Montag, 12. Januar 2015

Ende eines Lieblingshemds und…

„Sag mal Kajira, was ist eigentlich mit meinem Hemd, das ich beim Duell trug? Muss es zur Schneiderin oder kannst du es flicken?“ fragte mich mein Herr an diesem milden Morgen, den er auf der Bank vor seinem Haus genoss. Ohje, siedend heiß fiel mir wieder ein, ich hatte ihm noch nichts vom Schicksal eines bestimmten Kleidungsstücks erzählt… seinem langärmeligen Lieblingshemd! Um ihn für mein Geständnis positiv und vor allem möglichst milde einzustimmen, hob ich daher nun besonders hervor, wie schön sauber das rote Teil inzwischen wieder ist und dass es überhaupt nicht mehr riecht, weder nach Schweiß noch dem vielen Blut, mit dem es so reichlich durch die schrecklichen Verletzungen getränkt worden war. Mist… ich glaube, nach meiner besonders ausführlichen, aber leider auch verdächtig langen Einleitung ahnte mein Herr bereits etwas, zumindest war dies nach seinem „aber?“ mit drohend angehobenen Augenbrauchen zu befürchten.


Da mir das um den heißen Brei herum Reden offensichtlich nichts nützte, trat ich letztendlich den Marsch nach vorne an, erwähnte vorher aber noch mit Unschuldsmiene, wie furchtbar hartnäckig Blutflecken sind. Oha, das Verengen seiner grauen Augen zeigte mir nun an, dass bereits 5 vor 12 eingeläutet worden war und außerdem befahl mein Herr: „Kajira... raus mit der Sprache, was hast du mit meinem Hemd angestellt?“ Eine Fortsetzung meiner kurzen Galgenfrist durch Schilderung, wie ausgiebig und oft ich sein Hemd trotz mehrfachem Einweichen hatte waschen müssen, verpuffte nun leider ebenfalls wie im Flug und es blieb mir letztendlich nichts anderes übrig als einzugestehen, dass der Ärmel mit dem langen Schnitt irgendeinen meiner diversen Waschgänge nicht überstanden und sich aufgeribbelt hatte. 

Inzwischen ziemlich kleinlaut beichtete ich weiter, dass außer einem langen roten, leider total vertüdelten Faden und dem Bündchen nichts übrig geblieben war von dem linken Ärmel und da ein Hemd mit nur einem Ärmel ja irgendwie doof aussieht und eh nicht mehr richtig wärmt, hatte ich kurzerhand den zweiten ebenfalls einfach abgeschnitten. Ich tröstete meinen Herrn aber sofort damit, dass aus dem langärmeligen Hemd nun ein richtig schickes Muskelshirt für den Sommer geworden war, in dem seine wundervoll anzusehenden, sehr muskulösen Oberarme erst so richtig toll zur Geltung kommen und fand die von mir ergriffene Maßnahme eigentlich super. Doch mein Herr schien darüber deutlich weniger begeistert zu sein als ich. „Kajira, willst du mir jetzt etwa erzählen, dass du von meinem Lieblingshemd die langen Ärmel abgeschnitten hast?“

Komischerweise schien ihn meine freudige Mitteilung, dass sich der rechte Ärmel noch ganz hervorragend als Putztuch eignet, auch überhaupt nicht zu trösten, denn er herrschte mich jetzt ungehalten an, ihm das Hemd und seine Überreste zu bringen… ein Befehl dem ich selbstverständlich jetzt eiligst nachkam. Wie gut, dass ich den komplett vertüdelten Ribbelfaden noch nicht weggeworfen hatte. Die Miene mit der mein Herr sämtliche Einzelteile betrachtete, ließ mich betreten zu Boden schauen. „Dir ist nicht in den Sinn gekommen, dass die Schneiderin den Schaden vielleicht noch hätte reparieren können? Bara Kajira!“ donnerte er mich an, sodass ich mich umgehend vor ihm auf den Boden warf… Gesicht ins Gras gedrückt, Hand- und Fußgelenke gekreuzt und in der Erkenntnis meiner Schuld kaum mehr Luft zu holen wagte.

Leider blieb mein allerletzter zaghafter Versuch von Schadensbegrenzung ebenfalls vergeblich. Mein Herr ignorierte einfach, dass die Schneiderin ja vielleicht neue Ärmel an das Oberteil annähen kann. Stattdessen war jetzt eindeutiges Reißen von Stoff zu hören und ich spürte schließlich, dass erst meine Hand- und danach meine Fußgelenke gefesselt wurden. Auch wenn ich nicht wagte aufzuschauen, war ich mir ziemlich sicher, dass nicht nur das langärmelige Lieblingshemd, sondern auch das tolle Muskelshirt jetzt der Vergangenheit angehörte. Ich begann meinen Herrn um Verzeihung anzuflehen. "Du wirst meine Kleidung in Zukunft mit mehr Respekt behandeln und nicht einfach eigenmächtig ein Hemd zerschneiden, das mich Kupfer gekostet hat... aber das werde ich dich noch lehren Kajira!" donnerte er mich an und befahl mir schließlich, mich wieder vor ihn zu knien, was mir mit den Fesseln relativ unelegant aber letztendlich gelang.


Obwohl ich hoch und heilig versprach, meinen Fehler nicht zu wiederholen und meinen Herrn erneut um Verzeihung anflehte, war er leider immer noch nicht fertig mit mir, sondern erkundigte sich nun nach dem Zustand seiner Sandalen und rollte nebenbei den Putzlappenärmel zusammen. Wie gut, dass ich die blutverschmierten Lederriemen der Sandalen lediglich gereinigt und hinterher sorgfältig eingefettet, aber ansonsten drangelassen hatte… nämlich auch die beiden losen, von der Hauptmannsklinge durchtrennten Enden des einen Riemens. Diese Umsicht ersparte mir nämlich die Bekanntschaft mit der Kurt, allerdings nicht den ekeligen Putzärmelknebel, den mein Herr mir jetzt in den Mund stopfte, bevor er mir eine Ohrfeige verpasste und zu einer gewaltigen Standpauke mit ein paar weiteren körperlichen Untermalungen ansetzte. Danach griff er an meinen Kragen, zog mich dicht zu sich und entfernte den ekeligen Stoff aus meinem Mund, um mir eine wichtige Frage zu stellen.

Puhh, Glück gehabt, meine Bestrafung war beendet! Mich rettete offenbar, dass ich den breiten Ring mit dem Familienzeichen meines Herrn, den er immer um seinen Oberarm trägt, sorgfältig geputzt in seiner Kiste verstaut hatte. Er ermahnte mich noch einmal, meine neueste Lektion ja nicht zu vergessen und zerschnitt schließlich meine Fesseln, damit ich die Überreste seines Lieblingshemds entsorgen und mich anziehen konnte. Mittlerweile glühte übrigens nicht nur meine Wange von der Ohrfeige, sondern ich stand innerlich komplett in Flammen… aber das ist hier jetzt nicht weiter wichtig. Wobei ich mir gerade unsicher bin, ob mein breit grinsender Herr nicht doch durchschaute, wie es um mich stand. Egal, es ging jetzt erst einmal zur Sattlerei, wo er nämlich sein vom Lederarbeiter hoffentlich repariertes Schild abholen wollte, sofern dieser vielbeschäftigte und daher öfter auf Reisen befindliche Herr überhaupt zuhause war.


Der Zeitpunkt war anscheinend günstig, denn der Sattler war nicht nur in seiner Werkstatt, sondern hatte das Schild mit neuen Gurten ausgestattet. Natürlich überprüfte mein Herr den Sitz sehr kritisch, brachte dann aber seine Zufriedenheit über die hervorragende Arbeit zum Ausdruck und holte einen Kupfertarsk aus seinem Beutel, denn Wartungsvertrag hin oder her… gute Arbeit muss sich lohnen. Besonders erfreut war er natürlich zu erfahren, dass der Sattler sich seine durch die Klinge des Hauptmanns beschädigte linke Sandale gelegentlich ansehen will. Obwohl er kein Schuster ist, machte er meinem Herrn dennoch Hoffnung auf Reparatur, da hier ja nur der durchtrennte Lederriemen ausgetauscht werden muss. Doch das eilt vorerst nicht. Mein Herr bevorzugt momentan nämlich seine Stiefel, weil er auf dem Tarn leicht kalte Füße bekommt, wenn sein Kajiraofen mal nicht mitfliegt.


Mit der Verabschiedung „ihr Handwerker solltet hoffen, dass wir Krieger uns öfter duellieren, denn da verdient ihr gut dran!“ ging es nun weiter zum Schmied. Nach dem Kampf mit dem Hauptmann hatte mein Herr nämlich eine tiefe Scharte in der Schwertklinge bemerkt und wollte nun in Sachen Ausbesserung dazu den Rat des Schmieds einholen. Verdienst hin oder her, so laut wie der Herr beim Betrachten der beschädigten Klinge mit seinen Zähnen knirschte, schien ihm der Bericht über einen falsch parierten Hieb offensichtlich ganz und gar nicht zu gefallen. Um das Anliegen meines Herrn dem Schmied vielleicht etwas schmackhafter zu gestalten, präsentierte ich mich seitlich hinter ihm mit schön durchgedrücktem Rücken und weit geöffneten Schenkeln. Tja, und es klappte tatsächlich, denn der Schmied leckte sich nicht nur über die Lippen und zwinkerte mir zu, sondern stand tatsächlich von seiner Bank auf, um die Klinge in Augenschein zu nehmen.


Das Urteil war leider niederschmetternd… das Gladius meines Herrn ist nämlich ein Fall für seine Kriegerkiste oder als Wandschmuck tauglich, jedoch nicht mehr als Waffe geeignet. Kein Wunder, dass es meinen Herrn nach ausführlicher Beratung mit dem Schmied und der Beauftragung eines neuen Schwertes zu seinem Ersatzschwert und einem gut gefüllten Becher Zuhausepaga zog. „Ich bin sehr betrübt wegen meinem Schwert… munter mich auf, meine Kajira.... wenn du es schaffst, hast du dir verdient, mich heute Nacht zu wärmen“ war natürlich eine Aufforderung, die mein Herr mir nicht zweimal sagen musste............... ;-))

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