Freitag, 9. Januar 2015

Schild endlich in Reparatur

Von der Wiese waren schon wieder aufeinandertreffende Schwertklingen zu hören, die meinen Herrn unruhig werden ließen, sodass er nun den richtigen Zeitpunkt für einen Rundgang gekommen sah. Sein kaputtes Schild stand allerdings immer noch an die Wand gelehnt neben der Haustür, weil es einfach noch nicht geklappt hatte, es dem Sattler zur Reparatur zu bringen. Wobei er sich momentan wegen seiner Verletzungen ja schonen muss und sich erstaunlicherweise auch daran hält… übrigens im Gegensatz zum Hauptmann. Da mir die beiden blutenden Schnitte nicht entgangen waren, die die Klinge meines Herrn bei seinem Gegner hinterlassen hatte, bin ich mir fast sicher, dass ihm von seiner Fastgefährtin bestimmt ebenfalls Schonung verordnet worden war. Entweder hielt er sich nicht daran oder ich hatte mich doch getäuscht, da mein Hauptaugenmerk natürlich meinem Herrn gegolten hatte.

Auf dem Weg zum Sattler wegen der immer noch ausstehenden Reparatur des Schilds meines Herrn, ließen uns Geräusche aus der Backstube inne halten, denn die Bäckerin war schon einige Zeit nicht mehr gesehen worden. Doch nicht die Herrin, sondern der Händler und seine Sklavin kamen aus der Bäckerei. Ich vermutete, er hatte womöglich irgendetwas aus der Backstube gehört und er hatte nachgesehen, ob die Herrin wieder zurück ist. Sie ist nämlich schon seit einiger Zeit verschwunden. Aber wie konnte ich vergessen, dass immer noch zwei Herren um eine Grüne werben! Mein Herr nahm deswegen nämlich an, der Händler hatte für seine Angebetete etwas Gebäck kaufen wollen. Wir lagen beide jedoch verkehrt. Wegen des unklaren Verbleibs der Herrin war dem Händler in den Sinn gekommen, das Haus vielleicht abreißen zu lassen, weil offensichtlich ein Fluch auf dem Gebäude liegt. Alle Bewohner die jemals diese Mauern gemietet hatten, waren nämlich über kurz oder lang unerklärlicherweise verschollen.


Mit der Information des Händlers, die Vorzeichen in Sachen Gefährtenschaft mit diesem grünen Weib stehen für ihn besser denn je und er sei gerade damit befasst, Kuchen für die Feier zu bestellen, setzte mein Herr schließlich seinen Rundgang fort, stoppte jedoch nicht beim Haus des Lederarbeiters, sondern lief gleich weiter Richtung Wiese. Dort am Brunnen hatten sich schon wieder etliche Bewohner eingefunden, um den trainierenden Kriegern zuzuschauen, darunter auch der Hauptmann. Da mein Herr in Sachen Gefährtenschaft nach seiner Kapitulation selbstverständlich Partei für den Hauptmann ergriffen hat, war es ihm natürlich wichtig, ihn über die neuesten Absichten des anderen Bewerbers zu unterrichten. Seiner Meinung nach wäre es nämlich nicht wünschenswert, wenn der zwar stinkreiche, aber dennoch niederkastige Händler das Rennen um eine Freie von hoher Kaste macht.

Selbstverständlich kniete ich mich etwas abseits und tat so als würde ich nicht zuhören, nachdem mein Herr und der Hauptmann den Abstand zu dessen Fastgefährtin vergrößert hatten, bekam aber dennoch jedes Wort über das gegnerische Aufrüsten und die Verteidigungslücke an der Kuchenfront mit, die nach Ansicht meines Herrn unbedingt geschlossen werden sollte. Leider tauchte nun jedoch auch der Feind auf, sodass mein Herr dem Hauptmann lediglich erneut bestätigte, dass er ihm zur Verfügung steht, falls er Beratung bei diesem Einsatz benötigt, bei dem es sehr empfehlenswert erscheint, sich mehrere parallele Taktiken zu überlegen. Da sich der Händler weder von dem gefährlichen Brummen seines Nebenbuhlers noch von dessen finsteren Blicken davon abhalten ließ, eine von ihm angestrebte Änderung der Stadtgesetze anzusprechen, sah mein Herr jetzt den Zeitpunkt gekommen, sich auf die Suche nach dem Sattler zu machen. 

Wir trafen den Herrn letztendlich am Hafen, wo er vor der Taverne mit hochgelegten Füßen die herrliche Sonne und die milden Temperaturen bei einem kleinen Nickerchen zu genießen schien. Nach unserem leisen Gruß öffnete er jedoch langsam ein Auge, dann auch das zweite, um sich freundlich nun zu erkundigen "Tal Lucius...was machen die Verletzungen?“ Da es meinem Herrn tatsächlich inzwischen etwas besser geht, tat er die nun einfach als ein paar unwichtige Kerben im Stamm eines Baumes ab und lud den Lederarbeiter zu einem Paga ein, um mit ihm über die Reparatur seines Schilds zu sprechen. Ich vermute, ohne dieses Brett auf dem Rücken fühlt er sich irgendwie unvollständig. Da für den Sattler die Erneuerung der Riemen zum Glück kein Problem ist und diese Arbeiten ja auch Bestandteil seines Wartungsvertrages mit der roten Kaste sind, lief ich schnell nach Hause, nachdem ich den beiden Männern ihren Paga serviert hatte, um das reparaturbedürftige Schild schnell zu holen. 


Inzwischen hatte sich auch die Kajira des Sattlers dazugesellt und zog mit ihren leuchtend roten Haaren die Blicke meines Herrn auf sich. Während er mir nun die große Ehre zukommen ließ, sein verletztes Bein auf meine Schulter zu legen… hochlegen fördert bestimmt die Heilung der fiesen Verletzung besonders gut und außerdem konnte ich meine Wange sehr sanft anschmiegen… erkundigte er sich nun bei ihrem Herrn, ob es stimmt, dass Rothaarige in den Fellen wilder sind. Doch der Lederarbeiter antwortete einfach nur lachend „Wilder als was ist immer die Frage“. Er war offensichtlich sehr zufrieden mit dem Feuer seiner Kajira und auch sonst glaube ich. Während ich dem Gespräch der beiden Männer lauschte, verging die Zeit übrigens wie im Flug und es wurde schließlich Zeit zum Aufbruch. 

Meinem Herrn war es nämlich sehr wichtig, dass ich an diesem Tag unbedingt noch seine Verbände wechselte und mir dabei die Wunden anschaute. Dementsprechend erleichtert war ich natürlich, dass beide Verletzungen offensichtlich sehr gut heilten und dem Ziehen der Fäden in der nächsten Hand sicher nichts entgegen steht… wenn er sich weiter so gut schont!

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