Donnerstag, 8. Januar 2015

Nachschlag mit rotkastigem Spezialtanz

Der Kampf meines Herrn mit dem Hauptmann ging anscheinend auch an mir nicht ganz spurlos vorbei, denn ich schlief sehr schlecht in dieser Nacht. Vielleicht steckte mir der Schock über seine Verletzung und vor allem die schreckliche Angst um ihn noch zu sehr in den Knochen. Jedes Mal wenn ich meine Augen schloss, sah ich erneut, wie er blutüberströmt in der Arena zu Boden sank und zwei Finger der rechten Hand als Zeichen seiner Kapitulation ausstreckte. Ich bekam daher mehrfach mit, dass er sich im Schlaf umdrehte und leise stöhnte… eigentlich kein Wunder, bei seiner mit gefühlt 1000 Stichen genähten Beinverletzung. Folge meiner nächtlichen Unruhe war leider jedoch, ich verschlief am nächsten Morgen das Aufstehen meines Herrn.

Die schöne Aussicht auf den Vosk genießend, saß er nämlich bereits auf der Bank vor seinem Haus, lächelte mich aber an, nachdem ich meine Lippen für einen sanften Begrüßungskuss auf seine Stiefelspitze gedrückt hatte. Meine erste Frage danach galt natürlich seinem Befinden. Hach, ich kann gar nicht sagen, wie erleichtert ich war, dass es ihm anscheinend etwas besser ging. Die Medica hatte wirklich gute Arbeit geleistet, denn die heftige Blutung war tatsächlich zum Stillstand gekommen und die Naht hatte anscheinend gehalten. Da das metallische Klirren von Schwertern wie immer Mitte der Hand von der Trainingswiese bis zum Haus meines Herrn zu hören war, hielt ihn schließlich jedoch nichts mehr zurück… er bestätigte mir allerdings grummelnd, dass er sich schonen und diesmal dem Waffentraining nur zuschauen wird.

Seine Runde durch die Stadt war meinem Herrn nämlich sehr wichtig. Verletzung hin oder her, die Einwohner sollten sehen, dass ihn das Duell mit dem Hauptmann nicht so einfach umgehauen hatte. Außerdem hoffte er den Sattler zu treffen, um die von der Klinge des Hauptmanns durchtrennten Riemen an seinem Schild erneuern oder reparieren zu lassen. Doch sein erstes Ziel war natürlich die Wiese hinter dem Hof, wo sich die jortsschen Krieger fleißig im Schwertfuchteln… ähhmmm… ich wollte natürlich sagen in der Schwertkunst übten, während sich Darks Herr offensichtlich mehr als erbost über irgendwelche Blindvulos ausließ. Wobei ich mir sofort fast sicher war, dass er damit meinen Herrn und den Hauptmann gemeint hatte. Ich war nämlich schon in Hörweite, als Dark plötzlich rief: „Oh… da ist er!“ bevor sie sich räusperte, meinen Herrn ziemlich verlegen begrüßte und sich dann schnell Richtung Baumstamm verzog. Den Gruß ihres Herrn konnte man jedoch bestenfalls als Knurren bezeichnen und wurde von meinem Herrn daher auch nur sehr kühl erwidert. 


Darks Herr kam reichlich aufgebracht auch sofort zur Sache und begann mit seinen Belehrungen. „Lucius, ich habe dich gestern offenbar zu schnell gelobt, als du trotz Duell den Heimstein bewacht hast. Dein Benehmen und das des Kastenersten war eine Schande!“ Oha, sollte es jetzt mit einem rotkastigen Spezialtanz weitergehen, obwohl die letzten Kampfspuren vom Duell noch gar nicht verheilt waren und halb Jorts zuhörte? Mir wurde nämlich klar, der Krieger aus Ko-Ro-Ba empörte sich immer noch darüber, dass mein Herr und der Hauptmann ihr Duell nicht beim ersten Blut beendet hatten. Vor Wut kochend verwies er erneut auf die Kastenregeln und ließ überhaupt nicht gelten, dass mein Herr und der Hauptmann von gleicher Kaste sind wie er und die Regeln für ihren Kampf zuvor sogar unter Zeugen festgelegt hatten, nämlich übers erste Blut hinaus bis zur Kapitulation eines Kriegers weiter zu kämpfen. Er wollte einfach nicht hören, dass keiner der beiden Rarii den anderen getötet hätte… seine Ohren waren vor Zorn anscheinend komplett verstopft.

Übrigens war das Schwerttraining jetzt schlagartig unterbrochen, da sich offenbar nicht nur die beiden schnatternden Herrinnen, sondern auch keiner der Krieger diesen wütenden Ausbruch entgehen lassen wollte. Wobei die meisten so taten, als hätten sie gerade etwas Wichtiges an ihren Waffen zu richten und es den Hauptmann anscheinend gerade ganz fürchterlich am Hinterteil juckte… alles selbstverständlich sehr wichtige Gründe für eine Trainingspause. Dem vor Wut jetzt fast platzenden Rarius war jedenfalls vollkommen egal, was mein Herr und der Hauptmann vorher abgesprochen hatten. Er schnaubte, beide seien Hohlköpfe, die keine Ahnung davon haben, worum es bei einer Gefährtenschaft geht und behauptete, sie seien schon bevor der erste Tropfen Blut geflossen war nicht mehr zurechnungsfähig gewesen, weil ihnen ihr bestes Stück zum Hirn herausgeschaut hat! Pahhh, was für ein Dünnschiss… die beiden Männer haben Kajirae!! Doch das habe ich selbstverständlich nur ganz leise gedacht. Wie gut, dass ich mein Plappermaul inzwischen total gut im Griff habe.

Nachdem der Krieger schließlich noch das Mentoring für meinen Herrn als beendet erklärt und damit anscheinend genau den Gedanken meines Herrn ausgesprochen hatte, der übrigens vollkommen ruhig und sachlich geblieben war, war die aufgestaute Wut wohl endlich einigermaßen raus aus ihm. Aber ob es ihm jetzt besser ging? Keine Ahnung… auf jeden Fall hatte er Durst bekommen und stapfte nun mit wehendem Umhang Richtung Gasthaus davon. Da mein Herr sich ja leider schonen muss und nicht mittrainieren kann, suchte er nun den Sattler auf, allerdings vergeblich. Stattdessen begegneten wir der Grünen, die die grässliche Verletzung am Bein meines Herrn am Vortag wieder zusammengeflickt hatte und sich nun nach seinem Befinden erkundigte. Das war für ihn natürlich eine perfekte Gelegenheit, erneut seine Zufriedenheit über ihre kompetente, medizinische Behandlung zu äußern. Erstaunlicherweise erkundigte sich die Medica, ob ich früher mal jemandem aus ihrer Kaste gedient hatte. Meine Beschriftung der Arzneitiegel mit P, M, S, H schien sie wohl irgendwie beeindruckt zu haben… übrigens alles Vorschläge ihrer Kastenschwester.

Da sich das Training der Krieger nun in die Oberstadt verlagert hatte und weder mein Herr noch die Grüne Wert auf Pfeiltreffer legten, gesellten sich die beiden zu den anderen Freien auf der Gasthausterrasse dazu, während ich das kaputte Schild vorher noch schnell nach Hause zurückbrachte. Die Gespräche dort drehten sich natürlich erneut um die Nichtmehrzukünftige meines Herrn, um die jetzt zwar einer weniger, aber immer noch zwei Herren buhlen. Wobei sich der Händler sehr sicher zu sein scheint, diese Freie zur Gefährtin zu bekommen. Von sich selbst und vor allem seinem dicken Geldbeutel überzeugt behauptete er nämlich, es nicht nötig zu haben, sich dieser Frau in einem Duell beweisen zu müssen oder ihr die ganze Zeit am Rockzipfel zu hängen, wie es der Hauptmann vor lauter Unsicherheit ständig macht. Er glaubt offenbar, die Gnädigste mit teuren Geschenken beeindrucken zu können… der golddurchwirkte Stoff ihres Kleids beim Heimsteinschwur war nämlich von ihm.

Hach, es hörte sich für mich richtig gut an, als mein Herr dazu lediglich sagte, dies sei nicht mehr sein Metier nachdem der Stahl am Vortag Recht gesprochen hatte. Wichtig sei nur, dass sich die Freie für den Krieger entscheidet, der Ehre und Mut, Stärke und Sieg auf seiner Seite hat. Doch am allerschönsten war das Gefühl, den Arm meines Herrn zu spüren, mit dem er mich besitzergreifend an sich zog. :-)))

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