Samstag, 21. Februar 2015

Angebot angenommen

Als ich an diesem Tag das Haus meines Herrn verließ, der leider bereits zu einer erneuten Spät- und Nachtwache hatte aufbrechen müssen, kam ich nur bis vor die Brauerei. Der Schmied war anscheinend gerade dabei, an der Brauereikajira die Ketten eines Sirik anzupassen. Doch davon bekam ich nicht mehr allzu viel mit, zumal ich bei meinem Gruß wie immer auf die Knie gesunken war und damit leider hinter der Mauer vor der Brauerei verschwand. Allerdings war es vor der Brauerei auch nicht uninteressant, da dem jungen Herrn aus grüner Kaste anscheinend auf einem seiner unfreiwilligen Spaziergänge eine Kajira zugelaufen war. 


Naja so ganz klar war ihr Status wohl nicht… gedächtnislos, ohne Branding, ohne Collar und offensichtlich nicht ausgebildet konnte sie durchaus auch eine Freie sein. Wobei sie ständig ihre Hände über dem Kopf kreuzte, sodass es wirklich so aussah, als würde sie für ihre Unterwerfung üben. Es war übrigens ein schönes Gefühl, als der nette Schmied sich schließlich neben mich stellte und mir durch die Haare wuselte. Lustigerweise war dem Grünen ziemlich unbehaglich bei dem Gedanken und wohl auch nicht so ganz klar gewesen, nun der neue Besitzer dieses Mädchens zu sein, sofern sich nicht in den nächsten fünf Tagen der eigentliche Besitzer meldet. Doch mit ein wenig gemeinschaftlichem Nachhilfeunterricht durch die Anwesenden konnte dies schnell nachgeholt werden.


Die Sklavin bekam jedenfalls erst einmal Stahl um den Hals, nachdem der sonst meist sehr wortkarge Händler ein paar klare Worte gefunden, der freundliche Schmied ein Einsehen mit dem anscheinend nicht allzu gut gefüllten Geldbeutel des Grünen gehabt und sich mit ihm über den Preis für einen schlichten Kragen geeinigt hatte… wie gut, dass die Schmiedewerkstatt gleich nebenan ist. Merkwürdig fand ich nur, dass der Medicus seinem Mädchen ihren Halsschmuck nicht selbst umlegte, sondern dies von dem Schmied erledigen ließ. Naja egal, vielleicht sind grüne Finger für sowas auch nicht geeignet? Danach war es für den Medicus offenbar sehr wichtig herauszubekommen, ob das Mädchen vielleicht sogar lesen kann. Allerdings entschied er sich dagegen, ihr erneut auf den Kopf zu hauen, da dieser wohl bereits von einer Beule geziert wurde.

Bei den Überlegungen, wie man das Lesevermögen der Zugelaufenen testen kann, stellte sich nun heraus, dass der Grüne vor lauter Orientierungslosigkeit beim Suchen nach irgendwelchen Wegen noch nie das große Anschlagbrett an der Seitenwand der Brauerei bemerkt hatte. Da ein Grünkastiger logischerweise aber nicht ständig Schriftrollen bei sich trägt, schlug der pfiffige Schmied nun vor, die Kajira sich dort an einem der Aushänge versuchen zu lassen. Damit der Herr statt einmal nach links abzubiegen, jedoch nicht schon wieder das andere Links nahm und sonstwo landete, kam mir die Aufgabe zu, ihn schnell um die Hausecke der Brauerei zu führen. Allerdings befahl mir der Schmied, danach dann zu seiner Werkstatt zurückzukommen.


Für den letzten Befehl war ich dem Handwerker total dankbar, denn kaum hatte ich meinen Auftrag erfüllt, kam von dem Grünen auch schon: „Sag mal Dina, du hast grade doch sicher nichts zu tun oder?“. Ich hätte den Schmied wirklich knuddeln können, denn er hatte mich tatsächlich vor möglicherweise unangenehmen Aufträgen bewahrt und vielleicht auch vor angespitzten grünen Fingernägeln. Wobei ich mir nach dem Hinweis "Wenn das jetzt ein laufender Witz werden sollte, befürchte ich, dass ich den Sklaven hier etwas wieder abgewöhnen muss." in Zukunft Anspielungen auf die Orientierungslosigkeit des Herrn verkneifen werde und keinen Piep mehr darüber verlauten lasse, ob es egal ist, den Brunnen Richtung Gasthaus links oder rechts herum zu umrunden. 

Wie gut, dass der tolle Schmied an diesem Abend das vor kurzem von meinem Herrn ausgesprochene Angebot endlich annahm und mich besonders lange brauchte. Danach war der Grüne nämlich längst schlafen gegangen oder zumindest auf der Suche nach seinen Fellen irgendwohin verschwunden… andernfalls wäre ich wohl nicht drum herumgekommen, noch mal wie von ihm gewünscht im Gasthaus vorbei zu schauen. ;-)

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