh keine Wahl und werde nun damit leben müssen, Bosk genannt zu werden. Nur ob ich mich dann wirklich angesprochen fühle und tatsächlich reagiere, wird sich noch zeigen, außer es wird überdeutlich, dass ich gemeint bin. 

Vielleicht gelingt es mir in Zukunft ja, einer im Norden wie ein bunter Sleen bekannten, kastenlosen Freien, Sklavenhändlerin mit sehr speziellen Methoden, bislang ohne Heimstein, möglichst aus dem Weg zu gehen. Dieses Weib kenn sich natürlich auch im Süden aus, weil sie nämlich schon überall gelebt hat… in der Tahari bei den Bakah und nicht zu vergessen, bei einem Stamm der Tuchuk, seitdem sie sich mit Nasenringen auskennt, obwohl die Frauen dieses Stammes solchen Schmuck nicht trugen. Ach was soll’s, vermutlich habe ich alles falsch verstanden, so durcheinander und so unsicher wie ich wegen dieses Rings war, der wirklich ein ganz neues Gefühl an meiner Nase erzeugt.


Ein wenig beruhigte ich mich, als mich der nette Schmied mit der Musterung des ungewohnten Schmucks an meiner Nase etwas ablenkte, indem er sehr nahe zu mir heran trat und ganz sanft mein Kinn mit den Fingern anhob. Leider vergaß ich mir dabei zu merken, dass mein Herr mir auftrug, ihn später an irgendwas zu erinnern, was es war sagte er jedoch nicht. Ich war in diesem Moment der mich intensiv musternden blauen Augen des Schmieds tatsächlich ein bisschen stolz auf den Nasenring und nachdem er sein Gefallen daran geäußert hatte, fragte ich ihn, ob seiner Meinung nach der Name Bosk jetzt der richtige für mich ist. Tja, wer viel fragt, bekommt viel zu wissen… nur manchmal auch das, was man gar nicht hören will, denn meine Frage war dumm und überflüssig.

Der Herr verneinte zwar, schlug aber stattdessen breit grinsend Boskita als neuen Namen vor, was mich logischerweise sehr ernst werden ließ. Oh menno… ich scheine momentan wirklich zart besaitet zu sein, denn ich merkte nicht, dass ich gefoppt wurde. Wie gut, dass der Schmied mich schnell aufklärte und außerdem ist ja nur wichtig, wie sehr dieser Ring meinem Herrn gefällt. Er gefiel ihm anscheinend sogar so gut, dass er später zuhause nachsichtig mit mir war, obwohl ich vergessen habe, ihn zu erinnern. Eigentlich wollte er mir wohl die 4 verschwunden Tuniken zurückgeben, die nicht gestohlen, sondern in seiner abgeschlossenen Schreibtischschublade gelandet waren… trotz meines Fehlers schmiss er keine ins Feuer, sondern ich bekam eine zurück!