Montag, 19. Januar 2015

Begleitschutz für den Sattler

An diesem Tag sollte es mal wieder auf eine Reise gehen. Mein Herr hatte dem Sattler nämlich wegen einer Beschaffung seinen kriegerischen Begleitschutz zugesagt. Natürlich ging es um Leder, allerdings auch noch um etwas ganz anderes, worüber ich jedoch Stillschweigen bewahren muss. Während ich für diese Unternehmung logischerweise eine ganze Weile damit beschäftigt war, diverse Dinge einzupacken, verließ mein Herr sein Haus, um den Schmied aufzusuchen. Ich vermute, nach dem einen oder anderen zusätzlichen Bogentraining… wobei ich nur bei einem mit dem Hauptmann in der letzten Hand zuschauen konnte… wollte er sich jetzt vor allem erkundigen, ob sein neues Schwert vielleicht schon fertig ist, um die Reise nicht mit dem Ersatzschwert antreten zu müssen. 


Wegen der neuen Waffe hatte es vor einigen Tagen übrigens eine Auseinandersetzung mit einem jortsschen Krieger gegeben, der dabei Bekanntschaft mit dem Ersatzstahl meines Herrn und dem Pflaster des Marktplatzes gemacht hatte. Mein Herr war zwar als Sieger hervorgegangen, war vom Hauptmann jedoch mit einem Schlag ins Gesicht belohnt worden, während der andere sich wohl kurz von einer der Grünen behandeln lassen musste. Anscheinend war dieser Rarius über einen Hauptmannsbeschluss nicht in Kenntnis gesetzt worden und glaubte, mein Herr könne den Preis für das neue Schwert nicht bezahlen, was selbstverständlich kompletter Unsinn ist. Keine Ahnung warum, jedenfalls behandelte dieser Krieger meinen Herrn wie einen Bettler und warf ihm zweieinhalb Silber vor die Füße. Wie gut, dass der Hauptmann sofort eingegriffen und den Streit geschlichtet hat.

Nachdem ich endlich sämtliches Reisegepäck und ausreichend Proviant zu einem kompakten Bündel verschnürt hatte, das ich einigermaßen gut schultern konnte, lief ich natürlich ebenfalls Richtung Stadt, um nach meinem Herrn Ausschau zu halten. Ich musste auch gar nicht weit laufen, denn ich traf ihn vor der Schmiedewerkstatt, wo ihm der Schmied gerade die hochwertige Qualität seines neuen Schwerts auf eine sehr beeindruckende und überzeugende Art demonstriert hatte. Mein Herr war jedenfalls hin und weg über diese ausgezeichnete Waffe, denn er klopfte sich bei meinem Eintreffen gerade mit der linken Faust an die Brust, bevor er sein neues Schwert an seinem Gürtel befestigte, die Hand dann in einer Geste der Ehrerbietung gen Schmied erhob und begeistert ausrief: "Myrkur, Meisterschmied von Jorts Fähre!"


Nachdem ich leider einen Hinterkopfditscher wegen Plappern von meinem Herrn kassiert hatte… manchmal klappt es einfach immer noch nicht so richtig mit meinem losen Mundwerk… die Bezahlung des neuen Schwerts geklärt, ein weiterer Auftrag der Kriegerkaste mit dem Metallhandwerker besprochen und mein Herr ihm erzählt hatte, dass er nicht auf Ravi und mich aufpassen muss, weil wir wegen standesgemäß und so selbstverständlich auf die Reise mitgenommen werden, zog es ihn dann nach Hause. Dort erfuhr ich noch ein paar interessante Details über die Fertigung dieses Schwerts nach einer sehr speziellen Rezeptur des jortsschen Schmieds, sodass ich nun glaube, mein Herr besitzt die beste Klinge von ganz Jorts. Wobei mich seine Worte „die beste Klinge macht noch keinen besseren Kämpfer“ sogleich wieder zurück in die Realität herunterholten. 


Natürlich wollte mein Herr auch die Reiseausrüstung noch kurz kontrollieren… ob ich an Extrapfeile, Bogensehnen, alles zur Waffenpflege, Kleidung für alle Wetterlagen, Seile, Tarngeschirr-Ersatzriemen und, und, und gedacht hatte. Das Proviantpaket interessierte ihn allerdings nicht so wirklich, dafür aber ob die große der beiden Bothas mit Paga gefüllt war. Tja, leider befand sich sein Lieblingsgetränk jedoch in der kleinen und in der anderen Wasser… eine Entscheidung, die mein Herr nach ein wenig Gebrumme letztendlich aber doch akzeptierte. Außerdem war inzwischen der Lederarbeiter eingetroffen, sodass es nach einer kurzen Besprechung der Route und über Brotmesser in Schwertgröße… ein solches Teil hin nämlich am Gürtel des Sattlers… zum Tarnturm ging, wo wir mit dem ganzen Gepäck nach oben zur Plattform stiegen, während mein Herr noch schnell im Wachbuch eine kurze Eintragung machte. 


Der Flug zu unserem ersten Ziel Nadira, verlief ohne Zwischenfälle und ab dem Voskdelta ging es entlang der Thassa sogar mit leichtem Rückenwind nach Norden weiter. Wobei ich verschnürt vor meinem Herrn, quer auf dem Tarn liegend, davon nichts mitbekommen habe. Den guten Platz hinter ihm hatte nämlich der Sattler erhalten, der es übrigens nicht so mit der Höhe hat, wie er nach unserer Landung eingestand. 

An Nadira, dieses ziemlich verschlafene, kleine Dorf, seine freundlichen Bewohner und vor allem die wunderschöne Badegrotte habe ich recht angenehme Erinnerungen… vor allem natürlich an die Grotte… denn ich durfte meinen Herrn schon zweimal dorthin begleiten. Das erste Mal vor fast zwei Märkten in Sachen Zielgebiet und später erneut, als er wegen seiner Verletzung dort eine Grüne aufsuchen wollte. 

An diesem Tag dauerte es allerdings ein Weilchen, bis einer der Bewohner mit seiner Kajira das Gasthaus betrat. Und es war auch nicht wie damals das Dorfoberhaupt, sondern diesmal der ortsansässige Schmied, von dem mein Herr und der Lederarbeiter dann jedoch sehr freundlich begrüßt und letztendlich an den Nebentisch zu einem Paga in gemütlicher Runde eingeladen wurden… was mein Herr übrigens wörtlich nahm, denn er legte seine Füße auf den Tisch. 


Der Paga in Nadira kostet übrigens das Zehnfache des jortsschen und hatte meinen Herrn nach Musterung der Preistafel zu dem entsetzten Ausruf veranlasst „Bei den Priesterkönigen! Kajira, hier trink ich nichts!“ Sogar Wasser kostete ein Kupfer. Wobei sich die Frage des Umrechnungskurses dann letztendlich nicht mehr abschließend klärte, was mit der netten Einladung aber auch egal war. Mal sehen, ob der Schmied tatsächlich für eine Pagarevanche mal nach Jorts Fähre kommt. 


Ich glaube jedenfalls, dass der Sattler fürs Erste ganz angetan war von dem, was er in Erfahrung gebracht hatte und von der rothaarigen Schmiedekajira wohl auch. Während mein Herr zu vorgerückter Ahn Richtung Badegrotte strebte, was mein Kajiraherz vor Freude natürlich sofort schneller schlagen ließ, hörte ich nämlich noch, wie der Lederarbeiter der Sklavin die Frage stellte, ob sie im Preis mit drin ist… ihre Antwort jedoch leider nicht mehr.

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